5G: Die neuen Smartphones werden schnell – und fett

Nächstes Jahr geht es los: Die ersten Smartphones mit 5G werden vorgestellt. Bereits jetzt zeichnet sich aber ab, dass sie nicht nur besonders schnell werden - sondern auch riesengroß. 
von Carsten Drees am 7. September 2018

Die 5G-Technologie wirft ihre Schatten weit voraus und selbst in der “Immerhin hab ich noch Edge kurz hinterm Hauptbahnhof”-Nation Deutschland rüstet man sich für diesen “Daten-Turbo”. Jau, schnell wird es definitiv werden, das Surfen mit 5G — zehn mal schneller als mit LTE Advanced. Zudem werden auch die Latenzen deutlich sinken, genau wie der Energieverbrauch.

Aber es zeichnet sich zunehmend öfter ab, dass bei dieser Technik, die ihr auf dem deutschen Massenmarkt nicht vor 2020 erwarten braucht, ein riesiger Elefant im Raum steht: Gerade bei der Hardware, wo es auf jeden Millimeter ankommt — wie bei den Smartphones — stehen die Produktdesigner vor ganz neuen Herausforderungen, wenn sie 5G integrieren wollen.

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Das wird jetzt wieder deutlich, wenn man einen Blick auf die jüngste Pressemitteilung Qualcomms wirft. Dort ist die Rede davon, dass man es zusammen mit Ericsson in deren Labors in Schweden nun erstmals geschafft hat, einen “3GPP Rel-15 konformen 5G-Anruf auf einem mobilen Testgerät mit Smartphone-Formfaktor” durchzuführen.

This successful lab call is a testament to our continued innovation and collaboration with Ericsson, and we look forward to further industry-leading milestones with them as we progress to 5G commercialization of networks and mobile devices in early 2019. Cristiano Amon, President, Qualcomm Incorporated

Applaus zunächst mal an dieser Stelle an Qualcomm und Ericsson für das Erreichen dieses Meilensteins. Aber zurück zum Elefant im Raum: Das Bild kann man sogar fast wörtlich nehmen, denn in dieser Pressemitteilung hat Qualcomm auch besagtes Test-Device gezeigt, von dem die Rede ist — und das ist ein ziemlicher Brummer. Seht selbst:

Das Bild kann jetzt zweierlei bedeuten: Entweder hat man ein normal-großes Smartphone in Trumps Kinderhänden fotografiert, oder wir haben es mit normal-großen Händen und einem riesigen Klopper von Smartphone zu tun. Sollte hier das Display nahezu die komplette Front einnehmen, sind wir hier vermutlich ungefähr in der 7-Zoll-Abteilung unterwegs, tippe ich mal.

Ja, ich weiß, es ist kein finales High-End-Smartphone eines etablierten Herstellers und in den nächsten Monaten wird man bei Samsung, Huawei und Co noch eifrig tüfteln, um die Größe in den Griff zu bekommen. Aber dennoch: Es ist ein Smartphone-Riese und es gibt gute Gründe zu glauben, dass wir es auch bei anderen 5G-Smartphones mit sehr großen Handsets zu tun bekommen werden.

Während wir nämlich daran gewöhnt sind, dass die Bauteile immer winziger werden und die Unternehmen daher von Jahr zu Jahr kompaktere Hardware veröffentlichen können, dürfte mit der 5G-Technologie die Reise erst mal wieder in die andere Richtung gehen, was sich aus der schieren Größe der 5G-Komponenten ergibt.

Da wäre zunächst einmal das komplexe 5G-Modem. Qualcomm hat hier das Snapdragon X50-Modem am Start, welches allein bereits nahezu so groß ist wie sein aktuelles SoC-Flaggschiff namens Snapdragon 845. Die Kollegen von ComputerBase haben das mal in einem Vergleichs-Bild dargestellt:

Maßstabsgetreuer Größenvergleich zwischen SDM845, SDX50 und QTM052 (Bild: ComputerBase)

Ihr seht also, dass das Modem allein schon ein ziemliches Ungetüm ist und im Smartphone-Inneren ordentlich Platz in Anspruch nehmen wird. Ach, ihr fragt, was das andere fette Bauteil da rechts ist? Berechtigte Frage! Dabei handelt es sich um das QTM052-Antennenmodul, welches ebenfalls noch ins Gehäuse gestopft werden muss. Allerdings nicht einmal, denn in der Regel werden wir in 5G-Handsets drei dieser Kameraden vorfinden.

Das ist jetzt schon massig Holz für die Designer der kommenden Devices und selbstverständlich müssen auch die RF-Module sowie nach wie vor die üblichen Komponenten für 3G/4G, NFC, Bluetooth usw. im Gehäuse unterkommen. Das Ergebnis seht ihr eben auf dem Foto oben – oder auch auf der von Xiaomi angeteaserten Abbildung, die das 5G-taugliche Xiaomi Mi Mix 3 zeigen soll:

Wie VentureBeat schreibt, ist es nicht zwingend notwendig, dass in einem 5G-Smartphone die Millimeterwellenspektrum-Antennenmodule verbaut werden — allerdings sind sie notwendig, wenn 5G auch sein mögliches Potenzial entfalten soll und das ist ja schließlich dann der Grund, wieso man zu einem solchen Smartphone greift.

Um jetzt alle die, die schon sehnsüchtig auf so ein 5G-Smartphone warten, nicht komplett zu verschrecken, merke ich nochmal an, dass es sich bei dem Qualcomm-Device um einen Prototypen handelt und es den Herstellern sicher gelingen wird, das Ganze etwas kompakter zu gestalten.

Allerdings dürfen wir auch nicht vergessen, dass die ersten Geräte ja schon in wenigen Monaten an den Start gehen sollen und da nun wahrlich nicht mehr viel Platz bleibt, um großartig die Architektur des jeweiligen Smartphones zu optimieren. Mag sein, dass eine zweite oder dritte Generation der 5G-Phones dann wieder eher dem entspricht, was wir derzeit in Händen halten. Aber fürs Erste bin ich leider derjenige, der auf der 5G-Party einen stinkenden Haufen aufs Büfett setzt und verkünden muss, dass die neuen Geräte zwar flott sein werden — aber eben auch ziemlich fett.