Als „Hobby“ von Apple galt das Apple TV, aber für ein Hobby bringt das Gerät ziemlich viel Geld in die Kassen des Unternehmens. Teil des Erfolgs ist die AirPlay Technologie, mit der Musik und Videos ohne weitere Konfiguration direkt an andere Geräte gestreamt werden können. Dagegen möchte Google jetzt einen offenen Standard setzen.
In einem reinen Apple-Ökosystem aus iTunes, Apple TV, iPhone und iPad – und AirPlay-fähigen Geräten von anderen Anbietern – lassen sich Musik und Videos ohne großen Aufwand per Klick oder Fingertipp von einem Gerät an ein anderes streamen. Für die Nutzer eine großartige Sache und Google hat diese Technik offenbar als einen Vorteil von Apple identifiziert, den sie ausgleichen wollen. Dabei sollen vor allem zwei entscheidende Nachteile der Apple-Technologie in der Google-Lösung beseitigt werden: Es soll eine offene Technologie werden und die Kommunikation nicht auf das Streamen in eine Richtung beschränkt bleiben.
Der wichtigste Nachteil von AirPlay ist die Geschlossenheit der Technologie: Wer entsprechende Geräte oder Software anbieten möchte, muss eine passende Lizenz von Apple erwerben. Unabhängig vom Preis für eine solche Lizenz dürfte es unwahrscheinlich sein, dass Apple anderen Smartphone-Herstellern eine Lizenz erteilt, schließlich wäre das ein Verlust eines Alleinstellungsmerkmals des iPhones, wenn auf einmal jedes Smartphone Videos zum Apple TV streamen könnte. Dagegen setzt Google auf einen offenen Standard, den sie mit anderen Firmen zusammen entwickeln wollen. Für Kunden wäre so ein übergreifender Standard natürlich ideal: Es wäre bei entsprechender Unterstützung egal welches Smartphone-System, welcher Fernseher oder welches Tablet jemand verwendet.
Ein anderer Nachteil von AirPlay ist die Einbahnstraße: Man kann zwar Medien auf andere Geräte streamen, aber es gibt keinen Rückkanal. Hier will Google langfristig ganz neue Lösungen ermöglichen, statt nur dem Stream von einem Gerät zum anderen:
And it’s not just about remote control functionality and beaming a video from your mobile phone to the TV we are talking about. The new protocol makes it possible for data to flow in both directions, Drayson explained, which would enable developers to build second-screen experiences that correspond to what’s happening on live TV as well.
Es dürfte spannend werden, welche neuen Arten der Mediennutzung und der Interaktivität sich Entwickler mit einer solchen Technik einfallen lassen.
Aber noch steht Google hier am Anfang: Der Start des Google Nexus Q im Sommer glückte nicht so richtig, obwohl es hier genau um solche Features ging, überzeugen konnte Google damit aber nicht wirklich. Hier muss und wird Google also offensichtlich noch einiges an Arbeit investieren. Wenn aber am Ende wirklich ein übergreifender und offener Standard heraus kommen sollte, dann müssten doch alle Verbraucher davon profitieren – denn Google hat über seine Marktmacht die Möglichkeit einen solchen Standard voran zu treiben. Mit Android, den Nexus Geräten, Google TV, YouTube und dem Google Play Store hat das Unternehmen bereits alle Einzelteile zusammen, um Apple in Sachen „Komplettlösung“ den Rang abzulaufen – wo es jetzt noch fehlt sind solche Kleinigkeiten wie AirPlay, die den Nutzern das Leben in diesem Ökosystem einfacher machen.
Bleibt am Ende nur noch die Frage, warum es denn unbedingt ein neuer Standard sein muss – immerhin gibt es mit DLNA bereits seit 2003 einen solchen.
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