Analyse: Apple Quartalszahlen Q4/2016 im Detail – Quo vadis Cupertino?

Unsere ausfuehrliche Analyse der Apple Q4 2016 Quartalszahlen arbeitet nicht nur einfach Bilanzen ab, sie gibt einen Ausblick auf das Apple der Zukunft und wie sehr sich diese Firma veraendern wird.

Am gestrigen 25. Oktober 2016 hat Apple seine Zahlen fuer das 4. Quartal 2016 bekanntgegeben und damit zum Teil die Erwartungen der Analysten uebertroffen. Dennoch gab die Apple Aktie nachboerslich um fast 3% nach und somit reagierte Wallstreet, zumindest im Moment, auf den erneuten Umsatzrueckgang der Kalifornier. Apples Zahlen kennen zur Zeit nur eine Richtung, aber es gibt auch einen abermals interessanten und erwarteten Lichtblick. Die Services legen wieder einmal zu und unterstreichen damit die Transformation des Kult-Herstellers aus Cupertino.

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3. Umsatzrueckgang in Folge

Klar, wir koennen gleich richtig heftig einsteigen und uns daran ergoetzen, dass Apple abermals einen Umsatzrueckgang im Vergleich zum Vorjahr ausweisen musste. Wohlgemerkt zum 3. Mal in Folge. Das ist eine Serie, wie es sie bei Apple seit 15 Jahren nicht mehr gegeben hat. Aber das ist hier ganz klar nur die halbe Wahrheit und weitaus zu fatalistisch gedacht, denn im Grunde genommen hat Apple in Q4 2016 noch recht gut performt. Das wird erst recht deutlich, wenn wir die Wallstreet-Erwartungen mit den nackten Zahlen vergleichen:

  • Earnings per share: $1.67 ($1.65 erwartet)
  • Umsatz: $46.9 Mrd ($46.9 Mrd erwartet)
  • iPhones verkauft: 45.51 Mio (45 Mio erwartet)
  • iPhone durchn. Verkaufspreis: $618.72 ($625 erwartet)
  • iPads verkauft: 9.3 Mio (9.1 Mio erwartet)
  • Macs verkauft: 4.89 Mio (5.1 Mio erwartet)

Das sind doch erstmal durchaus knackige Zahlen, die zum Teil ueber den Erwartungen lagen. Aber letztendlich ging es bei den Umsaetzen abermals um 9% zurueck (immer im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres) und bei der Cashcow iPhone gar um 13%!

Heftiger ging es noch bei den Gewinnen zurueck, auch wenn man dort das katastrophale Ergebnis aus dem Vorjahresquartal langsam aber sicher ein wenig angenehmer gestalten konnte. Wurde in Q2 2016 noch ein Gewinnrueckgang von 27% ausgewiesen, so sind es nun nur noch 19%. Ein Beleg dafuer, dass Apple die Kurve bekommen hat? Nicht einmal ansatzweise, aber dazu kommen wir im weiteren Verlauf der Analyse.

USA und China als Sorgenkinder

Apple hat ein Problem und das ausgerechnet auf seinen Kern-Maerkten. Vor der eigenen Haustuer in Amerika und und dann auch noch im Reich der Mitte. Heftiger haette es Cupertino gar nicht treffen koennen, denn schliesslich sprechen wir hier von den beiden groessten und wichtigsten Wirtschaftszonen fuer die „iCompany“.

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Und was haben Cook und Co. nicht alles in Bewegung gesetzt, um China endlich beackern zu koennen. Jetzt gibt es dort abermals einen Rueckschlag, der aehnlich gross ausfaellt wie im zurueckliegenden Quartal. Wohl aber konnte man diesen nun marginal abfedern. Gingen die Umsaetze in Q3/16 dort noch um 33% (Amerika 11%) zurueck, so sind es in Q4/2016 „nur“ noch 30% (Amerika 11%).

