Laut Samsung ist das Galaxy Xcover 2, das neue Outdoor-Smartphone des Hersteller, “hart im Nehmen”. Weder Wasser, Staub, Matsch noch Stöße sollen dem Gerät etwas anhaben können. Ob das stimmt, oder ob Samsung den Mund etwas zu voll nimmt, erfahrt Ihr in unserem Test zum Outdoor-Androiden.

Samsung Galaxy Xcover 2 Test: Outdoor-Phone mit kurzem Atem

Das Highlight des Samsung Galaxy Xcover 2 ist die Tatsache, dass das Gerät über die IP67-Zertifizierung verfügt. So soll das Smartphone Sandstürme meistern, relativ immun gegen Stöße sein und problemlos kleinere Tauchgänge überleben. Das haben wir natürlich auch alles ausprobiert und sind trotz einiger Kritikpunkte recht angetan vom Galaxy Xcover 2.

Hardware, Design und Verarbeitung

Für ein Outdoor-Smartphone ist das Galaxy Xcover in meinen Augen ein recht schickes Gerät, wobei das manch ein Tester anders sieht. So habe ich schon in Berichten über das Smartphone gelesen, dass dort das Design nicht besonders ankam, allerdings teilweise mit Verweis auf das Xperia Z und die Tatsache, dass es sich hierbei ja quasi auch um ein Outdoor-Smartphone handelt. Ein Vergleich, der meiner Meinung nach ganz schön stark hinkt – ich möchte nicht wissen, wie das Xperia Z mit seiner Glas-Rückseite ausschaut, wenn ich es mal so rannehme, wie ich es mit dem Galaxy Xcover 2 getan habe (siehe Outdoor-Test-Video, später hier im Artikel). Aber gut, die Geschmäcker sind verschieden und das ist ja auch okay – mir gefällt das Xcover 2 auf jeden Fall sehr gut für ein Outdoor-Smartphone, das aus diesem Grund eben mit einem robusten Gehäuse ausgestattet ist.

Der Rahmen des Galaxy Xcover besteht aus Aluminium, die Rückseite aus stabilem Kunststoff, der sich über die beiden schmalen Seiten unten und oben bis auf die Vorderseite (als schmaler Rahmen ums Display) erstreckt. Auch die Android-Bedientasten unterhalb des 4-Zoll-Displays – beim Galaxy Xcover handelt es sich um Hardware-Buttons – bestehen aus diesem robusten Kunststoff, der zusätzlich noch mit einer griffigen Struktur versehen ist.

Auf der linken Seite des Smartphones befindet sich die Lautstärke-Wippe, auf der rechten Seite finden sich Einschalter und ein Kamera-Hardware-Button. Kopfhörer-Ausgang (oben) und micro-USB-Anschluß (unten) sind jeweils hinter einer Abdeckung verborgen.

Neben der 5-Megapixel-Kamera auf der Rückseite befindet sich links der Blitz, rechts davon der Lautsprecher des Smartphones. Mittig unten findet sich noch ein Schließmechanismus, der dafür sorgt, dass die abnehmbare Rückseite möglichst fest und “press” sitzt. Mit einem kleineren Geldstück lässt sich dieser Mechanismus problemlos öffnen und auch wieder verriegeln.

Auf der Innenseite des Akkudeckels befindet sich ein einer Art Dichtring, der dafür sorgt, dass – auch wenn doch kleinere Mengen Flüssigkeit oder Dreck durch die Kopfhörer- und micro-USB-Abdeckung ins Innere des Smartphones gelangen – die empfindliche Elektronik geschützt ist.

Samsung Galaxy Xcover 2 Test MG 3

Das Galaxy Xcover 2 wirkt alles in allem sehr gut verarbeitet und liegt aufgrund der strukturierten Kunststoff-Rückseite, der – ebenfalls (mit “Querstreifen”) strukturierten – Aluminium-Seiten, aber natürlich auch der kompakten Abmaße des Smartphones sehr gut in der Hand, wenn es einem ruhig auch mal aus derselben fallen kann, wie unser Test noch aufzeigen wird.

