Amazon Echo Look: Eine Kamera mit Stil-Berater – Ist das Dein Ernst, Amazon?

Amazon hat mit dem Echo Look heute seine Kamera mit Alexa-Unterstützung vorgestellt. Die kommt mit einem virtuellen Stil-Berater und rät euch, welche Klamotten ihr am besten anziehen sollt. Ja - genau so hab ich auch geguckt, als ich das gelesen hab.

Mein lieber Schwan, Amazon! Gäbe es bei uns eine Rubrik “Okay, darauf wären wir jetzt so nicht gekommen” – die heute vorgestellte Kamera namens Echo Look würde sich mit Sicherheit dort wiederfinden. Ihr erinnert euch ja  vielleicht daran, dass vor einiger Zeit eine Amazon-Kamera geleakt ist und wir uns gefragt haben, ob Amazon das Smart Home nun auch mit einer Überwachungskamera inklusive Alexa erobern möchte.

Lesenswert: Zwei Monate Alexa: Welche Funktionen nutzt man mit Amazon Echo wirklich?

Amazon Echo Look LogoDie Antwort auf die Frage wurde heute beantwortet und zwar mit “Jein”! Ja, es ist tatsächlich eine Kamera, die ihr zuhause aufstellen könnt und ja, sie kommt auch mit Alexa an Bord, so dass ihr Amazons künstliche Intelligenz neben dem Echo, dem Echo Dot und seit jüngstem auch dem Fire TV nun eben auch mit dieser Cam nutzen könnt. Aber nein – es ist keine Überwachungskamera!

Mädchen auf verschiedenen Selfies mit unterschiedlichen Looks

Was ist Echo Look dann?

Echo Look ist eine Kamera, die ihr zuhause aufstellt und die auf Sprachkommando Fotos und Videos von euch machen kann, so dass ihr euch in der dazugehörigen Smartphone-App euren Look anschauen könnt. Wer mag, kann auf dieser App dann auch noch eine zweite Meinung zum Outfit einholen und dort wird es ebenso möglich sein, dass ihr durch eure verschiedenen Fotos mit verschiedenen Klamotten blättert.

Amazon Echo Look Kamera von vornAll das wird mit der künstlichen Intelligenz namens Alexa kombiniert – ihr könnt der Kamera also ebenso den Wetterbericht oder neueste Nachrichten entlocken, sie Witze erzählen lassen oder befehlen, dass sie das Licht anschaltet.

Aber die Hauptaufgabe, die Echo Look für euch erledigen soll, ist tatsächlich nicht mehr und nicht weniger, als Fotos bzw. Videos von euch zu machen. Wer seinen Look checken möchte, kann sich so auf dem Smartphone von Kopf bis Fuß bestaunen und wer mag, kann dieses Foto selbstverständlich auch direkt auf den sozialen Netzwerken teilen.

Möchte ich aber auch sehen, ob mir meine Jeans hinten angesichts des fetten Hinterns eventuell schon aufgeplatzt ist und ob ich im Profil nicht zu presswurstig aussehe, kann ich alternativ direkt ein Video aufnehmen lassen, so dass ich mich – wenn ich mich entsprechend drehe – auch gleich von allen Seiten betrachten kann.

Die Kamera kann dank Tiefenschärfe-Effekt automatisch den Hintergrund unscharf darstellen, so dass ihr auf dem Foto dann besonders hervorstecht, außerdem ist auch ein LED-Blitz verbaut. Der Clou ist natürlich, dass Amazon die künstliche Intelligenz Alexa in die Kiste eingebaut hat.

Amazon Echo Dot (2. Gen.) Intelligenter Lautsprecher mit Alexa, Schwarz

Preis: EUR 49,99 oder gebraucht ab EUR 49,99

9862 Kundenbewertungen 4.2 von 5 Sternen

Der Algorithmus sagt euch, wie gut ihr angezogen seid

Echo Look-Bewertung: Welcher Style sieht besser aus

Was soll die KI in diesem Fall richten? Klar – überprüfen, ob ihr euch die Bekleidung bestens zusammengestellt habt, oder ob ihr doch eher ausseht wie eine Mischung aus Silvesterrakete und Lumpensammler. Auf der Produktseite lesen wir:

  • Get a second opinion on which outfit looks best with Style Check, a new service that combines machine learning algorithms with advice from fashion specialists
  • Echo Look helps you discover new brands and styles inspired by your lookbook

Bedeutet, der “Style Check”-Service greift euch als “zweite Meinung” unter die Arme, wobei hier die Algorithmen kombiniert werden mit tatsächlichen Mode-Experten, die Amazon mit Rat und Tat zur Seite stehen. Ihr schickt die Fotos ab und bekommt postwendend die Antwort, welcher Look der Bessere ist. Wir müssen nicht extra erwähnen, dass die KI natürlich fleißig lernt im Laufe der Zeit, und auch durch weiteren Input von Mode-Profis der Echo Look besser und besser werden soll.

