BlackBerry hat mit dem Launch des BlackBerry 10 OS und der neuen Z10 und Q10 Modelle nun seinen Karten auf den Tisch gelegt. Seht her, hiermit wollen wir das Ausbluten des Smartphone-Pioniers stoppen und der Konkurrenz von Apple, Google und Microsoft Paroli bieten. Aber reichte dafuer das auf dem gestrigen Launch-Event bezeigte?
Mensch was habe ich mich auf dieses Event gefreut und dabei sogar die Tatsache vergessen, dass “the company formerly known as RIM” uns voellig vergessen hat einzuladen (vielen Dank an Arno, der dann aus der Karibik die Kollegen im mittleren Osten aktivierte). Schwamm drueber, denn nicht nur die Neuausrichtung ist im Moment eine Baustelle fuer die Kanadier und da kann sowas schon mal passieren.
Mehr als 3 Jahre war ich begeisterter BlackBerry User und habe mich da vor allen Dingen auf die Bold-Modelle festgelegt. Der 9700er war letztendlich mein letztes Smartphone mit einem physikalischen Keyboard, bevor ich im Spaetsommer 2010 dann mit dem HTC Desire auf Android umgestiegen bin, was fuer mich durchaus ein Umstellungsprozess war (und ja, ich habe die Tastatur verdammt noch einmal vermisst)
Hand aufs Herz, ich bin bei BlackBerry vielleicht noch ein wenig subjektiver als bei all den anderen Plattformen die ich Teste und Kommentare die ich schreibe. Waehrend die halbe Welt schon ihre schicken Touchscreen-Smartphones mit Android und iOS durch die Gegend schleppten, hielt ich fest die Fahne der Kanadier in den Wind der damals schon scheinbar uebermaechtigen Konkurrenz und liess mich auch durch das unglaubliche Angebot der Appstores nicht aus der Ruhe bringen?
Wer brauchte schon all die kleinen Prograemmchen, denn letztendlich nutzte ich vor allen Dingen Email, Messaging, den Kalender und meinen Browser. Mein BlackBerry Bold 9700 war eine Messaging-Maschine, ein Arbeitspferd und insgeheim verspruehte es so ein wenig die Aura von Business und Enterprise. Seht her, ich spiele nicht, ich arbeite!
Tja und dann ging es bergab fuer RIM, wobei dies sicherlich nicht damit zu tun hat, dass ich die Jungs und Maedels “from the great white North” verlassen habe. Sie haben es verpennt und mit dank ausgepraegter Ignoranz aber vor allen Dingen auch Arroganz, den Anschluss verpasst. Wenn du mehr als eine Dekade der Smartphone-Entwicklung mitbestimmst und die jeweiligen Quartalsergebnisse immer sensationelle Zahlen und Marktanteile ausspucken, dann musst du einfach aufpassen, dass die Schulterklopferei auf dem Entscheidungstraeger-Level nicht ueberhand nimmt. Das musste auch Nokia schmerzlich erfahren und BlackBerry (und hiermit haue ich den Namen RIM offiziell in die Tonne) machte da keine Ausnahme.
Das BlackBerry Launch Event des PlayBook im September 2010 in San Francisco, fasste fuer mich all dies zusammen. Nicole und ich waren bereits vor Ort und wollten uns Wochen zuvor akkreditieren lassen. Die zustaendigen Mitarbeiter von BlackBerry veranstalteten daraus einen Heckmeck, den ich in all der Zeit in der Tech-Industrie noch nicht erlebt habe. Nach gefuehlten 20 Emails hatten wir uns schon darauf eingestellt wohl bald noch den Scan eines polizeilichen Fuehrungszeugnis rueberzusenden.
Das Event selber bestaetigte uebrigens dieses “Reality Distortion Field”, denn da wurden so sensationelle Zahlen wie: “Wir sind Marktfuehrer bei den 17-21-jaehrigen in Indonesien” veroeffentlicht und ich wollte am liebsten in den Saal schreien: “Ker hoert auf mit dem Marketing-Bullshit, euch brennt nicht nur bereits die Jacke!”.
Gut, das PlayBook war fuer mich ein Highlight und dies lag/liegt vor allen Dingen an Tablet OS. Sorry, aber auch im Jahre 2013 ist dies das mit Abstand beste, performanteste und intuitivste Betriebssystem fuer eine Tablet-Plattform. Das kann man ganz objektiv nur so sehen. Die QNX-Leute haben da ganze Arbeit geleistet und gezeigt was moeglich ist.
Und jetzt BlackBerry 10
Am 30. Januar sollte nun die Wende eingelaeutet werden und ich hatte das Glueck in Dubai dabei sein zu duerfen. Ganz ehrlich, die ersten 25 Minuten der Praesentation liessen mich an die schlimmsten Erfahrungen der Vergangenheit mit BlackBerry denken. Viel flaches Marketinggeschwafel, welches auch noch sehr eindimensional und unlustig rueber kam.
Die Produktpraesentation liess mich dann aber aufhorchen und vor allen Dingen erzeugte diese hin und wieder das beruehmte Glaenzen in den Augen. Ja, BlackBerry Balance ist klasse, der Hub sieht klasse aus und verdammt noch mal haben die da ein virtuelles Keyboard gebastelt. Das setzt neue Standards.
Aber reicht das?
BlackBerry 10 ist praktisch ein Druckverband der die Blutung stoppt, nur befuerchte ich, dass dieser auch reichlich spaet angelegt wurde! Im Januar 2012 waere das BlackBerry Z10 Smartphone ein Killer gewesen und haette wirklich dicke Ausrufezeichen mit seinen Features gesetzt. Jetzt tendiere ich eher dazu zu sagen, dass es ein wenig “too little, too late” ist und das liegt vor allen Dingen daran, dass das ultimative Killerfeature fehlt. Diese eine Funktion die alle haben wollen. Diese App, die man einem Android- oder iOS-User zeigen kann und deren Kinnladen nach unten zieht.
Genau diese gibt es nicht und dabei haette BlackBerry diese so bitter noetig. Na klar werden gerade die professionellen User, die in den letzten Jahren nach Android und iOS abgewandert sind, wieder einen Blick auf diese Plattform werfen und vielleicht auch zurueckwechseln aber ich bezweifle ganz ehrlich, dass die reichen wird, um die Kanadier zurueck aufs Treppchen der grossen 3 Smartphone-Oekosysteme zu hiefen.
Ich habe es wirklich gehofft, aber ich befuerchte dazu muss RIM noch eine ganz dicke Schueppe drauflegen. Nicht Android oder iOS stehen als Konkurrenz vor BlackBerry, sondern Windows Phone. Ja, die Ansprueche muessen wieder runtergeschraubt werden und sobald dies auch wirklich in der Chefetage angekommen ist, wird das Flaemmchen der Hoffnung neu entzuendet.
BlackBerry 10 ist ein Meilenstein fuer die Kanadier, aber mehr auch nicht. Um 2013 richtig wettbewerbsfaehig zu sein braucht es noch ein wenig mehr.
Ich gebe die Hoffnung nicht auf
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