Mit der Samsung Galaxy Camera, einer 16-Megapixel-Digitalkamera inklusive 21-fach optischem Zoom, die mit Android 4.1 läuft und von einem Quad-Core-Prozessor angetrieben wird, hat Samsung ein Gerät auf den Markt gebracht, das aktuell auf sehr großes Interesse stößt. In unserem ausführlichen Test erfahrt Ihr, was die Android-Kamera taugt.
Hardware, Design und Verarbeitung
Die Galaxy Camera ist ein ziemlich schickes Gerät, aber nicht nur der optische Ersteindruck ist sehr gut. Obwohl das Gehäuse des Gerätes aus Plastik ist, fühlt es sich sehr hochwertig an. Mit knapp 300 Gramm ist die Android-Kamera zwar kein Leichtgewicht, ein Kritikpunkt ist dies für mich jedoch nicht. Das Gewicht verstärkt eher noch den Eindruck, ein solides Gerät in den Fingern zu haben.
Die Rückseite der Galaxy Camera wird komplett vom 4,8-Zoll-Super-Clear-LCD, das mit 1280×720 Pixel auflöst, ausgefüllt. Auf der Oberseite der Kamera befinden sich der Ein/Aus-Schalter und der Auslöser, inklusive eines Zoom-Reglers, der innerhalb des Android User-Interfaces auch als Lautstärkeregler dient.
Auf der linken Seite der Kamera befindet sich oberhalb des Lautsprechers der Galaxy Cam ein Knopf, mit dem sich der Blitz auf der Oberseite ausfahren lässt. Diese Konstruktion bietet – wenn der Blitz einsatzbereit ist – keinen Grund zu Kritik, wirkt ausgeklappt recht solide. In geschlossenem Zustand hat die Blitz-Konstruktion jedoch ordentlich Spiel – sie lässt sich merklich eindrücken, außerdem leicht horizontal und vertikal bewegen.
Auch die Klappe auf der Unterseite, hinter der sich micro-SD-Karten-Slot, micro-SIM-Einschub, micro-HDMI-Ausgang und das Akkufach verbergen, wirkt bei Weitem nicht so hochwertig, wie der Rest des Kamera-Gehäuses. Eigentlich praktisch: An den HDMI-Ausgang kommt man auch heran, ohne die komplette Klappe auf der Unterseite öffnen zu müssen.
Die entsprechende “Mini-Klappe” lässt sich mit kurzen Fingernägeln allerdings nur sehr schwer öffnen, wie übrigens auch die Abdeckung des micro-USB-Anschlusses auf der rechten Seite der Kamera. Neben dem micro-USB-Anschluss befindet sich auf der rechten Seite der Kamera noch der Kopfhörerausgang (oberhalb) und eine Öse (unterhalb), an der man das mitgelieferte Band befestigen kann.
Technische Daten:
CPU: 1,4 Gigahertz Samsung Exynos Quad-Core
RAM: 1 Gigabyte
ROM: 8 Gigabyte (plus micro-SD-Slot)
OS: Android 4.1.1
Display: 4,8 Zoll Super Clear LCD (1280 x 720 Pixel)
Konnektivität: Wifi, 3G, Bluetooth 4.0
Kamera: 16 Megapixel mit 21fach optischem Zoom
Detailliertere technische Daten finden sich hier.
Display
Das 4,8-Zoll-Super-Clear-LCD mit einer Auflösung von 1280 x 720 Pixel ist ein klein wenig ins Gehäuse eingelassen, sodass man die Galaxy Camera – ohne sich Gedanken darüber machen zu müssen, ob man dabei das Display zerkratzt – problemlos auf die Rückseite legen kann. Die Darstellung ist dank der HD-Auflösung gestochen scharf und die Farben machen ordentlich was her. Allerdings würde der Galaxy Camera meiner Meinung nach ein Display, das Farben neutraler darstellt, besser zu Gesicht stehen. Das Super-Clear-LCD stellt Bilder dank seiner “Farbpracht” prinzipiell sehr vorteilhaft dar – so vorteilhaft, dass ich oft am PC von Fotos enttäuscht war, die auf der Galaxy Cam wesentlich besser aussahen.
Software
Auf der Galaxy Camera läuft Android 4.1.1. Was das User-Interface angeht: Dies ist prinzipiell so, wie man es auch vom Smartphone oder Tablet kennt – es gibt keine größeren Anpassungen bezüglich der Tatsache, dass wir es hier mit einer Android-Kamera zu tun haben. Das einzige Auffällige diesbezüglich ist der Kamera-Shortcut in der linken unteren Ecke. Ein App-Dock, wie man es von Tablet oder Phone kennt, gibt es nicht. Da wir es hier mit einer Kamera zu tun haben, mit der man dank Wifi und 3G Bilder direkt ins Internet hochladen kann, ist beispielsweise Dropbox (mit 48 Gigabyte Bonus-Speicher für zwei Jahre) oder auch Instagram vorinstalliert.
