Bis auf eine Ausnahme hatte das gestrige iPad mini-Event keine echten Überraschungen parat. Diese Ausnahme war – zumindest für mich – der Preis. Wie viele andere hatte ich auf einen Einstiegspreis von 250 Euro spekuliert. Doch Apple steigt mit 329 Euro deutlich höher ein. Damit ist das Apple-Tablet – für den Bildungsbereich – Fluch und Segen zugleich.
Aus meiner Sicht ist das iPad mini mit diesem Einstiegspreis keine Konkurrenz zum Nexus 7 oder anderen günstigen sieben Zoll Android-Tablets, sondern spielt in einer eigenen Liga. Um es ganz deutlich zu sagen: Das iPad mini ist ein geniales Gerät. Leichter, dünner und schneller als das Nexus 7, von der größeren und qualitativ besseren App-Auswahl ganz zu schweigen.
Wenn Joshua Topolsky von The Verge – dessen Nexus 7 Review wirklich positiv ausgefallen ist – sagt, dass Welten zwischen der Verarbeitungsqualität der beiden Geräte liegen, glaube ich ihm das sofort. Und auch wenn Phil Schiller beim Vergleich mit dem Nexus 7 teilweise nicht unbedingt souverän wirkte, ist für mich klar: Das iPad mini wird für viele Menschen sehr viel attraktiver sein.
In Kombination mit iTunes U, der neuen iBooks Author und den neuen Funktionen der iBooks gilt das sicherlich auch für Bildungseinrichtungen. Das iPad mini hätte ein echter Durchbruch für elektronische Lernmaterialien sein können. Hätte, denn Apple hat diese Chance leider nicht genutzt – und schadet damit dem gesamten Bildungsbereich.
Fortschrittsbremse statt -motor
Selbst mit Bildungsrabatten wird das iPad mini für viele Schulen und Universitäten schlicht und ergreifend zu teuer sein. Versteht mich nicht falsch, es wird garantiert Bildungseinrichtungen geben, die das iPad mini erfolgreich im Unterricht einsetzen. Doch an diesen Schulen werden die Eltern oder Studenten die Geräte – teilweise oder vollständig – finanzieren.
Schulen mit weniger finanzkräftigem Klientel haben diese Chance nicht. Natürlich könnten diese auf das Nexus 7 oder noch günstigere Tablets – eine 99 Dollar-Variante des Nexus 7 wird ja bereits gerüchtet – ausweichen. Doch hier beginnt das Problem: Verlage und Behörden werden auf die Plattform setzen, die den größten Umsatz und Gewinn verspricht. Und das wird der iBooks-Store sein. Die zuständigen Bildungsministerien werden maximal Geld für die Einführung eines Systems bereitstellen und hier wird sich Apple – auch auf Grund seines guten Rufes und der bestehenden Erfahrungen im Bildungsbereich – voraussichtlich durchsetzen.

Fazit
Das iPad mini wird höchstwahrscheinlich ein Verkaufsschlager und sich auch im Bildungsbereich gut verkaufen. Finanzschwächere Schulen werden dadurch allerdings stark benachteiligt und eingeschränkt, da eine parallel Einführung von Android und iOS im deutschen Bildungssystem unwahrscheinlich ist.
Haupt-, Förder-, Sonder- und auf Realschulen – in diesen Schulformen sind die finanziellen Spielräume oft extrem eng – werden vom Potenzial des iPad minis nicht oder nur sehr eingeschränkt profitieren können. Und genau deshalb ist das eigentlich geniale Gerät auch ein Fluch für den Bildungsbereich. Denn die Lücke zwischen den Schulformen wird dadurch – potenziell – größer. Apple hätte die Chance, das zu ändern und sich den Bildungsmarkt wirklich zu erschließen. Es wird sich zeigen, ob Cupertino sich dazu – beispielsweise durch Preisanpassungen – durchringen kann.
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