Der Upgrade-Wahn greift um sich und das insbesondere um die Jahreszeit in der sich die Schlinge des nahenden Weihnachtsfests unsichtbar, aber bestaendig um das Fundament des gesunden Menschenverstands legt. Hier der neue Laptop, da das neue Tablet und auch die naechste Generation an Smartphones wartet nur darauf in buntes Glitzerpapier gehuellt zu warden. Aber muss das alles wirklich sein?
Jetzt kann man natuerlich sagen, dass ich auf einem durchaus hohen Niveau jammere und nicht dem durchschnittlichen Verbraucher entspreche. Alleine in diesem Jahr haben wir bestimmt an die 30 Tablets, Smartphones und Net/Ultrabooks angeschafft, um mit selbigen umfangreiche Tests fahren zu koennen. Wer andauernd die neuesten Gadgets in ihren diversen Entwicklungsstadien ausprobieren darf, sollte aber auch in der Lage sein seinen Lesern zu begruenden, was diese den wirklich benoetigen und ob sich Updates ihrer “alten” Hardware ueberhaupt lohnen.
Lasst uns mal das Rad der Zeit um etwa 12 Jahre zurueckdrehen. Wenn mich nicht alles taeuscht, hatte ich damals einen Desktop PC ausgestattet mit einem 1Ghz AMD Athlon Prozessor, 1GB RAM und einer 120GB Festplatte. Meine Grafikkarte war eine GeForce MX400, die locker ausreichte um aktuelle Spiele auf dem 17-incher mit einer Aufloesung von 1280×800 auszugeben.
Diese Konfiguration hat sich fuer die naechsten 24 Monate nicht geaendert. Warum auch? Alles funktionierte wunderbar und ich habe nicht einmal im Traum darueber nachgedacht hier wegen 20% mehr Gesamtleistung etliche Hunderter auf die Ladentheke zu legen. Erst mit der neuen Pentium-Generation (Dualcore und Hyperhtreading inclusive) stieg ich dann 2004 um. Auch die Grafikkarte wurde gegen eine Radeon von ATI eingetauscht (ich glaube das war eine von diesen schicken 9700er, die man zu einer Pro-Version mit einem simplen Treiber-Hack freischalten konnte) und natuerlich gab e seine ganze Ecke mehr Festplattenspeicher fuer meinen schicken Minicube von Soltek.
Was ich letztendlich damit sagen moechte: Ich war weitaus genuegsamer mit der vorhandenen Hardware. Die Lebenszyklen waren viel laenger und zum groessten Teil wuerden diese von mir selber erweitert, in dem hier und da neuere Komponenten verbaut wurden. Bei meinem ersten Smartphone, dem Nokia Communicator 9300, sah das uebrigens nicht anders aus. Den habe ich fast 3 Jahre genutzt!
Und wie schaut das nun aus? In den letzten 5 Jahren habe ich meine Laptops, Smartphones und Tablets in einer Frequenz gewechselt, dass es mir rueckblickend schwindelig wird. 4 Netbooks habe ich “verbraten”, dazu kamen noch 3 Laptops/Ultrabooks, 6 Smartphones und ein halbes Dutzend Tablets. Klar, es ist mein Job aber rechtfertigt dies die Investition von mal eben locker 17 000 Euro? Wohlgemerkt in 5 Jahren!
All dies habe ich mal in den letzten Monaten Revue passieren lassen und mir die Frage gestellt, ob das wirklich noetig ist? Nein, ist es nicht und das sage ich als jemand, der euch taeglich mit den aktuellsten News zu allen moeglichen Gadgets versorgt. Irgendwie paradox, oder?
Mein Fuhrpark fuer die naechsten 12 Monate
Sony Vaio Z der 2011er Generation. Ohne Laptop geht bei mir gar nichts und deshalb habe ich jedes Jahr einen tiefen Griff in die Tasche gewagt. Fuer jeweils gut 3500 Euro habe ich mir die aktuelle Vaio Z Plattform von Sony in den letzten beiden Jahren zugelegt, weil es in meinen Augen einfach die besten Laptops sind. Extrem kompakt, ein 1080p Display und Performance ohne Ende.
