Vorne weg : Ich dachte bis jetzt die FAZ wäre noch eine der seriösen Zeitungen, aber es zeigt sich mal wieder, dass die Massenmedien lieber die Finger von PC Themen lassen sollten. Um was geht es? Das zur Zeit minütlich grüßende Murmeltier iPad natürlich. Unter der Überschrift ” iPad – Apple wird der Großverlag der Welt” möchte Herr Ibrahim Evsan erklären, wie Apple nach der Musik und Film Industrie, nun die Verlage umkrempeln wird.
Bei einigen seiner Thesen kann ich jedoch nur den Kopf schütteln.
Durch das iPhone hat sich nicht nur ein neuartiger Mobilfunkmarkt, sondern ein echtes mobiles Internet und ein ganz neues Verhalten in der Software-Nutzung ergeben. Mit einem einzigen Mausklick wird die Software auf das Gerät geladen und installiert sich von selbst
Aha, vor dem iPhone gab es also kein “mobiles Internet” naja wenn er meint, aber dass das iPhone eine Maus besitzt ist mir neu.
Bevor das iPhone kam, schien es undenkbar, dass man sich als Handybesitzer Software herunterlädt.
Kein Frage, der App Store hat das herunterladen von Software revolutioniert und massentauglich gemacht, aber undenkbar ist für mich eher sowas wie die Kernfusion, als sich manuell Software für Windows Mobile, Palm OS oder das ganze Java Gedöns runterzuladen.
Es müssen schleunigst Online-Angebote der Verlage her, denn jetzt besteht – bei einer weiten Verbreitung des iPads – die Möglichkeit, die Inhalte gegen ein – wenn auch um den Apple-Anteil vermindertes – Entgelt für den Qualitätsjournalismus zu erheben.
Der Artikel selbst ist mal wieder ein Beispiel was passiert wenn Internet-Unternehmer versuchen Felder zu beackern, von denen sie keine Ahung haben.
Ich will jedoch explezit auf ein paar richtige und wichtige, wenn auch offensichtliche Punte hinweisen :
Apple hat es verstanden, die gesamte Wertschöpfungskette in ihre Produktstrategie einzuschließen und zu kontrollieren. Sie haben die Kunden, beherrschen die Abrechnung, die Softwarebasis und ein weltweites Vertriebssystem.
Zu kontrollieren, dass ist das Hauptanliegen von Apple.
Apple ist eine Supermacht mit ganz eigenen Regeln, so wie auch Google und Amazon.
Das unterschreib ich sofort!
Das Apple iPad wird sehr bald auch auf dem deutschen Markt erscheinen. Dann wird sich vor allem zeigen, ob die deutschen Verlage reif für die neue Technik sind.
Deutsche Verlage und Neuheiten ? Das kann nichts werden. Aber das nur am Rande.
Wenn jetzt auch bereits alle schreiben, dass das Amazon einpacken kann, man sollte das doch mal ein wenig nüchterner betrachten : Amazon verkauft mehr EBooks als Bücher – und das obwohl sie (wie Apple sonst immer) den Standard (epub) ignorieren und ein eigenes properitäres Format nutzen und somit nur an Kindle Besitzer EBooks verkaufen. (Bezieht sich nur auf die USA, aber iBookstore soll ja auch erstmal nur in den USA kommen)
Ibrahim Evsan ist übrigens nicht so weit weg von der ganzen Materie “Internet” wie die meisten Qualitätsjournalisten – denn er ist selbst ein Gründer einer Web 2.0 Firma, (auch wenn ich diesen Web 2.0 Begriff hasse wie die Pest), nämlich Sevenload.
Ist eine gute Reputation erst einmal geschaffen, …
Und genauso schnell kann die Reputation auch wieder kaput gemacht werden, Herr Evsan, z.B. mit einem Artikel wie diesem.
Einer These aus dem Artikel möchte ich etwas mehr Zeit widmen :
Also wäre es falsch, im iPad einen weiteren, schicken eBook-Reader zu sehen.
Stimmt, es wäre falsch das iPad als EBook Reader zu sehen, dem stimme ich zu. Aber nicht wegen den zusätzlichen Funktionen, sondern weil etwas wichtiges fehlt, weshalb ich das iPad nicht als EBook Reader bezeichnen kann. Was genau? Bis vor 2 Tagen brauchten EBook Reader ein eInk Display! Aber dann kam Apple und auf einmal sind LCDs nicht mehr Augenschädlich, anstrengend, stromverschwendent und in der Sonne unlesbar. Logisch oder ?
Das ist für mich rational nicht zu erklären, Hauptsache es ist ein angebissener Apfel drauf oder wie ?
Meine These : Das iPad kommt zu früh !
Es braucht unbedingt ein Pixel-Qi oder gar Mirasol Display. Es gibt kein Produkt auf dem Markt, das durch ein solches Hybrid Display soviel Funktionalität gewinnen würde. Damit habt ihr dann wirklich einen großen iPod Touch und einen EBook Reader in einem. Und falls man Pixel IQ glauben darf sollte das theoretisch nicht mal viel Aufpreis kosten, zumindest für Apple in der Produktion.
Ich für meinen Teil glaube, dass Tablets erst mit Hybrid Displays (oder theoretisch mit farbigen e-Inks, aber das dauert noch länger) interessant werden.
Gastkommentar von Kr0nos // Flo
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