Amazon Prime Day Kartons

Amazon Prime Day Fazit: Amazon jubelt, das Internet nicht so

Gestern war Amazon Prime Day! Von früh bis spät Angebote, alle nur Amazon Prime-Kunden vorbehalten. Es war auch wirklich ein Riesenerfolg - sagt zumindest Amazon. Im Netz waren die Reaktionen da schon durchwachsener und auch ich bin mit mir noch nicht so ganz im Reinen, was ich von diesem Prime Day halten soll. 

So, das war er also – der erste Amazon Prime Day. Eigentlich müsste man das “erste” noch in Klammern setzen, denn offiziell wissen wir ja nicht, ob es überhaupt einen weiteren geben soll. Der Anlass für diesen Tag voller Angebote war ja bekanntlich der 20. Geburtstag Amazons und zumindest von außen betrachtet nicht in erster Linie der Versuch, neben dem Black Friday bzw. der Cyber Monday-Woche einen neuen Deals-Feiertag zu etablieren.

Ich persönlich denke, dass man aber natürlich darauf gehofft hat, dass die Prime-Kunden diesen Prime Day annehmen, so dass man daraus eine regelmäßige Geschichte machen kann. Erfolgreich war der Tag allemal, wie Amazon selbst per Pressemitteilung bereits verkündete, während der Prime Day noch in vollem Gange war.

Prime Day peak order rates have already surpassed 2014 Black Friday. Prime members have already bought tens of thousands of Fire TV Sticks, 35,000 Lord of the Rings Blu-Ray sets, 28,000 Rubbermaid sets, and 4,000 Echo devices in 15 minutes. The Kate Spade purse was gone in less than a minute. We also sold 1,200 of the $999 TVs in less than 10 minutes. And there are thousands more deals coming. Greg Greeley, Vice President Amazon Prime

Amazon Prime Day 2016? Aber sicher!

Wenn ihr euch also fragt, ob dieser Prime Day im nächsten Jahr wiederholt wird: Klar – Amazon wäre ja verrückt, wenn man darauf verzichtet, nachdem sich die Leute noch schneller auf die Ware stürzten als am Black Friday. Kommerziell war der Prime Day also schon mal ein riesiger Erfolg für Amazon und selbstverständlich waren auch wirklich tolle Angebote für uns Konsumenten dabei. Wir haben den Prime Day gestern über den ganzen Tag begleitet und auch aus dem Tech-Bereich, der uns natürlich mehr interessiert als Textilien oder Hygiene-Artikel, waren einige Highlights dabei.

In der Summe allerdings muss ich zumindest aus meinem subjektiven Blickwinkel sagen, dass ich von der Produktauswahl enttäuscht war, die Amazon getroffen hat. Tonnenweise Speicherkarten und alle paar Stunden Wiko-Smartphones sind nett, aber eben nicht ganz das, was ich erwartet habe. Die klangvollen Namen wie das Samsung Galaxy S6 edge und die Sony PlayStation 4 waren absolute Ausnahmen, dazwischen gab es jede Menge Zeug, welches man eher bei Rudis Resterampe vermutet als beim Amazon Prime Day! Wenig überraschend also, dass es auch im Netz massig Kritik gab und vielfach den Vorwurf, dass Amazon lediglich Ladenhüter loswerden wollte, um Lagerplatz freizumachen.

Ein “Highlight” (überlegt für euch selbst, ob positiv oder negativ) beim amerikanischen Prime Day war übrigens ein 55 Gallonen Fass voller Gleitmittel – über 200 Liter also. Klar, dass da die Reaktionen im Internet nicht ausblieben bei der Produktbeschreibung:

What are you going to do with all this lube?! Wrestling match? Biggest adult party ever? If you are looking for a simply jaw-dropping amount of lube, Passion Natural Water-Based Lubricant is ready to get the fun started with this 55 gallon drum! With its superb formula you will have a natural feel that keeps you moist longer and also works great with all toy materials. Produktbeschreibung bei Amazon

Screenshot: 55 Gallonen Gleitmittel

 

Egal, wozu ihr die Schmiere gebrauchen könnt (und bitte erzählt es uns nicht in den Kommentaren ^^) – so schnell braucht ihr definitiv keinen Nachschub. Und hey – man konnte über 1.300 Dollar sparen dabei, das Fass war also wirklich ein Schnapper. Der Observer hat das in seinem Beitrag sehr schön vorgerechnet.

