Alexa, Siri, Cortana & Co.
Vergleich: Amazon Echo vs. Apple HomePod vs. Google Home vs. Microsoft Invoke – Wer macht das Rennen?

Mit dem HomePod hat nun auch Apple einen "intelligenten" Lautsprecher vorgestellt, der dem Amazon Echo Konkurrenz machen soll. Doch auch der Google Home und Microsoft Invoke kämpfen um die Gunst der technikaffinen Kundschaft und das digitale Plätzchen im Wohnzimmer. Wir haben die Systeme für Alexa, Siri, Cortana und den Assistant nach heutigem Stand miteinander verglichen.

Spätestens mit dem überraschenden Erfolg des “Echo” zeichnete sich ab, dass intelligente Lautsprechersysteme die Wohnzimmer der digital-affinen Kundschaft erobern werden. Google legte mit dem “Home” nach, Microsoft folgte in Partnerschaft mit harman/kardon und stellte kürzlich den “Invoke” vor. Nun hat auch Apple die Bühne betreten und zeigt mit dem “HomePod” die eigene Strategie für den zukunftsträchtigen Markt.

Die Systeme zeichnet aus, dass sie mit den vom jeweiligen Anbieter entwickelten digitalen Assistenten und Spracherkennungssystemen ausgestattet sind. Amazon geht mit Alexa ins Rennen, Google basiert auf dem Assistant, Microsoft pusht Cortana und Apple will mit Siri die eigene Künstliche Intelligenz aufs nächste Level heben. Die vier Geräte hören auf ein definiertes Startwort oder lassen sich über eine Taste auf der Oberseite aktivieren, erst danach findet eine Datenübertragung an die Server des Anbieters statt. Im Idealfall lassen sich über die dann erkannten Fragen und Anweisungen verschiedene Apps und Anwendungen steuern, Suchanfragen oder Bestellungen ausführen, Termine eintragen oder Mails vorlesen.

Amazon Echo

Amazon konnte sich mit der frühen Verfügbarkeit seines Systems bereits einen erheblichen Marktanteil sichern. Momentan geht man davon aus, dass circa 70% der Home Speaker beim Kunden entweder Echos oder Echo dots sind, die kleinere Ausführung. Das Unternehmen verfolgt gezielt die Strategie, das System für eine möglichst große Zahl von Drittanbietern zu öffnen, die für den Echo bzw. die Sprachassistentin Alexa sogenannte “Skills” bereitstellen.

Durch die Möglichkeit zur Erstellung solcher Skills tummeln sich auf dem Amazon Echo mittlerweile eine Reihe von populären Diensten und Anbietern, die allesamt das große Geschäft wittern oder zumindest die Chance wittern, sich frühzeitig einen digitale Platz im Wohnzimmer des Nutzers zu sichern. Neben Spotify oder verschiedenen Lieferdiensten wie Domino’s Pizza gehören dazu US-amerikanische Schwergewichte wie Uber – die beiden letztgenannten Unternehmen nehmen über den Echo Bestellungen an und schicken dann entweder eine italienische Warmspeise oder einen Fahrer vorbei.

Eine Vorreiterrolle übernimmt Amazon mit den Kooperationen im Bereich “Smart Home”. Der Echo lässt sich mittlerweile an verschiedene existierende Systeme koppeln und kann nach einer entsprechenden Einrichtung z.B. Samsungs “SmartThings” oder Beleuchtungen in einem Verbund von Philips “Hue” Lampen steuern. Auch in diesem Bereich lässt sich noch ein großes Potential der vernetzten Sprachassistenten erkennen, zumal die Hersteller der entsprechenden Smart Home Systeme an einem weiteren Ausbau der Fähigkeiten sehr interessiert zu sein scheinen.

Interessanterweise prescht Amazon innerhalb der Echo-Produktreihe auch anderweitig vor. Neben dem bereits erwähnten Echo Dot hat das Unternehmen in der Zwischenzeit auch den Echo „Show“ vorgestellt, eine um einen Bildschrim erweiterte Variante des Systems. Mit der Echo „Look“ gibt es eine Kamera, die mehr oder weniger intelligent sein soll.

Google Home

Google musste sich im Wettrennen um die frühstmögliche Verfügbarkeit Amazon geschlagen geben und brachte den Home Assistant erst später auf den Markt. Das war für aufmerksame Beobachter des Marktes recht verwunderlich, denn eigentlich ist der Suchmaschinenriese dem Onlineshopbetreiber in puncto Spracherkennung und bei der zwingend zugrundeliegenden Datenbasis weit überlegen. Der Google Home und die Assistant-KI verstehen die natürliche menschliche Sprache besser als der Echo und die Alexa-KI, zudem kann Google zwei verschiedenen Stimmen auseinanderhalten und einem bestimmten Nutzer zuordnen.