Zum Bearbeiten, „Verschönern“ und Modifizieren von Bildern und Filmen taugen die Samsung Apps Paper Artist, Foto-Assistent und der Video-Editor. Der Foto-Assistent bietet vor allem die verschiedensten Optionen und Möglichkeiten Bilder qualitativ zu verbessern, während man mit dem Paper Artist seine Bilder künstlerisch aufpeppen kann.
Samsung bietet mehrere Möglichkeiten, Bilder auch für andere Geräte freizugeben. Dies kann man über DLNA, Wifi-Direct oder AllShare Cast. In meinem Test ging das per DLNA (auf das Nexus 7) zwar problemlos, das Laden von Bildern dauerte jedoch recht lange.
Da die Galaxy Camera auch alle Google Apps inklusive dem Play Store an Bord hat, kann man auf dem Gerät natürlich prinzipiell alle Apps, die man auch auf Smartphone oder Tablet nutzt, installieren. Ich habe die Galaxy Camera vor allem als das genutzt, was sie eigentlich ist: Eine Digital-Kamera. Das heißt im Klartext, ich habe weder meine Mails mit der Galaxy Cam gecheckt, noch meinen Social Networks einen Besuch abgestattet, oder gar ein Spielchen gewagt – dazu ist mir die Bedienung des Gerätes als „normaler Androide“ einfach zu unkomfortabel.
Kamera-Features, User-Interface und Bedienung der Kamera
Trotz des Gewichtes von 300 Gramm liegt die Galaxy Camera – vor allem dank des leicht gummierten und leicht strukturierten “Griffes” auf der rechten Seite – sehr gut in der Hand. Mit dem Einschalter auf der Oberseite wird die Android-Kamera in Betrieb genommen. Es wird jedoch nicht automatisch auch die (quasi) Kamera-App gestartet – war man zuletzt innerhalb des Android-User-Interfaces unterwegs, landet man auch erst einmal wieder dort. Um jetzt die Kamera(-App) zu starten, muss dann erst noch der Auslöser betätigt werden, dann fährt das Objektiv aus und die Galaxy Cam ist einsatzbereit. Hat man zuletzt die Kamera benutzt, startet diese jedoch sofort, nachdem man den Einschalter betätigt hat.
Zoom-Regler und Auslöser lassen sich mit dem rechten Zeigefinger gut erreichen und bedienen. Um Bilder scharfzustellen, muss der Auslöser nur ganz leicht gedrückt, um die Aufnahme zu machen ganz durchgedrückt werden. Das funktioniert bei der Galaxy Camera sehr gut – die erste Auslöser-Position spricht schnell und präzise an.
Die verschiedenen Kamera-Modi lassen sich auf dem Display rechts (mit dem Daumen) komfortabel aufrufen und auswählen. Die Galaxy Camera bietet drei Haupt-Modi: den Automodus, den intelligenten Modus und den Expertenmodus. Im Automodus gibt es keine weiteren Einstellmöglichkeiten, wohingegen der intelligente Modus Presets für alle Lebenslagen bietet. Von Makro über Landschaft und Nachtmodus, bis zu Panorama und Serienaufnahme, lässt sich für fast jede Gelegenheit eine geeignete Voreinstellung finden. Im Expertenmodus lassen sich dann von ISO bis hin zu Blende und Belichtungsdauer Kameraeinstellungen im Detail vornehmen.
Über ein Pfeil-Icon in der Mitte am unteren Rand des Displays lassen sich die Live-Effekte aufrufen und auswählen. Auch hier kann man den rechten Daumen nutzen, mit dem dies wie gesagt komfortabel funktioniert.
Bis hierher lässt sich die Android-Kamera – inklusive der Auswahl der beschriebenen Optionen – mit dem rechten Daumen sehr gut bedienen. Sobald es jetzt aber darum geht, beispielsweise einen Modus wieder zu verlassen, ohne etwas verändert zu haben, oder in den Einstellungen der Kamera Änderungen vorzunehmen, wird die Bedienung etwas “hakelig”. Die Zurück-Taste oder auch der Settings-Button befinden sich im Kamera-App-UI in der linken oberen Ecke des Displays, mit dem rechten Daumen logischerweise nicht mehr zu erreichen.
