Unsere Technikwelt ist schnelllebiger als alles was wir bisher kannten. Was heute top ist, könnte schon morgen ein Flop sein. Deswegen begibt sich dieser Artikel einmal auf die Spurensuche was den aus dem ambitionierten Projekt “Openmoko” geworden ist. 

Was wurde eigentlich aus … Openmoko?

Was ist Openmoko?

Openmoko ist eine Abkürzung für Open Mobile Kommunikation und ist ein im Jahre 2006 gestarteter Versuch ein Mobiltelefon komplett communitydriven zu gestalten. Dies bezieht sich nicht nur auf das Betriebssystem sondern auch auf die verbaute Hardware.

Um dieses Projekt dementsprechend vorantreiben zu können wurde von dem taiwanesischen Komponentenhersteller First International Computer (FIC) die Openmoko Inc. gegründet. Welche jedoch heutzutage keinen spürbaren Einfluss mehr auf die Entwicklung von Openmoko hat.

Eine Randnotiz sei, dass den Gründervätern auch Harald Welte angehört hat. Dieser Free-Software-Aktivist wurde durch seine Aktionen im Rahmen des gpl-violations.org Projektes bekannt. Dieses von ihn intiialiserte Projekt klagte erfolgreich gegen Weltkonzerne wie Skype oder Dlink welche GPL Software ohne Kennzeichnung einsetzten.

Somit zeigte sich der starke Wille, den Gedanken der freien Software auch in den Handheld Markt hineinzutragen.

Was ist das Besondere?

Das Spezielle an diesem Projekt ist, dass jede einzelne Komponente frei wie in “Free Software” ist. Sei es das Betriebssystem Openmoko Linux welches als Quellcode zum freien Herunterladen bereitsteht oder dass die verbauten Hardwarekomponenten wie Logicboard und Co. als CAD-Dateien für jeden frei zugänglich sind. Dies bedeutet, dass man sich, entsprechende Gerätschaften im eigenen Keller vorausgesetzt, sein eigenes Smartphone inklusive Betriebssystem bauen könnte.

Während der Konstruktionsphase der jeweiligen Openmoko Geräte hatte die Community starken Einfluss auf entscheidende Parameter wie Design, Hardware und Typus der Smartphones.

Das Betriebsystem

Beim Beitriebsystem handelt es sich um ein auf der OpenEmbedded Plattform aufgesetzte Eigenentwicklung namens Openmoko Linux. Als Framework für die Oberfläche kommt das aus dem Gnome Universum bekannte gtk+ zum Einsatz. Ansonsten werden Standard Linux / BSD Tools wie X.org oder Enlightment verwendet.

Es sollen auch neben Versionen des Nieschenlinux’es openWRT auch spezielle BSD Distributionen im Umlauf sein, welche auf dieser Plattform ausführbar sind.

Eine Liste der Applikationen (Apps) findet ihr im Wiki des Projektes.

Die Smartphones

Im Rahmen des Projektes entstanden zwei Produkte. Im Jahre 2008 erschien das für Entwickler gedachte Neo 1973 (GTA01). Wenige Monate später erschien das Neo FreeRunnner (GTA02) als Massenmarkt-Gerät.

Eine dritte Version (GTA03) wurde noch in der Planungsphase eingestellt. Als Hoffnung der Wiederauferstehung wurde auf der Froscon 2011 das moderne GTA04 vorgestellt und wenig später an erste Tester ausgegeben. Eine Auslieferung im grösseren Stile findet statt, wenn es genügend Vorbestellungen gibt. Seit dem ist es für die breite Masse wieder still um das Projekt geworden.

Neo 1973 smartphone Was wurde eigentlich aus ... Openmoko?

Quelle: Openmoko Wiki

Alternativen

Heutzutage gibt es softwareseitig viele Alternativen wie AOSP, Open WebOS oder Meego. Allerdings bleibt Openmoko das wohl erste und einzige Projekt, welche Hardware im OpenSource Gedanken entwickelte und bis heute vertreibt.

Fazit

Persönlich finde ich, ist dieses Projekt ein negativ Beispiel für ein community-driven Product. Durch lange – dafuer sehr demokratische – Entscheidungswege hat man die Zeichen der Zeit verschlafen und sich von anderen Projekten überholen lassen. Nichtsdestotrotz ist es für mich schön zu sehen, dass es Menschen gibt, welche mit Liebe zur ihren Idealen versuchen die Welt zu etwas besseren zu machen. Generell sehe ich hier jedoch Parallelen zu dem Versuch das WeTab zu etablieren.

