Das Nexus 4 hat sich so langsam in der Apple-Umgebung eingefügt, an einigen Stellen musste mit Apps nachgeholfen werden, aber das meiste funktioniert inzwischen beinahe so, wie es zu soll. Jetzt wurde es Zeit für ein weiteres Experiment: Das iPhone weg legen und 10 Tage lang nur mit dem Nexus 4 durch die Gegend laufen. Die 10 Tage sind rum und jetzt?

iSheep auf Abwegen – Teil 3: Der Dauertest

Bevor ich nun zum meinem persönlichen Fazit komme, noch ein kleiner Nachtrag zum Thema Aufgabenlisten: Umgestellt auf eine andere Lösung habe ich nicht, denn wie schon geschrieben funktioniert das mit OmniFocus für mich so reibungslos, dass meine Motivation hier in größerem Umfang Alternativen zu testen gegen 0 tendiert. Unterwegs erstelle ich aber meistens nur Aufgaben, eher selten gehe ich meine bestehenden Aufgabenlisten am Smartphone durch, um sie abzuarbeiten. Und das Hinzufügen funktioniert bei OmniFocus auch per Mail. Also zumindest kann ich mir auch unter Android neue Arbeit machen ;)

Aber nach 10 Tagen nur mit Android stellt sich natürlich die Frage, wie es weiter geht: Kann ich das iPhone jetzt einmotten oder es verkaufen, so lange es noch jemand will? Die kurze Antwort: Nein.

Das hat durchaus mehrere Gründe, der wichtigste Grund bleibt aber die Größe. Offenbar besitze ich Apple-Standard-Hände, schließlich kann ich das iPhone 4S sicher in einer Hand halten und mit dem Daumen dieser Hand bedienen – genau so, wie es Apple in der Werbung verspricht. Und das ist auch der wichtigste Grund für mich, warum ich beim iPhone bleibe. Mein Smartphone nutze ich hauptsächlich unterwegs, auf der Strasse, in öffentlichen Verkehrsmitteln, eben überall dort, wo andere Menschen – zum Teil sehr viele – um mich herum sind. Und ohne meine Theorie zur Intelligenz auf diesem Planeten als Konstante bei wachsender Bevölkerung wieder aufwärmen zu wollen, ist es mir in diesen Situationen einfach wichtig, mein Smartphone sicher in der Hand zu halten und mit dieser einen Hand bedienen zu können. Und mit sicher meine ich, dass es mir nicht sofort aus der Hand fällt, wenn ich angerempelt werde (zum Beispiel von einem anderen Fußgänger, der lieber auf sein Smartphone-Display als auf den Weg schaut ;)). Das funktioniert mit einem Gerät in Größe des Nexus 4 einfach nicht. Ist natürlich eine Frage des Standpunktes: Mein Standpunkt ist aber, dass das Nexus 4 zu groß ist – andere mögen der Meinung sein, dass meine Hände einfach zu klein wären ;)

Anders sieht es übrigens daheim, im Coworking-Space oder in einem Cafe aus, wo ich beide Hände frei haben und die Wahrscheinlichkeit von einem ÖPNV-Zombie umgerannt zu werden gegen Null tenidert. Da greife ich inzwischen am liebsten zum Nexus 4 (es sei denn ich habe das iPad dabei). Das größere Display macht ein schnelles Checken von Mails und Infos einfach angenehmer. Auch für ein kleines Spiel zwischendurch ist ein größeres Display fein. Bei solchen Gelegenheiten telefoniere ich auch bevorzugt mit dem Nexus – die Darstellung der Kontakt-Favoriten gefällt mir einfach besser und am Ende sind es doch meistens die gleichen 20 Leute, die ich immer wieder anrufe. Die Sprachqualität unterscheidet sich nicht und in welchem Gerät das Headset nun steckt ist doch egal.

