Tesla und Amazon gehören zum
Amazon und Tesla gehören zu den gefährlichsten Arbeitsplätzen der USA

In einer Statistik der 12 gefährlichsten Arbeitsplätze der USA tauchen mit Amazon und Tesla gleich zwei große Tech-Unternehmen auf. 

Wenn wir über die US-Unternehmen sprechen, die im Technik-Sektor auch über die Landesgrenzen hinaus eine besonders große Strahlkraft haben, dann gehören Amazon und auch Tesla zweifellos zu den Namen, die da neben Apple, Facebook und Microsoft oft genannt werden. Das gefällt den Unternehmen sicher so lange richtig gut, wie über die Produkte gesprochen wird, beispielsweise über das Tesla Model 3s oder über den Amazon Echo.

Weniger erfreut ist man allerdings, wenn es eher kritische Berichterstattung gibt. Das gefällt natürlich Jeff Bezos von Amazon nicht, bei Elon Musk und Tesla jedoch nimmt die Kritik an Kritikern mitunter schon wirklich richtig schräge Formen an. Erst vor wenigen Tagen gab es — erneut — Kritik an den Arbeitsbedingungen bei Tesla, was das Unternehmen umgehend aber als eine Desinformations-Kampagne der Presse abwatschte.

Bei den jüngsten Vorwürfen gegenüber Tesla ging es unter anderem darum, dass man die Statistiken der Arbeitsunfälle manipuliere. Scheint so, als habe das Frisieren der Zahlen nicht viel genützt, denn beim The Dirty Dozen-Report, in welchem die 12 US-Unternehmen mit den gefährlichsten Arbeitsplätzen genannt werden, ist neben Amazon halt auch Tesla vertreten. Hier ist die Liste, die weder Elon noch Jeff gefallen dürfte:

  • Amazon
  • Case Farms
  • Dine Brands Global (IHOP and Applebee’s)
  • JK Excavating
  • Lowe’s Home
  • Lynnway Auto Auction
  • New York and Atlantic Railway
  • Patterson UTI Energy
  • Sarbanand Farms
  • Tesla Motors
  • Verla International
  • Waste Management

Auf fast 50 Seiten wird in dem Bericht erklärt, wo besonders viele Arbeitsunfälle stattfinden, wo trotz entsprechenden Hinweisen nichts für die Sicherheit unternommen wird und wo es — durch Unfälle oder Spätfolgen — zu Todesfällen kommt. Im Report, der übrigens vom National Council for Occupational Safety and Health (National COSH) erstellt wurde, heißt es:

Jeden Tag gibt es Arbeiter, die aufgrund von Tragödien, von denen wir wissen, dass sie hätten verhindert werden können, nicht zu ihren Familien nach Hause kommen können. In diesem Jahr identifizieren wir mehrere Unternehmen, die spezielle Warnungen über Sicherheitsrisiken erhalten und diese nicht korrigiert haben. Die Arbeiter zahlten den ultimativen Preis für diese Verfehlungen. Marcy Goldstein-Gelb, Co-Executive Director bei National COSH

Amazon: Drei Tote in fünf Wochen an drei verschiedenen Standorten

Seit 2013 sind bei Amazon gleich sieben Menschen bei der Arbeit in Warenverteilzentren tödlich verunglückt. Auffällig ist dabei eine Häufung im letzten Jahr, als binnen fünf Wochen an drei verschiedenen Standorten drei Menschen ums Leben kamen. Ihre Unfälle passierten zwischen dem 19. September und dem 23. Oktober — also exakt in der Phase des Jahres, in der es um das Weihnachtsgeschäft geht und auch Amazon den meisten Umsatz verzeichnet.

Im Report wird auf Amazons Scheinheiligkeit hingewiesen: Jeff Bezos ist aktuell der reichste Mensch auf diesem Planeten mit einem geschätzten Vermögen von 124 Milliarden US-Dollar. Dennoch bittet man für die Finanzierung des neuen, zweiten Hauptquartiers um Steuererleichterungen und weitere Vergünstigungen. In die Verbesserung der oft kritisierten Arbeitsbedingungen wird hingegen denkbar wenig Geld investiert, obwohl vielfach darauf hingewiesen wird, wie man die Sicherheit am Arbeitsplatz verbessern könne.

