Wie die Überschrift schon sagt möchte ich mich heute mit der Zukunft von Android beschäftigen. Nein, nicht mit neuen Versionen oder Hardware, wie man sie für nächste Woche erwartet. Mir geht es um die Situation, in der Google momentan steckt und welche allgemeinen Probleme in der Zukunft gelöst werden müssen. Ich hatte das Thema bereits in einigen früheren Artikel angesprochen und werde es in nächster Zeit weiter vertiefen. Jetzt aber genug geschwafelt.

Experience, Experience, Experience – die Zukunft von Google und Android

Als Basis könnte man dieses Mal einen Artikel von Charlie Kindel ansehen, der sich vor ein paar Monaten mit der Thematik beschäftigt hat, wie Google in Zukunft vorgehen wird. Er ist der Meinung das man die Marke “Android” mehr sich selbst überlassen will und sich eher auf die neu geschaffene “Google Play” Experience konzentrieren wird, die ein allumfassendes Ökosystem werden soll. Aus deutscher Sicht ist das noch ein langer Weg, in den USA sieht es aber anders aus: es gibt Musik, Filme, Bücher und sogar Hardware bei Google, empfohlen sei an dieser Stelle ein Vergleich bei “The Verge”. Es gibt zwar kleine Anhaltspunkte das sich das in Zukunft ändern könnte, aber etwas Handfestes ist das nicht. Möglicherweise baut man seine Dienste ja mit der Veröffentlichung des “Nexus 7Tablets auf der Google I/O aus (es wäre auf jeden Fall eine gute Gelegenheit), aber das bleibt abzuwarten. Fakt ist: Apple ist hier allen anderen voraus, gerade wenn es um weltweite Verfügbarkeit geht. An zweiter Stelle steht Amazon, wo man nur bei Zeitungen und Magazinen wirklich hinterher hängt. In Deutschland gibt es immerhin viele Bücher, Musik und auch Filme. Interessanterweise ist das auch die Reihenfolge bei den Einnahmen aus App-Käufen. Damit sind auch wirklich nur die App-Verkäufe gemeint, daher will ich jetzt keine direkte Verbindung herstellen, aber man sollte diese Reihenfolge für den Rest des Artikels im Hinterkopf behalten. Was sich in dieser Statistik trotzdem zeigt: Bei Android kann man kein nicht so viel Geld verdienen wie anderswo. Das bestätigen auch Aussagen von Entwicklern, siehe hier oder hier. Nebenbei erwähnt sollte vllt. noch sein das bei letzterem Artikel der Amazon Appstore noch schlechter dastand als Google Play.

Android InApp Einnahmen Experience, Experience, Experience   die Zukunft von Google und Android

Quelle: Flurry

Ich möchte jetzt aber nicht einmal behaupten, dass allein die User an dieser Misere schuld sind. Google schafft es noch immer nicht, vernünftige Zahlungsmethoden anzubieten. Nur die Kreditkarte ist möglich, und das auch nur über den Umweg Wallet. Möglicherweise hat man in Mountain View einfach noch nicht mitbekommen das dieses Zahlungsmittel nicht überall so verbreitet ist wie in den USA. Apple und Amazon sind hier deutlich weiter – und damit eigentlich auch Android, denn Amazon öffnet seine Dienste für das Google-OS und bis auf den Appstore ist auch alles weit verbreitet. Den kann man zur Not durch andere alternative Märkte wie den von Androidpit austauschen. Auf der Strecke bleibt Google. Eine andere Quelle sind die Hersteller, die auf ihren Geräten ihre eigenen Ökosysteme anbieten. So machen es LG, HTC (noch im Ausbau) und angeblich auch bald Samsung. Auf der Strecke bleibt Google.
Wozu das führt, zeigen die Zahlen aus dem Oracle-Prozess. Weitere Kommentare erübrigen sich wohl – außer einer: Die Einnahmen stammen nicht etwa aus dem Verkauf sondern hauptsächlich aus eingeblendeter Werbung. Hier hat Apple außerordentliche Weitsicht bewiesen, denn auf iOS laufen keine kaum Einnahmen am Konto in Cupertino vorbei, dafür sorgen strikte Regularien – das musste zuletzt Dropbox spüren. Korrektur in den Kommentaren

Soweit die aktuelle Lage. Was bedeutet das aber für die Zukunft? Es ist in etwa das, was C. Kindel im eingangs erwähnten Blogposting erwartet. Aber betrachten wir erstmal Android allgemein, dann wird es einfacher zu sagen was Google tun kann, will und auch muss. Als erster Schritt bietet sich an, zu untersuchen was Android noch fehlt. Da wären meiner Meinung nach in erster Linie folgende Punkte:

  • weltweite Verfügbarkeit von Content
  • Magazine und Zeitungen
  • mehr hochqualitative (v.a. Tablet-) Apps
  • Attraktivität für Entwickler

