Apple Maps ist das mit Abstand groesste Desaster einer westlichen IT-Firma, seit dem “sensationellen” Intel Pentium Bug. Wenn sich ein Apple CEO oeffentlich entschuldigen muss, Produkte der Konkurrenz empfiehlt und dann auch noch den verantwortlichen Manager feuert (der intern eigentlich noch vor Tim Cooks als Steve Jobs Nachfolger gehandelt wurde), dann muss schon wirklich richtig was in Cupertino vorgefallen sein.

Kommentar: Der wahre Grund des Apple Maps Desaster

Der Launch der hauseigenen Maps APP duerfte wohl als einer der dicksten Boecke in die Geschichte der Firma aus Cupertino eingehen, aber wie war das ueberhaupt moeglich? Wie konnten die detailversessenen Perfektionisten aus Kalifornien jemals so ein Stueckchen Software auf den Markt bringen, von dem sogar die Australische Polizei sagt, dass diese lebensgefaehrlich ist?

Apple hat die Art und Weise wie wir Smartphones, aber auch Tablets nutzen, fundamental veraendert und zeitweise Usability-Standards gesetzt. Das Woertchen “Experience” war hier nicht nur eine Marketing-Blase, sondern hatte allererste Prioritaet, bis hin zu Steve Jobs himself, der auch noch mal gerne mitten in der Nacht einen Designer anrief, um nach anderen Schattierungen oder Farbnuancen zu verlangen. Apple bedeutete Design, Style, Perfektion und sollte mal der Empfang eines iPhones nicht wie gewuenscht sein, dann hielt man das Phone einfach falsch. Cupertino und Fehler? Ausgeschlossen!

Warum also hat Apple nur diese qualitativ unterirdische Maps App ausgeliefert? Hierfuer kann es nur 2 Gruende geben:

  1. Apple hat einfach vergessen seine bekannte und typische “Experience” auszuliefern und vor allen Dingen diese auch zuvor zu evaluieren.
  2. Cook und Forstall wussten, dass die App nicht reif fuer den Markt war und haben sich einfach dazu entschieden das iPhone 5 mit iOS 6 dennoch zu veroeffentlichen.

Ich behaupte einfach mal ganz frech, dass jeder, der auch nur ansatzweise mal ein komplexeres Projekt durchgefuehrt hat und sich ein wenig mit der IT-Industrie auskennt, hier auf den 2. Punkt tippen muss. Nein, nicht tippen, man weiss das einfach!

Das iPhone 5 wurde intern ueber Monate getestet und selbstverstaendlich waren auch dutzende Mitarbeiter damit beschaeftig, die Apple Maps App immer und immer wieder auseinanderzunehmen. Die Verantwortlichen wussten ob des Beta-Status der hauseigenen Kartografie-Loesung und mussten eine Entscheidung treffen: Wollen wir in den Verkauf gehen oder gehen wir ein paar Monate spaeter auf den Markt?

Diese Entscheidung wurde letztendlich nicht vom Bauernopfer Forstall getroffen, sondern vom CEO Tim Cook! Die komplette Fuehrungsriege wusste nicht nur, dass es Jahre dauern wird bis Apple seine App im Vergleich zu Google und Nokia konkurrenzfaehig macht, sondern auch, dass die Wallstreet mit einen ganz dicken Grizzleybaeren drohte, der sinkende Kurse verkuendete.

Haette Apple den Verkaufsstart verzoegert, waeren die Analysten wie die Ameisen ueber Cupertino hergefallen und haetten Cook und seine Fuehrungsqualitaeten taeglich mit immer neuen Vermutungen auseinandergenommen!

Also wurde mit heisser Nadel ein unfertiges Produkt auf den Markt geworfen, welches so dilettantisch zusammengeschustert wurde, dass noch nicht einmal Zeit blieb das Icon der hauseigenen App durch das Qualitymanagement-Team ueberpruefen zu lassen:

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via MacRumors

Wenn wir uns das Icon einmal ein paar Sekunden genauer anschauen, offenbart sich die ganze Schlampigkeit der Apple-Entwickler. Die Navigation schlaegt doch tatsaechlich vor, dass der User direkt von einer Ueberfuehrungsbruecke links herunter auf den Highway springen soll!

Jobs waere bei so viel Schludrigkeit nicht nur ausgerastet, er haette das Icon sogar persoenlich ueberarbeit.

