Wie versprochen liefern wir euch heute also unseren Test des Samsung Galaxy SIII. Ich hab es hier jetzt zwei Tage im Einsatz gehabt und auch möglichst viel genutzt. Ausreichend genutzt, um mir dieses großartige Smartphone auch persönlich zulegen zu wollen, aber nicht ausreichend genug, um Dinge herauszuarbeiten, die sich vielleicht erst dann zeigen, wenn man ein Devices über mehrere Wochen nutzt. Dennoch denke ich, dass man sich schon jetzt ein Urteil bilden kann, was von dem neuen Flaggschiff der Koreaner zu halten ist.
Look and Feel:
Fangen wir doch zunächst mal damit an, welchen Eindruck das SIII äußerlich und beim ersten Anfassen macht. Samsung präsentiert uns hier einen riesengroßen Plastik-Bomber, welcher auf der Vorderseite fast ausschließlich aus Display zu bestehen scheint, welches durch Gorilla Glas 2 geschützt wird. Im Vergleich zum Galaxy S2 ist es natürlich größer, was dem HD Super AMOLED Display mit 4.8 Zoll Größe geschuldet ist. Es fasst sich gut an und liegt großartig in der Hand. Bei der Rückseite muss ich den Kritikern Recht geben, dass es sich nicht sonderlich wertig anfühlt, obwohl es sich um äußerst stabiles Polycarbonat handelt. Die Rückseite ist recht einfach zu entfernen, was auch leider manchmal beansprucht werden muss, da sich microSD-Kartenslot und auch der Einschub für die SIM-Karte dort befinden. Immerhin muss man aber nicht auch noch den Akku entfernen, um an die Einschübe zu gelangen.
Was die Form angeht, wirkt das S3 eher wie ein Nachfolger des Galaxy Nexus als des Galaxy S2, was den runderen Formen geschuldet ist. Gefällt mir persönlich gut, wenngleich ich sowohl von Design als auch den verwendeten Materialien die Konkurrenz von HTC gelungener finde. Es ist mit 132 Gramm ein echtes Leichtgewicht, wenn man die Größe berücksichtigt.
Display:
Stets im Mittelpunkt ist logischerweise das Display. Wie von Samsung gewohnt kann man hier beim 4.8 Zoll großen HD Super AMOLED-Display mit guten Kontrasten, richtig knalligen Farben und sehr ansprechenden Betrachtungswinkeln rechnen. Hier und da wird kritisiert, dass das Display “nur” mit 1280 x 720 Pixeln auflöst oder mit einer Pentile-Matrix aufwartet. Letzteres stellt für mich absolut kein Problem dar, da es wohl schon Makro-Aufnahmen benötigt, um dem menschlichen Auge diesen Unterschied der fehlenden Subpixel klar zu machen. Hier hat Samsung definitiv richtig gute Arbeit geleistet.
Performance:
Hierzu muss ich wohl kaum erzählen, welche Hardware verbaut ist, denn so ziemlich jeder, der sich für dieses Gerät interessiert, diese natürlich bereits herunter beten kann. Wir haben es hier mit dem vierkernigen Exynos 4412 von Samsung zu tun, der mit 1.4 GHz getaktet wird und von der Mali-GPU und 1 GB RAM unterstützt wird. In der Praxis läuft das absolut einwandfrei, weder bei Video-Wiedergabe in HD noch beim Spielen, Surfen oder was auch immer hat man das Gefühl, dass man die vier Kerne an ihre Grenzen treibt. Wem diese Aussage nicht ausreicht, dem kann ich das natürlich auch noch mit Benchmark-Werten unterfüttern:
GL Benchmark:
Egypt offscreen – 11226 frames / 99fps
Pro offscreen – 6138 frames / 123fps
NenaMark: 58.8 fps
AnTutu: 11997
Quadrant: 5235
Vellamo: 2056
Mir persönlich bringen diese nackten, drögen Zahlen nicht sonderlich viel, aber zumindest ist es natürlich ein Indikator, wo wir das Gerät einzuordnen haben. Wie zu erwarten war, findet sich die Performance in sämtlichen Tests an der Spitze der verglichenen Modelle wieder oder zumindest in Schlagdistanz zum Spitzenreiter.
