Wieso derzeit Whatsapp Alternativen in den Tech-Medien so groß im Gespräch sind, muss ich nicht erklären, oder? Überall lesen wir davon, dass beim beliebten SMS-Ersatz nun doch endlich Bares fällig wird für die Android-Nutzer. Viele Nutzer – auch ich – haben eine Nachricht von Whatsapp bekommen, dass der in den Geschäftsbedingungen eingeforderte Betrag von 99 US-Cent pro Jahr nun bald fällig wäre.
Ich habe diese Nachricht leichtfertig weggeklickt, ein Blick in die Einstellungen verrät mir aber, dass mein Account dort ab dem 31. Januar 2013 kostenpflichtig wird. Ehrlich gesagt zerbreche ich mir auch meinen Kopf deswegen nicht – wenn ich einen Dienst, den ich täglich vielfach nutze, mit etwa 80 Cent pro Jahr (!) honorieren soll, dann gehört das nun mal nicht zu den Dingen, die mich besonders beschäftigen sollten.
Entscheidender könnten da schon andere Meldungen sein, die wir über Whatsapp zuletzt lesen mussten. Da war von groben Sicherheitsproblemen die Rede – würde ich also nach einer Alternative zu Whatsapp suchen, wäre das eher mein Aufhänger. Nicht zuletzt wichtig vor so einem Wechsel: wie viele Nutzer – also wie viele meiner relevanten Kontakte – nutzen den jeweiligen Service? Für mich persönlich die größte zu nehmende Hürde.
Wir haben uns mal auf dem Markt umgeschaut und ein paar Alternatven unter die Lupe genommen. Dabei finden sich ziemlich ähnliche Services in unseren Top Ten wieder, aber auch Chat-Dienste, die oftmals den gleichen Kern – das Senden von Nachrichten über das Netz – haben und somit ebenso gut als SMS-Ersatz taugen. Wie immer in unseren Listen ist die Reihenfolge der aufgezählten Dienste rein zufällig und ohne Wertung.
Darüber hinaus haben wir nicht nur einfach 10 Dienste zusammengestellt, die wir bedingungslos empfehlen, sondern auch die genannt, bei denen sich der ein oder andere Haken findet. Diese Alternativen werden derzeit nämlich ebenso viel als Empfehlung genannt und da ist es unserer Meinung nach fair, auf die Nachteile hinzuweisen.
1. Line:
Line ist das große Ding in Asien derzeit: Der Service kommt aus Japan und hat derzeit schon über 76 Millionen Nutzer weltweit – diese aber hauptsächlich eben in Asien (und erstaunlicherweise in der Schweiz). Naver bietet uns hier sogar mehr als Whatsapp selbst, denn übers Internet könnt ihr auch Voice Calls durchführen. Dabei müsst ihr natürlich berücksichtigen, welchen Vertrag ihr bei eurem Mobilfunk-Dienstleister habt, damit ihr nicht in die Kostenfalle tappt. Letzteres gilt natürlich für alle Dienste, bei denen ihr via Internet telefoniert oder Videochats nutzt, daher werde ich es nicht jedes Mal wieder neu erwähnen!
Wie ihr im Clip seht, könnt ihr natürlich nicht nur darüber sprechen, sondern auch Nachrichten – auch an Gruppen – schicken. Aktuell könnt ihr Line über das Web und als App für Android, iOS, Windows Phone und BlackBerry nutzen. Der Umfang der Anwendungen variiert aber von Version zu Version – so gibt es die Voice calls beispielsweise nur für iOS und Android. Verschiedene Erweiterungen lassen euch beispielsweise Fotos mit Stickern versehen oder Grußkarten versenden. Durch die Kamera-Erweiterung will man hier also nicht nur Anbietern wie Whatsapp, sondern auch Foto-Services wie Instagram das Wasser abgraben. Naver sieht sich hier so gut aufgestellt, dass man über kurz oder lang sogar im mobilen Bereich eine ernsthafte Gefahr für Social Networks wie Facebook werden könnte.
2. ChatON:
ChatON ist der Whatsapp-Konkurrent aus dem Hause Samsung. Er bietet ziemlich genau die gleiche Funktionalität, sieht dabei allerdings wesentlich schöner aus. Obwohl Samsung diesen Service anbietet, ist er nicht nur Samsung-Devices vorbehalten. Versionen gibt es für die eigene Bada-Plattform, Android, iOS, BlackBerry und Windows Phone – zudem könnt ihr auch hier Nachrichten über das Web-Interface nutzen. ChatON ist allein vom Design schon sehr viel liebevoller gemacht als Whatsapp und allein deswegen schon einen Blick wert, zusätzlich könnt ihr zudem auch animierte Grafiken verschicken. Derzeitiges Manko: zu wenig Nutzer! Damit steht und fällt so ein Service natürlich, aber das könnte sich dadurch zukünftig zum Positiven verändern, dass Samsung seinen SMS-Ersatz vorab auf seinen Geräten installiert. ChatON ist kostenlos und unbedingt einen Blick wert!
