Im Fokus: Samsung
5G: Langsames Breitband-Internet? Vielleicht hat Samsung die Lösung

5G heißt das Zauberwort, das dem mobilen Internet Flügel verleihen soll. Samsung hat eine Idee, wie auch das stationäre Internet zuhause von 5G profitieren könnte.
von Carsten Drees am 21. November 2017

5G wird kommen. In anderen Ländern — zum Beispiel Südkorea — ein bisschen flotter als in Good Old Germany, aber es kommt. Der zweite Teil unserer Samsung-Reihe befasst sich mit 5G im Allgemeinen – und der “letzten Meile” fürs heimische Internet im Speziellen.

Was ist 5G bzw. wie schnell ist 5G?

Die 4G-Technologie bzw. LTE ist noch längst nicht komplett ausgereizt. Auf LTE Advanced folgt LTE Advanced Pro, aber dennoch leuchtet der Begriff “5G” natürlich bereits jetzt am Horizont. Mit der neuen Technologie erwartet uns zunächst einmal natürlich schnelleres mobiles Internet, aber das sind noch längst nicht alle Vorteile des kommenden Mobilfunkstandards.

Es kann eine bis 100 x höhere Verbindungsdichte erreicht werden als bei heutigen LTE-Netzen, wir sind 10 x so schnell unterwegs (liegen also bei bis zu 10.000 MBit/s), die Kapazität erhöht sich ums Tausendfache, während die Latenzen bei einem Ping von unter 1 Millisekunde deutlich niedriger ausfallen. Dazu sinkt auch noch der Energieverbrauch drastisch.

Gemeinhin wurde davon ausgegangen, dass wir ab 2020 mit der Einführung von 5G rechnen können. Sehr früh hat sich aber Samsung darauf festgelegt, dass es zumindest 2018 in Korea Show-Cases geben wird — wenn dort nämlich die Olympischen Spiele in Pyeongchang über die Bühne gehen.

Samsungs Idee für die “letzte Meile”

Auf dem wirklich imposanten Samsung-Komplex (einem von mehreren in Korea) staunten wir nicht nur Bauklötze, wie groß das komplette Areal ist, sondern durften auch schon mal hinter verschlossenen Türen einen Blick in die nahe Zukunft werfen — und die betrifft in diesem konkreten Fall nicht nur die Nutzer des mobilen Internets, sondern auch die, die eben auch zuhause gerne flottes Internet genießen wollen.

Samsung nimmt sich nämlich eines Problems an, mit dem wir auch hier im vermeintlich hochtechnologischen Deutschland zu kämpfen haben: Wir Großstädter erfreuen uns an schnellstem Breitbandnetz, während mancherorts auf dem Land mitunter sogar DSL nur schwer möglich ist.

Ihr könnt euch also vorstellen, wie lange es dauern wird, bis wirklich im letzten Winkel der Nation Glasfaserkabel liegen wird für tatsächlich flottes Internet. Samsung wird uns daher die Möglichkeit bieten, einfach das schnelle 5G-Netz in diese Ecken zu bringen, wo man es dann anstelle des üblichen Breitbandnetzes nutzen kann.

Samsung hat zu diesem Zweck 5G-Basisstationen entwickelt, die — an Laternenmasten, Stromleitungen oder anderen exponierten Punkten in eurer Straße angebracht — so genannte “Last-Mile” -Breitbandverbindungen bis zu eurem Haus bereitstellen können. Dabei ist das mit der “letzten Meile” nach aktuellem Stand sehr sportlich formuliert, denn bei Tests in England klappte das bislang gerade einmal über eine Distanz von 230 Metern. In Samsungs Zentrale in Suwon werden immerhin über 400 Meter erreicht. Logisch, dass die Koreaner zuversichtlich sind, diese Distanz in weiteren Tests noch deutlich zu steigern.

Diese Basisstationen sind in der Lage, bis zu 10 Gbit/s zu liefern, zur Station in eurer Bude wird maximal 1 Gbit/s übertragen, unabhängig davon, wie viele andere Häuser noch versorgt werden. Dieses Signal kann also an mehrere Häuser gleichzeitig weitergegeben werden, was für die Praxis bedeutet, dass sich in einem Ort für diese Anschaffung mehrere Nachbarn zusammentun können. Ärgerlicherweise wollte uns Samsung bei unserem Termin nicht verraten, wie viele Parteien maximal von einer solchen Basisstation profitieren können.

Neben den zu erwartenden Vorteilen dieser Technologie, zu denen auch die geringeren Kosten gegenüber FTTH (Fiber to the home, also Glasfaser bis in die Wohnung) gehören, gesellt sich noch ein weiterer Punkt: Man könnte die Stationen auch so über die Stadt verteilen, dass auch in Zügen oder im Auto stets brauchbarer Empfang gewährleistet ist. Vermutlich muss ich hier niemandem erzählen, wie es mit dem mobilen Internet aussieht, wenn man im Zug sitzt und aus dem Bahnhof heraus fährt.

Außer in Korea hat Samsung bereits in England diese 5G-Technologie mit den Basisstationen getestet, zudem auch in mehreren Städten in den USA, wo man sich Verizon und AT&T als Partner zu Hilfe geholt hat. Diese Stationen könnten — so zumindest Samsungs Hoffnung — dazu beitragen, dass die 5G-Technologie sehr schnell Fuß fasst. Dabei erklärte uns Dr. Wonil Roh, seines Zeichens Vice President and Head of Advanced Communications Lab bei Samsung Electronics, dass die 5G-Technik keinesfalls das normale Breitband ersetzen soll. Stattdessen soll es sich ausdrücklich um zwei Technologien handeln, die einander ergänzen.

Im Sommer 2018 will Samsung — nach erfolgreichen Tests und dem Olympiade-Showcase — dann soweit sein, dass man in Korea durchstarten kann. Wir hier in Deutschland werden uns da sicher noch gedulden müssen. Freuen dürfen wir uns allerdings jetzt schon, denn egal ob wir uns in einem Haushalt mehrere 4K-Streams gleichzeitig anschauen wollen, oder von der niedrigen Latenz beim Gaming profitieren: Das Internet mit diesen Möglichkeiten wird signifikant besser sein als das, was wir derzeit nutzen.

Samsung hat sich bereits jetzt sehr gut positioniert, um auch auf diesem Gebiet zu den führenden Unternehmen gehören zu können und speziell die 5G-Basisstationen könnten ein echter Gamechanger sein. Es ist noch zu früh, um über Preise und Verfügbarkeiten zu reden und in den verschiedenen Märkten ist das Unternehmen ja auch noch damit beschäftigt, entsprechende Partner zu gewinnen. Aber wir behalten das definitiv auf dem Schirm und werden euch auch künftig auf dem Laufenden halten.