Was nebenbei bemerkenswert ist: An keinem dieser Punkte ist Android als Betriebssystem Schuld, dort liegt der Fehler also nicht. Die ersten beiden Punkte habe ich ja bereits in den vorherigen Absätzen erläutert, auf die beiden verbleibenden werde ich jetzt nochmal kurz genauer eingehen. Es gibt zweifelsfrei schon viele sehr gute Android-Apps, in einigen Bereichen kann man aber noch nicht mit iOS mithalten, wo es mir immer wieder auffällt ist bei Spielen und bei Produktivitäts-Apps. Vergleicht exemplarisch einfach mal das Angebot von Todo-Apps auf beiden Plattformen. Bei Spielen ist es sogar weniger die Qualität als die Quantität (bei gleichzeitiger Qualität). Es fällt immer wieder auf, was für geniale iOS Spiele es gibt, die vor allem wenn sie weniger bekannt sind oder von kleineren Studios entwickelt werden nie oder viel später für Android portiert werden. Das hängt sicherlich mit dem vierten Punkt und der erwähnten Misere bei den Zahlungen zusammen – doch nicht nur das senkt die Attraktivität für Entwickler. Ein oft genannter und zweifelsfrei ist die Fragmentierung von Android, der der hier öfter erwähnte Charlie Kindel übrigens einen früheren Artikel gewidmet hat. Es gibt eine so große Modellvielfalt das es sehr aufwändig ist, Apps für alle möglichen Kombinationen anzupassen und vor allem zu testen. Ich würde sogar so weit gehen zu sagen, dass viele Entwickler rein wegen des riesigen Marktanteiles für Android entwickeln, nicht wirklich freiwillig. Für diese These spricht z.B. gerade der Tablet-Markt. Dort ist Android nicht so verbreitet und schon lässt sich eine extreme Differenz zwischen Android- und iOS-Apps ausmachen.

 

Aber was sind jetzt die Konsequenzen für Google? Auf der einen Seite ist es wie gesagt das, was im eingangs erwähnten Artikel angesprochen wird: Man muss dafür sorgen, das Content verfügbar wird. Das kann man mit Sicherheit nicht erzwingen, da dazu der Wille der Publisher da sein muss. Dem kann man sicherlich etwas nachhelfen, wenn man – wie Microsoft bei Apps – finanzielle Unterstützung auslobt. Aber das wird man kaum in ausreichendem Maße tun können oder auch nur wollen. Es würde schon reichen wenn man wie Apple zu allererst eine passende Distributions-Plattform (gerade bei den Magazinen) einführt und nicht jeder eigene Apps entwickeln muss. Das hat gleich mehrere Nachteile: Für den Nutzer ein uneinheitliches Bedienkonzept, viele Apps (die brauchen Speicher, versenden ggf. Daten, müssen installiert und geupdated werden) und eine schlechtere Experience (stöbern ist schwerer, keine Vorschau o.Ä.). Für die Entwickler natürlich mehr Aufwand, gerade bei den klassischen und kleinen Verlagen, die in der Regel kein eigenes Entwicklerteam und möglicherweise nicht einmal das Geld für einen Dienstleister haben. Ganz nebenbei eröffnet das natürlich eine zusätzliche Einnahmequelle für Google.
Dem Mangel an tollen Apps kann man zumindest in den wichtigsten Bereichen selbst entgegentreten, wie es Apple und zuletzt auch Samsung tun: Größere Android-Updates lieber auf einen Jahres-Zyklus umstellen und die Entwicklerkapazitäten für Anwendungen nutzen, die über den Store an alle verteilt werden können – möglicherweise in Kooperation mit den großen Studios oder auch unabhängigen Entwicklern. Wenn Google bei der Portierung von Apps helfen würde wäre die Einstiegshürde schon um einiges gesenkt (siehe aber auch unten). Es gibt auch noch andere Gründe dafür: Android-Updates brauchen eh ewig bis sie beim Endkunden ankommen (seltenere Releases würden die Situation entspannen und auch bei den OEMs Kapazitäten schaffen) und es gibt sowohl bei Hardware als auch bei den Betriebssystemen keine wirklich großen Lücken mehr die man durch häufige Releases schließen müsste. Währenddessen kann Google die Zeit nutzen und die Experience des eigenen Betriebssystems verbessern. Durch die eigene Bekanntheit würden die selbstgemachten Apps dann auch schnell viele Anwender erreichen. Bliebe nur noch zu hoffen das die Apps dann auch von guter Qualität sind, aber ich denke das war bei Google bisher nicht wirklich ein Problem.

