Hier wird nix weggeworfen!
Anleitung: Android-x86 auf eurem alten PC, Notebook oder Netbook installieren

Ihr besitzt ein altes, seit Ewigkeiten ungenutztes Notebook und wollt dem Gerät neues Leben einhauchen? Dann schaut euch doch Android-x86 mal an, das sich gerade auf etwas älteren PCs, Laptops oder Netbooks als wahre Wunderwaffe entpuppen könnte. Für eine kleine Multimedia-Maschine oder als Kinder-Computer reicht die Leistung völlig.

Wir schreiben das Jahr 2015 und wenn ich mir in unseren Statistiken das Durchschnittsalter unserer Leser (und viel zu wenig Leserinnen) anschaue, dann müsste jeder von euch mittlerweile mindestens eine alte Gurke in Form eines ausgedienten Notebooks oder Netbooks zu Hause haben. Eines von diesen alten Dingern, auf denen man noch mit Windows XP begrüsst wird … oder sogar Windows 98.

Ihr habt Kinder und wollt diese langsam an das Thema PCs und Internet heranführen oder ihr selbst mögt gelegentliche Experimente und sucht nach einer Möglichkeit, so einen „alten“ Computer ohne zusätzliche Kosten sicher weiter zu nutzen? Dann schaut euch mal Android-x86 an. Dabei handelt es sich um eine speziell für die Installation auf normalen PCs angepasste Version des bekannten Smartphone- und Tablet-Betriebssystems.

Disclaimer: diese Anleitung ist als Tipp zu lesen. Eingriffe in das BIOS eines PCs und die Installation eines Betriebssystems könnte u.U. nicht funktionieren, wenn ihr also von solchen Dingen überhaupt keine Ahnung habt, fragt lieber einen versierten Bekannten oder lasst die Nummer sein.

Die Hardware für Android-x86

Ich hab‘ die Nummer selbst mit einem Dell Inspiron 6400 (MM061, e1505) ausprobiert und sag‘ euch: läuft einwandfrei. Selbstverständlich erfordert so ein Android auf einem normalen Notebook ein gewisses Umdenken, denn in den meisten Fällen dürfte das Gerät kein Touchscreen-Display besitzen – man steuert Android also entweder über das integrierte Trackpad oder eine angeschlossene Maus, wie einen Windows-PC. Auf der anderen Seite gibt es einen in meinen Augen unschlagbaren Vorteil: man besitzt eine echte Tastatur, u.U. sogar mit Ziffernblock. Die Zeiten, in dene die Android-Tastatur das untere Drittel des Bildschirms verdeckte sind damit endgültig Geschichte.

  • Dell Inspiron 6400 (MM061)
  • Intel Core 2 Duo (2GHz, 4MB)
  • 2GB RAM (667MHz, DDR2)
  • 160GB HDD
  • ATi Mobility Radeon X1400 (128MB)
  • 15,4″ WXGA (1280 x 800)
  • Audio: Sigmatel 9200

Android-x86 HardwareSoftware

Apps unter Android-x86

Ihr fragt euch, wozu das gut sein soll? Nun, ihr könnt nach einer erfolgreichen Erstinstallation alle Android Apps nutzen, die ihr sonst auf eurem Smartphone oder Tablet nutzen würdet. Sobald eure Login-Daten für den Google Play Store eingegeben wurden, stehen euch die dortigen Apps zur Verfügung, auch die bereits gekauften. In meinem Fall gab es allerdings Probleme mit allen möglichen Games, warum auch immer. Diese scheinen in vielen Fällen zu „merken“, dass es sich nicht um ein „richtiges“ Gerät handelt und verweigern entweder die Installation völlig oder liessen sich nicht starten. Ich tipp auf irgendwelche Hardwarekomponenten, die dann einfach doch nicht kompatibel sind, das it aber nur eine Vermutung.

Ansonsten: Facebook, Google+, Evernote, Gmail, Google Docs, Sheets, Drive – läuft alles einwandfrei. Auch Hangouts – die machen aber mangels eingebauter Webcam nicht wirklich Spass und beim Anschluss und der Installation einer externen USB-Webcam bin ich – vielleicht abhängig vom Hersteller – gescheitert. Auch Google Maps funktioniert – macht aber ohne eingebauten GPS-Sensor auch nicht wirklich viel Sinn. Ihr merkt vielleicht schon, man muss also neben dem fehlenden Touchscreen noch weitere Abstriche machen, denn moderne Smartphones besitzen dann eben doch das ein oder andere Bauteil, das für den Betrieb verschiedener Apps notwendig ist.

Umgekehrt gilt: in so manchem Notebook schlummert noch Hardware, gegen die auch das beste Smartphone noch nicht ankommt, zum Beispiel richtig gute Lautsprecher. Ich nutze das Dell Inspiron 6400 mittlerweile als Internetradio und als Station zum Abspielen von Musik über Google Music All Access. Ihr habt Spotify? Ja, funktioniert. WhatsApp, per Telefon-Code aktiviert, funktioniert ebenfalls – aber dafür gibt es ja jetzt ohnehin eine Desktop- bzw. Browser-App, für die man allerdings weiterhin sein Smartphone benötigt.