Mit dem linken Zeigefinger hier als Rechtshänder etwas ausrichten zu wollen, ist komplett vergebene Liebesmühe, bleibt also noch der linke Daumen. Mit diesem funktioniert das auch in der Tat – für mich zumindest – am besten, allerdings will sich hier einfach kein komfortables Bediengefühl einstellen. Sobald es (beispielsweise in den Kamera-Optionen) auch nur ansatzweise möglich ist, nutze ich zur Bedienung den rechten Daumen, der linke ist für mich nur eine Notlösung, um bestimmte Optionen auswählen und bearbeiten zu können, wenn es denn anders nicht geht.
Nutzt man die Galaxy Camera rein als Android-Gerät – z. B. beim Bearbeiten von Bildern oder eben allem anderen, was man mit einem Android-Device machen kann -, funktioniert die Bedienung per Touchscreen natürlich prinzipiell so, wie man es kennt. Allerdings zeigt sich hier das Objektiv (auch in eingefahrenem Zustand) als Störfaktor. Egal ob man die Galaxy Cam horizontal oder vertikal hält – das Objektiv ist immer irgendwie im Weg.
Foto- und Video-Qualität
Wer von der Galaxy Camera brillante und detailgenaue Aufnahmen – wie Samsung es auf der Produktseite ankündigt – erwartet, der dürfte enttäuscht sein: Zwar kann die Android-Kamera in einigen Bereichen durchaus punkten (wenn mir auch das Adjektiv “Brilliant” bei Bildern der Galaxy Cam nie in den Sinn kam), in anderen Bereichen (gerade bei Landschafts- und Naturaufnahmen enttäuscht das Gerät) erzielt man mit manchem Smartphone bessere Ergebnisse.
Die Galaxy Camera in erster Linie eine “Point & Shoot Camera”. Dementsprechend sind User, die erwarten, dass die Kamera diesbezüglich einen guten Job macht, die Hauptzielgruppe für das Gerät. Dazu zähle auch ich mich, und dementsprechend habe ich die Galaxy Camera natürlich auch getestet. Ob sich mit dem Expertenmodus und den entsprechenden Fotografie-Kenntnissen noch einiges “rausreißen” lässt kann ich nicht sagen. Die Bildqualität der Fotos, die ich mit den diversen “Spezialmodi” – laut Samsung sorgen diese für “brillante Bildergebnisse” – geschossen habe, finde ich alles in allem ”so lala”.
Automatikmodus mit Zoom (sonniger Tag, im Haus)
Automatikmodus mit Zoom (diesiger Tag)
Modus “Sonnenuntergang” mit Zoom
Modus “Landschaft” (sonniger Tag)
Modus “Makro” (mit Fotolicht)
Modus “Makro” (diesiger Tag)
Modus “Momentaufnahme”
Nachtmodus mit Zoom
Die besten Ergebnisse mit der Galaxy Camera habe ich an sonnigen Tagen, oder aber, wenn ich selbst für gute Lichtverhältnisse gesorgt habe, erzielt. Während Natur- und Landschaftsaufnahmen durch die Bank weg enttäuschend sind, kann die Galaxy Camera mit dem optischen Zoom, aber auch bei Nachtaufnahmen – zumindest ansatzweise – glänzen.
Auch bei Videos enttäuschen vor allem Aufnahmen in der Natur. Dass die Kamera durchaus in der Lage ist, ein scharfes und gutes Bild abzuliefern, sieht man jedoch bei Nahaufnahmen mit Fotolicht.
Performance
Der 1,4-Gigahertz-Prozessor sorgt in Verbindung mit einem Gigabyte RAM auf dem Papier für eine sehr gute Performance: Die Ergebnisse der (üblichen Verdächtigen) Benchmarks können sich sehen lassen. In der Realität – was also die “gefühlte Systemperformance” angeht – sieht die Sache schon etwas anders aus. Prinzipiell läuft das System schnell und flüssig, allerdings kommt es immer wieder zu auffallenden “Denkpausen”. Auch – ebenfalls typisch für kein perfekt optimiertes Speichermanagment – Animationen beim Wechseln von Apps und Menüs “hakeln” immer mal wieder.