Das ist einfach der Unterschied zwischen einem Buchhalter und Zahlenjongleur wie Cook und einem leidenschaftlichen Perfektionisten wie Steve Jobs!

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  • http://twitter.com/caschy Carsten Knobloch

    Und bei LG und Google streicht man einfach angebliche Hardware-Features aus den Hilfedateien. Wo bleibt dein Kommentar? ;)

    • http://www.mobilegeeks.de/ Sascha Pallenberg

      wenn die ersten Leute deswegen von ner Bruecke fallen oder in der Wueste verdursten, melde ich mich dazu. Halte mich bitte auf dem Laufenden

      • johannes cermak

        wieviele leute sind wegen dem map desaster verdurstet oder von der brücke gefallen.?!

        und so nebenbei hat das map desaster auch etwas gutes…endlich hat google seine karten app mit all den dingen gefüttert die sie bis jetzt einfach weggelassen haben für die ios user.

        • http://www.mobilegeeks.de/ Sascha Pallenberg

          oh da gebe ich dir voellig recht. Fuer Google war das ein Gluecksfall…

          ich habe die aktuellen Daten der durch Apple Maps verunglueckten User nicht am Start…
          Ne Johannes, bitte nicht alles so ernst nehmen… meinte der Caschy ja auch nicht so.

          Das war ein umfangreicher Pro-Apple Kommentar, denn die muessen endlich wieder zurueck zu ihren alten Staerken finden. Das haelt auch die Konkurrenz auf Trab

          • http://twitter.com/caschy Carsten Knobloch

            Vor den Google Maps wurde mittlerweile auch gewarnt.

        • Co0n

          wenn man dem Apple Maps Logo glauben schenken darf, dürfte schon so ziemlich jeder 2. versucht haben auf ner Brücke abzubiegen ;-)

        • st0815

          Die Google Maps App gab es vorher in dem Sinne nicht. Es war eine Apple Maps App die über ein API auf Google-Daten zugreifen durfte.

    • dejo

      Wie man es bei der Überschrift erkennen kann geht es um Apple und nicht die Konkurrenz. Finde es schade, dass man nicht zum Beitrag kommentiert sondern eher dazu kommentiert wie besser oder schlechter andere Firmen sind.

    • Leandros99

      Ich bin zwar ein Google und Android fan, jedoch stimme ich dir voll und ganz zu.
      LG war eine schlechte Wahl, noch niemals ein so schlecht verarbeitetes Smartphone besessen.

  • Shigella

    Netter Kommentar, welcher im Gehensatz zu manch einem Artikel auf Netbooknews/Mobilegeeks absolut keine Tendenz von Apple-bashing enthält ;), sondern konkret die Probleme vom Apfel in den letzten Monaten wiedergibt!
    Als Appleuser muss ich die Qualität der Beiträge in letzter Zeit loben!
    Weiter so Sascha und co…so macht mobilegeeks wieder Spaß!

  • Michael Buchner

    Dass betrifft aber nicht nur Apple. Als Android-User bin schwer enttäuscht vom Android Update 4.2. Weder sind die Neuerungen durchdacht gewesen noch bis zuletzt zu Ende gedacht. Daher kann man nicht nur Apple dieses Stricken mit heißer Nadel vorwerfen, sondern der gesamten Industrie, die auf das Lechzen der Gadgetfans angewiesen ist, um Rendite zu erwirtschaften. Ähnliches wird auch Windows Phone passieren, sollte die Kaufspirale ähnliche Ausmaße annehmen wie bei den Platzhirschen Android und iOS.

    Was ebenfalls auffällt ist die fehlende “Innovation”. Wirklich Neuerungen außer höher, schneller, weiter gab es im letzten Jahr für mich nicht. Einzige Ausnahme das russische YotaPhone mit rückseitigem E-Ink-Display.

    • KarlTreffzer

      So ist es! Der Zwang in der Einkaufszeit vor Weihnachten ein neues Produkt auf den Markt werfen zu müssen ist das Grundübel der Branche. Windows Surface mit Windows RT? Müll! Überteuerter Müll mit geringer Halbwertzeit. Samsung Galaxy Camera: Miese Bildqualität, lächerlicher Akku, überteuert. Den Irrsinn machen alle mit. Jelly Bean ist in vielen Details und Funktionen absolut zusammengestümpert und inkonsistent. Dabei hatte ich mich auf das Update gefreut. Die Fertigungsprobleme beim iPhone. Wo man hinsieht geht die Qualität runter. Alles dem beinharten Wettbewerb um den letzten Dollar/Euro vor Weihnachten geschuldet.