Technische Daten des Samsung Galaxy Xcover 2

  • CPU: 1 Gigahertz Dualcore-CPU
  • GPU: Mali 400
  • RAM:  1 Gigabyte RAM
  • ROM: 4 Gigabyte ROM (plus SD-Karten-Slot)
  • Display:  4-Zoll-Display (800 x 480 Pixel)
  • Hauptkamera: 5-Megapixel-Kamera
  • Frontkamera: VGA
  • Akku: 1700-mAh-Akku
  • OS: Android 4.1.2
  • Weitere Daten: IP67 Zertifizierung (100% staub- und wasserdicht, kann 30 Minuten lang bis zu 1 m tief eingetaucht werden)

Outdoor-Belastbarkeit und GPS Qualität

Das Haupt-Feature des Xcover ist die IP67-Zertifizierung und was das angeht, hat Samsung den Mund nicht zu voll genommen. Zwar hat unser Testgerät mittlerweile auch einige kleinere Macken aufgrund der Belastbarkeitsproben, ist aber noch voll funktionstüchtig. Man kann das Xcover 2 in der Tat nicht nur mal kurz untertauchen, sondern auch mal ne halbe Stunde im Wasser liegen lassen, ohne dass das Handy dabei zu schaden kommt.

Nach längeren Tauchgängen sollte man allerdings mal die Rückseite des Smartphones abnehmen und es dort trocken wischen. Durch die Abdeckungen von Kopfhörer-Eingang und mini-USB-Anschluß können nämlich kleinere Mengen Flüssigkeit eindringen, das empfindliche (Elektronik-) Innere des Smartphones ist jedoch noch durch die schon erwähnte Dichtung um den Akku herum geschützt, sodass letztendlich kein Schaden am Gerät entsteht.

Samsung Galaxy Xcover 2 Test MG 2

Auch gegen Stöße scheint das Galaxy Xcover 2 gut geschützt zu sein, zumindest konnte unser Outdoor-Test, bei dem ich das Smartphone ganz schön durch die Luft segeln lassen habe, dem Gerät (außer ein paar kleinerer Macken) nichts anhaben.

Einziger Kritikpunkt an der Outdoor-Tauglichkeit, die das Gerät im Großen und Ganzen in unseren Tests mit Bravour gemeistert hat, ist die Tatsache, dass sich in den Zwischenräumen der Android-Bedientasten feinere Materialien wie Sand festsetzen können und dann in Wasser herausgewaschen – oder im schlimmsten Fall mit einer dünnen Pinzette “herausoperiert” – werden müssen.

Das GPS-Modul des Samsung Galaxy Xcover 2 ist über jeden Zweifel erhaben. Wie die App GPS Test aufzeigt, ist GPS „ratz fatz“ einsatzbereit und bietet eine hohe Genauigkeit, was die Koordinaten angeht. Im Vergleich mit anderen Geräten (auf dem Screenshot dem HTC One) findet das Xcover 2 zwar nicht alle verfügbaren Satelliten, stellt aber schneller und besser eine Verbindung zu den verfügbaren Knotenpunkten her.

Samsung Galaxy Xcover 2 Test GPS

HTC One und Samsung Galaxy Xcover 2

Speicher

Das Galaxy Xcover verfügt über 4 Gigabyte internen Speicher, wovon dem Nutzer allerdings nur 1,08 Gigabyte zur freien Verfügung stehen. Davon gehen dann noch mal ein paar Megabyte für schon vorinstallierte Programme ab, speichertechnisch muss man auf dem Outdoor-Smartphone also schwer haushalten.

Natürlich kann man den internen Speicher per micro-SD-Karten erweitern, Apps lassen sich auf die SD-Karte allerdings nicht auslagern – eine Runde Shadowgun (sofern das Spiel flüssig laufen würde), oder ein anderes Spiel, das 500 Megabyte und mehr Speicherplatz belegt, kann man sich auf dem Xcover 2 also abschminken.

Display

Auf einem 4-Zoll-Display gehen 800 x 480 Pixel voll in Ordnung. Zwar kann man den Bildschirm des Galaxy Xcover nicht als “ultrascharf” bezeichnen – um einzelne Pixel erkennen zu können, muss man jedoch schon fast die Nase aufs Display drücken (und sieht dann eigentlich gar nichts mehr).

Samsung Galaxy Xcover 2 Test MG 1

Auch die Blickwinkel und die Farbdarstellung (wenn auch tendenziell etwas blasser, als man es von höherpreisigen Samsung-Geräten gewöhnt ist) des 4-Zoll-Displays gehen in Ordnung, ebenso die “Touch Responsiveness”, also wie gut Fingereingaben erkannt und umgesetzt werden.