Kritik gibt es daran, dass Amazon seine Mitarbeiter nicht nur äußerst streng überwacht, sondern das Personal auch einem hohen Druck aussetzt, besonders schnell und viel zu schaffen. Ein weiteres Problem: Oft setzt Amazon auf Zeitarbeitsfirmen, was gerade im Falle von Unfällen oft für Unklarheit sorgt, heißt es weiter im Bericht.

Tesla: Überdurchschnittlich viele Verletzte und vertuschte Unfälle

Auch an Tesla Motors gibt es massive Kritik. Tesla hat es durch überdurchschnittlich viele Verletzte in dieses „dreckige Dutzend“ der gefährlichsten Arbeitsplätze der USA geschafft. Bei den meldepflichtigen Verletzungen liege Tesla satte 31 Prozent über dem Industrie-Durchschnitt. Das ist aber noch gar nichts, verglichen mit dem Wert für die schweren Verletzungen: Hier liegt Tesla sogar furchterregende 83 Prozent über dem Durchschnitt!

Schlimmer wird diese Zahl noch dadurch, dass die gemeinnützige Nachrichten-Organisation Center for Investigative Reporting in seinen Recherchen feststellen musste, dass Tesla diese Unfallstatistiken auch noch geschönt habe! Somit liegt die Zahl der tatsächlich stattgefundenen Unfälle nochmal höher als die offiziell verkündeten Werte. Bernd hat euch die Story um diesen Bericht und Teslas wenig angemessene Reaktion ausführlich aufbereitet:

Tesla unterstellt kritischen Medien eine “kalkulierte Desinformations-Kampagne“

Im Bericht „The Dirty Dozen“ wird auch auf einen Blog-Beitrag vom Tesla-Angestellten Jose Moran verwiesen, der im Februar über die Arbeitsbedingungen bei Tesla schrieb. Jose beschreibt in seinem Text den Widerspruch, wirklich gerne bei einem so innovativen Unternehmen zu arbeiten bei gleichzeitig so denkbar veralteten Standards bei den Arbeitsbedingungen.

Ich bin stolz darauf, seit vier Jahren Teil eines Teams zu sein, das grüne Autos in die Welt bringt. Als Produktionsarbeiter im Tesla-Werk in Fremont bin ich überzeugt, dass Tesla eines der innovativsten Unternehmen der Welt ist. Wir arbeiten hart daran, das beste Auto der Welt zu bauen – nicht nur elektrisch, sondern insgesamt. Leider habe ich jedoch oft das Gefühl, dass ich für ein Unternehmen der Zukunft unter den Arbeitsbedingungen der Vergangenheit arbeite. Jose Moran, Tesla-Angestellter

Er sprach davon, dass sehr viele Überstunden zu leisten sind und es sehr häufig zu Verletzungen bei der Arbeit komme. Vor einigen Monaten sind in seinem Team gleich sechs von acht Mitarbeitern nach Arbeitsunfällen ausgefallen und er hört davon, dass die Bedingungen bezüglich der Ergonomie in anderen Abteilungen noch schlechter sind. Viele Mitarbeiter trauen sich aus Angst um ihren Job nicht einmal anzugeben, dass sie aktuell nur unter Schmerzen arbeiten — und schieben dann dennoch Überstunden.

Alles in allem ein sehr bedenklicher Report, bei dem ich sicher bin, dass sowohl Tesla als auch Amazon nun wortreich zu erklären versuchen dürften, wieso viele der Vorwürfe aus der Luft gegriffen wären und die Arbeitsplätze allesamt reine Schlaraffenländer und Spielparadiese darstellen.

Ich denke, dass den beiden Unternehmen dieser Widerspruch — Rekordeinnahmen auf der einen Seite, schlechte Arbeitsbedingungen auf der andere — noch öfter vor die Füße fallen wird. Sowohl Tesla als auch Amazon sei also geraten, hier besser dringend nachzubessern.

Quelle: The Dirty Dozen Report via Engadget und Gizmodo