Android UX Content Experience, Experience, Experience   die Zukunft von Google und Android

Bleibt noch ein letzter Punkt offen, die Attraktivität für Entwickler. Dafür kann man in der aktuellen Situation wenig tun. Es wäre sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung, einfach zugängliche Entwicklertools anzubieten. Den momentanen Weg über Eclipse finde ich persönlich nicht gerade bequem (besonders die strikte Portrait/Landscape Trennung), wenn man sich im Vergleich Apples XCode anschaut. Ich bin aber ebenso der Meinung das das nur für Einsteiger wie mich eine Rolle spielt und erfahrenere Entwickler damit nicht wirklich ein Problem haben dürften – wenigstens ließe sich so die Einstiegshürde senken. Sonst fallen mir zwar diverse Gründe dafür ein, warum dieses Problem existiert (z.B. die viele Piraterie und die erwähnten Zahlungsmethoden), aber ich habe auch keinen (akzeptablen und sinnvollen) Weg, der dem entgegenwirken könnte. Natürlich kann man jetzt wie die Film- und Musikindustrie mit dem Finger auf die bösen Raubkopierer zeigen, Millionen in Lobbyarbeit stecken und absolut sinnlose Umsatzverlustrechnungen anstellen, aber das hilft nichts oder sorgt für noch größere Probleme. Richtig scheint der Weg, den die Musikindustrie inzwischen eingeschlagen hat: Attraktive legale Angebote schaffen, dann gibt es auch eine Zielgruppe. Übertragbar sind in diesem Zusammenhang einige schöne Editorials aus der c’t: Klick1 Klick2

Was Google schaffen muss, um in Zukunft erfolgreich zu sein und Android noch weiter nach vorn zu bringen, sollte jetzt klar sein. Die Basis ist spätestens seit Ice Cream Sandwich ausgereift und ohne größere Mängel, jetzt geht es an die Kür. Doch die ist wie so oft am schwersten, denn man kann sie nicht allein erzwingen, man braucht Partner. In der Vergangenheit hat Google in diesem Bereich nicht die glücklichste Figur gemacht (Hallo GEMA/Youtube, Hallo Google TV) – hoffen wir, dass man aus der Vergangenheit gelernt hat.

P.S.: Wenn wir gerade dabei sind: wenn man das geschafft hat kann man auch Google TV nochmal versuchen und hätte sogar Erfolgsaussichten – wenn sich ein (Hardware-) Partner findet…

 

Ihr habt es möglicherweise schon gemerkt, ich bin neu hier. Daher ganz kurz zu meiner Person: Mein Name ist Felix, ich bin 17 Jahre alt und noch Schüler. Beim Bloggen versuche ich mich seit Herbst letzten Jahres auf meiner kleinen Seite. Was gibts da zu lesen? Eigentlich alles was mich interessiert. Die Philosophie: keine News sondern nur Kommentare und ähnliches. Übrigens findet ihr mich auch auf Twitter.
An der Stelle auch ein großes Danke an Sascha, der mir die Möglichkeit gegeben hat, hier zu schreiben!

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  • johannes cermak

    sehr guter artikel, hut ab

  • Novocain

    Schöner Artikel -kleine Anmerkung aber es geht teilweise auch Zahlung per Handyrechnung in DE über T-D1 Vodafone und O2. Bei den D-Netzen müssen das wohl Providergebrandete Geräte sein, O2 frisst alles ;-) Achtung sobald die Dritt-Anbieter-Sperre aktiv ist funktioniert diese Methode nicht mehr.

    • http://twitter.com/cube1337 Felix

      Du hast natürlich Recht, das ist auch eine Möglichkeit. Ich wusste gar nicht, dass es teilweise auch bei ungebrandeten Geräten geht

      • Oliver Bläse

        wenn mann sein gerät gerooted hat, dann kann man das ganz einfach in die build.prob eintragen und es funktioniert.

  • Quiltifant

    Was soll der Artikel nun? Du käust alles wider, was seit Monaten oder Jahren schon anderswo zu lesen ist. Dazu die ewig gleichen “Beweise”, wie die nicht repräsentativen Aussagen von Flurry, die angebliche Fragmentierung und natürlich das Standardargument, man könne bei iOS mehr verdienen. Kurzum, das komplette Repertoire der iJünger. Alles schon hundertfach widerlegt.

    • Tobbsn

      Quellen?

  • pimpmy911

    grats – hätt’ nicht gemerkt, dass der nicht von sascha und co is…

  • Shaphard

    Stimmt es denn, dass Android 5 als 4.1 erscheint? Ist es Google zu peinlich, das irgeendwie nur 10 % aller Geräte Android nur 4.0 haben?

    • http://twitter.com/cube1337 Felix

      Jelly Bean ist tatsächlich so gut wie sicher Android 4.1
      Allerdings ist nicht gesagt, dass dieser Codename jemals für Android 5.0 vorgesehen war, es gab ja auch bei den voherigen Versionen immer noch Zwischenschritte (z.B. Froyo, Gingerbread) vor einem Major Release

  • http://twitter.com/cube1337 Felix

    Danke für die ausführliche Richtigstellung (besonders der Business-Insider Artikel), die mir auch schlüssig erscheint – daher werde ich das oben einbauen. Allerdings sagt das natürlich nur, dass Google nicht mehr an an iOS verdient als an Android. Die Tatsache, dass Google an Android sehr viel weniger Geld verdient als Apple an iOS bleibt davon unbeeinflusst

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