Wenn Extremsportler wie Felix Baumgartner sensationelle und nie dagewesene Leistungen vollbringen, dann sind die deutschen Noergler und Fingerzeiger nicht fern. Was sich in den Onlineforen und Kommentarspalten des Netzes fuer ein Bodensatz des Neids auftut, zeigt wieder einmal wie sehr Teile der deutschen Gesellschaft ticken. Michels und ewige Besserwisser haben zur Zeit wieder Hochkonjunktur!
Was war das nicht gestern fuer ein Ereignis und die halbe Welt hat zugeschaut. Der oesterreichische Extrem(st)-Sportler Felix Baumgartner hat wieder einmal mit saemtlichen Konventionen gebrochen und ist nun erst einmal fuer einige Jahre der schnellste Mensch auf diesem Planeten und das ganze ohne irgendeinen Duesenantrieb.
Selten habe ich einem Event so entgegen gefiebert und in den gut 3 Stunden Livestream kam mir immer mal wieder der Gedanke an meinen Grossvater, wenn er mir vom Sputnik oder der ersten Mondlandung erzaehlte. Ich erinnere mich genau an das glaenzen in seinen Augen und die Begeisterung die er mir entgegenbrachte. Da hatten Menschen etwas vollbracht, was man so nicht fuer moeglich gehalten hatte und elektrisierten und inspirierten dadurch Generationen.
Mit 10 Jahren las ich zum ersten Mal die Geschichte von Joe Kittingers Rekordsprung und wie er sich 1960 aus 31 Kilometer Hoehe in die Tiefe stuerzte. Eine dramatische Kurzgeschichte, in der Joe jede Sekunde des Sprungs detailgenau beschrieb. Dieses fast schwerelose Gefuehl in der Stratosphaere, der unglaubliche Gegenwind als er in die Atmosphaere eintrat und das Problem mit dem Riss in seinem Handschuh, wodurch eine seiner Haende auf die doppelte Groesse anschwoll. Jaaaahaaa, das waren Stories fuer einen 10jaehrigen, der noch nicht den ganzen Tag vor der Playstation hockte. Richtige Maenner, Gefahrensucher und Grenzgaenger, die dahin gingen wo zuvor noch kein Mensch war.
Und jetzt also der Baumgartner Felix, der sich fast 10 Jahre auf diesen Sprung vorbereitet hat. Alles akribisch durchspielte, um jede noch so kleine Unbekannte zu meistern. Ein Typ, der nicht nur ein Adrenalin-Junkie ist, sondern offenbar auch im wahrsten Sinne des Wortes ein “Down to Earth”-Typ! Das bewiesen nicht zuletzt seine Worte, als er vor die Kapsel trat und den Satz “Eine kleine Welt. Ich komme jetzt nach Hause” sprach bevor er sich in die Tiefe stuerzte.
Nicht nur in diesen Minuten, sondern auch in den Jahren zuvor und waehrend der gesamten Mission, die da live ins Internet gestreamt wurde (an dieser Stelle mal ein ganz dickes Lob an Servus-TV, die allen grossen Nachrichtensendern vorgemacht haben, wie man sowas durchfuehrt. Das war ganz grosses Tennis und zwar in HD!), stand ein Mann fortlaufend mit ihm in Verbindung, fuehrte die letzten Checks durch und teilte ihm mehrfach mit, dass ein paar ganz persoenliche Schutzengel auf ihn aufpassen: Joe Kittinger himself. Der 84-jaehrige sah nicht nur aus, als koennte er selber noch seinen Sprung wiederholen, nein er verband in diesem Moment aehnlich die Generationen, wie es damals mein Grossvater mit mir getan hat. Ein Mentor, der begeistert ist von dieser Mission und sie mit aller Kraft unterstuetzt.
Ja, ich weiss… ich haue hier ein wenig in die sentimentale Kerbe aber genau so habe ich es am gestrigen Abend empfunden und ich weiss, dass ich damit nicht alleine bin. Hier wurde Geschichte geschrieben und zukuenftigen Generationen aufgezeigt, wozu der Mensch in der Lage ist, wenn er sich ein Ziel setzt.
Was Baumgartner und Kittinger hier geleistet haben, wird tausende von Kids inspirieren in die Luft-, Raumfahrt und Wissenschaft zu gehen. Es wird Jungs und Maedels von den unendlichen Weiten des Weltraums traeumen lassen und letztendlich animieren, sich intensiver mit dem Thema zu beschaeftigen. DAS ist fuer mich mit Abstand die groesste Leistung von Red Bull Stratos!
Wenn man dann in all dieser (zugegeben recht unreflektierten) Euphorie die Kommentarspalten und Foren der deutschen Massenmedien aufschlaegt, dann fuehlt man sich wieder schneller auf dem Boden(satz) der deutsche Gesellschaft, als es einem lieb ist. Noergler, Besserwisser, Staenker und Neider wohin man auch schaut.
Ein paar Beispiele von Spiegel Online:
Gestern 20:30 von
blackstone13
Super Werbesendung
Echt super Show.
Red Bull erobert den Weltraum.
PR at its best.
Übrigends, in China ist grad ein Sack Reis umgefallen.
Eilmeldung: Sack Reis in China umgefallen!!!
Naja, was solls lieber Spiegel, man muss halt Höhepunkte der Menscheit kostruieren, damit die Klicks stimmen, gell?
Bitte Veröffentlichen!
LG
Blackstone
Gestern 20:36 von
Und das
ist einen Hauptartikel wert??!! Ich habe noch zswei Nachbarn, die viel interessanteren Lesestoff bieten.
Gestern 20:44 von
wieviel Kinder
hätte man mit 50 Mio. satt machen können. Und was für einen Nutzen hat so ein Sprung. Schwachsinn pur.
Gestern 21:02 von
easybremen
Wen interessiert das??
So ein Quark. Tagelang nur diese sinnlose Geschichte im Fernsehen…
Ja, willkommen im Deutschland! Sobald jemand auch nur ansatzweise 2 Zentimeter dickere Eier hat als Feinripp-Unterhemd Ernst, der sich gerade noch ueber die Griechen und das BILD-Zeitungs-”Jahrhundertspiel” gegen Italien ausgelassen hat, wird draufgehauen. Schwachsinn, ueberfluessig und sinnlos sind da noch die harmlosesten Vokabeln.
Das Totschlagargument kommt dann mit den hungernden Kindern und ich moechte am liebsten rausschrein: “Dann spende verdammt die Haelfte deines Einkommens, kaufe keine Kik-Buchsen mehr aus Bangladesh und gib die in China produzierte Tastatur zurueck, du Otto!” aber es bringt ja einfach nichts.
Der deutsche Michel ist kein Vorurteil, sondern Fakt. Die technikfeindliche Gesellschaft hier, laesst jedes Jahr zehntausende Akademiker nach Nord-Amerika und Asien auswandern, denn in Deutschland herrscht haeufiger Neid und Missgunst, als Anerkennung und Applaus.
Und genau diesen Applaus sollten wir alle Baumgartner und Kittinger spenden. Der Bursche aus Oesterreich und die Airforce Ikone aus den USA haben gezeigt, dass ihnen mehr am Wohle unserer Kinder und damit unserer Gesellschaft liegt, als all diesen einfaeltigen Klappspaten und Berufstrollen.
Bravo!
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