Auf der anderen Seite mangelt es dem Google Home Assistant an der nahtlosen Integration von Drittanbieter-Apps und an der Möglichkeit, sprachgesteuert zu shoppen – schließlich betreibt Google anders als Amazon keinen eigenen Onlineshop. Gerade auf dem US-amerikanischen Heimatmarkt ist das ein echter Nachteil, den Google wohl schrittweise durch eine erweiterte Integration seiner Produktsuche und dem damit einhergehenden Preisvergleich kompensieren wird.

Durch eine konsequente Hardware- und Software-Strategie hatte Google in den vorhergehenden Monaten eine sinnvolle Grundlage für den Einsatz des Google Home geschaffen. Die Assistant-KI läuft mittlerweile auf einem großen Teil neuerer Smartphones und füttert die Künstliche Intelligenz mit ständig wachsendem Wissen, während sich Geräte wie der Chromecast und Chromecast Audio mit dem System koppeln lassen und dessen Einsatzbereich erweitern. Von Amazon unter Zugzwang gesetzt hat man mit Spotify einen der populärsten Streaming-Dienste integriert und zeigt, dass man in Mountain View durchaus Kompromisse bei der Schaffung entsprechender Schnittstellen eingehen kann und will, was wiederum dem mit Android verfolgten Gedanken einer möglichst großen “Anwendungsvielfalt” entspricht.

Ansonsten sind bei Google die Bemühungen erkennbar, die eigenen Dienste Maps, Translate oder beispielsweise den Kalender auch in den jeweils verfügbaren internationalen Sprachversionen in den “Home” zu integrieren. Die Umsetzung kommt zwar in der Regel noch nicht an das heran, was viele Nutzer bereits von ihrem Computer oder ihrem Smartphone gewohnt sind, doch mittel- bis langfristig schlummert hier noch ein großes Potential.

Microsoft Invoke

Mit harman/kardon hat Microsoft einen etablierten Partner gefunden, der für die Redmonder den Invoke fertigt. Die Marke steht für qualitativ hochwertige Lautsprechersysteme und soll wohl – ähnlich wie der Apple HomePod, siehe unten – verdeutlichen, dass Microsoft Wert auf eine gute Soundqualität legt. Hierzu setzt der Invoke von Microsoft auf insgesamt drei Hochtöner und einen 360° Sound, was basierend auf den reinen Spezifikationen “schwächer” klingt als das, was uns Apple nun mit dem HomePod präsentiert.

Im Hintergrund verrichtet mit Cortana eine durchaus leistungsstarke Künstliche Intelligenz ihre Dienste, bei der Microsoft von der enormen Verbreitung der Software auf mehreren hundert Millionen PCs und Notebooks profitiert. Allerdings scheitert auch Microsoft bisher an der Integration von Drittanbieter-Diensten und verfolgt stattdessen die Strategie, die eigenen Services wie z.B. Skype oder Office365 mit Cortana zu koppeln.

Ein entscheidender Faktor für die zukünftige Verbreitung von Cortana und damit einhergehend für den Erfolg des Invoke könnte sein, dass Microsoft schrittweise die Betriebssysteme iOS und Android entert und deren Anbindung an ein mit Windows 10 ausgestattetes System verbessert. Die Redmonder verfolgen ganz unverhohlen die Strategie, die Plattformen von Apple und Google mit Apps, Diensten und verschiedenen Features zu “entern” und im Windschatten durchaus sinnvoller Verbesserungen Services wie Skype zu pushen. Dabei könnte die weiterhin dominante Rolle im Business-Sektor eine Rolle spielen, die Hersteller wie Amazon, Google oder Apple nur eingeschränkt bedienen, hier konzentriert man sich weiterhin eher auf den Consumer-Markt.

Fokussiert man sich als Anwender tatsächlich auf die Audioqualität eines Systems, dann werden die ab Herbst und Winter verfügbaren Vergleichstest zwischen Invoke und HomePod sicherlich interessante Ergebnisse liefern. In puncto Künstlicher Intelligenz hat Microsoft mit Cortana gegenüber Apple mit Siri (noch) ganz klar die Nase vorn, auch wenn außerhalb des englischsprachigen Raums noch viel Luft nach oben ist.

Apple HomePod

Zum Apple HomePod gibt es bisher nur wenige verfügbare Details, doch die Marschrichtung in Cupertino ist klar: Apple setzt – anders als Amazon und Google und ähnlich wie Microsoft – auf die Audioqualität und will mit dem HomePod “die Musik zuhause neu erfinden”. Obwohl das System durchaus mit der digitalen Assistentin Siri ausgestattet ist, hebt Apple deren Fähigkeiten beim HomePod nur sehr eingeschränkt hervor.