Bei der Akkulaufzeit kommt das Nexus 4 nicht mit ganz dem iPhone 4S mit, hier macht der Akku einfach früher schlapp. Zwar komme ich mit beiden über einen Tag, aber das iPhone hat am Ende eines Tages einfach mehr Reserve. Dafür habe ich angefangen Google Now zu lieben. Es ist einfach grandios, wenn man nicht mit einer schnöden Erinnerung auf einen Termin hingewiesen wird, sondern mit dem Hinweis, dass man sich nun in 10 Minuten auf den Weg machen solle, um rechtzeitig für einen Termin vor Ort zu sein. Das ist wirklich großartig.

Weniger gut gefällt mir, dass bei Android immer der Eindruck bleibt, es hier mit einem nicht konsistenten System zu tun zu haben. Man kann zwar verdammt viel machen und anpassen und Android erlaubt auch tiefere Einblicke darin, was das System und die einzelnen Apps eigentlich tun, aber alleine die Tatsache, dass der Menübutton mal oben und mal unten ist hinterlässt schon irgendwie ein unschönes Gefühl. Auch der Zurückbutton reagiert immer mal anders: Mal springt er global, also ggf. in die vorher aktive App zurück, die einen Link aufgerufen hat – dann wieder innerhalb der App zurück zur nächsthöheren Ebene, obwohl man eben aus einer anderen App kam und vielleicht gerne wieder dorthin gebracht worden wäre.

Mir bleibt die Feststellung: Mit etwas Arbeit, ein paar Apps, Kompromissen und auch der einen oder anderen Umstellung können Android und iOS prima parallel genutzt werden. Einfacher ist es aber natürlich immer, wenn man innerhalb eines Systems bleibt. Man muss sich über die notwendigen Kompromisse klar sein: Ganz vorne weg ist hier DRM, aber eben auch das App-Angebot. Zwar gibt es für beide Plattformen für jeden nur denkbaren Anwendungszweck mindestens eine App, aber eben nicht immer die gleichen Apps. Sollte mich Apple also irgendwann zu sehr ärgern, ein zukünftiges iPhone nicht mehr für mich ausreichen oder Apple dann doch noch pleite gehen, werde ich mir wohl einen Ersatz für OmniFocus suchen müssen (oder darauf hoffen, dass die Macher bis dahin auch Android-Apps entwickeln). Bis dahin bleibt das iPhone für mich persönlich erste Wahl – ich werde aber verstärkt mein Auge auf Apps und Lösungen werfen, die für beide Plattformen verfügbar sind…

Und ja, mein Eindruck wurde bestätigt und entspricht ziemlich dem, den man schon seit Jahren beim Vergleich Mac OS X und Windows/Linux hat: In dem einen Fall arbeitet man mit, im anderen Fall an dem System.

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  • Textverfasser

    Gefällt mir. Super geschrieben!

  • http://twitter.com/RobLogist Rob.Logist

    Toll geschriebener Artikel. sehe eigtl alle Punkte genau so wie du. Auch ich verstehe nicht wie sich alle freuen, dass Hersteller x ein noch größeres Smartphone produziert als y. außerdem mach dieser neue Größenwahn viele Apps einfach obsolet. versucht mal mit einem 5 Zoll Gerät (165g+) und der neusten Running Fitness App joggen zu gehen. Das macht Null Spaß und stört nur noch. der erste Android Hersteller, der die aktuelle Hardware in ein schönes max. 4.3 Zoll Smartphone packt, wird sich ein großes Stück vom Android/iPhone Umsteiger Kuchen abschneiden. dein letzten Satz kann ich auch nur so unterschreiben, jedoch glaube Ich das Google immer weiter die Restriktionen anziehen wird um ein iOS like Benutzererfahrung zu erreichen.

    • MetalHead6

      Dem ist nichts hinzu zu fügen!!