Ich persönlich habe nicht das erste Mal bei einem Samsung-Gerät das Gefühl, dass der Hersteller wenig Zeit und Entwicklung in ein gutes Speichermanagment steckt, der Meinung ist, eine potente Hardware sorgt schon dafür, dass das ganze System flüssig und reibungslos läuft. In der Tat ist meine Kritik “Motzen auf hohem Niveau”, die prinzipielle Performance der Galaxy Cam ist nämlich sehr gut. Gerade aus diesem Grund fallen die kleineren “Performance-Unreinheiten” eventuell auch stärker auf. Fakt ist auf jeden Fall, dass z. B. das Sony Xperia T mit “nur” Dual-Core-CPU eine fluffigere Gesamtperformance bietet, als die Galaxy Camera mit 4-Kern-Exynos-Prozessor.
Akkulaufzeit
Der 1,4-Gigahertz-Exynos-Quad-Core-Prozessor und das 4,8-Zoll große Super-Clear-LCD wollen natürlich mit genügend Energie versorgt werden. Der 1650-mAh-Akku wirkt diesbezüglich nicht nur auf den ersten Blick etwas unterdimensioniert: Im Battery Benchmark (die Akku-Benchmark-App simuliert ein pseudo-realistisches Nutzungsverhalten) kommt die Galaxy Camera auf gerade mal 6,65 Stunden. Das Galaxy Nexus – kein Smartphone, das durch seine Akkulaufzeit besonders glänzen kann – kommt in diesem Test auf 7,2 Stunden. Im Vergleich zum Motorola Razr HD sieht man besonders deutlich, dass die Akkulaufzeit der Galaxy Camera eher bescheiden ist: Auf 11,2 Stunden kommt das Razr HD im Battery Benchmark, wobei dieses Gerät dank seines 2500-mAh-Akkus aktuell auch in der Smartphone-Klasse fast unschlagbar ist.
Samsung ist sich natürlich dessen bewusst, dass die Galaxy Camera maximal nur eine durchschnittliche Akkulaufzeit bietet. So gibt es zwei Energiespar-Optionen, wobei der Stand-By-Modus (“Einstellungen“ / „Leistung“ / „Automatisches Ausschalten”) schon von Haus aus so eingestellt ist, dass sich die Kamera nach einer Stunde Nichtnutzung schlafen legt. Bis die Galaxy Camera wieder aus dem Tiefschlaf aufgeweckt ist, dauert es nur wenige Sekunden. Es ist also durchaus empfehlenswert, regen Gebrauch vom Stand-By-Modus zu machen, zumal man sonst kaum mit einer Akkuladung über den Tag kommt, wenn man die Kamera rege nutzt. Der Stand-By-Modus hingegen sorgt dafür, dass es die Galaxy Camera auch mal mehrere Tage ohne ans Netz zu müssen aushält.
Noch mehr Akkulaufzeit lässt sich mithilfe des Energiesparmodus (“Einstellungen“ / „Leistung“ / „Energiesparmodus”) einsparen. Ist dieser aktiviert, wird die CPU-Leistung begrenzt und es werden spezielle Energiespareinstellungen für das Display verwendet. Eine meiner Meinung nach noch effektivere Energiesparoption verbirgt sich allerdings unter “Drahtlos und Netzwerke“ / „Smart-Netzwerk”. Diese Option sorgt dafür, dass bei ausgeschaltetem Display keine Netzwerk- und Datenverbindung besteht. Dies macht natürlich nur Sinn, wenn man keinen Wert darauf legt, dass neu geschossene Bilder möglichst schnell in Dropbox oder Google+ hochgeladen werden. Ob man Sofortupload in G+ oder Dropbox auch unterwegs konstant nutzt, sollte man sich allerdings sowieso gut überlegen: Die ohnehin schon nicht besonders “pralle” Akkulaufzeit nimmt dadurch noch schneller ab.
Fazit:
Die Galaxy Camera ist eigentlich – trotz einiger Kritikpunkte was z. B. die Bedienung oder die Akkulaufzeit angeht – eine durchaus nette Android-Kamera, allerdings mit einem großen Knackpunkt: Der Foto- und Video-Qualität. Nicht nur die gesamte Tech-Presse ist sich diesbezüglich einig, selbst Fans des Gerätes räumen ein, dass die Qualität der Bilder nicht soo dolle ist. Schon mehrmals habe ich jetzt Kommentare in die Richtung gelesen, dies dürfe man im Falle der Galaxy Camera auch nicht erwarten, das sehe ich jedoch anders. Nicht nur weil Samsung selbst gerne von brillanten Bildern spricht, die man mit der Galaxy Camera und den diversen Automatik-Modi erzielen soll, habe ich einfach mehr erwartet und bin, was das angeht, recht enttäuscht. Durch die teils recht maue Bildqualität geht für mich ein gutes Stück „der Witz an der Sache“ einer Android-Kamera mit UMTS-Modul, die immerhin um die 500 Euro kostet, flöten.
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