Kürzlich hatten wir noch das Problem der Plattform-Zersplitterung der offenen Plattform Android, welche es Entwicklern schwerer macht als eine geschlossene Plattform mit einem übersichtlichen Gerätepark wie iOS. Jetzt gibt es wieder ein Beispiel dafür, welches andere Problem diese geschlossene Plattform für Entwickler bereit hält: Apple und nur Apple alleine entscheidet, welche Apps für iOS-Geräte angeboten werden dürfen. Und wenn Apple es so will, dann fliegt eine App auch mal ganz unvermittelt aus dem Store.

Aktuelles Beispiel: Das recht beliebte Airfoil Speakers Touch von Rogue Amoeba. Damit war es möglich nicht nur Audio-Streams von iOS aus an andere Airplay-Geräte zu schicken, sondern sie auch zu empfangen. Nach der Ankündigung gab es verschiedene Spekulationen, Apple könnte die App „gersherlockt“ haben. Als „sherlocken“ wird es bezeichnet, wenn Apple die Funktionalität einer Software ins Betriebssystem integriert, wie es vor einigen Jahren mit der Suchsoftware Watson passiert ist, deren Funktionalität in einer Folgeversion von Mac OS in Form des Programms „Sherlock“ bereit gestellt wurde. Man kann also durchaus sagen, dass das „Sherlocken“ bei Apple eine Art von Tradition ist.

Im konkreten Beispiel wurde vermutet, dass Apple eine entsprechende Funktion im kommenden iOS 6 planen würde und deshalb, sozusagen schon mal vorsorglich, die App aus dem Store entfernt habe. Es erscheint aber unwahrscheinlich, dass das der Grund ist. Zwar ist die offizielle Begründung von Apple – „undocumented use of public APIs“ – auch nicht wirklich hilfreich, den wahren Grund zu erfahren, es gibt aber eine plausible Vermutung. Zwar verwendet Airfoil Speakers Touch laut deren Entwickler nur dokumentierte APIs von Apple, aber es wird vermutet, dass die App auch einen geheimen Schlüssel von Apple verwendet, um die Audio Streams zu empfangen. AirPlay verwendet zur Kommunikation ein Schlüsselpaar: Der Sender meldet sich mit dem öffentlichen Schlüssel, der Empfänger braucht den geheimen Schlüssel, der z.B. an Hardware-Hersteller lizenziert wird, die AirPlay-kompatible Boxen bauen möchten. Unter Umständen haben Rogue Amoeba im letzten Update der Software auf diesen, kürzlich geleakten Key zurück gegriffen und die App wurde deswegen entfernt.

Unabhängig davon, ob die Entfernung berechtigt war oder nicht, zeigt der Fall wieder sehr deutlich wie groß die Risiken bei der Entwicklung für iOS sind und wie schnell die eigene App aus dem iTunes Store verschwinden kann ohne dass man überhaupt erfährt, was genau der Grund dafür ist. Das gibt Raum für Spekulationen und der Rat an alle Mobilentwickler kann nur lauten, sich nicht von einer einzelnen Plattform bzw. einem einzigen Distributionsweg abhängig zu machen.

Quellen: The Next Web, Daring Fireball, Rogue Amoeba

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