380 PS im Fokus: Wie Drohnen den Rallye-Sport noch rasanter machen

Über Drohnen bzw. Multicopter wird nicht selten auch negativ berichtet. Dabei bieten sie oftmals die Möglichkeit, ein Geschehen aus einem ganz neuen Blickwinkel zu betrachten. Wir waren auf Einladung von DJI bei dem Start der World Championship Rally (WRC) Saison in Monte Carlo und haben uns angeschaut, wie die Rallye-Autos mit Drohnen verfolgt werden.
von Mark Kreuzer am 25. Januar 2017

Die Rallye Automobile Monte-Carlo ist eine der anspruchsvollsten und auch bekanntesten Rallye-Veranstaltungen der Welt. Berüchtigt sind die Wertungsprüfungen in den französischen Alpen. Die Strecke besteht vor allem aus Schnee, Eis, Schotter und Matsch und fordert nicht nur von den Fahrern und Autos das Äußerste. Zuschauer, die an der Strecke stehen wollen, müssen bei kalten Temperaturen schon Stunden vor Beginn der Rallye ihre Plätze einnehmen.

Natürlich werden die Rallye-Events auch im Internet und im Fernsehen übertragen. Bis vor 2 Jahren bestanden die Aufnahmen dabei vor allem aus Helikopter-Aufnahmen und Kameras direkt an der Strecke. Das heißt, die Aufnahmen waren entweder sehr nah oder eher weit weg von den Autos. In der WRC Saison 2016 war DJI erstmals als Sponsor mit vertreten und hat die Lücke zwischen Helikopter und Streckenkamera geschlossen.

Schnellere Autos – Schnellere Drohne

Aufstellung der WRC Autos in Monte Carlo

Für die neue Saison hat sich das Reglement hinsichtlich der Autos geändert. Die Wagen fahren immer noch mit 1,6l-Maschinen, dürfen aber in 2017 bis 380 PS haben. Dabei muss der Zylinderblock aus dem jeweiligen Serienmodell stammen. So ziemlich alles andere darf aber modifiziert und getuned werden. Damit sind die Rallye-Wagen in weniger als 4 s auf 100 km/h und können in Spitze über 200 km/h fahren. Wenn ihr schon mal Rallye-Fahrzeuge gesehen habt, dann wisst ihr, dass diese in der Regel sehr sehr zügig unterwegs sind. Die hohen Geschwindigkeiten machen eine Verfolgung per Drohne natürlich schwierig.

In den vergangen Jahren wurde die DJI Inspire 1 für Aufnahmen genutzt. Bei der Inspire handelt es sich um die Prosumer-Variante aus dem Produktportfolio des chinesischen Hersteller DJI. Dieses Jahr greift man auf das im November 2016 vorgestellte Inspire 2 Modell zurück. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 94 km/h gehört diese zur Zeit zu den schnellsten Kameradrohnen auf dem Markt .

DJI Inspire 2 – im Blick

Wir hatten vor Ort die Möglichkeit, uns die Inspire 1 wie auch die Inspire 2 anzuschauen. Im Design hat sich auf den ersten Blick nicht sehr viel verändert. Technisch hingegen gibt es doch einige Detailverbesserungen. Auf diese, besonders in Hinsicht auf die Rallye-Aufnahmen, wollen wir im folgenden kurz eingehen.

 Doppelt so viele Batterien

Die Inspire 2 besitzt jetzt zwei Intelligent Flight Batteries mit 6-Zellen-Akkus und einer Kapazität von je 4.280 mAh. Der Vorteil hierbei ist, dass auch bei einem Ausfall von einem Akku die Drohne noch sicher gelandet werden kann. Außerdem haben die Batterien jetzt die Möglichkeit, sich selbst vorzuheizen. Ihr kennt sicherlich alle das Problem, dass der Akku im Smartphone bei kalten Temperaturen sehr schnell und oft auch sehr plötzlich an Kapazität verliert. Bei einer Drohne, die gerade fliegt, wäre so ein  Abfall kritisch und höchst wahrscheinlich mit einem Absturz verbunden.

Damit dies nicht passiert, werden Batterien vorgeheizt, um direkt auf optimaler Betriebstemperatur zu sein. In der Vergangenheit war dies oft sehr umständlich und mit extra Gerätschaften verbunden. Die Batterien der Inspire 2 haben diese Funktion direkt mit im Gehäuse integriert.

