Nach den zwar erfolgreichen, aber weniger guten Need for Speed Titeln für iOS (NFS Hot Pursuit ausgenommen), schickt EA den neuen Teil der Serie ins Rennen. Need for Spped Most Wanted geht zurück zu den Wurzeln des Spiels und setzt auf brutale Polizisten. Man kann mit einem Konsolen-Abklatsch eines solchen Titels viel falsch machen, umso erfreulicher, dass EA (bzw. Firemonkeys) hier fast alles richtig gemacht haben. Das Spiel gibt es „baugleich“ für Android, meinen Review dazu könnt Ihr bei n-droid.de lesen.
Gameplay
Eine Story spart man sich bei Need for Speed Most Wanted. Zu was sollte man die auch benötigen, schließlich will man Rennen fahren. Und so geht das Spiel auch direkt mit dem ersten Rennen los. Ihr bekommt die Steuerung erklärt und könnt so geschmeidig die erste Zieleinfahrt erleben. Erster werdet Ihr aber nur, wenn Ihr Euch die Techniken für Lenken, Bremsen, Driften und den Nitro-Boost auch angeeignet habt.
Auf einer Stadtkarte wählt Ihr eine Location aus, anfangs stehen noch nicht wirklich viele zur Verfügung, dies ändert sich jedoch recht schnell. Jede Location bietet verschiedene Rennen, diese unterscheiden sich sowohl in der Aufgabenstellung als auch in den erlaubten Fahrzeugen. Fahrzeuge müsst Ihr kaufen, das Geld hierfür verdient Ihr in den einzelnen Rennen. Zusätzlich zur Kohle gibt es auch Speedpoints, diese bringen Euch nicht nur neue Strecken, sondern schalten auch Fahrzeuge frei, die Ihr ohne eine gewisse Anzahl an Speedpoints nicht kaufen könnt. Auf der Karte findet Ihr zudem den Dealer des Vertrauens für Spezialfahrzeuge. Aufgemotzte Standard-Karren in der NFS-Edition. Diese kosten zwar ein wenig mehr, ein Kauf lohnt sich trotzdem. Schließlich sehen die Kisten sehr gut in der Garage aus. Spaß beiseite, die NFS-Edition Fahrzeuge sind natürlich besser als die Standard-Versionen.
Die Polizei mischt in allen Rennen kräftig mit. Hauptziel der uniformierten Ordnungshüter seid natürlich Ihr, nicht etwa die fünf anderen Gegner, die sich ebenfalls auf der Strecke tummeln. Dabei wenden die Polizisten verschiedene Methoden an, vom einfachen Rammen, über Nagelbänder, bis hin zu dichten Straßensperren wird einiges geboten, um Euch zu verlangsamen.
Ein Pseudo-Tuning-System ist ebenfalls vorhanden. Allerdings stehen hier nur zwei Slots zur Verfügung und jeder Mod ist nur ein Rennen lang wirksam. Das kann auf Dauer nicht nur teuer werden, sondern bringt auch nicht so viel, dass es sich lohnen würde. Verbesserte Panzerung, Schutz vor Nagelbändern oder ein Karosserie-Mod, diese Kleinigkeiten kann man verbessern. Wer es braucht…
Fünf verschiedene Rennarten gibt es. Diese sind angenehm unterschiedlich, variieren auch im Schwierigkeitsgrad, machen aber alle Spaß. Im Straßenrennen muss man sich gegen fünf Kontrahenten durchsetzen. Als erster ins Ziel zu kommen hat hier Vorrang, der Rest ist egal.
Die Kontrollpunkt-Rennen sind ebenfalls recht einfach. Keine Gegner, nur die Polizei und ein Timer, der rückwärts läuft. Je nachdem, wie viele Sekunden am Ende übrig sind, erhält man eine Platzierung und die entsprechende Gewinnsumme.
Die Tempojagd ist da schon schwieriger. Hier muss alles passen, sonst hat man kaum eine Chance. Es gilt, eine festgelegte Durchschnittsgeschwindigkeit zu erreichen. Eine Kollision mit einer Polizeistreife oder unachtsam über ein Nagelband gefahren, schon ist die schöne Geschwindigkeit futsch. Ein ausreichend leistungsstarkes Fahrzeug ist hier Pflicht.
Heißer Wagen nennt sich ebenfalls eine Rennart. Die Fahrzeuge für diese Kategorie müsst Ihr nicht kaufen, sie werden für das Rennen gestellt. Innerhalb einer bestimmten Zeit muss man ins Ziel kommen. Jeder Zusammenstoß mit der Streckenbegrenzung oder der Polizei gibt Strafsekunden. Fehlerfreies Fahren ist ein absolutes Muss, um eine Gold-Wertung zu erreichen.
Most Wanted nennen sich die Boss-Rennen, jeder besiegte Boss bedeutet eine Stufe höher in der Rangliste. Bei diesen Rennen tummelt sich auffällig viel Polizei auf der Strecke, man könnte fast meinen, man nimmt an illegalen Straßenrennen teil. Schafft man es, der Polizei zu entwischen, ist der Gegner in den meisten Fällen kein großes Problem.
