Die Herren Netzbetreiber finden es gar nicht gut, dass Google und Apple fiese Monopole (also mehrere Monopole, ja, das geht) innehaben und ihnen damit angeblich die Gewinne wegnehmen. Auf dem Mobile World Congress 2013 forderten gestern drei große Netzbetreiber einhellig, dass die EU doch bitteschön den Zusammenschluss von großen Mobilfunkanbietern zulassen solle, damit diese den bösen amerikanischen Monopolisten etwas entgegen setzen können.

Netzbetreiber auf dem MWC: Google & Apple sind böse – Die verzerrte Welt der Mobilfunkbosse

Im Grunde wollen die Mobilfunker aber wohl auch nichts anderes, als den Wettbewerb beschränken, um ihre Gewinne zu sichern und zu steigern. Zumindest klingt alles danach, nachdem sich Vodafone, Telefonica (O2) und Telecom Italia gestern auf dem MWC gemeinsam mit großen Worten äußerten. Sie fordern unter anderem einen einheitlichen Markt mit gemeinsamen Regeln für ganze Europa, niedrigere Steuern und eine dauerhaft feste Vergabe von Funkfrequenzen an bestimmte Anbieter wie in den USA oder China, wo jeweils ein Netzbetreiber ein ganzes Frequenzband für sich allein hat, statt wie hierzulande im GSM-Bereich gemeinsam Frequenzen nutzen zu müssen.

So erklärte der Vorsitzende von Telefonica Cesar Alierta (Bild oben), dass die Lage in Europa derzeit keine Chancengleichheit bietet. Es sei nicht tragbar, dass die Netzbetreiber mehr für den Kauf von Geräten ausgeben, als für das Vorantreiben des Netzausbaus. So seien in den letzten Jahren 225 Milliarden Euro investiert worden, ohne dass sich dies bisher ausgezahlt habe. Um Google und Apple etwas entgegen zu setzen, arbeitet Telefonica so wie die Deutsche Telekom und diverse andere Netzbetreiber mit alternativen OS-Anbietern wie Mozilla (Firefox OS) zusammen, wobei sich die Unternehmen natürlich vor allem mehr Kontrolle über die Inhalte wünschen, um daran mehr zu verdienen.

vodafone vittorio colao Netzbetreiber auf dem MWC: Google & Apple sind böse   Die verzerrte Welt der Mobilfunkbosse

Aktuell werde das Internet von einer kleinen Zahl von Anbietern dominiert, die die Wahlfreiheit der Kunden beschränken, so Alierta. Man unterstütze offene Ökosysteme, um Monopole aufzubrechen und den Kunden mehr Wahlfreiheit und Flexibilität zu ermöglichen. Firefox OS sei eine der Möglichkeiten, um eine Balance im Mobilfunkmarkt zu schaffen. Sein Kollege Vittorio Colao (Bild oben), Chef von Vodafone, forderte die Wettbewerbsbehörden auf, “Konsolidierung geschehen zu lassen” und sich nur einzumischen, “wenn der Markt scheitert”. Colao forderte außerdem eine einheitliche Regulierungsbehörde für ganz Europa. Dafür müsse man zwar etwas örtliche Autonomie aufgeben, aber es sei dennoch sinnvoll. Der Vodafone-Boss brachte sogar einen Vergleich mit dem aktuellen Pferdefleischskandal, wohl weil dieser seiner Meinung nach auf eine fehlende zentrale Kontrollinstanz zurück geht – es sei nicht nur eine wirtschaftliche Entscheidung, sondern eine große politische Diskussion.

Der Chef von Telecom Italia Franco Bernabe stimmte dem natürlich zu und forderte, dass die Mobilfunkanbieter im Austausch für ihr Investitionen in die Netze Hilfe bekommen sollten. In den meisten Märkten leiden die Anbieter seiner Meinung nach unter zu viel Wettbewerb. Die Regulierungsbehörden sollten deshalb lieber nur noch vorsichtig eingreifen und der Industrie selbst Neuordnungen überlassen. Die Regierungen sollten außerdem keine zusätzlichen Lasten schaffen durch Steuern und hohe Preise für Frequenzbänder.

