Eine wahre Broadway-Show hat Samsung da letzte Nacht abgeliefert, als man das Galaxy S4 vorgestellt hat. Na ja – man hat es zumindest probiert. Im Netz häuft sich derweil die Kritik an der Art der Darbietung.
Ich habe mich am Rande auch schon in einigen anderen Artikeln über das Galaxy S4 zu der Darbietung geäußert und je mehr ich Twitter, Google+ und Facebook verfolge, desto stärker manifestiert sich der Eindruck, dass ich mit meiner Meinung da wahrhaftig nicht allein stehe. Beispiel Robert Scoble:
Samsung really screwed up with its Galaxy S4 presentation. Whoever planned it should be fired.
So, here’s some rules.
1. Your presentation should NEVER take away from the product.
2. Your presentation should NEVER alienate some of your customers (the presentation was extremely sexist and tone deaf and that’s not me saying that, it was Leo Laporte. I agree, BTW).
3. You should make it easy to understand the next features. Samsung made it hard to really get what’s new here.
Auf der einen Seite steht der durchaus anerkennenswerte Versuch Samsungs, uns die neuen Features irgendwie spielerisch näher zu bringen. Ergibt ja auch grundsätzlich Sinn, denn dröge Specs runter leiern ist eben auch nicht abendfüllend. Auf der anderen Seite steht aber die Umsetzung dieser Geschichte. Auch Sascha hat in seinem Kommentar dieses Thema aufgegriffen:
…Broadway-Desaster voller sexistischer Anspielungen, welches in den sozialen Medien intensiver als der eigentliche Hauptdarsteller diskutiert wird, naemlich das S4…
Ich gebe ja normalerweise nicht den “Frauenversteher” und auch bei der Aufschrei-Debatte neulich ist mir flau im Magen geworden, aber die Darstellung der Frau aus Samsung-Sicht letzte Nacht ging ja schon verdächtig in eine Richtung mit Herman’schen Dimensionen.
Sollte ich Samsung da in der Präsentation richtig verstanden haben, ist die typische Frau und Smartphone-Benutzerin eben das Heimchen im bunten Kleidchen, welches – während der Mann die Kohle verdient natürlich – eine Menge toller Dinge zu tun hat: Sich mit den anderen Frauen mit bunten Kleidchen treffen, Nägel lackieren, dem Gärtner auf den Hintern glotzen und gern auch mal einen über den Durst trinken.
Ich persönlich habe es mitunter als stereotypes, sexistisches und wenig modernes Bild wahrgenommen, welches da gezeichnet wurde. Vielleicht verstehe ich die Musical-Geschichte rund um den Broadway aber auch lediglich nicht richtig – vielleicht muss das so sein, dass im Rahmen einer solchen Show eine US-amerikanische heile Welt aus den Fünfzigern skizziert wird, die nicht viel weniger gruselig ist als es die deutschen Volksmusik-Shows sind, in denen von Sonne, guter Laune und der heilen Welt in den Bergen die Rede ist.
Jetzt habe ich hier irgendwie nur davon geredet, wie mir diese Veranstaltung vorgekommen ist, dabei sollte es hier eher darum gehen, wie meine liebe und geschätzte Kollegin Nicole Scott das Theater wahrgenommen hat. Wenn mir schon mitunter übel wurde von der Durchführung des Events, so muss Nicole in den 50 Minuten etwa ein Dutzendmal die Kinnlade heruntergefallen sein. Sie hat sich daraufhin vor die Kamera geschwungen und mal in ein paar Minuten zusammengefasst, was ihr Eindruck der Galaxy S4-Präsentation war.
Wir sind uns beide einig, dass hier ein tolles Smartphone völlig unter Wert verkauft wurde, weil es schlicht eine viel zu geringe Rolle in der ganzen Veranstaltung gespielt hat. Völlig zurecht hinterfragt sie die Logik Samsungs, nach der man einen Touchscreen nicht bedienen kann, wenn man Fingernägel hat, auf denen der Nagellack noch nicht getrocknet ist. Tippt man in Südkorea tatsächlich mit den Fingernägeln? Zudem wurde ich über die gesamte Laufzeit den Eindruck nicht los, als wolle man seine Features einem nicht ganz cleveren Kleinkind erklären – auch Nicole fühlt sich da zurecht für dumm verkauft. Leider kann Nicole ihren Unmut nur in englischer Sprache äußern, aber da sie so klar und deutlich spricht, dass es selbst eine Englisch-Null wie ich versteht, bin ich guter Dinge, dass ich euch auch diesen Clip hier präsentieren kann. Mich würde freuen, wenn ihr uns Feedback hinterlasst mit euren Eindrücken zu der Veranstaltung. Das könnt ihr gern hier in den Comments tun, aber ich bin sicher, dass sich Nicole auch über Feedback auf der YouTube-Seite freuen würde.
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