Darüber hinaus gab es – gerade aus den USA – sehr viele harsche Worte für die Produktauswahl, die uns Amazon da gestern geboten hat. Everybody hates Amazon’s Prime Day deals, titelt beispielsweise Fortune, fasst darunter ein paar Tweets zusammen, die die Enttäuschung vieler US-Bürger ausdrücken.

Screenshot von einigen Prime Day-Angeboten

Erstaunlich ist dabei aber nicht nur, welche Waren – die Produktpalette reichte von Elektrogeräten und DVDs über Dildos bis zu Nudeln, Windeln und Spülmaschinen-Tabs – angeboten werden, sondern viel mehr, dass für alles dennoch Bedarf bei den Leuten zu sein scheint, die ein Schnäppchen wittern. Wir haben 2015 – und wenn man sich gestern nicht beeilte, kam man zu spät, um eine Spindel mit CD-Rohlingen (!) zu kaufen. Die Jüngeren können jetzt mal eben googeln, was ein CD-Rohling ist, die anderen lesen direkt weiter.

Kein Wunder also, dass es unglaublich viele enttäuschte Menschen da draußen gibt, Alex ist einer davon (mehr Reaktionen lest ihr hier), verpackt seine Enttäuschung aber zugegebenermaßen ziemlich witzig:

Wie lautet jetzt das Fazit zum ersten Amazon Prime Day?

Ich sag es euch ganz ehrlich: Als der Prime Day gestern über die Bühne gegangen war, war ich mir ziemlich sicher, heute übel über Amazon schimpfen zu wollen in diesem Artikel. Aber wie das eben so ist: Man schläft eine Nacht drüber und ist dann direkt ein bisschen entspannter.

Unterm Strich steht, dass die wirklich guten Deals (und die gab es ja zweifellos) wieder sehr, sehr schnell vergriffen waren, auch wenn nicht alle Amazon-Kunden am Start waren, sondern “nur” die Prime-Mitglieder. Das wird sich auch nicht ändern und da kann man Amazon nur bedingt einen Vorwurf machen, zumindest solange wir nicht wissen, welche Mengen da über den Tisch gehen – 35.000 verkaufte Blu Ray-Sets von Herr der Ringe sind beispielsweise eine ziemliche Ansage mengenmäßig und die waren dennoch binnen Minuten vergriffen. Auch aus der Tatsache, dass man mit dem Prime Day viele Amazon-Kunden ködern wollte, ebenfalls Prime-Kunden zu werden, kann man Amazon wohl kaum einen Vorwurf machen.

Kritisieren muss man da eher, dass Amazon uns seit Tagen heiß gemacht hat und uns auch per TV-Werbung klar gemacht hat, dass da DER Shopping-Tag schlechthin auf uns zurollt – dafür hätte man deutlich bessere Produkte in der Prime Day-Palette haben müssen. Den Erwartungen, die da geschürt wurden, konnte man also keinesfalls gerecht werden. Viele Menschen haben gestern eine Menge Zeit vorm Rechner verbracht in der Hoffnung auf tolle Angebote – da könnte man also für 2016 noch nachbessern, indem man halbstündlich oder stündlich in verschiedenen Produktsparten wirklich Top-Angebote anbietet.

Andererseits: Für Amazon ist der Plan ja aufgegangen – selbst Waren, die wir als kompletten Schwachsinn bezeichnen würden, sind eifrig gekauft worden und solange Amazon froh ist, dass der Kram weg kommt und sich die Kunden über ihre Schnäppchen freuen, scheint es ja keine wirklichen Verlierer zu geben.

Lasst uns zum Schluss festhalten, dass es sicher wieder einen Prime Day geben wird, dass sicher auch wieder über die Produktauswahl und -menge geschimpft werden wird – und dass auch 2016 die Leute dennoch wie die Verrückten auf Schnäppchenjagd gehen werden, wenn Amazon zum erneuten Prime Day ruft. Deswegen ist aus meinem geplanten Rant eher eine Beobachtung der allgemeinen Reaktionen geworden, was ja mitunter auch ganz amüsant ist und vielleicht sogar das wahre Highlight des Prime Day von Amazon.

Wer sich dennoch aufregen möchte über das, was uns Amazon da gestern geboten hat: Feel free – ich allerdings mach da heute mal nicht mit und erfreu mich lieber daran, wie sich andere aufregen, probiert es auch mal – zum Beispiel bei dem Kollegen Francis hier ;)