  • Thomas Schmidt

    Eine schöne Einschätzung gut beschrieben! Deine Meinung finde ich immer wieder interessant.

    Die Aussage zu Cook vs. Jobs kann ich nicht teilen. Wenn man nicht mehr wächst und einen gewaltigen Overhead finanzieren will, muss man halt die Kunden verarschen. Hätte Jobs auch. Das macht jeder Konzern. Die Fluglinien reden dann von Umweltschutz und die Pharmafirmen von Forschung.

    • http://www.mobilegeeks.de/ Sascha Pallenberg

      Aber der Unterschied ist, Jobs haette selbst so ein Icon nicht veroeffentlicht. Apples wichtigstes Gut ist die Usability und Experience gepaart mit detailversessenheit. Cook steht auf Zahlen!

  • emathion

    Was mich so langsam mal interessieren würde:
    Ich habe – nicht nur aus purem Interesse, sondern weil ich mich wegen einer ins Nirwana führenden Umleitung komplett verfahren hatte – Maps verwenden “müssen” und bin (trotz einiger Brücken auf der Strecke) problemlos an mein Ziel geleitet worden. Danach wurde ich mutiger und habe mich etliche weitere Male auf die so arg gescholtene Software verlassen. Und siehe da: Ich wurde zu keinem Zeitpunkt in die Wüste geschickt.
    Es stellt sich mir also die Frage, ob das als eine Ausnahmeerscheinung geltende glückliche Fügung war oder ob noch andere User solche (oder halt auch andere) Erfahrungen tatsächlich am eigenen Leib machen konnten?

    • kilum

      weil es in deutschland war,und es dort keine wüste gibt du depp!

      • emathion

        Ohne auf die vollkommen unangebrachte Beleidigung eingehen zu wollen: Woher stammt die Erkenntnis, das meine Erfahrungen aus Deutschland stammen?
        (Und wenn – schon einmal etwas von der “Lieberoser Wüste” gehört?)

        • kilum

          dei mutter is eine “Lieberoser Wüste”

  • http://www.androider.de/ Johannes “Jojo” Siemers

    Die einfache Lösung wäre gewesen iOS6 ohne das eigene Kartenprodukt zu veröffentlichen. Man hätte noch ein paar Monate auf Google zurückgegriffen. Man hätte vielleicht sogar beides anbieten können und das eigene Produkt als Beta veröffentlichen können. Aber das ist wohl nicht der Apple-Style …

    Man hatte sicherlich nicht dieses riesige negative Echo erwartet. Das dürfte Apple aus der Vergangenheit auch nicht gewohnt gewesen sein.

    • http://tblt.de/ Daniil Matzkuhn

      iOS6 hatte keine nennenswerten Neuerungen, außer eben Maps.

      Ohne Maps gäbe es einfach nichts, was einen Versionssprung erklärt hätte.

  • http://www.facebook.com/kimthepostman Kim Weigand

    Witzig zu lesen! Vor allem das mit dem App Icon ist mir noch gar nicht aufgefallen und hat tatsächlich, zusammen mit deinem sehr schön trockenen Satz, für einen hysterischen Lacher gesorgt. Ich finde außerdem, dass man richtig spürt, dass Steve Jobs nicht mehr dirigiert. In allen Belangen. Scuffgate und Maps.. das hätte Jobs nicht zugelassen. In seiner Biografie steht bsw, dass er die Einführung des ersten Macintosh verschoben hat, weil die Gehäuse Kratzer aufwiesen.

    • kilum

      apple fanboy???
      wer sonst liest eine steve jobs biografie???

      • http://www.facebook.com/kimthepostman Kim Weigand

        Hä? Als ginge es in der Biografie nur um Apple. Dazu müsste ich dann eine Apple-Firmengeschichte lesen.

  • http://twitter.com/ArsTwo Two

    Als jemand der sich ein bisschen mit Maps-Entwickung und Design beschäftigt hat, war das erste was ich gesagt hatte als ich “Apple Maps” hörte: “Damit werden die sich aber gehörig in die Sch… setzen”

    Der Aufwand der nötig ist um aus einem riesigen Datensatz von Vektoren die die Welt bis ins letzte Detail beschreiben eine Karte zu generieren die einerseits aufs Handy passt und andererseits noch möglichst detailliert und korrekt ist, ist unvorstellbar gigantisch. Und aus genau dem Grund hatte jeder Maps-Anbieter bisher auch eine lange Geschichte von Ausnahmen, teilweise lustig, teilweise dramatisch, bis denn dann nach Jahren der Anpassung endlich mal ein nur noch minimal falsches Ergebnis herauskam.