Weiterführendes

Wer mehr erfahren möchte, dem sei ein Interview mit Michael Lauer auf der Froscon 2008 im Rahmen eines Podcasts von RadioTux empfohlen.

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  • Phil

    Ja und was ist nun aus Openmoko geworden?

    • Quiltifant

      Steht doch da: Es ist still drum geworden.^^

    • MGTobias

      Jop. Es ist still geworden. Man kann nicht sagen es ist tot, oder es ist lebendig. :)

  • http://twitter.com/fungus75 Rene Pilz

    Ich selbst habe Openmoko auch verfolgt und hätte ihnen mehr gewünscht.
    Zumal die früher dran waren als Apple und Android und damals schon die Idee gehabt haben, dass sich die Welt zukünfig um Apps drehen wird und nicht um Telefoniekosten oder ähnliches.

    • MGTobias

      Das stimmt. Nur leider fuehrt eben nicht jede gute Idee zum Erfolg.

  • http://www.facebook.com/people/Norbert-Norb/100003107816709 Norbert Norb

    Also ich hab mich früher intensiv mit OpenMoko beschäftigt und es gab damals drei wirklich wesentliche Probleme. 1. Offene und auch leistungsfähige Hardware qar quasi nicht zu finden. Es war scheinbar relativ schwer einen OpenSource Touchscreen und eine OpenSource Antenne zu finden. 2. (Gleiches Problem hat auch im Moment ein Projekt des CCC) die Dokumentation für Mobilestandards ist sooooo unendlich lang und umfassend und dann auch wieder teilweise nicht so gut dokumentiert das es sehr viel Arbeit ist das alles komplett neu und im Geiste von freier Software umzusetzen. Die Leute haben das ja zum teil alle privat gemacht und da hat es einfach hinten und vorne an manpower gefehlt. Bei den großen Unternehmen ist es ja meist so, das die einfach andere, im Markt etablierte oder Themen kundige, Unternehmen aufkaufen (siehe Google). Als letztes ist nur noch zu sagen, dass die meisten der Entwickler Software Entwickler und keine Hardware-Entwickler waren. Die mussten sich schlicht einfach einarbeiten. Crowdfounding und co. waren damals einfach noch net so stark verbreitet, das Bewustsein für Smartphones war mäßig bis gar nicht vor handen und die Frameworks für Linux können bis heute noch net wirklich touch. Bzw. haben es in den letzten zwei jahren erst gelernt. Sie waren Ihrer Zeit voraus und sind leider daran gescheitert. Das Thema war einfach zu mächtig. Was man jedoch sagen muss, OpenMoko lief damals auf einer Hardware auf der Android heute NIEMALS wirklich richtig laufen könnte und OpenMoko hatte sogar noch Puffer nach oben :D

    • MGTobias

      Danke fuer dein langen und interessanten Kommentar!

      • http://www.facebook.com/people/Norbert-Norb/100003107816709 Norbert Norb

        Kein Problem. Immer wieder gerne. :) Ich finds gut das hier auch mal so Themen angesprochen werden.

        • MGTobias

          Dankeschoen :) Eventuell faellt mir ja noch einmal eine Expeditionsreise sein.

  • Justme

    Ich hab bei einer Ausstellung im Deutschen Historischen Museum in Berlin (ging um irgendwas mit Sprache) vor paar Jahre eins von den Geräten in der Hand gehalten. Man konnte irgend eine interaktive Installation damit Steuern

    • MGTobias

      Hui, okay. Das ist mir neu, dass diese Geraete mal im produktiven Einsatz waren. Danke fuer den Hinweis!

    • http://www.facebook.com/people/Norbert-Norb/100003107816709 Norbert Norb

      Ja nicht schlecht. Das wusste ich jetzt auch nicht. Ich hab so nen Teil auf einem LinuxTag mal gesehen, oder es war der OpenSource Park auf der CeBIT. Man konnte es jedoch nicht benutzen, weil sie es komplett auseinander geschraubt hatten um die Platinen und das Projekt an sich vorzustellen.

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