Analyse: Apple Quartalszahlen Q3/16 im Detail – Der iPhone SE Effekt

Unsere umfangreiche Analyse der Apple Q3 2016 Quartalszahlen durchleuchtet nicht nur die nackten Ergebnisse, sondern zeigt auch auf, wie stark sich Cupertino in den letzten Jahren gewandelt hat und warum aus Cook einfach kein Steve Jobs werden will.

Am gestrigen 26. Juli 2016 hat Apple seine mit Spannung erwartetenden Zahlen fuer das 3. Quartal 2016 bekanntgegeben und damit an der Boerse fuer, ja einen mittleren Jubelsturm gesorgt. Die Apple Aktie schoss nachboerslich um bis zu ueber 7% in die Hoehe und verschleiert damit ein fundamentales Problem der Kalifornier. Apples Umsaetze, besonders die fuer die Gesamtbilanz wichtigen, kennen nur eine Richtung und die zeigt Richtung Suedpol.

P.S. Herztabletten wieder einpacken. Es gibt durchaus spannende Lichtblicke, die zeigen, in welchem Umbruch Cupertino sich befindet.

Apple Inc After-Hours July 26th 2016

Umsatz und Gewinn fallen

Zuerst einmal die gute Nachricht. Die Analysten haben marginal staerkere Einbrueche erwartet und gingen davon aus, dass Apple einen Umsatz von $42,09 Milliarden in die Buecher schreibt. Letztendlich wurden es dann $42,35 Milliarden, was den nachboerslichen Aufschwung erklaeren duerfte. Im Gegensatz zu den absoluten Rekordquartalen uebertraf Cupertino also die Erwartungen und wurde damit von der Wall Street nicht abgestraft. Das mag letztendlich absurd klingen, ist aber Teil des Spiels der Aktien-Jongleure.

Dennoch ging es beim Umsatz auch dieses Jahr kraeftig runter und zwar um 16% (im Vergleich zum 2. Quartal) und 15% (Q3/2015). Damit muss Apple zum 2. mal in Folge zurueckgehende Umsaetze (im Vergleich zum Vorjahreszeitraum) hinnehmen. Ein einmaliger Vorgang in der juengeren Geschichte der Firma.

Die Alarmglocken duerften aber richtig klingeln, wenn wir uns die Gewinne anschauen. Diese gingen naemlich gar um fast ein Drittel zurueck. Die ausgewiesenen (und immer noch sensationellen) $7,8 Milliarden bedeuten einen Rueckgang von 27% im Vergleich zum gleichen Quartal 2015 ($10,7 Milliarden). Ja sie liegen sogar unter den Gewinnen des 3. Quartals 2012 und nur knapp ueber denen von Q3/2011. Ein weiteres Indiz dafuer, dass Apple nicht nur Schwierigkeiten hat Momentum ueber die Sommer-Quartale aufzubauen, sondern ganz offensichtlich ein Plateau erreicht hat.

Kannibale iPhone SE

iPhones machen immer noch fast 60% des Apple Umsatzes aus. Tendenz fallend. Und das ist zum einen ein Indikator fuer Apples Transformation, zum anderen aber auch ein Hinweis darauf, dass die Umsaetze in den naechsten Quartalen nicht unbedingt besser ausschauen werden. Grund? China und das Apple iPhone SE.

Apple Q3 2016 Revenue

Apples Umsaetze in China kollabierten geradezu und gingen im Vergleich zum Vorjahr um 33% zurueck. Der einstige Wachstumsmarkt wird also zum Sorgenkind und das liegt nicht nur an den starken Verkaufszahlen von Huawei, OPPO und VIVO, die in dieser Reihenfolge nun die Plaetze 3, 4 und 5 in der Tabelle der groessten Smartphone-Hersteller einnehmen. Apple hat sich mit dem iPhone SE ein Kuckuckskind ins Nest geholt, welches die iPhone-Umsaetze prozentual staerker sinken laesst, als die Verkaufszahlen.

Im Vergleich zum Vorjahr setzte Apple 15% weniger iPhones ab, verlor in dieser Produktkategorie jedoch 23% des Umsatzes von Q3/15. Der durchschnittliche Verkaufspreis des iPhones sinkt also und somit muss sich Cupertino langsam aber sicher damit abfinden, dass das iPhone SE die einstige Cashcow ordentlich kannibalisiert.

Lichtblick iPad

Kommen wir zum ersten Lichtblick der gestrigen Zahlen. Apples iPad Verkaufszahlen gingen zwar wieder einmal zurueck und befinden sich inzwischen nur noch knapp ueber denen von vor 5(!) Jahren, aber Apple konnte beim Umsatz zulegen und setzt damit einen gegensaetzlichen Trend zum iPhone. Der durchschnittliche Verkaufspreis der iPads geht nach oben und das schon seit mehreren Quartalen!

Offensichtlich ist es den Kaliforniern mit den neuen iPad Pro Plattformen gelungen, hier ordentlich zuzulegen. Apple wird bei den Tablets profitabler und robbt sich langsam aber sicher wieder an die Umsaetze der Mac Kategorie ran, die uebrigens auch marginal zulegen konnte.