Kamera:
Die neue Cam war für mich ehrlich gesagt eine Geschichte, auf die ich mich vorab schon gefreut habe. Wie ich in meinem Artikel zur Kamera schon erwähnte, bin ich eher Schnappschuss-König als Profi-Fotograf und als solcher absolut zufrieden von dem, was die 8 MP-Kamera des S3 zu leisten vermag. Nicht nur, dass die Qualität der Fotos und Videos absolut ausreichend ist für meine Zwecke (von etwas schwächeren Resultaten in dunkleren Räumlichkeiten abgesehen, aber eben auch üblich für Smartphone-Cams), sie löst sehr schnell aus und fokussiert auch richtig schnell.
Zudem hat man der Cam einige neue spannende Features verpasst, die ich noch nicht alle umfassend testen konnte, von denen einige aber aufzeigen, wo Samsung hin möchte: man will nicht nur dicke Technik verbauen, sondern eben auch software-seitig was abliefern, was die Menschen begeistert. Als neue Features sind im Vergleich zum Vorgänger der HDR-Modus, die Panorama-Funktion und das Serienbild-Feature hinzugekommen, mit welchem ihr innerhalb weniger Sekunden bis zu 20 Bilder schießen könnt. Als ein Feature wurde die Gesichtserkennung angepriesen, die mir grundsätzlich auch gut gefällt, leider in der Praxis nicht immer sehr zuverlässig funktioniert. Wenn es denn aber klappt, könnt ihr eine Person direkt im Bild markieren und beim nächsten Aufruf des Fotos könnt ihr durch Antippen der Person die Kontaktdaten aufrufen oder direkt einen Anruf starten. Alles in allem handelt es sich hier um eine sehr logische, konsequente und gelungene Weiterentwicklung der ebenfalls schon sehr guten Kamera im Galaxy S2!
Akku:
Wir haben es hier – natürlich – mit einem stärkeren Akku zu tun als noch im Vorgänger-Modell. 2100 mAh ist die Ansage und die sind auch bitter nötig, wenn man vier Kerne und ein 4.8 Zoll großes Display eine Weile am Laufen halten will. Wenn ihr das Teil sehr intensiv nutzt – HD-Videos schaut etc – könnt ihr damit rechnen, dass das Gerät nach etwa 7 Stunden die Grätsche macht. Klingt wenig, ist aber immerhin besser als das S2 im Hardcore-Einsatz. Wenn man es hingegen “normal” einsetzt, reichte es zumindest mir im Test jetzt über den Tag aus. Morgens aufgeladen, hatte ich abends immer noch genügend Saft, bis die rettende Steckdose wieder erreichbar war.
Software:
Hier wollte Samsung ja richtig zulegen und punkten und für meinen Geschmack ist das auch in ganz weiten Teilen gelungen. Klar, Android 4.0 ist an Bord – hier in der jüngsten Version 4.0.4 – aber ein Hauptaugenmerk wurde natürlich auf die TouchWiz-Oberfläche gelegt, mit der wir in der Vergangenheit – gelinde gesagt – wenig glücklich waren.
Auch heute in der aktuellen Fassung gefällt mir noch nicht alles, dennoch hat Samsung es verstanden, mehr von der ursprünglichen Android-Experience zu bewahren und dennoch sinnige neue Features zu ergänzen. Viel kann über Gesten geregelt werden, wie beispielsweise das Ausstellen des Music-Players, in dem man lediglich das Gerät umdreht. Bekommt ihr eine SMS oder Mail, haltet ihr lediglich das S3 ans Ohr und der betreffende Kontakt wird tatsächlich angerufen, was auch im Test ordentlich klappte. Versucht ihr das gleiche übrigens über die Profilseite des Kontakts, wird die oberste verfügbare Nummer bzw die als Standard definierte ausgewählt.
Wie gewohnt zieht ihr die Notifikationen von oben mit dem Finger herunter, um das Menü auszuklappen, und hier könnt ihr direkt auf die wichtigsten Funktionen zugreifen, die beispielsweise Bluetooth oder WLAN aktivieren bzw deaktivieren oder euch in den Energiespar-Modus bringen. Ebenfalls kommt ihr von hier jederzeit in die Einstellungen.