    • http://www.facebook.com/dobschat Carsten Dobschat

      Danke erstmal :)

      An die Fitness Apps habe ich gar nicht gedacht – nutze ich halt nicht – aber das ergibt auf jeden Fall Sinn. Aber sollte man im Hinterkopf behalten: „Nein Schatz, ich kann wirklich nicht joggen gehen, ich habe doch jetzt das neue Smartphone, das ist einfach viel zu groß…“

  • Martin Ehrentraut

    Sehr gut geschrieben und endlich mal nicht das übliche Apple Android gebashe. Auch wenn ich nicht alle deine Meinungen zu Android teilen mag und für mich die Größe Ausschlag gebend ist (Note2).

    • http://www.facebook.com/dobschat Carsten Dobschat

      Ich kann ganz gut nachvollziehen, dass man lieber ein großes Smartphone hat, zum Glück hat man ja die Wahl :) Ein größeres Smartphone müsste für mich schon wieder so groß sein (wegen der Bildschirmtastatur, als Ersatz für das iPad mini), dass es als Telefon schon wieder zu groß wäre…

  • Hartmut Schmidt

    Ich persönlich würde mir wünschen, dass es keine Artikel von Carsten Dobschat hier auf Mobile Geeks gibt. Wenn ich sowas lesen will, gehe ich zu Computer Bild oder Chip ;-)

    Aber das ist jetzt halt Mobile Geeks und nicht mehr Netbooknews mit Artikeln von Sascha.
    Es scheinen ja genug Leute den Schreibstil zu mögen. Von daher alle Gute für Mobile Geeks.

    • Hartmut Schmidt

      So, ich hab jetzt einfach nur noch die Beiträge von Sascha auf Mobile Geeks als RSS-Feed abonniert. Gut für mich, gut für euch.

      • shortman

        Wen interessiert denn um Himmels Willen dieser Schritt?
        Das ist doch ohne Worte – Deine Kritiki passt doch gar nicht zur Artikelserie.
        Jedes einzelne Urteil wird begründet, und das auch noch detailierter, als dies in den meisten Blogs der Fall ist.
        Kann es sein, dass Du nur das Fazit gelesen hast? Denn dieses finde auch ich etwas zu kurz gesprungen.
        Die Gesamtserie finde ich sehr gelungen, da (für mein Empfinden) frei von Voruteilen und “Glaubenskrieg”.
        Und wenn mir ein User sagt, warum bei seiner Anforderungsmatrix Produktwelt A besser als B passt, dann hat das für mich einen Mehrwert. Und zwar auch dann, wenn ich auf B unterwegs bin.

        • Hartmut Schmidt

          Seit dem kamen ja einige Artikel von Sascha.
          Und seine Artikel gefallen mir einfach viel viel besser.

          Den letzten Satz in diesem Artikel finde ich immer noch unverschämt. Und so ging es mir mit vielen Artikeln vom Author. Mit diesem Artikel ist dann das Fass übergelaufen und ich habe diesen Kommentar verfasst.

          Wenn ich der einzige bin der so denkt, ist es doch für euch OK.

    • http://www.facebook.com/dobschat Carsten Dobschat

      Dir ist schon aufgefallen, dass ich auch schon bei Netbooknews geschrieben habe? Nicht so, oder?

      • Hartmut Schmidt

        Ich als Google-, Android- und Linux- User möchte einfach keine Artikel lesen, die von jemanden geschrieben wurden, der diese Dinge nicht mag.

        Für Dich mag Apple, iOS und MAC OS das bester der Welt sein.
        Ich kann da nicht mitreden, da ich diese Sachen nicht nutze, aber ich möchte keine permanente Kritik an den von mir genutzten Systemen lesen.

        Ich lese lieber Artikel, die diese Themen positiv beleuchten.
        Mit dieser rosa Brille möchte ich meine Freizeit verbringen ;-)

        Mir sind Deine Artikel bei Netbooknews nicht aufgefallen. Erst mit MobileGeeks habe ich mich jedesmal geärgert, wenn ich nicht auf den Author gesehen habe und den Artikel (im Google Reader) gelesen habe.