    Warum Apple aber trotzdem eine Karte rausgegeben hat? Die Antwort ist ebenso einfach wie ernüchternd: die einzig bezahlbare Möglichkeit eine Karte bis ins letzte Detail zu korrigieren ist Crowd-Sourcing. Man kann einfach nicht Tester jede noch so kleine Seitenstraße in jedem hinter-letzten Kaff kontrollieren lassen, wenn man vor hat das Produkt noch irgendwie gewinnbringend zu verkaufen. Ergo verlässt man sich also darauf, dass nach Beseitigung der gröbsten Probleme, der lokale Einwohner sich schon melden wird, wenn da etwas nicht stimmt.

    Die Frage ist natürlich wie man das macht und das ist eigentlich der Punkt wo Apple als Firma, die Fehler zugeben nicht im Angebot hat, so extrem versagt hat. Bei Google heißt die Korrekturfunktion “Map Maker”, bei Nokia heißt sie “Map Creator” und bei Apple heißt sie “Das ist nicht unser Fehler, sie benutzen die Software falsch”. Hier hätte einfach mal zum Beta ein Tool gehört, in dem der Nutzer schnell und unkompliziert Korrekturen hätte einpflegen können, aber dann hätte Apple ja zugeben müssen, dass sie schlechter sind als die Konkurrenz.

    Da hatte man sich wohl gedacht das still und heimlich nachziehen zu können, aber daraus ist dann doch das bekannte PR-Desaster geworden. Und das ist der Grund warum der Verantwortliche gefeuert wurde: nicht die Qualität, die dürfte bekannt gewesen sein, sonst hätte sich Cook wegen Versagens selbst feuern müssen, sondern das die Korrektur eben nicht still und heimlich verlaufen ist, sondern mit vollem Tara durch jede Presse ging.

  • DennisVitt

    Jetzt lässt Cupertino deine App erst recht nicht durch ;) Recht haste, wirklich!

    • http://www.mobilegeeks.de/ Sascha Pallenberg

      ich befuerchte es auch schon :)

  • VFX

    dilettantisch schreibt man mit zwei t und nicht mit zwei l
    http://www.duden.de/rechtschreibung/dilettantisch
    sonst guter artikel

    • http://www.mobilegeeks.de/ Sascha Pallenberg

      da war ich dann wohl ziemlich dilettantisch unterwegs :)

      Danke fuer den Einwurf

  • st0815

    Ich mag ja falsch liegen, aber ich sehe das Maps-Desaster eher als ein von Jobs geerbtes Problem an. Hier hat sich die Firma nicht von dem emotionalen Ansatz von Jobs – Krieg gegen die Konkurrenzlos führen zu wollen – nicht trennen können.

    Aus dieser Einstellung heraus macht man dann eben nicht mehr das was einem selbst nutzt – sondern das was dem “Feind” schadet. Das zeigt sich auch bei der Auseinandersetzung mit Samsung, auf die man als Zulieferer eigentlich angewiesen ist. In vielen Bereichen kann man wirklich nur noch zwischen zwei oder drei Herstellern auswählen die überhaupt in der Lage sind so große Stückzahlen zu liefern. Sich da dann noch künstlich einzuschränken ist gefährlich falls dann in dem ein oder anderen Bereich der Konkurrent nicht die nötige Qualität liefern kann. Es schadet Samsung auch kaum, denn die Mitbewerben können und wollen in kurzer Zeit nicht so viel Kapazität aufbauen – dann verlagern sich die Aufträge anderer Kunden schlicht vom Apple-favorisierten Mitbewerber hin zu Samsung.

    Sinnvoller würde man die Patent-Streitigkeiten und die Zulieferstrategie komplett separat behandeln, aber es gibt immer mehr Anzeichen dass dem nicht so ist. Ich denke das Problem könnte sein, dass Apple zu sehr am Jobs-Ansatz klebt – einen Ansatz den er vielleicht selbst inzwischen revidiert hätte. So aber bleibt halt nur die Maxime vom “thermonuklearen Krieg”.

  • Stefan Schultze

    Mit Apple wird es langsam aber sicher bergab gehen ohne Job’s Detailtreue. Solche Sachen werden sich unweigerlich wiederholen.

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