Der Mobile Messenger WhatsApp verstösst in der aktuellen Form in Kanada und den Niederlanden gegen die dort geltenden Datenschutzgesetze. Die zuständigen Datenschützer beider Ländern haben einen gemeinsamen Bericht zu dazu veröffentlicht. Konkret werfen sie dem Unternehmen den Zugriff auf das gesamte Adressbuch eines Benutzers vor, ohne Unterscheidung zwischen Nutzern und Nicht-Nutzern des Dienstes.

WhatsApp verstösst gegen Datenschutzgesetze

Über den Messenger-Dienst des Unternehmens aus Kalifornien werden inzwischen über 10 Milliarden Nachrichten jeden Tag geschickt, allen unschönen Schlagzeilen zum Trotz wächst der Dienst immer weiter. Und Negativ-Schlagzeilen gab es nun wirklich genug: nicht enden wollende Sicherheitsprobleme, unfassbare 78 Cent pro Jahr Gebühr für den Dienst und auch der Datenschutz wurde immer wieder thematisiert. Daran wird wohl auch die Tatsache nichts ändern, dass jetzt von offizieller Seite bestätigt wurde, dass WhatsApp sowohl in den Niederlanden als auch in Kanada gegen geltende Gesetze verstösst. Immerhin gehört es inzwischen bei Datenschutzbehörden zum Alltag Unternehmen aus dem Bereich sozialer Netze (zu denen man Messenger durchaus auch zählen kann) aufgrund des Umgangs mit Nutzerdaten zu kritisieren und anzugreifen.

Bislang tun sich Datenschützer immer etwas schwer im Umgang mit international operierenden Unternehmen, bestes Beispiel ist der Versuch deutscher Datenschützer Facebook dazu zu bringen eine Pseudonyme Nutzung des Netzwerks zu erlauben. Hier könnten solche international abgestimmten Aktionen den Datenschützern ein größeres Gewicht gegenüber den Unternehmen geben.

Fraglich dürfte aber sein, ob und vor allem wie WhatsApp die geforderten Änderungen in seinem Dienst unterbringen wird:

“This lack of choice contravenes (Canadian and Dutch) privacy law. Both users and non-users should have control over their personal data and users must be able to freely decide what contact details they wish to share with WhatsApp,” said Jacob Kohnstamm, chairman of the Dutch Data Protection Authority.

Letztlich würde das wohl bedeuten, dass WhatsApp nur Zugriff auf die Kontaktdaten von Personen nehmen darf, die dazu eine Genehmigung erteilt haben (und sei es durch die Anmeldung bei WhatsApp). Ein kompletter Abgleich des Adressbuchs ist damit praktisch ausgeschlossen. Aber gerade das dürfte einen Teil des Erfolgs von WhatsApp ausmachen, entsprechende Funktionen finden sich im „sozialen Web“ an allen möglichen Stellen: Ständig möchte ein Service oder eine App Zugriff auf meine Mails, meine Kontakte oder mein Facebook-Profil, um dort nach „Freunden“ zu suchen.

Ob sich durch den Bericht der Datenschutzbehörden etwas an der Verbreitung und der Nutzung von WhatsApp ändern wird, wage ich zu bezweifeln – auch wenn unser Beitrag zu den WhatsApp-Alternativen zu den meistgelesenen gehört.

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  • Cyruss1989

    Wo genau liegt der Unterschied zwischen dem Vorgehen von Whatsapp und sagen wir Google Contacts?

    • http://twitter.com/Ben_Voigt Benjamin Voigt

      Google Contacts ist eine Kontaktdatenbank, in welche Du Deine Kontakte einpflegst. WhatsApp ist keine Kontaktdatenbank sondern nimmt die kompletten Kontakte von Dir ohne sie für den Dienst (Kommunikation zwischen A und B) zu benötigen und gleicht sie mit einer Liste auf dem eigenen Server ab. Was danach mit den Daten geschieht, könnte ein weiterer Verstoß sein.

      Der Unterschied liegt auf der Seite von mir als Drittem. Wenn ich Dir meine Adresse gebe, gebe ich Dir damit das Einverständnis, diese auch zur Kontaktaufnahme zu mir zu nutzen. Dafür wirst Du sie auch irgendwo notieren.
      Ich gebe Dir aber nicht die Erlaubnis, meine Adresse auf gut Glück an WhatsApp zu senden, um sie dort abzugleichen. Entsprechend kannst Du auch nicht für mich diese Erlaubnis an WhatsApp weiterreichen.

      Grundsatz im Datenschutzrecht lautet immer: Was nicht ausdrücklich erlaubt wurde, sei es durch Gesetz oder Einwilligung, ist verboten.
      Die weltweiten Unterschiede setzen eigentlich alle bei der Einwilligung an. Sprich “wie wenig Einwilligung ist noch eine Einwilligung” oder “kann ich in diesem Bereich überhaupt auf Datenschutz verzichten”.

  • fxstangel

    Wäre ja mal interessant, wenn sich ein deutscher Datenschützer dieses Tool anschauen würde. Habe letztens erst einen Googler Alert von Tätigkeitsbericht des Bayerischen Datenschutzbeauftragen bekommen. Das wäre doch mal was… vgl. http://www.fw-landtag.de/pm-landtagsfraktion/2013/taetigkeitsberichts-des-landesbeauftragten-fuer-den-datenschutz/

  • Sibbl

    Lasst uns alle wieder ICQ nutzen.

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