Apple Watch and Tim Cook

Apple in der Zeitrechnung Tim Cook: Abkehr und Neuanfang

Mit der Einführung der Apple Watch und einem neuen MacBook hat Apple nicht nur zwei neue Produkte vorgestellt, sondern auch altes über den Haufen geworfen um sich für die Zukunft auf zu stellen. Zwischen den Zeilen ist eine neue Philosophie zu erkennen.

Hat Steve Jobs am Anfang seiner Amtszeit die Produktlinie klar vereinfacht und sich auf das wesentliche konzentriert, und mit einer neuen Werbekampagne für „Think different“ geworben, so kann man Tim Cooks Fahrplan als einen globalen Eroberungszug durch die Welt verstehen.

Wer aufhört zu wachsen, der schrumpft – So könnte das Marktprinzip in der heutigen Zeit vereinfacht ausgedrückt werden. Zumindest für Unternehmen die an der Börse gehandelt werden gelten diese Gesetze.

Neben dem asiatischen Markt, der genügend frisches Geld und neue Kunden bringt, öffnet Apple nun fast allen die Tore. Wer genügend Geld mit bringt, findet auf dem Marktplatz Apples alles was das Herz begehrt:

Ein 4″, 4,7″ und 5,5″ iPhone, ein iPad Mini, ein iPad Mini mit TouchID und ein iPad Air. Die Macbooks kommen in 12″, 13″ mit und ohne Retina in einer 15″ Variante daher. Den iMac gibt es in der alten Version mit Standard Display, und in einer hochauflösenden 5k Variante.

Die neuen Uhren sind zwei Größen in jeweils zwei verschiedenen Ausführungen kombinierbar mit einer Vielzahl von Armbändern. Der AppleTV wird kurzerhand verbilligt um noch mehr Leuten den Zugang zum Apple Universum zu ermöglichen.

Die Strategie lautet hier also: Wir wollen alles und jeden.

Ich kann mich noch an die Interviews mit Steve Jobs erinnern, als er jedes Mal voller Stolz anmerkte dass der Konzern Apple nicht jeden Mist mitmacht, sondern auf eigene Erfahrungswerte setzt.

Vergangenheit. USB-C Anschluss, Phablet und eine Smartwatch. Drei Dinge die nicht von Apple erfunden wurden, sondern man nur etliche Jahre später nachzieht. Damit das klar ist: Auch ein iPad oder die Maus wurden nicht vom Konzern aus Cupertino erfunden, jedoch masstentauglich und benutzerfreundlich gemacht. Ich bin mir sicher: Unter Steve Jobs hätte Apple weiterhin auf Thunderbolt und auf die eigenen Prozessoren bei den MacBooks gesetzt.

Auch die unterschiedlichen Retina und Nicht-Retina Geräte, die unterschiedlichen Größen: Alle Entscheidungen wirken als ob der Konzern auf den Markt reagiert, und mit der enormen finanziellen Kraft das auch noch schneller und erfolgreicher macht als die Konkurrenz, die den Endverbraucher erst dazu animiert hat.

Die Marke und die immer noch vorhanden, hohen Qualitätsstandards lassen Kunden dann aber doch recht schnell zu Apple wechseln.

Die Frage ist für mich nur: Damals, als „Fanboys“ keine YouTube-Kommentar-Hater waren, sondern Personen die sich mit den Produkten beschäftigt und identifiziert haben, diese kann Apple mit der neuen Strategie garantiert nicht mehr für sich gewinnen.

Etwas groteskes haftet dieser Vorstellung an. Denn meist ist es doch pures Marketing was Apple-, Android- und Microsoft-Jünger heran züchtet. Alle Unternehmen verfolgen andere Geld-Druck-Ideologien und schaffen es auf unterschiedliche Weise. Somit ist es vielleicht schön zu sehen, dass diese Absurdität an Zusammengehörigkeitsgefühl und Verbundenheit nun endlich ihr wahres Gesicht zeigt.

Ich schreibe es gerne: Für den Nutzer bringen diese Technologien nur bedingt etwas. Die Masse, die Apple jetzt erreicht, ist vielleicht auf der „HealthKit“ Seite ein großer Vorteil. Denn Unternehmen, die mit all den Daten vielleicht richtige Innovation und gesunden Fortschritt erzeugen, finden sich somit schneller.

Apple teilt Entwickler und Endkunden in zwei Bereiche

Tim Cook scheint es aber endlich zu schaffen Entwickler und pure Konsumenten gesund voneinander zu trennen. Das neue MacBook hat die gleiche Kauf-Oberfläche wie das iPad oder iPhone: Farbe und Größe auswählen, fertig. Die anderen MacBooks (Pro und Air) lassen sich noch etwas detaillierter konfigurieren.

Apple Store Macbook

Die Absicht ist klar: Mit der SmartWatch und dem größeren iPhone werden nun ganz andere Kundenkreise angesprochen, die keinen Unterschied zwischen Hardware erkennen und das auch gar nicht wollen.

Entwicklern wird iOS und OS X ein Stück weit mehr geöffnet: Mit JavaScript als Skriptsprache für OS X oder via Extensions für iOS.

Als Fazit ergibt sich für mich daher: Der Reiz, die Euphorie die Apple damals erzeugte, ist nun endgültig weg. Andererseits sehe ich MacBooks mit OS X und iPhones in der breiten Masse als komfortabler an als die bisherigen Microsoft-Maschinen.

Als Entwickler ist dieser Schritt natürlich katastrophal, wenn ein Unternehmen, dass vorrangig  gut situierte Endkunden als Zielgruppe hat, so viel an Macht und Einfluss gewinnt. Im Endeffekt spiegelt so ein Konzern nur die aktuelle Gesellschaft wieder, denn das Geld kommt schließlich nicht von den Bäumen. Schön also, dass endlich die Fassade gefallen ist und wirklich jeder in die tiefen Abgründe der Machtspielchen blicken kann.