Die 2011er Version war ein Impulskauf in einem Sony Store in Seattle (eigentlich wollte ich nur eine Huelle fuer mein Tablet S holen und dann habe ich doch noch voll zugeschlagen) und dennoch bin ich voll und ganz davon ueberzeugt, die richtige Entscheidung getroffen zu haben.
Auch 14 Monate spaeter benoetige ich kein Update fuer meine Sandybridge-Kiste, obwohl ich Weiss, dass Intels Ivybridge mir durchaus noch einen knackigen Performanceschub geben koennte. Ich brauch ihn nicht. Die Kiste hat mit ihrem Zusatsakku immer gut 10 Stunden Laufzeit und genau aus diesem Grund warte ich lieber auf Haswell im naechsten Jahr. 3500 Euro gespart, Sorry Sony J
Das Samsung Galaxy Tab 7.7 3G mag vielleicht nicht mehr das schnellste Tablet auf dem Markt sein, es ist aber mit Sicherheit eines der schoensten. Superduennes Case aus gebuersteten Alu, UMTS-Modul, Micro-SD Karten-Einschub, ein goettliches 7.7-inch Super AMOLED Display und dann auch noch ueber 12 Stunden Akkulaufzeit, Inzwischen lasse ich darauf den Cyanogen Mod 10 laufen und ich frage mich ehrlich, warum ich auch nur ansatzweise wechseln sollte. Zur Zeit benoetige ich kein Quadcore-Brett und wenn dann haette ich auch gerne eines, welches aehnlich gut verarbeitet ist!
Last but not least benoetige ich natuerlich auch noch ein Smartphone und das taeglich, stuendlich… ach, eigentlich immer!
Das Galaxy Nexus von mir ist ebenfalls keines dieser tollen Quadcore-Smartphones. Es hat auch nicht unbedingt den besten Screen und die Kamera ist ehrlich gesagt… beschisseneiden! Der Vorteil des Galaxy Nexus ist fernab der Tatsache, dass es immer die neuesten Android-Updates erhaelten, vor allen Dingen das schicke Design, welches ich komplett durch einen 4000mAh Akkus von Mugen zerstoert habe.
Die Performance des Dualcore TI OMAP reicht voellig fuer mich aus, ja ich bin sogar der Meinung, dass ein Singlecore genug Dampf fuer meine Anwendungen bieten koennte. Was mir aber vor allen Dingen wichtig ist, ist die Akkulaufzeit und mit dem Mugen-Monster brauche ich mir da wirklich keine Gedanken machen.
Es muss nicht immer Kaviar sein
Frei nach Johannes Mario Simmel bin ich inzwischen der Meinung, dass man nicht jeden Hype mitmachen muss. 2012 war fuer die “Mobile Industry” ein Uebergangsjahr und das wird 2013 nicht grossartig anders aussehen, wenn wir mal von den Launches von Windows Phone und Windows 8 absehen.
Die aktuelle Prozessoren und SoC-Generationen bieten nicht nur ausreichend Geschwindigkeit fuer saemtliche mobilen Anwendungen, ja sie werden vom Grossteil der User nicht einmal ansatzweise ausgereizt.
Einfach mal zuruecklehnen und darueber nachdenken, was man wirklich mit seinem Smartphone, Tablet oder Ultrabook macht. Benoetige ich wirklich die neueste Hardware, das gerade vorgestellte Gadget und ist mir das hunderte oder gar tausende Euros wert?
Spart euch einfach mal die Kohle und kommt mich in Taipei besuchen! Da koennt ihr dann mit all den aktuellen Gadgets rumspielen und werdet erkennen, dass die Generationsspruenge gar nicht so weltbewegend sind!
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