Apple MacBook Pro: Entfernte Restlaufanzeige beseitigt Akku-Probleme?

Nachdem sich viele Nutzer über zu kurze Akkulaufzeiten ihrer neuen MacBooks beschwert hatten, strich Apple kurzerhand die Anzeige der geschätzten Restlaufzeit im letzten macOS Sierra-Update. Laut Apple gab es ansonsten in Richtung Akku keine Updates im System, trotzdem berichten nun Nutzer nach dem Update über eine Verbesserung der Laufzeit.

Für alle, denen die Anzeige einer geschätzten Restlaufzeit wichtig ist, gibt es die gute Nachricht: Apple hat nicht die komplette Berechnung aus dem System geschmissen, sondern nur die Anzeige in der Menübar. Ein Klick auf das Akku-Icon dort brachte vor dem letzten Update diese Information schnell auf den Bildschirm – unabhängig davon, wie zuverlässig diese Schätzrechnung auch sein mag. Wer sich heute für diese Schätzung interessiert, der hat aktuell zwei Möglichkeiten direkt mit Systemmitteln – es gibt aber auch bereits Tools für die Anzeige zum Beispiel im Notification Center.

Apple entfernt Akkuanzeige, weil MacBook Pro Nutzer sich über niedrige Laufzeit beschweren

Akku-Restlaufzeit anzeigen

Terminal

Das Terminal, die Shell und all die Tools, die man hier zur Verfügung hat, gehören zu den mächtigsten Features von Unix-artigen Systemen. Und auch für die Anzeige der geschätzten Restlaufzeit des Akkus gibt es hier ein Tool, einfach im Terminal:

pmset -g batt

eingeben, Return drücken und da ist die Anzeige auch schon.

Aktivitätsanzeige

Auch in der Aktivitätsanzeige wird der Wert – zumindest bis jetzt – noch im Energie-Bereich angezeigt. Das kleine Tool ist sowieso nützlich, wenn man wissen will, welcher Prozess gerade die ganze CPU-Leistung, den Speicher oder eben die ganzen Energie weg lutscht. Wer also Probleme mit zu kurzer Akku-Laufzeit hat, der sollte dann und wann mal einen Blick hier rein werfen, die Chancen stehen gut, dass die Energiefresser so identifiziert werden können.

Monity

Monity ist ein Tool, dass eine ganze Menge Systeminformationen im Notification Center anzeigt, sozusagen eine kleine, komprimierte und konfigurierbare Version der Aktivitätsanzeige. Zu den gezeigten Informationen gehört auch die geschätzte Restlaufzeit des Akkus. Der Preis von 4,99 Euro ist hier natürlich eine gewisse Hürde, aber

Monity
Monity
Entwickler: Lukasz Kulis
Preis: 5,49 €

Battery Monitor

Dieses Tool zeigt nur in den Akkustatus in der Menüzeile an, ähnlich der Anzeige von Apple selbst, bietet darüber hinaus aber weiterhin die Anzeige der geschätzten Restlaufzeit, auf Wunsch auch direkt in der Menüzeile. Dazu kommen Benachrichtigungen, wenn der Akku aufgeladen ist oder nur noch eine konfigurierbare Restkapazität hat. Und das kleine Tool kostet nichts.

Battery Monitor: Health, Info
Battery Monitor: Health, Info
Entwickler: Rocky Sand Studio Ltd.
Preis: Kostenlos

Was ist das Problem?

Woher nun das Problem mit den zu niedrigen Laufzeiten kommt, ist weiterhin offen. Seitens Apple wird erklärt, dass es gerade bei einem neuen Mac anfangs zu einem hohen Energieverbrauch und damit einhergehend eben kurzen Laufzeiten im Akkubetrieb kommen kann. Dies trifft natürlich vor allem auf Menschen zu, die bestehende Daten auf ihr neues MacBook transferieren, große IMAP-Postfächer haben oder intensiv Gebrauch von iCloud, Dropbox und anderen Clouddiensten machen. Denn hier hat man es gleich mit einigen – zumindest anfangs – stark Ressourcen verbrauchenden Prozessen zu tun:

Spotlight

Spotlight ist unglaublich praktisch, schließlich erlaubt der hier über alle Dateien angelegte Index ein sehr schnelles Auffinden der gesuchten Dateien. Der Nachteil an Spotlight, gerade wenn man auf einen neuen Mac einen Haufen Daten kopiert: So ein Index muss erst einmal angelegt werden und dazu muss der entsprechende Prozess alle Dateien mal öffnen, lesen und in den Index aufnehmen. Das kostet natürlich Energie.

