Die offizielle Bestätigung der Telekom zur Erhöhung ihrer zukünftigen DSL-Drosselung von ursprünglich angekündigten 384kbit/s auf 2MBit/s liegt noch nicht vor, da kritisiert der Verein Digitale Gesellschaft diesen Schritt schon als Ablenkungsmanöver und minimales Zugeständnis aufgrund massiver Kundenproteste. Da man davon ausgehen kann, dass eine solche Pressemitteilung nicht rein auf Verdacht hin geschrieben wird, ist die Bestätigung der geänderten Drossel durch die Telekom wohl nur noch als reine Formsache zu betrachten.

Digitale Gesellschaft kritisiert „Ablenkungsmanöver“ der Telekom

Der Verein sieht in der Erhöhung der gedrosselten Bandbreite ein rein taktisches Zugeständnis und auch bei einer Bandbreite von 2MBit/s Familien und Wohngemeinschaften benachteiligt. Markus Beckedahl aus dem Vorstand des Digitale Gesellschaft e.V. wird in der Pressemitteilung zitiert:

Die ursprünglich angekündigten 384 KBit/s sind im Jahr 2016 mit einer Sperre gleichzusetzen. Mit 2 MBit/s wird man 2016 aber auch nicht mehr als e-Mails lesen können. Videos, größere Downloads, die Synchronisierung von Daten in der Cloud, Livestreams und Spiele sind dann nicht mehr möglich […] Wenn mehr als eine Person im Haushalt Video schaut, ist das Internet für die anderen nicht mehr benutzbar. Familien und Wohngemeinschaften werden gegenüber Singles benachteiligt.

Unabhängig davon ändert auch diese Erhöhung der gedrosselten Bandbreite nichts an der Problematik der Netzneutralität, schließlich geht es hierbei nicht um die Drosselung als solches oder die Bandbreite auf die ein Anschluss runtergefahren wird, sondern um die Frage, welcher Traffic von bzw. zu welchen Anbietern im Netz gezählt wird und welche Möglichkeiten es für Anbieter gibt, sich gegen Gebühr von der Zählung freizukaufen. Solche „Taschenspielertricks“ mit „Managed Services“ seien schädlich für den freien Wettbewerb und innovationsfeindlich.

Folgerichtig hält der Verein an der Forderung einer gesetzlichen Festschreibung der Netzneutralität fest und fordert die Bundesregierung, vor allem Wirtschaftsminister Philip Rösler auf, endlich den „vielen Sonntagsreden“ Taten folgen zu lassen:

Die Bundesregierung erzählt in vielen Sonntagsreden, dass die Netzneutralität wichtig und ein Zweiklassennetz zu verhindern sei, schon im Koalitionsvertrag steht das. Jetzt ist die Zeit zu handeln und die notwendigen gesetzlichen Rahmenbedingungen für ein echtes Netz zu schaffen. Nur eine gesetzliche Festschreibung der Netzneutralität und ein klarer Auftrag an die Bundesnetzagentur, diese auch gegenüber der Deutschen Telekom durchzusetzen kann das Versagen dieses Marktes zu Lasten der Verbraucher verhindern

Die Gefahr besteht jetzt natürlich, dass die Proteste gegen die Drosselkom-Pläne nach der Ankündigung einer entschärften 2MBit/s-Drossel nachlassen werden und damit auch der Schwung, den die Debatte um die Netzneutralität in Deutschland bekommen hat. Es wird sich zeigen, ob sich die Internetnutzer in Deutschland so leicht ablenken und befrieden lassen, wie man es sich offensichtlich bei der Telekom erhofft.

Bis zum 18.06. kann noch die Petition an den Deutschen Bundestag mitgezeichnet werden, die eine gesetzliche Festschreibung der Netzneutralität fordert.

Disclosure: Wir sind beim Thema Netzneutralität nicht neutral und Sascha ist auch in der Kampagne des Digitale Gesellschaft e.V. zu sehen.

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10 Gedanken zu “Digitale Gesellschaft kritisiert „Ablenkungsmanöver“ der Telekom

  1. Stand jetzt, könnte ich mit einer solchen Drossel leben. Die Frage ist halt immer wie sie dimensioniert.

    Wenn ich in einem normalen Monat bei etwa 70% des “erlaubten” Traffics bleibe und nur am Ende von AusnahmeMonaten mit 2 MBit klar kommen muss, könnte ich damit leben.

    Das man überhaupt daran denken muss ist aber ohne Wenn und Aber ein Rückschritt

  2. Schön eine erhöhung der Drosselgeschwindigkeit, für mich aber dann nichts wo sich ändert.

    Als einer der letzten hier im Ort habe ich das Glück DSL2000 verwenden zu können, denn hier ist ja DSL-Light 384 der Standard.
    Es wundert mich also persönlich nicht das hier absolut keiner an dem Thema Interesse zeigt, wenn man eh schon immer von der Drossel betroffen ist.

    Ich finde es daher echt kindisch das man jetzt nur wegen der Drossel so abgeht, aber was den seid Jahren nicht fortschreitenden Netzausbau (wir befinden uns ja beim Rückbau) angeht, das interessiert jetzt auf einmal niemanden mehr!

      • Du scheinst aber auch nicht zu merken das mit oder ohne Netzneutralität dieser “Krieg” hier völlig falsch Dimensioniert ist.

        Manchmal glaube ich das DTAG das ganze hier nur macht um von anderen Problemen abzulenken.

        Netzneutralität schön und gut, aber was bringt uns die wenn andere dennoch benachteiligt werden wegen schlechten bis gar keine Anbindung?

        • Was bringt der Ausbau in den bislang unterversorgten Gebieten ohne Netzneutralität? Das eine bringt ohne das andere nichts. Oder glaubst Du wirklich den Geschichten von der Telekom, sie würden jetzt dann aber wirklich ausbauen, wenn sie nur endlich das böse, unübersichtliche Internet in „Managed Services“ und „irgendein Internetzeug“ unterteilen dürften?

  3. Die sollen unabhängig davon auch mal ADSL auf synchronDSL umstellen. Wenn man wirklich die Cloud nutzen soll, was bringt dann 16 Mbit/s down und 1 MBit/s up? Wobei von den 16 down nur 11 ankommen und bei den 1Mbit sogar nur 0,7Mbit.

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