Kann es eigentlich noch schlimmer kommen? Weil Apple-Fanboy und WeTab-Liebhaber Gutjahr die Amazon Kundentestberichte zum WeTab begutachtete, trat Neofonie-Geschaeftsfuehrer Helmut Hoffer von Ankershoffen am gestrigen Abend zurueck. Anstatt sich einzig und alleine auf sein Produkt zu verlassen und die Fuesse still zu halten, hat er bei Amazon mehr als wohlwollende Testberichte zum WeTab verfasst. Jetzt ist das fuer mich nicht wirklich so ueberraschend, ist es doch in der von Guerilla-Marketing-Agenturen durchtraenkten Branche durchaus ueblich, nur stellen diese sich fuer gewoehnlich ein wenig schlauer an. Auch wenn er unter dem Pseudonym Peter Glaser versuchte seinen Spin zu veroeffentlichen, so liess der oeffentliche Wunschzettel dieses Kontos auf den richtigen Namen zurueckschliessen. Ja servus aber auch!
Die Nummer mit dem Mediaplayer waehrend der ersten PK in Berlin, geschenkt… so arbeiten alle Firmen die Mockups zeigen und beim Blackberry Playbook beschwert sich auch niemand, dass dort praktisch nur 7-inch Screens mit nem Video gezeigt wurden (wenigstens hinter Plexiglas verpackt).
Die Pre-Launch PK im September dann weiterhin mit kaum zumutbaren Geraeten zu bestuecken (waehrend auf dem IDF ein Dutzend WeTabs rumlagen, die zum Erstaunen aller prima funktionierten), ist dann schon eher dumm. Letztendlich auch noch Rezensionen selber zu verfassen ist… bitte setzt dort ein Superlativ eurer Wahl ein, denn ich bekomme das zur Zeit nicht wirklich auf die Kette.
Seit Monaten habe ich immer wieder auf das Projekt hingewiesen und den Jungs die Stange gehalten, denn ich kenne die Hardware und diese ist mehr als locker in der Lage die an ein Tablet gestellten Anforderungen zu erfuellen. Das beste Beispiel hierfuer ist das ExoPC Projekt, welches den zur Zeit besten 11.6-incher liefern wird und das alles noch unter Windows 7 laufend. WeTab OS hatte rein von der GUI einen interessanten Ansatz und ging mit dem Platz auf dem grossen Display sehr innovative Wege, denn die Daumensteuerung hat wirklich was fuer sich. Ja, auch den Switch zu MeeGo habe ich voll und ganz befuerwortet, es war die richtige Entscheidung.
Was man aber nicht macht, wenn man ein derartig komplexes Hardware-Projekt mit einem angepassten OS startet ist, dass man in die Oeffentlichkeit geht bevor die Kiste auch nur ansatzweise funktionsfaehig ist. Hype erzeugen, Aufmerksamkeit bekommen… ja, das macht alles ordentlich Spass. Warhols beruehmte 15 Minuten waren angebrochen und die Presse ueberschlug sich (Freunde, das war in Berlin schlimmer als im Sommer-Schlussverkauf und ich war kurz davor den ein oder anderen Presse-Toni an der linken Nasen-Scheidewand vor die Tuer zu ziehen, so behaemmert haben sich da einige DPA und Reuters Leute benommen)mit Lobeshymnen. Wenn ich sowas mache, dann stehe im Thema, kenne die Hard- und Software, weiss wie ich auf Anfragen reagiere und habe vor allen Dingen mindestens einen Plan B. Das ist doch hier kein “Jugend bastelt fuer Olympia”-Projekt!
Das WeTab hat Potential und koennte die “Sofa-Surfer”-Nische vorbildlich besetzen. Wenn man sich jedoch andauernd selber Steine in den Weg legt, lieber Helmut, dann wird das einfach nichts. Die Entschuldigung ist draussen (auch wenn ich deine Relativierung, dass es ein Fehler gewesen waere nicht den eigenen Namen zu benutzen, bedauernswert finde), du hast die Konsequenzen gezogen und nun lass die 4tiitoo Leute an der Software arbeiten, die wissen was zu tun ist.
Bei aller Sympathie fuer das gesamte Projekt, ich bin nachwievor sehr sehr enttaeuscht, dass dies alles so gelaufen ist.
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