Amnesty International: Kinderarbeit bei Handy-Zulieferern

Nach einem neuen Bericht von Amnesty International sind die groessten Smartphone- und Tablet-Hersteller mit einer Minen-Gesellschaft in Verbindung zu bringen, die ihre Arbeiter ausbeutet und selbst Kinder zu 24h Schichten zwingt.

Na, im Chemie-Unterricht beim Periodensystem auch ordentlich aufgepasst? Wisst ihr noch welches Element sich unter dem Elementsymbol Co verbirgt? Cobalt, welches dieses wunderbare „Cobaltblau“ in Glaeser und Keramiken zauberte und 1735 erstmals vom schwedischen Chemiker Georg Brandt dargestellt wurde.

Cobalt ist verdammt selten und taucht, laut Wikipedia, nur mit einer Haeufigkeit von 0,004% in der Erdkruste auf und somit belaufen sich die weltweit bekannten Cobalt Reserven auf ca. 25 Millionen Tonnen. Also die Vorkommen, die man auf dem Landweg erreichen kann. Auf den Boeden der Ozeane vermutet man noch einmal um die 125 Millionen Tonnen des Erzes, die dann entsprechend schwieriger abzubauen sind.

Cobalt Handelswege
Der Weg des Cobalts

Bleiben wir an der Erdoberflaeche und konzentrieren uns auf die wichtigsten Erzlagerstaetten der Cobalt-Reserven. Diese verteilen sich auf Laender wir Sambia, Kanada, Marokko, Australien, Russland und Kuba. Und, wobei wir uebrigens vom Land mit den groessten Reserven reden, der Demokratischen Republik Kongo! Klingelt es da gleich? Genau, denn besonders im Ostteil der Republik werden seit Jahren grausamste Massaker durch Rebellengruppen veruebt. Frauen und Kinder oft mit Aexten und Macheten niedergemetzelt und Kriege gefuehrt, die in den letzten 20 Jahren zu hunderttausenden Opfern fuehrten. Vornehmlich in der Zivilbevoelkerung.

Und genau dieses Land sitzt auf dem groessten Cobalt-Reserven, die als Schluesselkomponente fuer die Produktion von modernen Lithium-Ionen Akkus benoetigt werden. Nun, da kann man schon einmal Kriege, Kriege sein lassen und es generell auch nicht so genau mit den Regularien bzgl. Kinderarbeit nehmen. Die Welt braucht Akkus, denn wie anders koennen wir denn sonst die kommenden Generationen an Smartphones befeuern?

Many of these multinationals say they have a zero tolerance policy for child labour. But this promise is not worth the paper it is written when the companies are not investigating their suppliers. Mark Dummett - Amnesty International

Wie Amnesty International nun in einem Bericht erklaert, sind dadurch auch indirekt Firmen wie Apple, Huawei, LG, Lenovo, Microsoft, Samsung, Sony und ZTE an dieser Ausbeutung beteiligt. All diese Firmen beziehen Akkus von Firmen, die letztendlich Cobalt von einem einzigen chinesischen Minenbetreiber bzw. dessen kongolesischer Tochtergesellschaft beziehen. Zhejiang Huayou Cobalt Ltd bzw. Congo Dongfang Mining. Letztere exportierten im Jahr 2012 ueber 37.500 Tonnen Cobalt zu einem Gesamtwert von ueber $33 Milliarden. Das nennt man wohl eine richtig dicke Nummer in diesem Geschaeft.

Jedenfalls bezieht Congo Dongfang Mining, nach Aussagen von Amnesty International, Cobalt von Minen im Kongo, die ihren Arbeitern weder vernuenftige Arbeitsbedingungen bieten, noch sich einen Kericht um das Alter dieser scheren. Wie UNICEF Quellen offenlegen, arbeiten ueber 40 000 Kinder in den Minen des Sued-Kongos und muessen dort zum Teil 12-24h Schichten fuer zwei lumpige US$ schieben. Mir wird schlecht, uebel … nein, ich werde wuetend bei diesen Offenbarungen. Und es sind ja nicht nur die Cobalt Minen im Kongo.

It is a major paradox of the digital era that some of the world’s richest, most innovative companies are able to market incredibly sophisticated devices without being required to show where they source raw materials for their components. Emmanuel Umpula, Afrewatch Executive Director

Coltan finanziert die Kongo Rebellen

Bereits Ende September berichteten wir hier, wie durch das „Konfliktmaterial“ Coltan die Rebellen des Kongos finanziert werden und somit letztendlich Blut an unseren Smartphones klebt. In Carstens ausfuehrlichem Artikel wird die gesamte Situation der letzten Jahre aufgerollt und analysiert, was letztendlich auch dazu fuehrt, dass wir keine allgemein gueltige Loesung fuer das Problem haben. Beginnt dies vor Ort im Kongo? Liegt es an der Nachfrage des konsumgeilen Users oder doch vielleicht an den Anbietern und Herstellern all unserer Gadgets, die schliesslich auch irgendwo Beduerfnisse wecken?

Many of these multinationals say they have a zero tolerance policy for child labour. But this promise is not worth the paper it is written when the companies are not investigating their suppliers. Mark Dummet

Aktion Saubere Handys

Imho liegt die Wertschoepfungskette in der Hand der Hersteller und um so mehr begruesse ich Bestrebungen, den namhaften OEMs ihre Verantwortung auf den Teller der Firmenstratgie zu packen. Die Organisation missio hat daher die Aktion Saubere Handys ins Leben gerufen und fordert nun Folgendes:

Die Handy-Hersteller werden aufgefordert,

  • von ihren Lieferanten den Nachweis zu verlangen, dass für die Produktion der Handys kein Coltan aus der Dem. Rep. Kongo verwendet wird, von dessen Handel Milizen profitieren. Dieser Nachweis muss durch externe Kontrollen überprueft werden.
  • den Aufbau transparenter Handelsstrukturen ueber gezielte Verträge mit ihren Lieferanten aktiv zu unterstuetzen.
  • sich an „runden Tischen“ zu beteiligen, bei denen die betroffenen Haendler, Kleinschuerfer, Zertifizierer und Regierungsstellen gemeinsam Richtlinien erarbeiten, wie Transparenz-Initiativen gestaltet sein sollen.

Wie das funktionieren kann, das zeigen u.a. Unternehmen wie Intel, die sich bereits seit Jahren dafuer stark machen, auf Konfliktrohstoffe zu verzichten.

via MacRumors