In Europa konnte man sogar um 3% wachsen (in Q3/16 ging es noch um 7% runter), dafuer ging es aber in Japan von 23% auf 10% runter. Ein wichtiger, weil sehr Apple-lastiger Markt. Gehen die Zahlen in Nippon runter, dann sollten die Alarmglocken wirklich anfangen zu klingeln, denn die Japaner sind nachwievor verrueckt nach neuen iPhones!

Der iPhone 7 Effekt

Wenn fast zwei Drittel deines Umsatzes von einem Produkt abhaengig sind, dann steht und faellt natuerlich alles mit der Performances dieser Plattform. Bei Apple ist dies nun seit fast einer Dekade das iPhone, dieser kleine Supercomputer fuer die Tasche, der unsere Welt in wenigen Jahren so fundamental und nachhaltig veraendert hat. Nur Apple ist da einfach nicht mehr der uebermaechtige Player und bekommt, vor allen Dingen in China, immer mehr Konkurrenz.

Dazu kommt noch erschwerend hinzu, dass man sich mit dem Apple iPhone SE einen Wettbewerber ins eigene Portfolio holte, der den durchschnittlichen Verkaufspreis der Handsets nach unten drueckte. Dies wirkte sich vor allen Dingen auf die Bilanzen im 3. Quartal 2016 aus und konnte nun zumindest ein wenig optimiert werden.

Aber, und dies erklaert auch die Auswirkungen auf den Aktienkurs, Apple entsprach nicht den Erwartungen der Analysten, was de facto 2 Gruende haben kann.

  1. Es wurden weniger iPhones verkauft als erwartet
  2. Die Produktionskosten sind gestiegen

Wallstreet erwartete ca. 45 Millionen verkaufte iPhones … Apple setzte noch einmal eine halbe Million mehr ab. Ergo sind es die Produktionskosten, denn die zogen in den letzten Jahren doch ordentlich an:

Ja, das iPhone 7 hat natuerlich bereits eine Auswirkung auf den durchschnittlichen Verkaufspreis der Apple Handsets, aber auf das Niveau der zurueckliegenden Quartale des letzten Jahres kommt man damit nicht mehr. Ich bezweifle ehrlich gesagt ganz stark, dass man hier jemals wieder die Kurve bekommen wird.

Mehr Modelle wie das SE ziehen diese Zahlen nach unten, aber genau das sind die Modelle die Apple braucht, um auf Maerkten wie China wieder Land zu sehen. Zumindest wenn es darum geht, die dortigen Umsaetze endlich mal wieder zu stabilisieren. Von Indien rede ich da noch nicht einmal ansatzweise. Hier muss Apple Sub-$300 Handsets vorstellen um auch nur ansatzweise auf dem Subkontinent wahrgenommen zu werden. Nicht von ungefaehr ist dort das iPhone 5s immer noch der Bestseller.

iPad und Mac vegetieren

Machen wir uns hier bitte mal gar nichts vor. Apple iPad und Mac vegetieren vor sich in. Die lebenserhaltenden Massnahmen greifen immer noch, aber besonders beim iPad wussten wir bereits ab Q1/14, dass die Nummer durch ist. Da half auch das iPad Pro nicht, das sich im zurueckliegenden Quartal 3 aeusserst positiv auf den durchschnittlichen Verkaufspreis auswirkten (siehe auch meine ausfuehrliche Analyse aus dem Juli). Tablets sind Auslaufmodelle und ja, irgendwie sind es ja auch Desktops und Notebooks, oder?

Natuerlich nicht und das habe ich mit meiner „Ode an den PC“ bereits vor ueber 3 Jahren versucht zu erklaeren. Es sind aber keine Produkte, die diese irrsinnigen Umsatzzahlen generieren und das liegt zum einen an den Lebenszyklen und, speziell fuer Apples Q4/2016, auch an der Tatsache, dass man noch diese Woche neue Modelle vorstellen wird.

