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Alter Falter: Vermasselt Samsung allen den Spaß an faltbaren Smartphones?

Samsung hat den Launch des Galaxy Fold verschoben, nachdem mehrere Tester Probleme mit dem faltbaren Display feststellen mussten. Lediglich ein Schönheitsfehler oder vielleicht sogar ein Problem für alle Hersteller?

von Carsten Drees am 23. April 2019

Eigentlich wäre es jetzt endlich bald so weit gewesen: Nach Jahren der Entwicklung, Jahren der Berichterstattung über flexible, faltbare Smartphone-Displays und verschiedenen Präsentationen von Samsungs Prototypen sollte nun endlich das Samsung Galaxy Fold in den Verkauf gehen. Die Koreaner sind sich dessen bewusst gewesen, dass das hochpreisige High-End-Gadget nur für ein kleines Nischen-Publikum gedacht sein würde.

Aber es geht hier auch nicht um tolle Verkaufszahlen, sondern um eine Macht-Demonstration und darum, die Muskeln spielen zu lassen: Seht her, was wir produzieren können! Wir wissen von Samsung, dass sie weltweit führend sind, was die Entwicklung von Displays angeht, egal ob wir über Smartphones, Fernseher oder sonst was reden. Nicht umsonst hat Apple immer wieder zähneknirschend bei Samsung Displays für die iPhones geordert.

Das faltbare Smartphone sollte jetzt eine neue Evolutionsstufe sein bei einem Produkt, welches zuletzt doch immer langweiliger wurde. (Fast) alle Smartphones sahen sich sehr ähnlich und auch im Innern unterscheiden sie sich oftmals nur noch marginal. Sowohl die technischen Möglichkeiten eines faltbaren Displays als auch die Design-Optionen lassen da auf Innovationen und mehr Abwechslung hoffen. Aber daraus wird zumindest vorerst nichts, nachdem Samsung sich mit Schwierigkeiten auseinandersetzen muss, das Display des Galaxy Fold betreffend.

Nachdem gleich mehrere Tester auf diese Probleme hinwiesen, reagierte Samsung und entschied, den Launch zu verschieben. In einem offiziellen Statement dazu heißt es:

Während viele Tester über das enorme Potenzial dieses neuen Smartphones berichteten, zeigten uns andere Tests auch, dass das Gerät für eine bestmögliche Benutzerfreundlichkeit weiter verbessert werden muss. Um dieses Feedback vollständig auszuwerten und weitere interne Tests durchzuführen, werden wir den Launch des Galaxy Fold verschieben. Den neuen Veröffentlichungstermin werden wir in den kommenden Wochen bekannt geben. Erste Ergebnisse aus den Auswertungen der gemeldeten Display-Probleme zeigen, dass die Ursache am Scharnier liegen kann. Es gab auch einen Fall, in dem Stoffe, die sich im Inneren des Geräts befanden, die Display Leistung beeinträchtigten. Wir werden Maßnahmen ergreifen, um den Schutz und die Stabilität des Displays zu verstärken. Wir werden auch die Anleitung zur Pflege und Verwendung des Displays einschließlich der Schutzschicht verbessern, damit unsere Kunden das Beste aus ihrem Galaxy Fold herausholen können.

In diesen Tagen hätte der Verkauf starten sollen, einen neuen Termin nennen die Koreaner dazu noch nicht. Oben im Pressetext könnt ihr lesen, dass Samsung “in den nächsten Wochen” einen neuen Termin bekanntgeben möchte. Das bedeutet, dass Samsung weder einen festen Termin zum heutigen Zeitpunkt anpeilen kann, noch dass man sich wirklich dessen bewusst ist, was bis zum nächsten Versuch alles noch korrigiert werden muss.

Samsung hat sicher noch das Galaxy Note-Debakel mit dem fehlerhaften Akku im Hinterkopf und kann sich unmöglich erlauben, in kurzer Zeit einen neuen Termin zu nennen und dann ein Produkt anzubieten, welches die Ursachen für die Display-Schwierigkeiten noch nicht beseitigt hat. Soll heißen: Eventuell müssen wir noch ein wenig länger auf das Galaxy Fold warten, bis dann nämlich wirklich ausgeschlossen ist, dass Samsung für 2 000 Euro ein unfertiges Smartphone in den Handel bringt.