Aus gutem Grund: Siri muss sich im direkten Vergleich mit Googles Assistant und Amazons Alexa in vielen Fällen geschlagen geben, es hapert sowohl an der Erkennung natürlicher Sprache als auch an der logischen Verknüpfung verschiedener Suchanfragen. Allzu oft weiß Siri einfach keine Antwort oder behilft sich mit einem Verweis auf eine weiterführende, nicht sprachbasierte Suche. Insofern ist es nur konsequent, dass Siri im HomePod hauptsächlich zur komfortablen Sprachsteuerung von z.B. Apple Music genutzt werden soll, während sich die theoretisch möglichen “intelligenten” Fähigkeiten (noch) nicht ansatzweise umgesetzt werden.

Im Zusammenspiel mit Apples Musikstreaming-Dienst Apple Music soll der HomePod seine Qualitäten zeigen. Ein integrierter A8-Prozessor und eine mit den Mikrofonen realisierte Raumerkennung soll dafür sorgen, dass die Soundqualität merklich verbessert wird. Das bisher gezeigte Konzept wirkt stimmig, zudem ist Apple für unbestritten hochwertige Hardware bekannt und wird nicht das Risiko eingehen, dieses Image mit dem HomePod zu gefährden.

Dennoch bleibt ein fader Beigeschmack, neben dem vergleichsweise hohen Preis. Der HomePod ist letztendlich wie der Echo und der Google Home nur ein Lautsprecher, ein Ausgabegerät für die Cash Cow “Music”. Apple war mehr oder weniger gezwungen, dieses Gerät nun auf den Markt bringen, damit man nicht gegenüber Amazon Prime Music. Google Music, Spotify und Co. durch ein nicht abgerundetes Produktfolio aus Hard- und Software an Boden verliert. Gerade der treuen Apple-Kundschaft sagt man nach, dass sie angefangen von der Designsprache bis hin zur Usability eine möglichst homogene Umgebung wünschen, die nicht von den Produkten fremder Hersteller “gestört” wird.

Enttäuschend bleibt, dass Apple offenbar mit Siri nicht wirklich voran kommt. Die im Zusammenhang mit dem HomePod gezeigten Fähigkeiten sind im Vergleich zu den direkten Konkurrenten ein Witz und es besteht nur wenig Hoffnung, dass Apple hier noch aufholen kann oder sich zumindest Drittanbietern öffnet. Sicherlich wird man in Cupertino versuchen, Programmierer für die Erstellung von Apps zu begeistern, in denen Siri mittelfristig besser integriert wird. Doch da bei fast allen digitalen Sprachassistenten ein über “Werbung” und “Dienste” hinausgehendes Vermarktungskonzept fehlt, hält sich das Potential in Grenzen.

Fazit

Zum jetzigen Zeitpunkt ist es schwer vorstellbar, dass der vom Amazon Echo erarbeitete Vorsprung von einem der anderen Systeme eingeholt werden kann. Sicherlich wird es eine Vielzahl von Apple-Nutzern geben, die sich einen HomePod zulegen, sofern sie bisher keinen “Echo” besitzen – die bisherigen Anwender zu gewinnen, dürfte trotz der hinlänglich bekannten Gründe schwierig werden, da die Einrichtung und Integration der Systeme in den Alltag durchaus mit einem gewissen Aufwand verbunden ist. Zudem positioniert Amazon den Echo bzw. Alexa recht geschickt als “virtuelles Familienmitglied”, das man in der Folge nicht einfach “verstösst”. Sprich: wer die Qualitäten der Assistentin in verschiedenen Alltagssituationen zu schätzen weiß und sich an den Komfort einer funktionierenden Sprachsteuerung gewöhnt hat, wird nur in den seltensten Fällen das System und damit einhergehend die zugrundeliegende KI wechseln wollen.

Google wiederum könnte mit einer fortschreitend verbesserten Integration der eigenen Dienste punkten und Amazon Marktanteile abnehmen, zumal die dem Assistant zugrundeliegende Künstliche Intelligenz enorme Fortschritte macht und Alexa sich hier in der ungewohnten Rolle des Verfolgers befindet. Amazon kompensiert diesen momentan existierenden Nachteil durch die Vielzahl von Skills, die mittlerweile existieren und – zumindest theoretisch – viele Anwendungsbereiche abdecken.

Microsoft findet sich mit dem Erscheinen des HomePod in der misslichen Lage, dass man mit dem Fokus auf die Audioqualität einen neuen Widersacher hat, dem sich weder Amazon noch Google stellen müssen – beim Home und dem Echo punktet man eher mit der Integration der Services und der fortgeschritteneren KI. Andererseits entwickelt sich Cortana im Zusammenspiel mit Windows 10 wirklich rasant, so dass der Invoke seine Qualitäten in diesem Bereich noch enorm ausbauen könnte und dann gegenüber dem HomePod die Nase vorn hätte. Wenn es Microsoft gelingt, die Aufmerksamkeit der Windows-, macOS-, iOS- und Android-Nutzer gleichermaßen zu wecken, dürfte das ein oder andere Prozent Marktanteil nicht unrealistisch sein.