3. Joyn:
Dieser Kandidat wurde zusammen von der Deutschen Telekom, Vodafone und O2 aus der Taufe gehoben, soll ebenfalls Whatsapp in den Hintern treten uns ist bislang nur für Vodafone-Kunden im Einsatz, die Telekom soll im Dezember folgen. Wie bei allen anderen Services auch, könnt ihr hier Texte ebenso versenden wie Bilder, Videos oder Audio-Dateien.
Als Alleinstellungsmerkmal nennt man die Smart Calls – ihr könnt einen normalen Anruf auf dieses Feature umstellen und dann auch dort beispielsweise Video-Dateien versenden. Wie eifrig das genutzt wird, bleibt mal abzuwarten. Im Gegensatz zu den anderen Mitbewerbern ist dieser Service nicht kostenlos. Wer keine SMS- bzw Datenflat hat, wird hier schön zur Kasse gebeten. Bei der Telekom zahlt ihr beispielsweise 29 Cent pro Joyn-Gesprächsminute, 58 Cent pro Minute im Video-Chat, 19 Cent pro Nachricht sowie 39 Cent pro versendeter Datei. Der Mehrwert erschließt sich zumindest für mich derzeit allein schon deswegen nicht angesichts der kostenfreien Konkurrenz. Viele Smartphone-Hersteller haben aber bereits zugestimmt, dass sich Joyn vorab auf deren Geräten befinden wird und somit wollte ich es hier der Vollständigkeit halber erwähnt haben.
4. Skype:
Über Skype braucht man vermutlich nicht viele Worte verlieren, oder? Den Service, der mittlerweile zu Microsoft gehört, kennen die meisten von euch schon lange und er wird auch sehr eifrig genutzt. Wenn es also wieder darum geht, wie viele meiner Kontakte ich über mein Smartphone erreichen kann, dann bin ich bei Skype natürlich bestens bedient. Während ihr für Anrufe ins mobile- oder Festnetz zur Kasse gebeten werdet, ist das Schreiben von Nachrichten natürlich kostenlos, ebenso kostenlos sind Voice Calls und die Video-Telefonie. Bei Telefongesprächen im Mobilfunk-Netz oder Festnetz werdet ihr mit 0.9 Cent pro Minute zur Kasse gebeten. Darüber hinaus könnt ihr ebenfalls kostenpflichtig auch SMS via Skype verschicken. Skype gibt es für nahezu jedes System, sogar in angepassten Versionen für iPad und Android-Tablets und sogar noch für den Smartphone-Dinosaurier Symbian. Selbstverständlich könnt ihr auch hier Daten versenden und Gruppen-Chats starten.
5. Facebook Messenger
Auch der Facebook Messenger ist eigentlich nicht in erster Linie Whatsapp-Konkurrent, ich merke aber zunehmend mehr, wie er sich in meinen Smartphone-Alltag einschleicht. Der Messenger des größten Netzwerkes der Welt verfügt eben über das, was hier so entscheidend ist: haufenweise Kontakte! Auch hier werden von Android über iOS bis BlackBerry und Windows Phone alle wichtigen Betriebssysteme unterstützt und mittlerweile läuft der Messenger auch richtig rund. Auch hier könnt ihr nicht nur chatten, sondern auch Dateien hin und her schicken und allein schon durch dieses gewaltige Potenzial von einer Milliarde Nutzern auf Facebook ist dieses kostenlose Chat-Tool nicht nur der größte Konkurrent von Whatsapp, sondern auch der klassischen SMS.
6. Viber:
Viber habe ich vor geraumer Zeit mal ausprobiert, als Whatsapp anfing, sehr unzuverlässig und verzögert Nachrichten zu versenden. Auch hier ist der Funktionsumfang wieder ähnlich, es ist kostenlos, bietet uns aber auch hier die Möglichkeit, kostenlos Gespräche via Internet zu führen. Über 50 Millionen Nutzer hat dieser Service, ist also unter den Whatsapp-Alternativen durchaus einer, der weiter verbreitet ist. Normalerweise würde ich euch diesen Dienst auch durchaus als Alternative ans Herz legen, aber in letzter Zeit häufen sich die Meldungen, dass Viber durchaus gierig ist, was eure Daten angeht! All eure Daten liegen auf den Viber-Servern und somit auch Kontakt-Daten von Personen, die Viber selbst gar nicht nutzen. Solange sich diese Struktur beim Unternehmen nicht ändert, möchte ich euch sicherheitshalber davon abraten, Viber zu nutzen – von meinem Smartphone ist es auch wieder runter geflogen.