Färbt das Problem auf andere Hersteller ab?

Ihr wisst, dass ich Samsung-Fan bin und dem Unternehmen natürlich gönne, dass es weiterhin tolle Spitzen-Smartphones veröffentlicht. Aber gleichzeitig bin ich auch kritisch genug um zu sehen, dass hin und wieder im Unternehmen falsche Entscheidungen getroffen wurden. In diesem Fall scheint es auch wieder so zu sein, weil ich es einfach nicht hintereinander bekomme, wie man ein Gerät nach eigenen Aussagen unglaublich umfangreich testen kann und gleichzeitig dann dieses Feedback nach nur zwei Test-Tagen bekommt.

Ich frage mich aber auch, ob diese Entwicklung auch Auswirkungen darauf hat, wie diese faltbaren Displays generell aktuell bewertet werden. Die Konkurrenz ist noch nicht riesig, wie ihr wisst. Mit dem Royole FlexPai ist ein Exot bereits auf dem Markt, den mit Sicherheit niemand vorher auf dem Schirm hatte. Außerdem steht mit dem Huawei Mate X ein riesiger, faltbarer Elefant im Raum, wenn man über Foldables wie das Galaxy Fold spricht.

Nachdem die Chinesen, die ihr Gerät übrigens noch teurer — für 2 300 Euro — anbieten werden, lange nur von der “Mitte des Jahres” gesprochen haben, wenn es um den Verkaufsstart ging, nennen auch die just jetzt ihren Termin: Im Juli 2019 soll es losgehen!

Geht mal davon aus, dass Samsung frühestens Ende Mai/Anfang Juni einen neuen Anlauf wagt. Damit wäre man immer noch schneller als Huawei, die frühestens Anfang Juli nachlegen könnten, wahrscheinlicher aber Ende Juli anpeilen. Und ich frage mich jetzt eben, ob Huawei die Probleme ausschließen kann, die die Konkurrenz gerade hat und guten Gewissens diesen Termin verkündet — oder ob man die Gunst der Stunde jetzt nutzen wollte, dem strauchelnden Unternehmen Samsung auf diese Weise noch einen mitzugeben.

Huawei Mate x

So, wie ich die Situation der letzten Monate einschätze, sind sehr viele Menschen schon fasziniert von den Möglichkeiten dieser faltbaren Smartphones. Gleichzeitig tauchen aber auch die Fragen nach tatsächlichen Use Cases auf und der hohe Preis schreckt viele Interessenten ab. Es ist also eine Technologie, die sehr spannend ist, gleichzeitig aber auch sehr skeptisch betrachtet wird. Wenn dann negative News wie die ums Galaxy Fold die Runde machen, kann das schon auf den ganzen Markt abstrahlen, befürchte ich.

Sollte jetzt Huawei schlimmstenfalls die Kritiker bestätigen, indem a) auch bei deren Display (welches sich ja übrigens nach außen faltet und damit noch anfälliger ist) Probleme auftauchen oder b) der Termin weiter nach hinten verlegt werden muss, würde die ganze Nummer nochmal wackliger, als sie sowieso schon ist.

Wenn ich 2 000 oder gar 2 300 Euro in die Hand nehme für ein technisches Device, dann möchte ich das Gefühl haben, das Beste vom Besten gekauft zu haben, State of the Art. Stattdessen muss man befürchten, dass man ein finanziell geschröpftes Versuchskaninchen ist, welches sich mit einem noch nicht ausgereiften Produkt auseinandersetzen darf. Mag sein, dass das, was Huawei vorlegt (oder weitere Anbieter, die sich mit der Technologie auseinandersetzen), nicht die selben Mängel vorweist wie das Galaxy Fold aktuell. Mag aber auch sein, dass das viele Interessenten, abgeschreckt durch Samsung, so schnell gar nicht mehr herausfinden wollen.

In Cupertino dürfte man sich unterdessen vermutlich ein wenig ins Fäustchen lachen, nachdem Apple vielfach unterstellt wurde, eine wichtige Innovation zu verschlafen. Warten wir mal ab, wie sich das mit den faltbaren Smartphones in diesem Jahr entwickelt. Über eure Kommentare und Meinungen zum Thema würde ich mich allerdings jetzt schon freuen.