Logisch auch, dass euch Amazon – ganz uneigennützig natürlich – durch eure Looks im eigenen “Lookbook” der App neue Klamotten, Styles und Marken ans solvente Herz legen möchte. Heißt im Klartext: Die App und die Kamera helfen euch, noch mehr von dem zu kaufen, was ihr eh schon tragt bzw. dazu Passendes. Dabei will ich Amazon nicht einmal einen Strick daraus drehen, dass man den Kunden neue Produkte aufs Auge drücken möchte – so funktioniert das nun mal bei Amazon und das ist ja auch an sich nichts Verwerfliches.

 

Dein Ernst, Amazon?

Ich bin durch Caschys Artikel auf die Kamera aufmerksam geworden und war ein bisschen erstaunt, dass er dort tatsächlich “WTF” im Artikel unterbringt. Nachdem ich mir aber angeschaut hat, was Amazon da heute vorgestellt hab, möchte ich mich diesen drei einschätzenden Buchstaben Caschys vollumfänglich anschließen.

Für recht kleines Geld kann man sich das Echo Dot-Gadget ins Haus holen, bei dem ihr dann Alexa in vollem Umfang nutzen könnt und auch eure Musik abspielen könnt. Für 180 Euro erhaltet ihr mit dem Echo dann das Smart Home-Gerät Amazons, welches euch zudem einen besseren Sound liefern soll, grundsätzlich aber auch nicht viel mehr auf der Pfanne hat als der Echo Dot. Und jetzt rundet man das Portfolio also ab mit dem Echo Look, welches sich auf Fotos des Besitzers spezialisiert.

Ach, das Beste hab ich ja noch gar nicht erwähnt: 200 Dollar werden in den USA für das bislang nur dort erhältliche Gerät fällig – also nochmal ein wenig mehr, aber hey – dafür müsst ihr nicht mehr lästig das Smartphone selbst halten beim Knipsen von Selfies oder euch gar vor den Spiegel quälen. Ich fass mir ehrlich gesagt gerade an die Birne und frag mich, was sich die Köpfe bei Amazon dabei gedacht haben (“kommt, wir entwickeln was noch absurderes als unser Smartphone” wird es ja wohl nicht gewesen sein).

Echo Look von vorn, mit Erklärungen der Funktionen

Vermutlich bin ich als modisch nur mäßig bewanderter Tech-Blogger und Snapchat-Nicht-Begreifer einfach nur nicht voll auf der Höhe der Zeit und es finden sich tatsächlich unzählige Fashion-Freunde, die nichts lieber in der Bude stehen haben wollen als genau diese Cam. Persönlich denke ich aber eigentlich gerade, dass sich Amazon den Pokal fürs unnützeste Gadget des Jahres bereits jetzt in die Vitrine stellen kann.

Glaubt mir, dass ich das sehr gespannt verfolgen werde, wie die Resonanz bei den US-Käufern sein wird, ich selbst halte das Produkt für – sagen wir es vorsichtig – mittel-durchdacht bestenfalls. Hätte Amazon einfach eine Kamera im Echo verbaut und das Teil dann 30-50 Dollar teurer angeboten als der “normale” Echo kostet – ich hätte es kapiert und vermutlich sogar für recht pfiffig befunden.

Ähnliches würde gelten, wenn der Funktionsumfang ein anderer wäre – wenn nämlich die Kamera tatsächlich auch noch als Überwachungskamera dienen würde und nicht ausschließlich als Look-Kontrolle. So halte ich es für eine Nummer, von der ich echt froh bin, dass sie nicht Anfang des Monats vorgestellt wurde: In dem Fall hätte ich es nämlich für einen Aprilscherz gehalten (und nicht mal den lustigsten) und sicher nicht drüber gebloggt.

Aber hey – ich sagte ja, dass ich eher so als Bekleidungs-Legastheniker unterwegs bin und daher frage ich mal in die Runde: Blicke ich da nur den Punkt nicht, verkenne das Potenzial dieses Gadgets zu Unrecht oder könnt ihr nachvollziehen, wieso der Echo Look circa das letzte Gerät ist, welches ich mir ins Haus holen würde?

via Caschys Blog