7. Google Talk
Ähnlich wie bei dem Facebook Messenger und Skype kein reiner Whatsapp-Konkurrent und ähnlich wie bei den beiden genannten handelt es sich auch um einen Service, den man vermutlich niemandem mehr explizit erklären muss. Grundsätzlich ein reines Chat-Tool von Google, könnt ihr es dank Plugin zum kostenlosen Video-Chat aufbohren. Wie zu erwarten ist es natürlich bestens in Google+ integriert, auch hier gibt es also wieder den Vorteil einer breiten Nutzer-Schicht. Folgende Features nennt uns Google:
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Text-Chat
- Instant Messages: Ihre Gedanken und Ideen in Echtzeit mitteilen
- Statusupdates: Sehen, ob Freunde online sind und was sie gerade machen
- Dateiübertragung: Dateien, Bilder und mehr sofort senden und empfangen
Voice-Chat
- Kostenlose Ferngespräche: Anrufe von PC zu PC überall auf der Welt
- Audio-Konferenzen: Mit mehreren Personen gleichzeitig sprechen
- Gmail-Integration: Mit Freunden auf Google Mail chatten
Wer sowieso auf Google vertraut und bei Google+ aktiv ist bzw einen Gmail-Account verwendet, kann Google Talk als ernsthafte Alternative durchaus in Erwägung ziehen.
8. KakaoTalk:
Mit KakaoTalk haben wir hier einen Dienst, durch den ich erst durch meine Recherchen zu den Whatsapp-Alternativen gestoßen bin. Das ist einigermaßen erstaunlich, denn nach eigenen Angaben verfügt auch KakaoTalk über mehr als 50 Millionen Nutzer. Die kommen allerdings zu einem überwiegenden Teil aus dem Heimatland des Services: Südkorea! Daher könnte es euch in heimischen Gefilden vielleicht schwer fallen, eure passenden Chat-Partner dort vorzufinden bzw sie zu einem Wechsel dorthin überreden zu können. Auch hier wird von iOS und Android über Windows Phone und BlackBerry bis zu Bada die ganze OS-Palette abgedeckt. Während der Funktionsumfang natürlich dem der Konkurrenten ähnelt, könnt ihr zusätzlich nun auch noch das Plus Friend-Feature nutzen. Hierbei könnt ihr eure Lieblings-Band oder eure Lieblingsmarke als Kontakt hinzufügen und bekommt von diesen dann irgendwelche exklusiven Inhalte über den Messenger zugeschickt. Dieses Video erklärt die Funktion:
Mit Plus Friends will man also neben dem Versenden von Nachrichten, Dateien, unbegrenzter Gruppen-Chat und Emoticons zusätzlich punkten und ein Alleinstellungsmerkmal schaffen. Wie gut das in Europa klappt, vermag ich nicht zu beurteilen, aber einen Blick auf KakaoTalk könnt ihr definitiv mal werfen. Ganz interessant zudem noch: ihr könnt über die KakaoTalk-ID nach Kontakten suchen, seid hier also nicht auf die Smartphone-Nummer des jeweils anderen angewiesen!
9. Hike:
Das indische Projekt Hike ist gerade mal ein halbes Jahr alt und versucht mit einigen frischen Ideen, Whatsapp den Garaus zu machen.
Lesenswert: Hike, das bessere Whatsapp
Auch hier haben wir wieder die großen Vier – Android, iOS, Windows Phone und BlackBerry – die unterstützt werden. Die ersten drei sind bereits verfügbar, BlackBerry ist noch in Arbeit. In Deutschland ist der Dienst ganz frisch an den Start gegangen, ich empfehle euch bei Interesse unbedingt den oben verlinkten Artikel zu lesen, der Hike sehr ausführlich erklärt. Spannend bei Hike: es setzt bei der Verschlüsselung auf SSL und verwendet nicht die IMEI des Smartphones – mit ein Grund, wieso Whatsapp zuletzt so negativ in die Schlagzeilen geraten konnte. Ansonsten tut ihr natürlich exakt das, was ihr bei allen anderen Diensten auch tut: Nachrichten und Dateien senden, mit Gruppen chatten, etc. Zusätzlich können Hike-Kunden in Indien auch kostenlos SMS an Nicht-Hike-Nutzer schicken. 100 SMS stehen euch hierzu zur Verfügung. Das dürfte zumindest dort dafür sorgen, dass Hike sich rasant verbreiten könnte. Ob man diese Gratis-SMS auch in anderen Ländern anbieten kann, ist derzeit nicht abzusehen – einen Blick wert ist Hike aber allemal!
