In einem Entschuldigungsschreiben hat sich Tim Cook für Apple bei chinesischen Verbrauchern entschuldigt. Es sieht aber so aus, als wären die Kunden in China mit Apples Service gar nicht so unzufrieden gewesen, sondern das Thema im Rahmen einer Kampagne der Staatsführung künstlich hochgekocht worden.

Die gesteuerte Kampagne gegen Apple in China

Dass es in China mit der freien Presse nicht ganz so gut aussieht dürfte allgemein bekannt sein, wie die Staatsführung diese Tatsache für sich nutzt sieht man nun auch im Fall Apple. Es mag zwar auf den ersten Blick nicht ganz so schlimm erscheinen, wenn die Machthaber in China die gesteuerte Presse des Landes nutzen, um Unternehmen – und gerade Apple – zu zwingen verbraucherfreundlicher zu werden. Problematisch bleibt es trotzdem, zumindest wenn man unser Verständnis von freier und unabhängiger Presse als Maßstab nimmt.

Denn parallel zur Kampagne in den Staatsmedien konnte auf der in China populärsten Microbloggingplattform Weibo ein Shitstorm gegen Apple beobachtet werden. Wie es scheint war aber dieser zumindest geplant angestossen worden. Verschiedene Prominente beklagten sich in Kurznachrichten auf Weibo über Apple. Auch der Schauspieler Peter Ho, dessen Nachricht wie sehr er sich als Apple-Fan getroffen fühle ohne Zusammenhang mit den Worten „um etwa 8:20 Uhr posten“ endete. Sieht so aus, als hätte er vergessen die Regieanweisung zu seiner Nachricht komplett zu löschen. Neben dem Shitstorm gegen Apple wurde darauf hin auch von Oppositionellen fleissig gegen Zensur und gesteuerte Staatsmedien gepostet – unter dem Tag „8:20h posten“.

In einer Online-Umfrage wollte das chinesische Magazin Caijing wissen, welches Unternehmen in China den schlechtesten Kundenservice bieten würde. Auf den vorderen Plätzen landeten vor allem Staatsbetriebe wie Banken, Telekommunikations- und Energieunternehmen, aber nicht Apple.

Natürlich hat sich Apple trotzdem entschuldigt – China ist ein viel zu wichtiger Markt, um sich dort mit der Staatsführung anzulegen, bald dürfte China die USA als wichtigsten Absatzmarkt für Apple abgelöst haben. In so einer Situation gibt man als Unternehmen lieber dem Druck der politischen Führung nach, als einen Milliarden-Umsatz auf’s Spiel zu setzen. Aus wirtschaftlicher Sicht so nachvollziehbar, wie die Produktion in China – schließlich muss in unserem Wirtschaftssystem ein Unternehmen Gewinn machen. Dazu müssen die eigenen Produkte verkauft werden und wer heute noch weiter wachsen will, der kann es sich nicht leisten den größten Absatzmarkt der Welt zu ignorieren.

Politisch kann man das natürlich ganz anders sehen: Sind Umsatz und Gewinn wirklich wichtiger als das Leben und die Lebensbedingungen von Menschen, wichtiger als Demokratie und Freiheit? Und auch auf die Gefahr hin, jetzt als Moralapostel und Gutmensch beschimpft zu werden: Das ist eine Frage, die wir uns selbst bei unseren Einkäufen genau so stellen müssen, wie wir es von Unternehmen erwarten – ob es nun um die Arbeitsbedingungen im Ausland oder vor unserer eigenen Haustür geht – auch wenn unsere Macht als Konsumenten im Vergleich zum Potential des chinesischen Marktes immer kleiner wird.

Apple hat sich jetzt für’s Erste aus der Schusslinie entschuldigt, offen bleibt nur die Frage, welche Unternehmen die nächsten Zielscheiben für die Staatspropaganda in China werden.

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  • jehaa

    die fragen am ende muss jeder in der tat für sich selbst beantworten. mir stellt sich aber nach wie vor die frage, warum die staatsführung solch eine aktion durchgeführt hat?

    • st0815

      Vermutlich schlicht weil ihnen die unterschiedliche Behandlung des eigenen Marktes nicht gefällt. Und so kann man halt zeigen wie man sich für den “kleinen Mann” einsetzt und sich gegen westliche Industriegiganten durchsetzen kann.

  • Quiltifant

    Ich denke auch, dass die Chinesen lieber der westlichen Presse nacheifern sollten. Also permanente Werbung für Apple machen und jedes mal, wenn Tim Cook pupst, einen Live-Ticker schalten. Dass sich die Staatsmedien in China _für_ den Verbraucher einsetzen, ist jedenfalls durch nichts zu rechtfertigen.

    • http://www.facebook.com/dobschat Carsten Dobschat

      Ich sehe in der „westlichen Presse“ keine permanente Werbung für Apple, aber zumindest sehe ich eine Presse die zumindest nicht von der Regierung vorgeschrieben bekommt, was sie wann zu schreiben hat… Aber wer braucht schon eine freie Presse, so lange es gegen Apple geht…

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