So. Jetzt haben wir ja alle gelesen was da steht. Und? Fühlt ihr euch auch verarscht? Da stellen sich die alten Herren, die seit Jahrzehnten die Kunden schröpfen, doch tatsächlich hin und erzählen was von “wir wollen mehr Wettbewerb”, aber im nächsten Satz erzählen sie uns dann, dass sie den Wettbewerb einschränken wollen, um “zu überleben”. Wie weltfremd sind diese Leute eigentlich. Gerade in Deutschland zahlen die Kunden Mondpreise für die ach so tollen Dienstleistungen der Herren Netzbetreiber, egal welcher Anbieter es ist.

Künftig möchten die Herren also, dass wir die Inhalte auf unseren Geräten von ihnen statt von Google oder Apple diktiert und geliefert bekommen. Und, dass nur noch ein paar wenige Anbieter pro Land aktiv sind. Die dazu auch noch am besten wie in den USA und China unterschiedliche Mobilfunkstandards nutzen, so dass man für jedes Netz ein neues Gerät braucht. Und das alles am besten ohne Regulierung. Und mit Pferdefleisch. Argh. Stattdessen geht es ihnen ganz offensichtlich nur um die langfristige Sicherung von Milliardeneinnahme, wobei Dinge wie Wahlfreiheit und Flexibilität nur als Vorwand genutzt werden, um gegen die sicherlich nicht unbescholtenen Riesen zu wettern – nur um künftig selbst die Monopolisten zu spielen und uns genau diese Dinge zu nehmen. Herrlich.

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  • LinHead

    Liebe EU – lasst Euch nicht beirren, das System funktioniert doch ganz gut hier und hat für die Kunden Vorteile.

    Und was die Subventionierung der Geräte angeht – Euer Problem liebe Betreiber. Schafft die Subventionierung doch einfach ab. Für den Kunden ist es bei genauem Rechnen doch oft eh billiger sich das Gerät anderweitig günstig zu besorgen und dann einen günstigeren Vertrag abzuschließen.

    Ich bin da ganz klar für die Trennung zwischen Mobilnetzkontrolle und Inhalte-Anbietern – ein Zusammenlegen an dieser Stelle würde erst recht Monopole schaffen.
    Man stelle sich vor Apple oder Google würden jetzt auch noch die Netze besitzen…

    • CornelS

      nur mit dem Flächendeckenden LTE Ausbau funktioniert es nicht so wirklich. Da haben andere Länder eben schon die Nase ganz weit vorn.

      • LinHead

        Was weniger an der Regulation als an der freien Auslegung der Netzbetreiber liegt.

        Und in den USA funktioniert das überhaupt nicht.

      • shortman

        na ja, das sind aber oft die Länder, bei denen 3G gar nie voll umgesetzt wurde und daher der Leidensdruck besonders hoch war/ist

  • http://twitter.com/michael_keil Michael

    Ist doch ganz einfach – ich hab jahrelang ohne Smartphone/Handy gelebt. Das geht auch. Einfach mal abschalten. Egal ob Pferdefleisch oder mobiler Monopolist. Lasst euch nicht mehr verarschen!

    • LinHead

      Sagt einer, der 4.400 mal gezwitschert hat und 960 anderen Zwitscherern folgt…

      ;-)

    • st0815

      Thema verfehlt, oder?

