Amazon Go Grocery: Amazon eröffnet ersten Supermarkt ohne Kasse

Mittlerweile gibt es in den USA 25 der kleinen Amazon Go Shops, die keine Kasse mehr benötigen. Jetzt hat Amazon den ersten Supermarkt mit Namen "Go Grocery" eröffnet. 

von Carsten Drees am 25. Februar 2020

Schon seit Jahren berichten wir immer mal wieder über Amazons Shopping-Konzept vom Laden ohne Kasse. Schon 2016 sprachen wir hier vom Supermarkt der Zukunft, aber die Läden, die Amazon dann tatsächlich ab 2018 eröffnete, waren deutlich kleiner als übliche Supermärkte und hatten ein sehr überschaubares Produktangebot.

Der Clou bei diesen Shops ist eben, dass der Kunde nicht mehr an eine Kasse muss vorm Verlassen der Filiale. Stattdessen schnappt man sich einfach das Produkt, welches man erwerben möchte, packt es ein und kann gehen. Abgerechnet wird per vorab installierter App – unkomplizierter geht es also kaum.

Alle Fotos: Geekwire

Der Haken bislang: Die Technologie war noch nicht so ausgereift, dass man das Konzept auf Supermarkt-Größe aufblasen konnte. Die aufwendige Technik ließ nur kleine Store mit überschaubarer Produktanzahl und überschaubarer Zahl an Kunden zu. Deswegen haben die bislang 25 in den USA eröffneten “Amazon Go”-Shops auch lediglich eine Größe von etwa 200 Quadratmetern.

Jetzt allerdings hat Amazon in Seattle mit dem “Amazon Go Grocery”-Store einen ersten Supermarkt aufgemacht, der mit etwa 960 Quadratmetern nahezu fünf mal so groß ist wie die bisherigen Shops und dementsprechend auch ein signifikant größeres Produktportfolio vorweisen kann. Damit erreicht der Laden zumindest schon mal eine Größe, wie wir sie auch von Discountern hierzulande in Innenstadt-Lage kennen.

Man hat also die Technik bei Amazon unter Kontrolle bekommen, so dass man jetzt auch so große Läden eröffnen kann und zeigt sich zuversichtlich, dass man in Zukunft problemlos auch Märkte eröffnen kann, die fünf oder gar zehn mal so groß sind wie der jetzt eingeweihte. Vorher hatte man beispielsweise Schwierigkeiten mit nicht verpackter Ware wie Tomaten oder Apfeln. Die Sensoren in den Regalen und die Kameras können relativ leicht verarbeiten, wenn wir eine Konservendose oder ein Päckchen aus dem Regal nehmen. Es wird aber schwieriger bei nicht abgepackter Ware, bei der man vielleicht erst drei Äpfel in die Hand nimmt und begutachtet, bevor man sich für einen entscheidet.

Diese Hürden hat man jetzt also genommen und kann somit in Seattle jetzt ein großes Sortiment von etwa 5.000 Produkten anbieten. Dabei ist das Sortiment nicht nur größer als in bisherigen “Amazon Go”-Shops, sondern auch ein etwas anderes. Das liegt daran, dass “Go Grocery” anders konzeptioniert ist: Die “Amazon Go”-Läden lassen sich an Standorten finden, an denen die Leute arbeiten. Hier gibt es also dementsprechend Frühstück oder komplette Mittagessen und Snacks zu kaufen. Die “Amazon Go Grocery”-Kette hingegen soll dort Standorte aufmachen, wo die Menschen wohnen. Also gibt es hier viel mehr Basics wie Brot, Obst und Gemüse, Fleisch, aber auch Spirituosen, Haushaltsprodukte usw.

Im Laden findet sich zwar keine angeschlossene Bäckerei und auch weder Fleisch- noch Fischtheke, aber die abgepackte Ware wird (teils mehrmals) täglich frisch geliefert. Damit wären wir dann auch bei den Aufgaben, die das Personal übernimmt: Die Regale müssen natürlich aufgefüllt werden — in der Filiale in Seattle arbeiten laut Aussage von Amazon etwa drei Dutzend Angestellte.

Das wäre vermutlich auch eine Frage, die sich jetzt viele stellen: Was passiert mit dem Kassenpersonal? Laut Amazon glaubt man daran, dass man das komplette Personal halten und anders einsetzen kann. Das wird eben das gerade erwähnte Regalauffüllen sein, die Angestellten sollen aber auch der Kundschaft zu Diensten sein und sie entsprechend beraten.

Geht dieses Konzept auf, würde das bedeuten, dass wir als Kunde nicht mehr an der Kasse herumlungern müssten (oder selbst einscannen müssen) und zudem davon profitieren, dass die Angestellten uns mehr Service beim Einkauf bieten können. Die wiederum müssten nicht an der Kasse versauern und könnten dennoch ihren Job behalten.

Klingt in der Summe ein bisschen zu perfekt, aber wir können uns das ja in Ruhe anschauen, wie sich die Dinge tatsächlich entwickeln. Das werden die Konkurrenten wie Wal Mart übrigens sicher auch tun, spätestens seit sich Amazon 2017 mit Whole Foods eine komplette Kette mit etwa 500 Filialen an Land gezogen hat. Diese Shops werden übrigens auch weiterhin — zumindest Stand jetzt — weiter mit normalen Kassen und Kassenpersonal betrieben.

Sicher werden wir uns in Zukunft noch öfter damit beschäftigen, wie solche Konzepte funktionieren, wie sie unsere Innenstädte verändern könnten und nicht zuletzt werden wir auch über Datenschutz reden. Schließlich überwachen unendlich viele Kameras unseren Einkauf und erzählen Amazon, wo wir zu welcher Zeit was eingekauft haben. Ich glaub, das alles wird noch sehr spannend.

Quelle: Seattle Times via Geekwire und heise.de, alle Fotos: Geekwire