10. Trillian
Trillian ist ja ein reiner Chat-Dinosaurier. Schon seit vielen Jahren wird er weltweit eifrig genutzt als Multimessenger, der allerlei Chat-Plattformen unter einem Dach vereint. Egal, ob AIM, Google Talk, Facebook, ICQ, XMPP,Windows Live Messenger, Yahoo! Messenger, Skype oder IRC – Trillian beherrscht sie alle, ihr könnt eure jeweiligen Accounts also alle via Trillian nutzen. Klar auch, dass es nicht nur via Mac, Windows oder per Web-Interface genutzt werden kann, sondern für Android, iOS und BlackBerry auch als mobile Anwendung bereitsteht. Hier sollte also keine Kontakt-Armut in eurem Smartphone aufkommen, da ihr so viele Plattformen zur Verfügung habt, auf denen auch irgendwo eure Leute rumlungern werden. Zusätzlich könnt ihr über diesen kostenlosen Dienst auch Status-Meldungen rausschicken – bei Bedarf auch an Twitter, Facebook, Foursquare und LinkedIn gleichzeitig. Somit spielt dieser alteingesessene Dienst hier in unseren Top Ten eine Sonderrolle und schließt unsere Übersicht also sowas wie das Schweizer Messer unter den Whatsapp-Alternativen ab.
Wie immer bei unseren Toplisten sind wir natürlich auch hier wieder gespannt, mit welchem Tool ihr eure Erfahrungen gemacht habt und freuen uns über weitere Anregungen und Tipps. Bis auf wenige genannte Ausnahmen, die ich euch nicht gerade ans Herz legen möchte, habt ihr hier jedenfalls eine ganze Sammlung an Alternativen, die allesamt die Features mitbringen, die der derzeitige Platzhirsch zu bieten hat – mitunter sogar mehr. Gerade in diesem Bereich kann schon morgen wieder ein ganz anderer Dienst erblühen und sich an die Spitze setzen und wir werden es natürlich weiter gespannt verfolgen.
Update:
Dank eures Feedbacks ergänze ich hier einfach mal noch ein wenig ^^
11. mySMS:
mySMS wurde uns als Erstes zusätzlich ans Herz gelegt. Das Startup kommt aus Österreich und wie der Name verrät, geht es nicht nur um das Verschicken von kostenlosen Nachrichten über das Internet, sondern auch um das Versenden der klassischen SMS. Nutzt man die mySMS-Gateways, werden hier 8 Cent pro Nachricht fällig, aber darauf soll hier nicht unser Hauptaugenmerk liegen. Entscheidender ist, dass ich meine Nachricht kostenlos versenden kann, wenn mein Gegenüber ebenfalls mySMS installiert hat. Neben Android, iOS und Windows Phone gibt es auch hier wieder die Möglichkeit, aus dem Web zu agieren und das beste daran: egal, von wo aus ihr euch einloggt – die Nachrichten werden synchron gehalten. Befinde ich mich gerade mit meinem Smartphone in der Küche und bekomme im Wohnzimmer eine mySMS-Nachricht aufs Ultrabook geschickt, finde ich sie auch unmittelbar auf meinem Smartphone vor.
12. WeChat:
WeChat kommt aus Shenzhen, China und soll schon unglaubliche 200 Millionen Nutzer haben – in meinem Bekanntenkreis nutzt es aber wohl noch niemand und selbst 200 Millionen bringen mir nichts, wenn es alles Chinesen sind ^^
Auch hier gibt es wieder Unterstützung für Android und iOS, zusätzlich Windows Phone und sogar Symbian. Ihr macht hier ebenfalls wieder den üblichen Kram: Nachrichten verschicken, mit schönen Smileys garnieren oder auch Fotos oder Videos versenden. Voice- und Video-Chat gibt es auch, zudem gibt es ein nettest Hold-to-talk-Feature: Ihr haltet den Button gedrückt, um euren Text aufzusagen und sobald ihr den Button loslasst, wird die Sprachmeldung verschickt.
WeChat wirbt damit, dass es komplett werbefrei ist und dass eure Nachrichtenarchive lokal liegen, also jederzeit auch offline einsehbar sind. Eine weitere kostenlose Alternative zu Whatsapp, die ich mir ebenfalls in den nächsten Tagen näher anschauen werde.
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