Die Most Wanted Rennen alle erfolgreich abzuschließen ist natürlich das primäre Ziel des Games. Der Weg dorthin sind die anderen Rennen, die ebenfalls unglaublich Spaß machen. Für Abwechslung sorgen die unterschiedlichen Rennen und die Fahrzeuganforderungen. Sie garantieren, dass man sich nicht gleich zu Beginn das beste Fahrzeug kauft und dann einen Durchmarsch an den Tag legt.
Zum Thema In-App-Käufe. Das Game kostet € 5,99. Ein relativ hoher Preis, der für das Spiel aber völlig in Ordnung ist. Rennspiel-Fans werden die paar Euro auf keinen Fall bereuen. Es gibt verschiedene Geldpakete, mit denen man sich das Leben im Spiel erleichtern kann. Spielgeld, also Geld das man auch durch Rennen fahren bekommen kann. Man kann jedes Rennen so oft fahren, wie man möchte, an der Gewinnsumme ändert dies nichts. Man kann sich also jedes Fahrzeug tatsächlich erspielen, bei einem Rennspiel sorgt das für zusätzlichen Spielspaß und erhöht gleichzeitig die Spieldauer. Der Sinn der In-App-Käufe? Erschließt sich mir nicht. Sie bieten keinen Mehrwert und man wird auch zu keinem Zeitpunkt genötigt, diese zu tätigen. Man sollte sich in diesem Fall also nicht davon abschrecken lassen. Für „Spieler“ sind diese nämlich nicht existent.
Grafik und Sound
Die Grafik auf dem iPhone 5 (vermutlich auch auf dem iPad der 3. und 4. Generation) ist der Hammer. In den Screenshots kommt das gar nicht so prall rüber, aber im Spielverlauf sieht es einfach nur grandios aus. Je schneller man fährt, desto unschärfer werden die Ränder, der absolute Tunnelblick, wenn man mit 350 km/h über die sehr gut designten Strecken rast. Die Fahrzeug-Details sind ebenfalls cool. Bei manchen Fahrzeugen fährt der Heckspoiler erst ab einer gewissen Geschwindigkeit aus. Das sind Details, die eben die Spreu vom Weizen trennen. Das Schadensmodell der Fahrzeuge ist sehr fein abgestimmt. Kleine Kratzer, verlorene Stoßstangen, die Variationen sind groß. Man bemerkt dies meist erst bei der Zieleinfahrt, wenn man das Auto von vorne und der Seite sieht.
Die Strecken an sich sind sehr abwechslungsreich gestaltet. Sie bieten sehr viele Details, haben alternative Routen (aka Abkürzungen) und auch die Tageszeit spielt eine Rolle, wenn es um die Optik geht. In manchen Konstellationen sind die Effekte schon ein wenig übertrieben, da fällt es dann schwer, die Strecke noch zu erkennen. Man gewöhnt sich aber schnell daran und fliegt dann auch über diese Kurse.
Der Sound ist ebenfalls toll. Ob die Motorengeräusche nun realistisch sind oder nicht, keine Ahnung. Die meisten werden die ausgefallenen Fahrzeuge noch nie im wahren Leben gehört haben. Zumindest unterscheiden sie sich von Fahrzeug zu Fahrzeug und machen einen satten Eindruck. Ob man die relativ moderne Begleitmusik mag, ist wohl Geschmackssache, diese kann aber in den Einstellungen deaktiviert werden. Für Autorennpuristen wohl eine willkommene Option. Insgesamt gefällt der Sound sehr gut und er passt auch zur überragenden Optik des Games.
Steuerung
Ich bin persönlich kein Fan der Steuerung über die Neigungssensoren. Bei den meisten Rennspielen geht das mit den Einsteiger-Fahrzeugen (die relativ langsam sind) noch ganz gut, später wird es aber zur Katastrophe. Die Macher von Need for Speed Most Wanted scheinen sich hier echt Mühe gegeben zu haben. Ob man nun driftet oder mit 350 Sachen in die Kurve fährt, die Steuerung per Neigung funktioniert tadellos. Es ist keine Glückssache ob man um eine Kurve kommt, sondern tatsächlich eine Steueurng, die sich präzise verwenden lässt. Im Gegenzug ist die optionale Touchsteuerung in meinen Augen überhaupt nicht gelungen. Braucht man aber auch nicht wirklich, da die standardmäßige Neigungssteuerung so genial funktioniert. Gebremst wird per Touch, auf diese Weise wird auch gedriftet und der Nitro-Boost ausgelöst. Eine ganz große Leistung, die in Punkto Steuerung hier vollbracht wurde. So macht das wirklich Spaß.
Fazit
Ich sehe Need for Speed Most Wanted so ein bisschen als Teaser für Real Racing 3, das ja auch demnächst aus der gleichen Softwareschmiede erscheinen soll. Das Spiel ist unglaublich gut gemacht, die Grafik ist der Hammer, die Steuerung perfekt. Die Auswahl der Fahrzeuge ist groß, alles kann erspielt werden, die Strecken sind abwechslungsreich. Was will man mehr? Eine Story vielleicht? Nicht bei einem Rennspiel. Die Mischung aus Arcade Racer und realistischem Fahrverhalten ist sehr ausgewogen. Meines Erachtens ist dieses Rennspiel das Beste, das momentan (zumindest bis Real Racing 3) für iOS verfügbar ist. Der Preis ist absolut gerechtfertigt, vor allem wenn man bedenkt, dass man trotz erhöhter App Store Preise immer noch weniger zahlt als für die Android Version.
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