Same ole bei den Macs

Die Mac-Verkaufszahlen sinken, oder steigen. Dann sinken sie mal wieder und dann steigen sie auch hier und da ein bischen. Das Spielchen beschreibt recht vortrefflich die letzten 4, 5 Jahre. Apple spielt mit seinen Notebooks und Desktops Umsatz-Ping Pong, der sich immer irgendwo zwischen $4 und $5 Milliarden einordnen laesst. Und so sieht es auch beim durchschnittlichen Verkaufspreis aus:

Es tut sich nicht viel. Marktanteile veraendern sich kaum. Die Laufzeiten der Macs sind aehnlich lang wie bei den PCs und irgendwie hat man das Gefuehl, als wolle Apple gar keine grossen Veraenderungen fuer dieses Produkte heraufbeschwoeren. Schliesslich werden hier seit Jahren sehr stabil ca. 10% des Gesamtumsatzes generiert.

AaS – Apple as a Service

Lichtblick Nummer 2., Services! Apple konnte hier um Vergleich zum Vorjahreszeitraum um knackige 19% zulegen und weist nun einen Umsatz von fast $6 Milliarden aus. Das entspricht damit im etwa dem des 2. Quartals und zeigt, wie stark Cupertino dieses Segment ausbauen und schliesslich stabilisieren konnte. Die anhaltenden News rund um “eigenen” Content aus dem Hause Apple, duerften die Hoffnung auf steigende Service-Umsaetze befeuern. Bereits im Maerz kuendigten die Kalifornier ihre erste iTunes-Serie an, jetzt legte man vor wenigen Stunden mit dem beliebten Format “Carpool Karaoke” nach.

Mit den wachsenden Appstore-Umsaetzen wird klar, dass die Service-Kategorie sich mehr und mehr zu einer der wichtigsten Umsatz- und Gewinn-Saeulen fuer Apple entwickelt.

Rohrkrepierer Apple Watch

Ok, wir packen die Wunderkerzen jetzt mal wieder kollektiv ein und schauen wir uns einmal den groessten Rohkrepierer unter der Cook Aera an, die Apple Watch. Als ich vor nahezu einem Jahr die Apple Watch zum Flop erklaerte, musste ich mir in den Kommentaren heftigsten Gegenwind gefallen lassen. Inzwischen sind wir alle ein wenig schlauer und sehen diese These in den letzten beiden Quartalen bestaetigt. Gab es noch einen ordentlichen Peak zum Weihnachtsquartal, so sind nach Aussagen von IDC die Verkaufszahlen um mehr als 50% eingebrochen. Die Analysten sprechen gar von nur noch 1.6 Millionen Apple Watches, die im gesamten zurueckliegenden Quartal verkauft wurden.

Apple Watch

Es wurden also knapp 3 mal so viele Macs, 6 mal so viele iPads und 25 mal so viele iPhones wie Apple Watches verkauft. Wer hier immer noch von einem Erfolg spricht, der muss wirklich unter Realitaetsverlust leiden. Alleine die Einordnung in die “Other Products” Kategorie beweist im nachhinein, dass selbst Cupertino sich nicht sicher war, ob die Watch durchstarten kann. Inzwischen ist dies zur Gewissheit geworden. Einem hoffnungsvollen Start und sehr starken Weihnachtsquartal, folgte ein Absturz in Richtung “ja, wir haben da hinten auch noch die Apple Watch im Angebot”. Preiskuerzungen bei den Retailern und Bundlings mit iPhones zeigten, woher der Wind wehte. Apple wurde seine Uhren nur noch schwerlich los und duerfte umsatztechnisch bei unter einer Milliarde US$ angekommen sein. Wenn man denn den branchenweit vermuteten durchschnittlichen Preis von $500 ansetzt.

Damit macht die Apple Watch gar nur noch ein gutes Drittel der Service-Umsaetze aus. Das haben sich Cook und Co sicherlich anders vorgestellt.

Cook ist nicht Steve Jobs

Aufgepasst, denn zum Finale habe ich noch einmal Captain Obvious eingeladen. Nein, Tim Cook ist nicht Steve Jobs und ich schliesse mich da den Worten des geschaetzten Clement Thibault an:

We don’t believe Apple will be able to replicate its once-in-a-generation trick of creating an entirely new market out of thin air. At least not under Tim Cook’s (so far uninspiring) watch. Clement Thibaul

der uebrigens einen durchaus positiven Ausblick fuer alle Anleger gibt:

Still, with their global presence and reputation, widely recognized brand, mountains of cash, the soon-to-be released iPhone 7 on track and solid expected growth for its software division, we believe Apple—the company that continues to brandish the world’s biggest market cap—has a good 30% upside at its current share price

Aber das ist nur die eine Seite der Medaille. Apple hat im zurueckliegenden Quartal (fuer die eigenen Verhaeltnisse) zum Teil ernuechternde Zahlen veroeffentlicht, aber was in meinen Augen viel signifikanter ist… Apple hat Mojo verloren. Die Watch ein Flop, das iPhone 6s gerade mal so eine Evolution und das kommende 7er wohl eher ein Uebergangsmodell zum vermeintlich revolutionaeren Apple iPhone 8.

Ja, wir koennen nun noch 5 Jahre lang diskutieren ob ein Apple Car kommt oder nicht. Nur wird dies weder Apple, noch dem Gesamtmarkt helfen.

Cook ist zu lieb, laeuft wie Prinz Valium ueber die Buehne und hat vor allen Dingen 2 fundamentale Nachteile gegenueber dem Uebervater Jobs.

  1. Keine Visionen fuer die Zukunft
  2. Keine Mitarbeiter um sich, die diese anstatt seiner haben

Sind wir doch mal ehrlich… wuenschen wir uns nicht alle ein next big thing?