Externe Hardware via USB

Zudem erkennt Android-x86 in den meisten Fällen auch ein eingebautes Bluetooth-Modul oder einen via USB angeschlossenen Bluetooth-Stick, so dass sich die existierende Hardware um zusätzliche Geräte erweitern lässt. Ich hab‘ auf diese Weise einfach etwas betagtere Bluetooth-Boxen mit dem Notebook verbunden, seitdem ist der Sound noch besser. Ihr müsst das wirklich einfach ausprobieren, ihr könntet mit älteren Geräten sogar noch mehr Glück haben als mit neueren, wegen der besseren (weil schon längeren) Implementierung in das x86-Projekt. Selbstverständlich stehen fast nie alle Features des jeweiligen Geräts zur Verfügung, die sonst mit speziellen Windows-Treibern aktiviert werden, und die wenigsten Hersteller haben ein Interesse daran, diesem Projekt besondere Aufmerksamkeit zu schenken, also macht euch da auch keine falschen Hoffnungen.

Die Vorbereitung zur Installation

Ihr benötigt einen USB-Stick, ein älteres Modell mit 512 Megabyte Speicherkapazität reicht völlig aus. Wenn ihr Android-x86 nicht auf der Festplatte installieren wollt, dann benötigt ihr diesen USB-Stick dauerhaft, ansonsten dient er nur der Installation.

Besorgt euch die jeweils aktuelle Version von Android-x86 unter android-x86.org. Ihr könnt zur Sicherheit einen Blick in die Kompatibilitätslisten werfen, doch diese sind nicht allzu gut gepflegt bzw. nicht alle unterstützten Hardware-Konfigurationen sind dort wirklich gelistet. Mein Tip: lasst es, vertrödelt damit keine Zeit, probiert es einfach aus.

Bei der heruntergeladenen Datei handelt sich um eine .iso-Datei. Über ein Tool wie UNetbootin muss diese Datei auf den – dann bootfähigen – USB-Stick (FAT32) übertragen werden. Anleitungen hierzu gibt es im Netz massig, die Kurzversion lautet: Abbild auswählen, ISO auswählen, auf die Android-x86 iso verweisen, Typ USB-Laufwerk auswählen, mit OK starten.

Wechselt ins BIOS eures PCs bzw. Notebooks und ändert dort gegebenenfalls die Boot-Reihenfolge, so dass das Gerät tatsächlich vom USB-Stick booten kann.

UNetBootin Android-x86

Die Installation von Android-x86

Beim ersten Booten des Notebooks vom so vorbereiteten USB-Stick erhaltet ihr nun ein Auswahlmenü, das auch verschiedene Optionen anbietet. Ihr könnt nun Android-x86 direkt vom USB-Stick starten, ohne Installation. Die Freude dabei hält sich in Grenzen, die Arbeitsgeschwindigkeit hängt dann extrem von der Schnelligkeit des USB-Sticks bzw. -Anschlusses ab. Zum ersten Testen reicht das aber völlig aus.

Risikofreudige Menschen wählen kurzerhand die Installation auf der HDD und schauen einfach mal, was passiert – so wie ich. Das dann folgende Installationsprozedere ist eigentlich selbsterklärend. Wählt einer der gefundenen NTFS-, FAT32-, EXT3- oder EXT2-Partitionen aus und entscheidet euch, ob ihr Android-x86 als alleiniges Betriebssystem oder aber neben einer evtl. bestehenden Windows-oder Linux-Installation verwenden wollt, als „Zweitsystem“. Die Abfrage zur Installation des Bootloaders GRUB bestätigt ihr mit „Ja“.

Android-x86 Startscreen

Das war es schon, tatsächlich – sofort danach startet die von jedem Android-Smartphone gewohnte Installationsroutine, die euch nach eurem Google-Konto, Spracheinstellungen und anderen Dingen fragt, wenig später wird der Android-Bildschirm sichtbar. Die bange Frage lautet eigentlich nur: erkennt Android-x86 mein eingebautes WLAN-Modul und andere wichtige Komponenten? Ist das der Fall, könnt ihr loslegen, sofort eure Lieblings-Apps installieren, Google Music einrichten, ausprobieren was funktioniert und was nicht.

Wie das Ganze im Endergebnis aussieht, seht ihr im nachfolgenden Video:

Alternative: Android-x86 in einer Virtualbox

Wer die Installation als „vollwertiges“ Betriebssystem scheut oder schon absehen kann, dass Android-x86 mit einigen wichtigen Hardware-Komponenten nicht parat kommt, könnte auch die Möglichkeit einer Installation in einer Virtualbox in Erwägung ziehen. Die Kollegen von netzwelt.de haben hier eine gute Anleitung am Start.

Ansonsten noch einmal der Hinweis: probiert das nicht mit eurem Arbeitsrechner aus. Nehmt ein Notebook, das seit Ewigkeiten in der Ecke liegt und jetzt wiederbelebt werden soll. Lasst euch Zeit und bereitet euch schon auf den Zeitaufwand für die eventuelle Deinstallation vor. Es ist ein Experiment, aber wenn es klappt eine wirklich feine Sache.