Solange ihr euch Offline-Videos betrachtet, die auf eurem Smartphone gespeichert sind, könnt ihr ein weiteres großartiges Feature nutzen: eine Bild-im-Bild-Funktion! Im Video-Player habt ihr unten rechts einen Button, der die Video-Größe zusammenschrumpft und euch dann das Smartphone wie gewohnt nutzen lässt, während in einer Ecke ständig das Video aktiv ist. Mit einem Fingertipp seid ihr natürlich wieder im Vollbild-Modus unterwegs.
Insgesamt bilde ich mir ein, dass – wie schon bei der Cam mit dem Buddy-Modus – sehr pfiffige Ideen umgesetzt wurden, die aber manchmal noch nicht absolut perfekt durchdacht oder praktikabel sind. Dennoch ganz klar beide Daumen hoch für den Versuch Samsungs, die Software mehr auf den Menschen und seine Ansprüche anzupassen.
Ebenfalls unter Software sollte ich die jeweiligen “Hubs” erwähnen, die euch zu Video-, Spiel-, oder Musik-Inhalten verhelfen sollen. Die habe ich beim Galaxy S2 komplett ignoriert bis zum heutigen Tag und das wird sich auch hier nicht viel anders verhalten. Einzig spannend ist der Musik-Hub, der uns – ähnlich Spotify – mit Musik-Streams zu einem Preis von monatlich 10 Dollar versorgen soll und uns zudem erlaubt, bis zu 100 GB eigene Musik in die Cloud zu schaufeln. Sobald das Feature hier voll einsatzfähig ist, werden wir euch sicher nochmal einen Abriss davon verpassen, wie gut das in der Praxis funktioniert.
Auch das Siri-Gegenstück – hier S-Voice genannt – habe ich natürlich unter die Lupe genommen. Klappt für meinen Geschmack mal mehr oder weniger gelungen und manche Features rufe ich übers Menü einfach schneller auf, als wenn ich S-Voice starte und dann per Stimme meine Wünsche äußere. Ist für mich kein besonders gelungenes und auch kein sonderlich wichtiges Feature und fraglos noch verbesserungswürdig.
Fazit:
Was soll man über dieses Gerät sagen, außer: VERDAMMT, KAUFT ES!! Ich hab hier seit einem Jahr das Galaxy S2 im Einsatz, habe das Note, das Nexus und auch die aktuellen Konkurrenten von HTC in Händen gehalten, habe aber erst hier wieder das Gefühl erlangt, dass mein S2 langsam ausgedient haben könnte. Lohnt sich der Umstieg von S2 auf S3? Ganz klares Ja! Es handelt sich hier sicher nicht um eine Smartphone-Revolution, aber Samsung versteht es, den Features des S2 in jedem Punkt noch so konsequent einen drauf zu setzen, dass ein Wechsel absolut Sinn macht. Größeres, besseres Display, längere Akkulaufzeit, bessere Features und natürlich ein frischeres Betriebssystem mit einem weit verbesserten TouchWiz als Oberfläche – in all diesen Disziplinen liegt begründet, wieso es sich lohnt, von seinem alten Smartphone auf dieses neue Superphone zu switchen.
Natürlich muss man einräumen, dass auch hier nicht alles Gold ist, was glänzt. Das Design ist natürlich eine Frage des Geschmacks, aber während ich von der Form begeistert bin, hätte man beim verbauten Material durchaus noch Luft nach oben. Ein 600-Euro-Smartphone hat es einfach verdient, dass es sich wertiger anfühlt und anfasst.
Abschließend möchte ich festhalten, dass Samsung hier einen goldenen Mittelweg gegangen ist – einen Mittelweg aus notwendigen Verbesserungen bei der Hardware auf der einen Seite und aus innovativen Software-Ideen auf der anderen Seite. Für mich jetzt schon der Smartphone-Release des Jahres, bei dem sich auch ein iPhone 5 mächtig strecken muss, um dem Paroli zu bieten. Wer im Highend-Bereich zuschlagen möchte und auch die nötigen knapp 600 Euro zu investieren bereit ist, kann hier absolut bedenkenlos zuschlagen – es gibt derzeit nichts Besseres!
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