        • http://www.facebook.com/dobschat Carsten Dobschat

          Hm, und an welcher Stelle steht, dass ich Google, Android und Linux nicht mögen würde? Nun, bei Google trifft das zu, da ich Unternehmen grundsätzlich nicht mag, auch Apple nicht. Wenn überhaupt, dann mag ich Produkte…
          Aber wenn Du Dich schon direkt angegriffen fühlst, weil jemand andere Produkte als Deine Favoriten für sich selbst für besser geeignet halten könnte oder eben diese auch kritisiert (wie ich übrigens auch gerne und ausführlich Apple und deren Produkte kritisiere, wo Kritik angebracht ist), dann hast Du wohl ein Problem.

          • Hartmut Schmidt

            Danke für die Bestätigung, dass jetzt der richtige Zeitpunkt für mich war, den kompletten RSS-Feed von MobileGeeks abzubestellen und nur noch die Artikel von Sascha zu abbonieren.

            Viel Glück für euch in der Zukunft.

          • Vladimir Smirnov

            Carsten weiter so mir hat die Serie (als Nexus Fan) sehr gefallen und Hartmut ich finde es arm von dir so zu reagieren.

            Ich überspringe einfach ein Thema/Artikel usw. wenn’s mich nicht interessiert. Wie traurig wäre die Welt wenn jeder die gleiche Meinung/Geschmack/Interesse …. hätte.

          • Hartmut Schmidt

            Ich habe nur meine ehrliche Meinung über alle Artikel von Carsten Dobschat gesagt!
            Das war hart gegenüber Carsten Dobschat, aber gut gemeint für MobileGeeks.

            Wie ich schon oben schrieb, habe ich die Konsequenzen gezogen und lese nur noch Artikel von Sascha per RSS-Feed.

          • http://www.facebook.com/dobschat Carsten Dobschat

            Ich persönlich empfand es eher als „Mimimi, der hat mag nicht mein Lieblingsspielzeug leiden“. Kann ich nicht ernst nehmen – vor allem auch in Anbetracht der Tatsache, dass es schlicht und ergreifend nicht stimmt, dass ich $Lieblingsprodukt hier ständig oder gar unberechtigt negativ kritisieren und schlecht machen würde. Kritisiert wird, was kritikwürdig ist, ob positiv oder negativ ist eben vom Einzelfall abhängig. Egal ob das nun Apple, Google, Amazon oder Microsoft ist (oder jemand ganz anderes).
            Wenn aber Du eine rosa Brille suchst und immer schön in rosa Watte gepackt werden willst, dann ist das natürlich Dein gutes Recht auf Realitätsverweigerung, das will Dir niemand nehmen, aber bitte ohne Mimimi und irgendwelche haltlosen Behauptungen, okay?

  • Markus Schuckert

    Man merkt ganz extrem, dass du ein Applenutzer bist.

    Allein schon der Versuch einen Androiden in ein Apple Ökosystem einzubauen ist nicht wirklich sinnvoll.
    Anders rum ist das aber genauso. Entweder iOS oder Android.
    Alles Andere führt zu Problemen, die man nicht hätte, wenn man sich gleich für die native Lösung entschieden und seine Daten migriert hätte.

    Vielleicht war das aber ja auch nur ein Experiment alà “Gucken ob es geht”, dann sag ich nichts weiter.

    Was ich nicht so stehen lassen kann ist der abschließende Seitenhieb auf Linux. (“In dem einen Fall arbeitet man mit, im anderen Fall an dem System.”):

    USB Stick in den Rechner, anschalten, installieren (lassen), neustart, läuft.

    WENN ich will KANN ich an allem rumspielen, was ich möchte, ich muss es aber nicht. Ich kann also mit dem System arbeiten, oder an selbigem, je nachdem wozu ich Lust und Laune habe. Es ist aber nicht so (wie dein Satz suggeriert), dass ich an dem System arbeiten müsste, damit es vernünftig läuft.
    Und genau diese Seitenhiebe (die darüber hinaus schlicht falsch sind, zumindest heutzutage) finde ich NICHT gut.

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