Apple MacBook Pro: Touch Bar ist eine nette Idee – aber keine neue

Gestern hat Apple das neue MacBook Pro mit der innovativen Touch Bar vorgestellt. Die Ersten mit der Idee waren sie dennoch nicht, Microsoft überlegte bereits vor sechs Jahren in diese Richtung - und sie waren nicht die Einzigen. 

Ein Special-Event war es nach eigener Ankündigung und wir ahnten im Vorfeld, dass es sich um neue MacBooks drehen würde. Letzten Endes war es dann ein wenig spannendes Event, bei dem es neben dem Apple TV lediglich ein einziges neues Produkt zu bestaunen gab: Die 2016er Version des MacBook Pro in 13 und 15 Zoll.

Es gab ein Performance-Update für das Notebook, das Display ist heller, der Sound besser und das ganze Device dünner und leichter. Außerdem setzt man jetzt ausschließlich auf vier Thunderbolt 3-Anschlüsse im USB Typ-C-Format, wobei wir an dieser Stelle jetzt aber nicht schon wieder eine Adapter-Debatte führen wollen (auch, wenn sich iPhone 7-Besitzer fragen werden, wieso sie am neuen MacBook weder ihr iPhone noch ihr neues Headset ohne Adapter anschließen können). Alles in allem hat Apple im Wesentlichen Produktpflege betrieben. Folgendes Bild, bei Severin Tatarczyk gefunden, fasst es ganz gut zusammen.

macbook-pro-preis

Aber der Star der Veranstaltung war nicht etwa das MacBook Pro an sich, sondern nur ein winziger Touch-Streifen, der sich oberhalb der Tastatur über ihre volle Breite erstreckt – die Touch Bar. Dabei handelt es sich um eine Touch-Leiste, die nicht nur die Funktionstasten ersetzt, sondern je nach Anwendung mit anderen Funktionen belegt ist. Das bedeutet, dass ihr im Grafik-Programm beispielsweise auf die Farbpalette zugreifen könnt, im Chat Emojis angeboten bekommt usw. Auch Anrufe auf dem iPhone könnt ihr auf diese Weise über das MacBook Pro annehmen.

Bei der Keynote fiel auf, dass sich Apple explizit auf dieses Feature konzentriert hat und der obligatorische Buzzword-Regen ergoss sich fast ausschließlich über der Touch Bar. Im Netz hingegen wurde die gesamte Präsentation sehr zwiegespalten aufgenommen. Klar – auch die Touch Bar wurde umjubelt aus dem Apple-Lager, aber es gab auch Kritik und sogar Spott. Das hing teilweise damit zusammen, dass Microsoft einen Tag vorher sein Hardware-Event hatte und viele Tech-Fans eben der Meinung sind, dass aus Redmond mittlerweile die kreativeren Ideen kommen.

Nicht selten kam die Frage auf, wieso sich Apple auf diesen schmalen Retina-Streifen beschränkt und nicht stattdessen ein komplettes Touch-Panel verbaut. Und ganz ehrlich: Als bei der Präsentation die Musik-Demo lief, war ich auch der Meinung, dass der Kollege mit einem Touch-Display deutlich besser bedient wäre als mit dieser Touch Bar.

Touch Bar: Innovativ, ja – Weltneuheit, nein

Aber sei es drum: In der Präsentation sah das alles recht nett aus und ich könnte mir vorstellen, dass die Leiste auch einen echten Mehrwert darstellt, solange es von den Apps vernünftig unterstützt wird. Aber ist diese Leiste auch wirklich diese Innovation, die uns Tim Cook da gestern einreden wollte?

Nein, natürlich nicht – schon lange vorher haben sich Unternehmen darum bemüht, die Eingabe-Möglichkeiten am Rechner zu optimieren und dabei gab es auch immer wieder Ansätze wie den, den Apple mit der Touch Bar verfolgt – also mit einer Touch-Eingabe-Leiste oberhalb der Tastatur.

Microsoft selbst hat sich bereits 2010 daran versucht und nannte dieses Experiment seinerzeit Adaptive Keyboard, also übersetzt etwa „anpassungsfähige Tastatur“:

What’s an Adaptive Keyboard? It is a research prototype developed by Microsoft Hardware to explore how combining display and input capabilities in a keyboard can allow users to be more productive. The keyboard incorporates a large, touch-sensitive display strip at the top. In addition, the display continues underneath the keys, allowing the legends to be modified in real time. This lets you do things like change the character set to a different language or display command icons.

Das Ganze sieht – selbstverständlich – nicht so rund aus wie das, was Apple da gestern aus dem Hut gezaubert hat, aber es war auch „nur“ ein Prototyp und halt eben bereits 2010. Im Video bekommt ihr einen schönen Eindruck davon, was Microsoft damals schon mit seiner eigenen Vorstellung einer Touch Bar im Sinne hatte:

Wie ihr seht, fällt dieser Streifen auch etwas großzügiger aus, wäre vermutlich von den vorstellbaren Szenarios sogar der bessere Ansatz als eine so schlanke Leiste, wie sie Apple nun vorgestellt hat. Aber Microsoft hatte diese Idee natürlich nicht exklusiv:

Ihr wollt was Neueres sehen? Auch 2015 hielt Microsoft ein Konzept bereit, welches als DisplayCover fürs Surface gedacht war und der Tastatur ein zusätzliches e-Ink-Display mit einer Auflösung von 1280 x 305 Pixeln spendieren sollte.

So ein Zubehör könnte ich mir fürs Surface immer noch ganz gut vorstellen, aber auch andere Hersteller haben noch vor gar nicht so langer Zeit in diese Richtung experimentiert – werft einen Blick auf das ThinkPad X1 Carbon von Lenovo:

Vermutlich werden sich jetzt die üblichen Lager zu Wort melden: Die eine Partei wird sagen, dass Apple nur abgekupfert hat und diese Idee schon seit Jahren umher schwirrt. Die anderen werden stattdessen sagen, dass eine gute Idee erst von Apple wirklich zu Ende gedacht wurde und nun wirklich Sinn ergibt. Fakt ist jedenfalls, dass Apple die Idee von einem Touch-Display-Streifen oberhalb der Tastatur nicht selbst ersponnen hat. Warten wir mal ab, wie sich die Touch Bar bewähren wird: Möglich, dass bald auch andere Hersteller diese Idee aufgreifen – ebenso möglich ist aber auch, dass Apple sich irgendwann einfach mal überlegt, einen kompletten Touchscreen anzubieten statt einen Touchscreen Light.