Bevor umgehend diverse Leser an meiner geistigen Zurechnungsfaehigkeit zweifeln, ich verfasste diesen Artikel absolut nuechtern und ohne den Einfluss sonstiger bewusstseinserweiternde Substanzen um exakt 9:15 Uhr in meinem Hotelzimmer in Seoul, wo ich mich gerade aufgrund eines Samsung-Events aufhalte.
Zu keiner Firma habe ich in den letzten fast 30 Jahren eine derart intensive und emotionale Hassliebe entwickelt, wie zu unseren Freunden aus Cupertino und das hat einige verdammt gute Gruende, die ich zumindest ansatzweise erlaeutern moechte.
Die 80er und 90er
Im Jahre 1984 bin ich zum ersten Mal mit einer Apple Lisa und einem Apple IIc in Kontakt gekommen. Beides Plattformen, die mich von der ersten Sekunde faszinierten! Der IIc sah nicht nur absolut genial aus (was vor allen Dingen an Hartmut Esslinger von Frogdesign lag), er liess meinen C64 rein performancetechnisch mal richtig alt aussehen. Ob der Apple Farbmonitor oder der ueber den verlaengerten Ruecken geklappte LCD-Screen, der IIc war fuer ein Rechner aus einer voellig anderen, fuer mich damals finanziell unerreichbaren Welt.
Ja und dann war da die Lisa! Fett, bulky, mit nem eingebauten S/W-Monitor, unglaublichen 1 Megabyte RAM und (Achtung…)einem Luefter!!! Wenn ein Computer schon einen Luefert benoetigt, dann kann diese Kiste nur direkt aus der Feder des Hofdesigners von Satan himself stammen und muss so unglaublich viel Power unter der Haube haben, dass nach dem Abschalten der Frischluftversorgung eine globale Katastrophe verursucht werden wuerde, die das China Syndrom wie ein Experiment im Reagenzglas aussehen liesse.
Aber was noch viel spannender war, die Kombination aus Maus und Finder (der damaligen UI der Lisa)liess mich in ein neues Universum fernab jeglicher Kommandozeile eintauchen. Ich konnte doch tatsaechlich Dokumente, Ordner, Dateien anklicken und diese wurden dann ausgefuehrt. Hexerei…. mindestens!
Wenn ich mich recht erinnere, dann kostete die Lisa damals einen heftigen DM-Betrag jenseits der 10 000 und das war fuer mich als Schueler in etwa aehnlich gut finanzierbar, wie ein Flug zur Mir.
2 Jahre zogen ins Land, ich konnte mir dank Jeanssparbuch, Sparschweinen, Firmungs-Geld (schreibt man das eigentlich so oder oute ich mich nun als praktizierender Atheist?), Ferienjobs und einen mich immer unterstuetzenden Grossvater (der jetzt verdammt stolz waere, wenn er diese Zeilen lesen koennte)einen Mac Plus kaufen. Seht her ihr Atari ST, Amiga, C64, CPC 664, Sinclair QL User… ihr habt zwar zum Teil auch nen 68000er Motorola und dennoch ist mein Mac irgendwie ein wenig anders.
Sprich, ich war stolz wie Oskar und gluecklich meinen Mac fast 5 Jahre zu nutzen. Jaaahaaa…. willkommen in den 80ern und 90ern, den Jahrzehnten in denen man sich noch einen Rechner fuer eine halbe Dekade kaufte und nicht jedem Trend hinterher hechelte. Eine Zeit, in der die Marketing-Agenturen der grossen Hersteller noch Bekleidung bastelten (ich hatte diverse Apple Sweatshirts und sogar eine Apple-Weste mit eingebauten Lautsprechern!)und dir nicht jeder Honk erzaehlen wollte, warum es wichtig ist einen neuen Rechner zu kaufen, der 10% schneller ist.
Apple war so verdammt cool und ich verschlang so ziemlich jedes Buch ueber Jobs und Woz (letzterer war fuer mich eh immer das heimliche Vorbild). Apple-Aufkleber auf meinem Schulbuch fuer die Englisch-Klasse in einer Zeit, als dich noch Klassenkameraden fragten, warum du dir denn angebissene Fruechte auf die Kladden knallst und ob es sich dabei um einen Boskoop oder Golden Delicious handelte.
Ganz ehrlich, wenn ich ueber diese tolle Zeit nachdenke, bekomme ich noch heute ein wenig Gaensehaut. All die Abende mit Freunden,in denen wir via Appletalk “Maze Wars” auf unseren Macs spielten oder mit einem 300 Baud Modem die Mailbox-Landschaft erkundeten. Diese Zeit, als wir mit Pagemaker noch die “Schrottpresse” editierten, eine lokale Computerzeitung fuer Freaks, die dann auf DIN A5 ausgedruckt wurde (und urspruenglich mit Printfox auf dem 64er gebastelt wurde).
Verdammt war ich ein Apple Fanboy, ohne jedoch all diese Flamerei die immer wieder den Amiga- und ST-Usern nachgesagt wird. Im Vergleich zum heutigen Internetzeitalter gab es kein Bashing, flaming oder sonstige Argumentationen auf Kneipenniveau. Wir waren einfach Computerfreaks, die uebers Wochenende ihre Kisten einpackten um irgendwie in Eindhoven Copy- und Demo-Parties zu feiern. Community und miteinander. Jap, das waren die 80er. Hey, seht her wir haben Computer und kein Kopierschutz stoppt uns davor, das Intro unserer Gruppe vor euer Prograemmchen zu knallen.
Artikelseiten
- 1. Meine Zeit als Apple Fanboy
- 2. Das "neue" Apple
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