IMAP und andere Mailpostfächer

Kaum jemand hantiert heute noch mit POP-Postfächern, fast überall ist IMAP, Googlemail oder Exchange/ActiveSync im Einsatz. Der große Vorteil hier: Die Mails bleiben alle auf dem Server, man kann problemlos von mehreren Geräten aus die Mails verwalten, auch mit mehreren Nutzern – so ein IMAP-Postfach ist quasi der erste Cloudservice gewesen ;) Aber damit das schnell und auch offline geht, legen Mailprogramme – auch Apples Mail.app – lokale Kopien der Mails vom Server an. Die müssen natürlich erst einmal vom Server geholt und auf den lokalen Datenträger geschrieben werden (und hier kommt auch wieder Spotlight ins Spiel).

Cloudspeicher

Ähnlich wie bei einem IMAP-Postfach, legen Cloudspiecherdienste lokale Kopien der gespeicherten Dateien an. Dabei ist es egal, ob es iCloud, Dropbox, OneNote oder Google Drive ist: Daten, die dort bereits liegen, müssen erst einmal geladen, gespeichert und von Spotlight in den Index aufgenommen werden.

Fotos

Ja, auch die neue Foto-App kann zu einem ziemlichen Energiefresser werden: Nicht nur werden die Fotos mit der iCloud synchronisiert, auch die Tatsache, dass jedes Gerät eine eigene Gesichts- und Objekterkennung macht, ist nicht unbedingt ressourcenschonend, schließlich bedeutet das nichts anderes, als dass jeder Mac selbst Foto für Foto durchgeht und versucht darauf zu sehende Gesichter und Objekte zu identifizieren.

Drittanbieter-Browser

Ein Tipp, den man nicht unbedingt gerne hört, wenn man Nutzer von Chrome oder Firefox auf mehreren Plattformen ist: Nutzt Safari. Apples eigener Browser hat natürlich den Vorteil direkt aus dem gleichen Haus zu stammen, wie das System, wenn also ein Browser – und bei den meisten von uns ist ein Browser heute doch ständig offen – die Energiesparoptionen von macOS optimal nutzt, dann ist es Safari. Das muss nicht unbedingt einen großen Unterschied machen, kann es aber durchaus, wenn man zu den Menschen gehört, die offene Tabs als Erinnerungshilfen benutzen.

Und plötzlich ist es besser?

Wer also ein neues MacBook mit vielen vorhandenen Daten in Betrieb nimmt, der sollte anfangs darauf achten, sich nicht zu weit von einer Steckdose zu entfernen – im Akkubetrieb wird das nagelneue Gerät die angegebenen Laufzeiten nicht erreichen können. Tatsächlich würde das auch zu den Meldungen passen, dass das Problem wie durch Zauberhand durch das letzte Update beseitigt worden wäre und die MacBooks inzwischen deutlich länger mit einer Akkuladung laufen würden. Gut möglich, dass die MacBooks mit dem Laufzeitproblem eben kurz vor oder nach dem Update mit diesen ganzen energieintensiven Startprozessen fertig waren.

Und wenn es nicht hilft?

Die Kollegen von ArsTechnica haben das Problem sehr intensiv beleuchtet und kommen zum Schluß, dass aufgrund der kleineren Akkus in den neuen MacBook Pro, die Laufzeit hinter den alten MacBook Pros zurückbleiben kann, abhängig vom Nutzungsverhalten. Die verbesserten Energiesparoptionen in den neuen Intel-Chips kommen vor allem zum Tragen, wenn es um den Wechsel zwischen Leerlauf und Aktivität geht. Das kommt bei sehr vielen täglichen Arbeiten sicher zum Tragen: Wer zum Beispiel viel schreibt oder Grafikbearbeitung macht, dessen Rechner hat zwischendurch immer mal Zeit zum idlen – wer Videos schneidet, dessen Rechner ist im Hintergrund fast ständig mit Rendern beschäftigt. Im letzteren Fall wird man also im Vergleich zu den Vorgängern ziemlich sicher eine kürzere Laufzeit im Akkubetrieb bekommen.

Als letzten möglichen Schritt wird hier die „nukleare Option“ empfohlen: Gebt das MacBook Pro zurück.

But you shouldn’t force yourself to use a laptop that doesn’t do what you need it to, especially not one as expensive as the new Pros. ArsTechnica

Noch kann man MacBook Pro der Vorgänger-Serie bekommen und auch andere Hersteller haben ganz hübsche Notebooks – wer also keine Berührungsängste mit Windows 10 hat, für den tun sich eine ganze Reihe an Alternativen auf.