Nicht so ganz in Ordnung geht die Display-Helligkeit (für die es übrigens keinen Automatik-Modus gibt): Im hellen Sonnenschein kann man zwar noch was auf dem Bildschirm erkennen, jedoch bei Weitem nicht so gut, wie bei manch anderen Smartphones, beispielsweise dem HTC One. Für ein Outdoor-Smartphone ist die mäßige Helligkeit des Gerätes im wahrsten Sinne des Wortes etwas schwach.

Performance und Benchmarks

Ein Kraftpaket ist das Galaxy Xcover 2 mit seinem (von Samsung nicht näher spezifizierten) 1 Gigahertz Dualcore-Prozessor und einem Gigabyte RAM zwar nicht, die Performance des Smartphones ist jedoch in der Regel zufriedenstellend. Das Arbeitstempo des Xcover 2 ist okay, wenn man natürlich auch einen sehr deutlichen Unterschied in der Geschwindigkeit des Smartphones im Vergleich zu aktuellen Quadcore-Geräten, aber auch den High-End-Phones des letzten Jahres (mit potenteren Dualcore-CPUs), feststellt. Da es im Test zu keiner Zeit zu längeren auffälligen Denkpausen oder “Hängern” kam, konnte ich mit der Performance, die das Outdoor-Phone bietet, gut leben.

Wie gut aktuelle Spiele wie Shadowgun, N.O.V.A. 3 oder Modern Combat auf dem Smartphone funktionieren, ließ sich aufgrund des sehr knappen internen Speichers nicht ausprobieren. Für eine Runde Temple Run 2 ist das Xcover 2 zumindest zu gebrauchen.

Samsung Galaxy Xcover 2 Test Benchmarks 10

Benchmark-Ergebnisse 

  • CF-Bench:  7414 / 2376 / 4391 (Native, Java, Overall)
  • Smartbench 2012:  2049 / 1938 (Productivity, Gaming Index)
  • AnTuTu v3.0.3:  6546
  • Vellamo: 345 / 1343 (Metal, HTML 5)
  • Quadrant: 3007
  • Epic Citadel Unreal Engine Benchmark: 36,6 FPS
  • NenaMark 2.4:  38,8 FPS
  • Geekbench 2: 745

Software

Wie auf allen Samsung-Android-Geräten läuft auch auf dem Xcover 2 das TouchWiz-UI des Herstellers, das durchaus den ein oder anderen Mehrwert im Vergleich zum Stock-Android bietet. An die Schnellzugriffs-Möglichkeiten in der Benachrichtigungsleiste oder das aufgebohrte “zuletzt genutzte Anwendungen”-Menü (erreichbar durch “lange Drücken” des Home-Buttons) kann man sich schnell gewöhnen und möchte diese Features dann auch eigentlich nicht mehr missen.

Als “Outdoor-Features” hat Samsung die Karten-Apps ADACMaps und apemap vorinstalliert, die man jeweils für eine bestimmte Zeit kostenlos nutzen kann. Für die körperliche Ertüchtigung in der freien Natur gibt es außerdem einen Cardio Trainer – dort kann man sich eigene Trainingspläne erstellen, um sich dann durch die verschiedensten Workouts leiten zu lassen.

Mein Lieblingsfeature des Xcover 2 versteckt sich in den Einstellungen, wo man es erst aktivieren muss, um es dann nutzen zu können: Das Smartphone hat auch eine Taschenlampen-App an Bord, die man durch Drücken der Lautstärketasten (wenn Handy im Standby) einschalten kann. Das finde ich persönlich mal eine sehr praktische Sache.

Akkulaufzeit

Der größte Kritikpunkt am Samsung Galaxy Xcover 2 dürfte wohl der Akku mit seiner Kapazität von 1700 mAh sein, der nur eine recht bescheidene Laufzeit bietet. Über einen Tag hinweg kam ich maximal auf zwei Stunden “Display On” bei aktivierter Hintergrund-Synchronisation aller Google Dienste. Das HTC One bietet mir in der Regel mindestens 3 Stunden, das Galaxy Nexus im Durchschnitt 2 1/2 und das Motorola RAZR HD pendelt sich bei ca. 3 1/2 Stunden ein, wohlgemerkt bei meinem Smartphone-Nutzungsverhalten. Wer sein Handy nur gemäßigt nutzt, der kommt natürlich auf längere Laufzeiten, aber gerade ein Outdoor-Smartphone (z. B. beim “navigieren lassen” in freier Wildbahn per (Google) Maps und GPS) sollte doch schon mehr Reserven besitzen, als es bei normalen Geräten der Fall ist, oder?