Aber in Bezug auf das iPad wiederhole ich mich hier gerne. Apple hat es auch mit dem Pro nicht geschafft in die Microsoft Phalanx der 2-in-1 Plattformen vorzustossen. Solange man hier iOS als Stein der Weisen ansieht, wird das auch in den naechsten Jahren nicht geschehen.

Services als Transformator

„Services Revenue Grows 24% to All-Time Quarterly Record of $6.3 Billion“ – Das ist der Titel der offiziellen Apple Pressemitteilung zu den Q4/2016-Bilanzen. Ja, Apple hat die hohe Kunst des Marketing-Spins ueber all die Jahre wahrlich perfektioniert. Nur, und jetzt offenbare ich mich ja praktisch als Spin-Doc (nein, ich habe keine Ambitionen in die Politik zu gehen), ich haette dieses Quartal genau so interpretiert.

Services, das ist das Synonym fuer die Zukunft Cupertinos. Hier legt man zu und zwar gewaltig, 24 Prozent Wachstum im Vergleich zum Vorjahreszeitraum … wo erreicht Apple denn bitteschoen aehnliche Ergebnisse? Die Umsaetze im Appstore schiessen nach oben. iTunes und Apple Music bieten immer neuen Content fuer immer mehr zahlende User und wer weiss, was man da in Kalifornieren fuer das Auto der Zukunft der plant. Schliesslich will Apple Software fuer selbstfahrende Autos anbieten und das bedeutet auch, dass man diese Plattformen monetarisieren wird.

Apple Watch? No comment!

Verzeiht es mir bitte an dieser Stelle, wenn ich nicht noch einmal ausfuehrlichst auf die Apple Watch eingehe. Smartwatches sind ein Hype (zumindest noch) und der Markt bricht gerade derartig zusammen, dass Apple nur noch knapp ueber 1 Million Einheiten im 3. Quartal absetzen konnte. 70% weniger als 2015!

Nein, wir kennen die exakten Verkaufszahlen fuer das 4. Quartal nicht, aber die Kategorie „Other Products“ brach im Vergleich zum Quartal des Vorjahres um 22% ein. Daher ist es eigentlich muessig sich hier noch umfangreich auszulassen und das denkt letztendlich auch Apple. Was war denn da auf dem iPhone 7 Event los? Wo blieb da die erwartete 2. Generation der Apple Watch, die doch alles besser machen sollte. Tim Cooks erstes „eigenes“ Produkt war, ist und wird auch in den naechsten 2 Jahren ein Rohrkrepierer sein. Das weiss auch Apple und haelt sich dementsprechend bedeckt.

Wind of Change

Nein, das Apple iPhone 7 ist nicht der erhoffte Befreiungsschlag und das sollte nun endlich auch der letzte Kultist begriffen haben. Ich warne tunlichst davor das Mantra des „aber das starke Weihnachtsquartal kommt doch erst noch“ anzustimmen. Natuerlich werden die Verkaeufe ordentlich anziehen, aber wir muessen diese immer im Kontext zu den Quartalen des Vorjahres sehen.

Klar, das Portfolio ist staerker als je zuvor. Mit den beiden neuen 7er iPhones, dem SE und den kommenden Macs hat Apple da einiges im Angebot, was User gerne unter den Weihnachtsbaum sehen wuerden … nur geht der Branchentrend inzwischen auch nicht mehr an Cupertino vorbei. Highend-Smartphone Verkaeufe stagnieren, Tablets und PCs duempeln vor sich hin und Smartwatches sind ein Nischenprodukt.

Apple tut gut daran, seine Transformation weiter voranzutreiben und das Wachstum bei den Services auszubauen. Auf den anderen Maerkten ist die Kombination aus Wettbewerb und Laufzeiten eine Groesse, die neue Rekordquartale extrem unwahrscheinlich werden laesst.