Von der Flugleistung her ist die Inspire 2 mit 27 Minuten angegeben. Auf der Monte reduziert sich dies wegen der kalten Temperaturen und schnellen Manöver auf knapp 20 Minuten, was immer noch ein sehr guter Wert ist. Um Strom zu sparen, landet die Drohnen-Crew nach jedem vorbeigefahrenen Auto übrigens und startet jedes mal neu, sobald der nächste Wagen im Anmarsch ist.

Doppelt so viele Kameras

Neben der Flugzeit genau so wichtig ist die Videoqualität. Mit der X5S wurde die hauseigene Kamera weiterentwickelt. Diese ist in der Lage, im RAW-Format 5,2K-Aufnahmen mit 30fps oder 4K mit 60 fps zu machen. Natürlich sind die Objektive auch wieder wechselbar. Auch unterstützt werden jetzt diverse Profi-Codecs, die gerade für eine professionelle Post-Production einiges an Vorteilen bietet.

Neben der verbesserten Kamera wurde der Inspire 2 aber auch noch eine zusätzliche Kamera spendiert. Diese Kamera ist für den Piloten und macht die Drohne noch mal deutlich besser nutzbar. Die Inspire 2 kann wie der Vorgänger von zwei Bedienern gleichzeitig gesteuert werden. Dabei ist einer der Pilot und der andere steuert nur die Kamera. In der Praxis kann dies manchmal ein klein wenig schwierig sein. Stellt euch vor, ihr fliegt geradeaus, aber die Kamera ist nach hinten gerichtet und dreht sich am besten noch. Als Pilot bleibt dann nur noch die Möglichkeit, die Drohne nach Sichtkontakt zu fliegen. Die Inspire 2 löst dieses Dilemma mit einer extra Kamera, die immer nach vorne gerichtet ist. So hat der Pilot eine zusätzliche Orientierungshilfe.

Auch neu sind die Sensoren zur Kollisionserkennung nach vorne, wie man sie bereits aus der Phantom und Mavic-Baureihe kennt. Bis zu einer Geschwindigkeit von 34 km/h können Hindernisse erkannt und eine Kollision durch Abbremsen verhindert werden.

DJI Inspire 2 – Erste Eindrücke

Es ist natürlich nicht ganz einfach, eine Drohne nach einmaligem, kurzen Antesten zu beurteilen. Eingangs habe ich die Inspire-Reihe ja als die Drohne für Prosumer, also professionelle Consumer, bezeichnet. Tatsächlich habe ich das Gefühl, dass bei der Inspire 2 professionelle Filmmacher noch deutlich mehr angesprochen werden sollen.

Bei der Veranstaltung habe ich die Piloten-Crew gefragt, warum sie nicht auf die noch größeren Drohnen von DJI zurückgreifen, die zum Beispiel in der Lage sind, eine richtige Kamera zu tragen. Der Grund hierfür ist relativ einfach. Die Inspire bietet in puncto Flexibilität ein paar entscheidende Vorteile:

Zum einem wäre da der Gewichtsfaktor: Die Inspire 2 ist deutlich kompakter und leichter als das Setup einer großen Drohne. Gerade bei Rallyes ist dies ein entscheidender Punkt. Die Drohnen-Crew muss deutlich vor Rallye-Beginn an ihren zugewiesenen Einsatzort kommen. Dabei sind diese in den seltensten Fällen mit dem Auto erreichbar. Die komplette Ausrüstung muss also über Stock und Stein zu dem Einsatzort getragen werden. Damit ist es einleuchtend, dass man versucht, soweit es geht an Gewicht zu sparen.

Ein anderer Punkt ist die Manövrierbarkeit. Die Einsatzorte für die Drohnenaufnahmen sind lange im voraus geplant. Um das meiste aus den Drohnen-Aufnahmen raus zu holen, liegen diese oft an Stellen, an denen die Autos stark abbremsen und wieder beschleunigen müssen. Dadurch ist man in der Lage, die Verfolgungszeit zu verlängern. Natürlich werden die Aufnahmen dabei um so spektakulärer, je näher man an die Autos heran fliegt. Daher müssen die Piloten oftmals auf sehr engen Raum fliegen und da ist das Ansprechverhalten und die Manövrierfähigkeit entscheidend.

Abschließend lässt sich sagen, dass die Inspire 2 für den professionellen Gebrauch sehr gut geeignet ist. Um herauszufinden, wie gut die Inspire 2 für den ambitionierten Hobbypiloten geeignet ist, werden wir diese auch in naher Zukunft testen.

Zum Abschluss schaut euch doch noch die Highlights aus 2016 an, die mit der Inspire 1 gefilmt wurden.