  • Phreeze

    http://www.golem.de/news/orange-chef-apple-unter-neuer-fuehrung-etwas-weniger-arrogant-1302-97832.html

    Orange hingegen findet Apple seit der neuen Führung weniger arrogant

    • http://www.facebook.com/roland.quandt Roland Quandt

      der herr hat aber mit apple und samsung und google genau das gleiche problem wie seine kollegen… siehe den gleich folgenden artikel hier

  • Søren Heider

    Die letzten sogenannten Inhalte von den bekannten Netzanbietern welche sich auf den “gebrandeten” Telefonen in aller Welt breit gemacht hatten waren, entweder qualitativ schlecht, fiese Kostenfallen oder komplett sinnfrei. Auch Kombinationen dieser drei Eigenschaften kamen häufig vor.
    Das führte bei mir mehrfach dazu, dass ich lieber ein Original – Gerät vom Hersteller gekauft habe anstatt mir ein verseuchtes Handy mit rosa Painware für einen überzogenen Preis über die Vertragsverlängerung “finanzieren” zu lassen.

    Auch wenn die armen Netzanbieter am Hungertuch nagen müssen, bitte nicht wieder drei Schritte zurück!

    • Kevin Kleebusch

      Erster Schritt für mich bei gebrandeten Geräten, Stock ROM ohne diesen Müll aufspielen.

  • shortman

    genial – die haben echt lange gebraucht, um zu merken, dass sie über kurz oder kurz dort landen, wo sie hingehören: dienstleister, um datenpakete von a nach b zu schieben – Ende!
    Und das ist schmerzhaft, verstehe ich. Mitleid? Nein! Wer keinen echten Mehrwert bietet, verschwindet. Noch schneller verschwindet, wer versucht, durch schwachsinnige Produktumstellungen (Limitierung des Datenvolumens ala O2 siehe gestern) den Kunden anderweitig zu melken.

  • tauerman

    Was? “Der Chef von Telecom Italia Franco Bernabe: …In den meisten Märkten leiden die Anbieter seiner Meinung nach unter zu viel Wettbewerb. Die Regulierungsbehörden sollten deshalb lieber nur noch vorsichtig eingreifen…” Hat er da gerade etwa öffentlich zugegeben er wolle verstärkt auf Kartelle setzen um mehr Einnahmen zu machen?

    • http://www.facebook.com/roland.quandt Roland Quandt

      ähm ja, genau das.

    • mcboss86

      Konnte es erst auch nicht glauben, als ich den Satz das erste mal gelesen hatte. Er fordert tatsächlich ein hartes Kartell um Preisabsprachen tätigen zu können und/oder Gebiete aufzuteilen.
      Da verstaatlichen wir den Telco Markt doch besser wieder und schieben die Monopolrente in die Staatskasse…;-)

  • Capone2412

    Stimme 100% zu!

    Ich dachte ich sehe nicht recht, als ich das gelesen habe.

    Wenn ich nach dem Release eines neuen Smartphones über den Teich blicke und sehe, dass es jedes mal Monate dauert, bis endlich die 300 Mio. verschiedenen Varianten der jeweiligen Netzbetreiber auf den US-Markt kommen… lachhaft!

    Dass ich für 1GB Volumen 40-50 Euro im Monat zahlen muss (ich gehe hier von D-Netz mit Multisim und LTE aus, nicht von Klarmobil und Aldi Talk) ist schon eine Frechheit, aber dass sich dann “die Herren Netzbetreiber” auf die Bühne stellen und ganz dreist über die Hintertür mehr Macht und Kohle fordern, schießt den Vogel ja wohl komplett ab!

    Und wer ist schuld? Google, Apple, die EU, das Kartellamt, … die armen Netzbetreiber! -.-

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  • st0815

    Ich befürchte hier wird völlig bewusst der Nebelwerfer eingeschaltet. Das ist zwar alles hanebüchener Unsinn und hat mit Google oder Apple exakt nichts zu tun – aber für einen technisch völlig unbedarften Politiker (“Was ist ein Webbrowser”) reicht das schon.

    Damit hat man den Eindruck erweckt man leide irgendwie unter der ausländischen Konkurrenz und das sei alles ganz unfair, und da müssten doch ein paar protektionistische Maßnahmen drin sein … Tja, bezahlen darf es dann der Verbraucher.

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