Analyse: Tesla Quartalszahlen Q2/16 – Rekordumsatz vs. Rekordverlust

Tesla hat seine Ergebnisse fuer das 2. Quartal 2016 vorgestellt und dabei den 13. Quartalsverlust in Folge ausgewiesen. Dennoch schrieb man auch einen Rekordumsatz in die Buecher. Wir analysieren die Zahlen der Kalifornier

von Sascha Pallenberg am 4. August 2016

Nun hat also auch der kalifornische Elektroauto-Pionier Tesla seine Quartalszahlen fuer Q2 vorgelegt und abermals scheiden sich die Geister an diesen Ergebnissen. Verkauft Musk da nur heisse Luft und schaufelt ein Milliardengrab oder sind die Rekordverluste ein Indiz dafuer, dass ein Innovator nun einmal auch grosse Investitionen benoetigt. Schauen wir uns die Zahlen einfach mal im Detail an.

Tesla waechst gewaltig

50 000 Autos haben die Kalifornier im letzten Jahr abgesetzt. Volkswagen schafft dies in 36 Stunden!

$1.3 Milliarden Umsatz werden auf der Habenseite gebucht und dies bedeutet, dass der Autobauer um Vergleich zum Vorjahr um sensationelle 33% zulegen konnte. Das ist nicht nur gewaltig, das ist eine unglaubliche Steigerung und in der Form, zumindest im Moment, wohl unschlagbar. Dazu kommt naemlich auch noch, dass Tesla im zurueckliegenden Quartal 25% mehr Autos verkaufte. Also im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Diese Zahlen sind fuer die Etablierten der Branche unerreichbare Traeume, nur muessen wir dabei auch bedenken, dass Tesla immer noch ganz am Anfang seiner Roadmap steht. 50 000 Autos haben die Kalifornier im letzten Jahr abgesetzt. Volkswagen schafft dies in 36 Stunden!

Es hakt bei den Auslieferungen

Elon Musk ist ein Meister der Ankuendigungen und ja, auch wenn er immer wieder die vorher festgelegten Zahlen und Zeitraeume zu verpassen schien, letztendlich hat er geliefert! Auch im zurueckliegenden Quartal stotterte es wieder gewaltig. Nach Angaben Musks wurden insgesamt 18345 PKWs produziert, aber nur 14840 ausgeliefert. Das heisst um die 20% der hergestellten Plattformen spielen auf irgendeinem Parkplatz Ping Pong und warten darauf, ihren Besitzer oder Haendler zu finden. Hier hat Tesla ganz klar noch Optimierungsbedarf.

Ich lege mich bereits jetzt fest, dass Tesla die Liefertermine fuer das Model 3 nicht einhalten wird und die massenhafte Auslieferung sich um min. 1 Jahr, auf Ende 2018 verschiebt.

Produktion endlich optimiert?

Tesla hat/hatte ein Produktionsproblem. Zulieferer wollten/konnten nicht so liefern wie sie sollten und somit erlebte der Hersteller am eigenen Leibe, wie sich die wunderbare Welt der Skalierung anfuehlt. Eine Plattform in Kleinserie herzustellen, das ist eine Sache, dann aber die Produktion hochzufahren…. well, Tesla scheint dies nun langsam in den Griff zu bekommen.

Teslas Output soll nun 2000 Einheiten pro Woche (Model S und Model X) betragen. Diese Werte werden in Q3 auf 2200 und in Q4 auf 2400 pro Woche hochgeschraubt. Das grosse (und vor allen Dingen immer wieder medienwirksam verkuendete) Ziel ist es aber, 2018 eine halbe Million Wagen herzustellen. Das heisst Tesla muss im Jahr 2017 seinen Ausstoss vervierfachen. Wenn wir das mal ganz rational auf uns wirken lassen, dann sollten wir wohl nun mal schnell 3 Kerzen anzuenden und die Schutzheiligen der Prozessoptimierung anrufen. DAS ist eine Aufgabe, die alles andere als einfach wird.

Fuer die 2. Jahreshaelfte will Tesla 50 000 Einheiten herstellen und ausliefern, was dem Gesamtergebnis von 2015 entsprechen wuerde. Damit koennte man die im letzten Jahr angekuendigten Stueckzahlen von 80 – 90 000 einhalten. Und genau dann muss man den Kaliforniern schon Respekt zollen. Tesla waechst und arbeitet an seiner Infrastruktur. So eine Giga-Factory stampft man nicht mal so nebenher aus dem Boden und dann haben wir ja noch die Uebernahme von Solar City. Musk ist ein Getriebener, der zwischen diesen Mammutprojekten hin- und herbalanciert. Und dabei habe ich SpaceX noch nicht einmal erwaehnt!

Rekordverluste verkuendet

Der 13. Quartalsverlust in Folge wurde kommuniziert. Ich wiederhole dies gleich noch einmal: “Dreizehn” und frage mich, was im (digitalen) Blaetterwald wohl losgewesen waere, haetten Firmen wie Apple, Google oder gar BMW eine derartige Performance hingelegt? Die Verantwortlichen waeren, zumindest virtuell, geteert und gefedert worden! Aber, und dies bitte ich zu beruecksichtigen, Tesla schafft Werte und die liegen zum groessten Teil in der Infrastruktur, die unerlaesslich ist fuer die Aufgaben der Zukunft. Mit $293 Millionen stieg der Verlust im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ($184 Millionen) um knackige $109 Millionen. Und jetzt uebernimmt ja Tesla auch noch SolarCity fuer $2.6 Milliarden.

Die grosse Wette auf die Zukunft

Innovationen sind teuer. Teslas Weg ist teuer. Der grosse Innovator verbrennt Geld und ein Ende ist nicht in Sicht. SolarCity, die Gigafactor… all dies kann Tesla nicht allein stemmen und holte sich hierfuer auch ordentlich Fremdkapital ab. Aber wie lange soll das noch funktionieren?

Im gestrigen Gesprach mit den Analysten, trumpfte das Verkaufstalent Musk wieder gross auf und beschrieb, aehnlich wie es Apples Tim Cook alle 3 Monate macht, eine rosige Zukunft voller “amazing products”.

All I will say is full autonomy is going to come a hell of a lot faster than anyone thinks it will. And, I think what we’ve got under development is going to blow people’s minds. Elon Musk

Nun, zu den Kontroversen um den Tesla Autopiloten haben wir uns mehrfach kritisch geaeussert. In seiner jetzigen Form halten wir ihn fuer nicht einsetzbar. Musks Verweis auf die rasante Entwicklung innerhalb der Kuenstlichen Intelligenz und der neuronalen Netze, ist natuerlich richtig. All dies wird im Auto der Zukunft Einzug halten, aber es muss getestet werden. Nicht beim Kunden, sondern auf abgesperrten Strecken bzw. durch professionelle Testfahrer. Alles andere wird sonst zum Gluecksspiel mit menschlichen Kaninchen!

Musk verspricht viel und laesst uns traeumen. Das war und wird immer wichtig sein und es waere schoen, wenn wir mehr Unternehmer dieser Sorte haetten,  die mit einer derartigen Energie versuchen die Welt zu veraendern. Aber Tesla hat auch eine Historie voller verfehlter Launch- und Produktionsziele. Und genau hier muss Musk ansetzen.

Letztendlich muss er beweisen, dass seine Visionen auch dem Reality-Check standhalten koennen. Plus, und dies duerfte vor allen Dingen die Investoren und Aktionaere interessieren, er muss beweisen, dass er auch profitabel operieren kann. In den letzten 3 Jahren hat Tesla dies nicht hinbekommen!