5G – Mobilfunkzukunft, Versteigerung von Lizenzen und eine Meinung

Kommendes Jahr werden in Deutschland die Mobilfunkfrequenzen für das 5G-Netz versteigert. Während dieses Verfahren in der Vergangenheit gängige Praxis war, mehrt sich die Kritik diesmal im Vorfeld. Auch Vertreter der Politik fordern den Stopp der Auktion.
von Jan Gruber am 27. September 2018

So haben jüngst die Grünen im Bundestag für einen Stopp der Frequenzversteigerung plädiert. Damit widersprechen sie nicht gegen den Ablauf an sich, vielmehr sollen die Rahmenbedingungen neu geklärt werden und die Aktion dann später, unter diesen, erfolgen. Oliver Krischer, ein Abgeordneter der Grünen, vertritt die Meinung, dass wir bis heute unter den Fehlern vergangener Jahre leiden. Probleme bei der Frequenzauktion seien für die heutige Leistung des Netzes verantwortlich.

Auf der anderen Seite sieht die Bundesnetzagentur die Probleme nicht. “Wir nehmen die Wünsche des Beirats sehr ernst und beziehen sie umfassend in unsere Entscheidungsfindung ein”, sagte der Präsident der Bundesnetzagentur, Jochen Homann. In dem Beirat sitzen 32 Abgesandte, davon kommt je die Hälfte aus dem Bundestag und den Bundesländern.

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Ein wesentlicher Kritikpunkt ist die geplante Netzabdeckung. So wird den Providern keine lückenlose Netzabdeckung vorgeschrieben. Ihnen wird sogar eine zweiprozentige Lücke zugesprochen. Das bedeutet umgekehrt: 98 Prozent Netzabdeckung sind ausreichend. Bereits bis 2022 sollen 98 Prozent aller Haushalte mit mindestens 100 Mbit/s versorgt werden. So fürchten vor allem ländliche Regionen, vom Mobilfunkausbau (weiter) abgehängt zu werden.

Zudem sind auch die Mobilfunker selbst nicht mit den Rahmenbedingungen einverstanden. Vor allem die Öffnung im Hinblick auf neue Anbieter verunsichert die Betreiber, der mögliche Wettbewerb führt zu Planungsunsicherheit. Hier mischt sich das Bundeskartellamt ein und fordert jedoch eine Öffnung für weitere Netzbetreiber.

Im November soll die Entscheidung dann endgültig gefällt werden. Homann geht davon aus, dass seine Behörde “Versorgungsauflagen an der Grenze des wirtschaftlich Zumutbaren und rechtlich Möglichen” stellt.

Somit geht das Tauziehen um 5G – oder zumindest die Vergaberichtlinien – in die finale Runde, und der meinungsbezogene Teil dieses Artikels startet. Als Österreicher frage ich mich, bei allem Verständnis, ob deutsche Behörden aus den Fehlern der Vorjahre nach wie vor nicht gelernt haben?

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Mein erster Kritikpunkt sind die Auflagen. Während ich 98 Prozent noch für vertretbar halte, mir jedoch eine zweite Jahreszahl wünsche, bei der dann 100 Prozent gefordert werden, sind vor allem die vorgeschriebenen Bandbreiten nicht akzeptabel. Für 100 Mbit/s wird kein 5G benötigt. Dies lässt sich auch mittels LTE nutzen. Diese Bestimmung führt damit zu dem selben Debakel, das es bereits auf dem Markt des kabelgebundenen Internets gibt. Provider werden die „alte“ Technologie melken, solange es geht. Dabei ist ihnen hier gar kein Vorwurf zu machen – und damit wären wir auch bei dem zweiten Kritikpunkt. Diese Versteigerungen sind absurd. Die Provider werden mit zig Millionen, wenn nicht Milliarden, in Vorleistung gehen müssen. Geld, das fehlt – beispielsweise für den Aufbau eines modernen 5G-Netzes. So ist es eine geschäftspolitisch verständliche Lösung, bisherige Technologie weiter auszunutzen und damit Geld zu machen. Zwei bis drei Milliarden müssen erst einmal verdient werden. Und wie kommen diese am Ende wieder in die Kasse? Richtig, durch das Schröpfen der Kunden, woher auch sonst?

Was am Ende von 5G bleiben könnte? Ich hoffe ich irre mich, aber die Vergangenheit hat gezeigt: Wahrscheinlich wenig. In Ballungsräumen wird es ein entsprechendes Angebot geben – zu horrenden Preisen. Alle anderen Bereiche werden, so lange es geht, mit LTE versorgt. Gibt es eigentlich Vektoring bei LTE? Spaß beiseite, aus Sicht eines Ausländers wirkt der deutsche Internet- und Mobilfunkmarkt äußerst absurd. Das gilt nicht nur für die extrem hohen Preise, sondern auch für die (maximal) gebotenen Leistungen. Daran könnte sich jetzt etwas ändern. Die Chancen sind so aber eher sehr gering.

Via Heise und Spiegel