Auch wenn Nokia für sein billigstes Handy – das Nokia 105 – nur 15 Euro unverbindliche Preisempfehlung angibt, verdient der finnischen Hersteller daran noch immer recht ordentlich. Wie IHS iSuppli im Zuge einer ausführlichen Untersuchung der Bauteile des Nokia 105 herausfand, kann man bei dem Gerät eine Marge von fast 30 Prozent erwirtschaften.

Nokia 105 zeigt, wie man mit einem 15-Euro-Handy als Hersteller gutes Geld verdient

Der vom Hersteller empfohlene Verkaufspreis des Nokia 105 liegt laut IHS iSuppli bei rund 20 Dollar. Bei ihrem Teardown stellten die Analysten von IHS fest, dass die reinen Materialkosten bei dem absoluten Low-End-Mobiltelefon von Nokia wohl bei rund 13,50 Dollar liegen. Rechnet man die Kosten für den Fertigungsaufwand von rund 70 US-Cent hinzu, belaufen sich die Unkosten für das Nokia 105 pro Gerät auf rund 14,20 Dollar. Laut IHS ergibt sich aus diesen Zahlen eine Marge von rund 29 Prozent, die Nokia für jedes erfolgreich zum empfohlenen Preis abgegebene Nokia 105 einstreichen kann – ein beachtlicher Wert, wenn man bedenkt, dass es sich nicht um ein hochwertiges Smartphone handelt, sondern um ein “Ultra Low Cost Handset”.

Die Analyse von IHS macht auch deutlich, wie stark die Materialkosten inzwischen gesunken sind. So habe man vor acht Jahren das Nokia 1110 zerlegt, das damals den Bereich der Ultra Low Cost Modelle definierte und eine sehr ähnliche Ausstattung aufwies. Die Materialkosten des Nokia 1110 waren allerdings noch fast drei Mal höher als beim 105 – obwohl damals nur ein Schwarz/Weiss-Display verbaut wurde. Nokia konnte beim 105 offenbar die Preise so stark drücken, weil man an den gleichen Features festhielt, aber nun fast alle Funktionen in einem einzelnen Chip unterbringt. Die Kosten wurden dadurch dramatisch reduziert, so dass Nokia einigen Spielraum bei der Preisgestaltung hat und sich mit viel Selbstvertrauen in den hart umkämpften Markt für besonders billige Handy stürzen kann.

Einen erheblichen Anteil an den niedrigen Fertigungskosten hat ausgerechnet der eigentlich für seine Notebook- und Desktop-Prozessoren bekannte Halbleiterriese Intel. Intel steuert beim Nokia 105 den Baseband- und Funk-Transceiver-Chip PMB7900 bei, der die Kommunikation per GSM und GPRS ermöglicht. Hinzu kommen nur zwei weitere Chips, bei denen es sich um ein Übertragungsmodul von Skyworks und einen NOR-Flash-Chip von Micron handelt. Zusammen mit einigen anderen Bauteilen auf dem Board belaufen sich die Kosten für die drei Chips auf gerade einmal 5,25 Dollar – rund 39 Prozent der gesamten Materialkosten. Das Display kostet trotz seiner Farbunterstützung nur 2,25 Dollar und macht somit magere 17 Prozent der Kosten aus. Dies ist darauf zurückzuführen, dass es sich um ein TFT-LCD handelt, die in riesigen Mengen günstig gefertigt werden können. Die niedrige Auflösung von gerade einmal 128×128 Pixelt tut ihr übriges. Nokia lässt sich das Display außerdem von mehreren untereinander konkurrierenden Zulieferern fertigen, die sich gegenseitig mit niedrigeren Preisen unterbieten.

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  • Rene_K

    Um ganz kleinlich zu sein: Es fehlen Transportkosten (Verpackung könnte schon irgendwo eingerechnet sein) und auch die Gewinnmargen der Händler. Denn die müssen im UVP berücksichtigt werden. Ebenso wie die Steuern die in den entsprechenden Ländern zu entrichten sind. Die dürfen bei den Gewinnmargen des Unternehmens nicht eingerechnet werden, sind aber ebenso (zumindest meist) in den UVP integriert. Und da meine ich nicht nur die Steuern für den Verkauf, sondern auch Steuern die auf dem Gewinn gezahlt werden (bsp Körperschaftssteuer).

    Um die Kleinlichkeit abzurunden: Die Margen die hier angegeben werden sind also nicht korrekt. Ich denke man muss von der angegebenen Marge nochmals bei zu 30% abziehen um an die echte Marge zu kommen. Dann wären wir hier also um die 21%. Ist natürlich insgesamt immer noch gut. Allerdings wird komplett vernachlässigt, das der UVP nicht immer der VP ist…

    • http://www.mobilegeeks.de/ Sascha Pallenberg

      das passt dann wunderbar!

      Denn wenn man bedenkt, dass Nokia bei einem $20 Verkauf 29% Marge hat, dann sind genau diese 30% von dieser Marke noch mit drin.. aka um die $1.50 die sich der Haendler goennen kann

  • Nudnik_de

    Wie immer, die Preise von Isupply basieren auf 1.000’er Abnahmemenge. Da Nokia aber 5 bis 7-stellige Mengen abnimmt dürfte die Marge noch höher ausfallen!

    • http://www.mobilegeeks.de/ Sascha Pallenberg

      das sehe ich genauso!

  • CptCosmotic

    30% ist eine gute Marge, aber was macht das nachher wirklich an Gewinn aus? Wenn die Dinger wirklich für 20 Dollar vertickert werden, behält Nokia davon also 6 Dollar. Angenommen man verkauft eine Million davon, was ich für absolut unrealistisch halte (korrigiert mich bitte), dann liegt der Gewinn bei 6 Millionen Dollar. Versteht mich jetzt nicht falsch, Gewinn ist immer noch Gewinn und gut, aber 6 Millionen wären in einem so großen Unternehmen im Quartalsbericht nicht mal eine Fußnote wert. Damit kann man wahrscheinlich nicht mal ein einziges Managergehalt abdecken ;-)

  • Hansi

    Und Apple verdient mit ihren überteuerten Ladekabeln und Adaptern mehr als Nokia mit ihren Low Budget Handys

    • SeiSchlauBlockWerbung

      Die Kabel sind trotzdem Qualitativ hochwertig und nicht von Drittherstellern.

  • Ruben Schmitt-Fels

    wann kommt es endlich in deutschland raus? brauch ein neues für die baustelle ^^

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