How-To: Langsames WLAN um’s 5-fache beschleunigen

Ein langsames WLAN nervt. Die Tipps und Tricks, mit denen sich angeblich die Empfangsqualität eures WLANs verbessern lässt, sind ungezählt. Angefangen bei Experimenten, in denen mit Alufolie umwickelte leere Küchenrollen millimetergenau auf den Antennen eures Routers platziert werden bis hin zur Anschaffung eines neuen Routers. Auch bei uns fand sich erst kürzlich eine Anleitung zur Re-Aktivierung eines alten Routers, der sich sodann wunderbar als Repeater einsetzen lässt.

Doch den ultimativen, allerersten, unbedingt zu beachtenden Ratschlag vergessen die meisten: ändert euren WLAN-Kanal. Gerade in Mehrfamilienhäusern, wo mitunter drei, sechs, zwölf oder noch mehr Router nach besten Kräften in die letzten Winkel der 60-Quadratmeter-Buden ihrer Eigentümer strahlen kommen sich all diese Geräte unglaublich in die Quere. Ihr könnt also euer WLAN schneller machen, indem ihr einfach auf einen anderen Kanal ausweicht!

Sofern ihr nicht im Besitz eines Dualband-Routers seid, der wahlweise mit 2,4 GHz oder 5 GHz funken kann, teilt ihr euch die in der Praxis zur Verfügung stehenden Funkkanäle mit allen anderen im Haus. Deshalb sollte euer erster Blick stets dem Kanal gelten, auf dem euer eigener Router funkt – während der zweite Blick dann den Funkkanälen eurer Nachbar gewidmet ist. Überschneiden sich die Kanäle nach den nachfolgend näher ausgeführten Regeln, dann switcht ihr in wenigen Schritten einfach um.

Kanal 1, 6 und 11

WiFi Kanaele 1-6-11

Für diesen Kanalwechsel benötigt man ein wenig Hintergrundwissen. Eine sinnvolle Nutzung eines Wi-Fi-Netzwerks mit 2,4 GHz (802.11 a/b/g/n) erstreckt sich eigentlich über lediglich 5 Kanäle, auch wenn euer Router in der Konfigurationsoberfläche (die ihr kennen solltet) wesentlich mehr Channels anzeigt. Kanal 1 nutzt die Kanäle -1 bis 3, Kanal 6 benutzt die Kanäle 4 bis 8 und Kanal 11 benutzt die Kanäle 9 bis 13. Alle Kanäle ausser 1, 6 und 11 überlappen einander.

Diese Belegung über mehrere Kanäle führt dazu, dass es denkbar “schlechte” Kanäle gibt, die man keinesfalls auswählen sollte, auch wenn sie von einer entsprechenden App wie WiFi Analyzer auf den ersten Blick als beste Wahl angezeigt werden. Kanal 3 ist – eigentlich, siehe unten – so ein schlechter Channel, denn er wird gleichermaßen von “links” und “rechts” mit den Funksignalen beballert, die auf Channel 1 und Channel 6 ausgestrahlt werden.

Grundsätzlich gilt: wählt im 2,4GHz Bereich ausschliesslich einen der drei Kanäle 1,6 oder 11 aus. Nur dann habt ihr einigermaßen große Chancen, den maximalen Datendurchsatz bei gleichzeitig minimalen Interferenzen mit anderen Geräten zu erreichen.

Wie so oft in der IT gilt: keine Regel ohne Ausnahme. Wenn ihr in einem der oben bereits erwähnten Mehrfamilienhäuser wohnt und euer Nachbar bereits mit den Channels seines Routers experimentiert hat, begegnen euch mitunter Netzwerke auf z.B. Kanal 2 (statt 1). Wählt ihr nun Kanal 1 aus, teilt ihr euch den Datendurchsatz mit dem Netzwerk auf Kanal 2, ihr solltet dann z.B. auf Kanal 11 oder 6 ausweichen. Widersteht vorerst der Versuchung, es eurem Nachbarn gleichzutun und stattdessen auf z.B. Kanal 5 oder 9 auszuweichen.

Signal to Noise Ratio

Andererseits gilt: neben der Grundregel “1/6/11” und der daraus resultierenden Kanalauswahl ist die sogenannte Signal to Noise Ratio (Signal-Rausch-Verhältnis) das wesentliche Kriterium für die nächsten Schritte. Grundsätzlich ist alles, was in eurem Netzwerk (unter eurer SSID) gefunkt wird ein Signal, während alle fremden Geräte ein Rauschen produzieren. Euer Router kann das unterscheiden. Umgekehrt seid ihr für andere Router Teil des “Netzwerkrauschens”. Dies wiederum bedeutet, dass euer Signal durchaus in der Lage ist, eine ganze Reihe schwächerer “Rausch-Signale” zu filtern, auch wenn ihr euch mit diesem auf dem selben Kanal befindet. Nehmen diese schwachen Signale allerdings überhand, führt das zu Verzögerungen bzw. Latenzen, da euer Router permanent das Grundrauschen vieler anderer Geräte übertönen muss – vor allem dann, wenn diese sehr aktiv sind.

Fazit

Die App konnte im App Store nicht gefunden werden. :-(
Wifi Analyzer
Wifi Analyzer
Entwickler: farproc
Preis: Kostenlos

Besorgt euch eine App wie WiFi Analyzer. Wenn ihr Glück habt, ist einer der Kanäle 1, 6 oder 11 frei, dann macht ihr’s euch dort gemütlich. Müsst ihr euch einen dieser drei empfohlenen Kanäle mit einigen wenigen anderen Routern teilen, dann ist das unproblematisch, da euer eigener Router normalerweise das stärkste Signal in eurer direkten Umgebung ist.

Gibt es hingegen sehr viele andere Router auf dem gleichen Kanal (oder in dessen unmittelbarer Nähe), dann weicht auf den Kanal mit der geringsten Überschneidung (bzw. mit dem größten Abstand) zu diesem Rauschen aus. In diesem Fall – und nur in diesem Fall – kann das auch ein von den Kanälen 1, 6 oder 11 abweichender Kanal sein.

Nehmt euch die Zeit für ein paar nachträgliche Überprüfungen, an verschiedenen Tagen und zu unterschiedlichen Uhrzeiten. Es kann z.B. vorkommen sein, dass ein am Wochenende ausgeschalteter Büro-Router an den restlichen Wochentagen eure gesamte Wi-Fi Umgebung dominiert und euren schönen sonntäglichen Test zunichtemacht.

Besucht vor und nach der Änderung des WLAN-Kanals Test-Seiten wie fast.com oder speedtest.net. Ihr solltet bei einer guten Kanalauswahl und einer daraus resultierenden Vermeidung von Interferenzen wesentlich höhere Übertragungsraten erreichen können – in Einzelfällen sind durchaus drei-, vier- oder fünffache Werte ‘drin.

via superuser.com