Einen Haufen Ironie findet man an der Nominierung von Edward Snowden für den „Sacharow-Preis für geistige Freiheit“ durch die Fraktionen der Grünen und der Vereinigten Linken im Europäischen Parlament.

Edward Snowden für EU-Menschenrechtspreis nominiert

Sollte er den mit 50.000€ dotierten Preis erhalten, dann müsste sich die EU schon die Frage gefallen lassen, wo sie denn nun eigentlich stehen, denn Asyl wollte Edward Snowden kein EU-Land gewähren. Natürlich wurde die Frage des Asyls auf anderen Ebenen entschieden als die Vergabe des Preises, das stimmt natürlich – aber so ein bisschen doof sähe das dann doch aus: Asyl bekommt er keines in Europa, aber 50.000€ und eine Urkunde.

Die Begründung für die Nominierung ist klar: Er hat Details zur Massenüberwachung durch die NSA an die Presse weitergegeben. Damit hat er zumindest mal öffentlich gemacht, wie Geheimdienste weltweit tagtäglich Grund- und Menschenrechte ignorieren und verletzten (und bevor wieder einer dazwischen ruft: Ja, viele haben das schon immer gesagt und ja, man hätte es sich ja auch denken können und nein, man muss über die Enthüllungen nicht überrascht sein).

Ebenfalls nicht frei von Ironie ist die Tatsache, dass der Preis nach dem sowjetischen Physiker Andrei Sacharow benannt ist, der 1975 den Friedensnobelpreis erhielt für seine Leistungen für die Menschenrechte und in der UdSSR als Staatsfeind galt und jahrelang unter Hausarrest stand. Nachfolger der UdSSR ist Russland und genau dort hat Edward Snowden Asyl erhalten – zumindest temporär. Ein weiterer Nominierter – Michail Chodorkowski – sitzt übrigens zur Zeit in Russland im Gefängnis:

Neben Snowden sind außerdem die 16-jährige pakistanische Kinderrechtsaktivistin Malala Yousafzai und die äthiopischen Journalisten Reeyot Alemu und Eskinder Nega nominiert. Daneben finden sich auf der Auswahlliste stellvertretend für alle politischen Häftlinge in Weißrussland Ales Bialatski, Eduard Lobau und Mykola Statkevich aber auch Michail Chodorkowski, der in Russland inhaftiert ist. Nominiert sind noch die Demonstranten, die sich dem “stehenden Mann” (“Standing Man”) Erdem Gündüz in Istanbul anschlossen und die Kampagne “CNN Freedom Project: Ending Modern-Day Slavery” gegen moderne Sklaverei.

Am 30.09. werden aus den Nominierten drei Kandidaten ausgewählt, aus denen dann  am 10. Oktober einer oder eine den Preis erhält. Sollte Edward Snowden am Ende als Preisträger aus dem Auswahlverfahren hervor gehen, dürfen wir schon mal mit der einen oder anderen diplomatischen Unpässlichkeit im Verhältnis der USA mit der EU rechnen. Eine ganz andere Frage ist dann natürlich, ob er im Vergleich zu den anderen Nominierten wirklich den Preis verdient hat, dazu kann man unterschiedlicher Meinung sein und am Ende wird hoffentlich auch nur diese Frage für die Preisvergabe zählen und keine Angst vor bösen Worten auf diplomatischer Ebene.

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  • two

    Er hat aber so was von meine Stimme.

  • Johannes Mertens

    Die Nominierung hat er verdient, ob es für den Preist keinen anderen Kandidaten gibt der ihn noch mehr verdient wird man sehen. finde es auf jeden fall richtig das er nominiert wurde.

  • Co0n

    Soooooo not gonna happen.
    Diplomatisch wäre das ne Kampfansage an die USA, und das macht die EU einfach nicht.

  • lokalkey

    “denn Asyl wollte Edward Snowden kein EU-Land gewähren” – in welchem EU-Land hätten die Grünen oder die Linken über einen Asyl-Antrag entscheiden können?

    • Mater Hook

      Dieses verlogene EU-Parasiten-Pack ist einfach nur noch peinlich!

  • Rudolf

    Wo habt ihr dieses Bild von ihm her? Kommt mir so vor als wäre er darauf total fertig. Entweder achte ich bei anderen nicht so genau darauf oder er sieht hier wirklich schlimm aus.

  • Ozra Feder

    Laut den neuesten Gerüchten um Snowden soll der Geheimdienst sogar das Oktoberfest belauschen. In unbestätigten Quellen heißt es,
    Die Wiesn sind O`Zapft!!
    Ein Skandal
    Link:
    http://www.spreadshirt.de/wiesn+2013+o+zapft+t-shirts#/detail/25705972

  • LinusX

    Die “Standing Men” mit dem Preis zu ehren, wäre diplomatisch ja auch nicht ganz unbedenklich. Aber die EU-Mitgliedschaft hat sich Erdogan wohl sowieso schon länger abgeschminkt…
    Gruß,
    Linus X.

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