Samsung Galaxy Xcover 2 Test MG 4

Jetzt stellt sich trotzdem noch die Frage, ob auf dem Smartphone – wenn man in der (deutschen) Wildnis unterwegs ist – im Hintergrund ständig die verschiedensten Dienste synchronisiert werden müssen. Ohne eingeschaltete automatische Synchronisation, eventuell noch mit aktiviertem Samsung-Energiesparmodus (der unter anderem die CPU-Leistung drosselt), lässt sich natürlich noch etwas (Akku-) Zeit schinden, aber die meisten Nutzer dürften sich auch dann von einem Outdoor-Gerät wohl mehr erwarten. Wer beispielsweise mit dem Xcover 2 auf Geocaching-Tour gehen will, der kommt ohne Ersatz-Energie (zumindest kann man den Akku wechseln) oder aber externes Akku-Pack im Zweifelsfall nicht allzu weit.

Kamera

Auch was die Kamera angeht, muss sich das Xcover 2 einiges an Kritik gefallen lassen. Angefangen von der doch recht mäßigen Qualität der Bilder über die Tatsache, dass es recht lange dauert, bis die Kamera über den entsprechenden Hardware-Button gestartet und einsatzbereit ist (zumindest das Auslösen geht dann aber fix) bis hin zu dem Umstand, dass es trotz speziellem “Unterwasser-Modus” kaum möglich ist unter Wasser Bilder zu machen (hier spielt der Zoom verrückt, da das Display durch den Kontakt mit Flüssigkeit anscheinend Fingereingaben wie Pinch to zoom vermutet).

Dann wäre da dann auch noch ein weiterer Kritikpunkt am Kamera-Hardware-Button: Wenn sich das Smartphone im Standby-Modus befindet, kann die Kamera darüber nicht gestartet werden. Man muss mindestens zuerst den Lockscreen aufrufen – also den Power-Button drücken -, erst dann lässt sich die Kamera per Hardware-Taste starten.

Fazit

Zwar ist das Samsung Galaxy Xcover 2 in der Tat ein sehr robustes Smartphone, das auch bei extremeren Belastungen keinen größeren Schaden nimmt, allerdings gibt es auch ein paar nicht unwesentliche Kritikpunkte: Der Größte dürfte die nicht besonders beeindruckende Akkulaufzeit sein, gefolgt von dem doch recht geringem internen Speicher und der Kamera, die gleich in mehreren (Unter-) Punkten Anlass zur Kritik gibt.

Alles in allem ist das Galaxy Xcover also keine wirklich wirklich “runde Sache”, kann jedoch z. B. als Zweit-Handy für den Einsatz (in meinem Fall) bei der Gartenarbeit und bei Spaziergängen mit dem Hund ein brauchbarer Begleiter sein. Bei diesen Gelegenheiten, bei denen ich jetzt eine ganze Weile immer das Xcover 2 statt des HTC One genutzt habe, werde ich das “Ich muss nicht so aufpassen”-Smartphone zukünftig definitiv vermissen.

Newsletter abonnieren

RSS-Icon Immer auf dem Laufenden bleiben? Dann abonniere unseren RSS-Feed!
  • Stefan T.

    Super ausführlicher Bericht, lange aber atmungsaktiv gut geschrieben.
    Gefällt.

  • st0815

    Schade, die Idee ist gut, aber bei allen wichtigen Punkten: Batterielaufzeit, Display, Kamera reicht es nicht. Außer dem Gehäuse muss man eigentlich sagen: Thema verfehlt. Der kleine Speicher ist auch albern.

    Warum bietet man gerade bei so einem Gerät nicht zumindest eine größere Batterie zum Nachrüsten an?

  • http://forum.mobilegeeks.de/members/andre/ Andre

    Obwohl ein Outdoor-Handy für mich eigentlich total uninteressant ist, habe ich mir deinen ausführlichen Bericht gerne durchgelesen und auch deine Videos gefallen mir gut. Danke! :)

  • Thomas

    Jetzt ist mein XCover 2 aus ca. 50 cm Höhe auf den Boden gefallen und das Display ist gerissen :-( Unter robust verstehe ich etwas anderes

Trackbacks & Pingbacks