Der Rant zum Montag
Apple Music – Eingeknickt und dennoch blamiert

Apple will nun doch die Kuenstler waehrend der 3 Monate dauernden Testphase von Apple Music bezahlen. Ehrliche Kehrtwende oder Kalkuel?

Apple Music startet in 11 Tagen und damit auch der Service, der zeigt, wie tief die Firma aus Cupertino gefallen ist. Zu fett um 3 Schritte ueber den eigenen, von unermesslicher Gier bestimmten Horizont zu machen, wird Apples Streaming Angebot zum Synonym einer Firma, die den Hals einfach nicht voll bekommt. Einer Firma, die bereits in der Vergangenheit auf schamlose Art und Weise Technologien und Funktionen kopierte, dann patentierte und sie final in an Peinlichkeit nicht mehr zu ueberbietenden Patentverfahren gegen die Konkurrenz einsetzte.

Apple ist nicht erst seit den Dumpfbacken-Aussagen seines Gruenders Steve Jobs oder den Marketingfail Statements des Prinz Valiums der IT-CEOs Tim Cook, nur noch ein Schatten seiner selbst. Arbeiter in China, die fuer nicht einmal $2 pro Stunde die Luxus-Smartphones der Kalifornier zusammenschrauben und Medien die gezielt manipuliert werden… ja, hinter den Kulissen der reichsten Firma der Welt tun sich Abgruende auf, die einem zum Teil angewidert schuetteln und fragen lassen, ob Apple ueberhaupt noch Grenzen kennt? Kennen sie nicht! Es muss weiter gehen, zum Wohle des Shareholders.

Lassen wir mal den Rohrkrepierer Apple Watch aussen vor, der sich wohl nur noch verkauft weil saemtliche Mainstream-Medien an den Rockzipfeln der PR-Abteilung aus Cupertino haengt, so haben sich die ehemaligen „Pirates of the Silicon Valley“ nun ein neues Betaetigungsfeld ausgedacht. Der ehemalige Zahlenjongleur und Koenig der Zuliefererkanaele Tim Cooks hat ein neues Baby geschaffen, welches ihm (denn die Watch schafft es nicht) endlich dabei helfen soll aus dem Schatten des „grossen“ Steve Jobs zu treten: Apple Music!

Der Kauf von Beats Music im Mai 2014 sendete eine ganz klare Message in die Streaming Szene: Seht her, wir haben der Musik-Industrie damals mit iTunes gezeigt wer Chef im Haus ist, jetzt fressen wir euch auf!

Was dann aber zum WWDC 2015 als „next big thing“ gelauncht wurde, kann nur dem Geiste einer boesartigen Managerrunde entsprungen sein, die eine ganze Menge Dollarzeichen vor den Augen, aber eines nicht haben: Music im Herzen!

Taylor Swift fordert nicht, sondern bettelt

Ach es haette alles so schoen und so rund und so magical und so „an dieser Stelle bitte eines der Adjektive aus dem limitierten Strukturvertriebswortschatz der Apple Manager einsetzen“ sein koennen. Die WWDC 2015 sollte die grosse Buehne fuer Apple Music werden. Man wollte abermals einen Markt neu erfinden und final definieren (wobei selbiger schon ueber eine Dekade alt ist).

Mit Beats holte man sich nicht nur die schaebigsten und billigsten Kopfhoerer des Marktes ins Portfolio (der im Vergleich zum iPhone mit seiner ueber 1000% Marge zeigt, wozu heute Brands faehig sind), sondern auch einen Streamingdienst der in den letzten Monaten „auf Apple“ getrimmt wurde.

Apple Music Präsentation - mit Taylor Swift

 

Was bei der Praesentation dann ein wenig aufstiess war die Tatsache, dass man ganz prominent mit Taylor Swift Promotion machte, dabei will diese doch gar nicht an Apple Music teilnehmen. Das Popsternchen veroeffentlichte vielmehr ein devotes Bettelposting auf Tumblr und erklaerte ihren Liebesentzug, der ja eigentlich keiner ist. Da konnte dann auch Apple nicht mehr nein sagen:

Seht her, wir sind die Guten und ihr als Kuenstler seid uns verdammt wichtig. Noe, es sind einfach nur die naechsten Kuehe, die gemolken werden. Und wenn sie denn nicht gemolken werden wollen, dann wird einfach ein kleiner Erpressungsversuch, wie im Falle des Frontmanns der Band Brian Jonestown Massacre, gestartet.

Aber kurz zurueck zum Gang nach Canossa von Taylor Swift, denn diese laesst doch tatsaechlich folgende Saetze raus:

I hope that soon I can join them in the progression towards a streaming model that seems fair to those who create this music. I think this could be the platform that gets it right.

Ah ok Taylor… deshalb bist du ja auch so ungern bei Spotify. Ok, jetzt wird das Maedel ja auch nicht dafuer bezahlt sich mal die diversen Abomodelle anzuschauen, aber wie Apple Music mit einem Familientarif zu knapp $15 fuer 6 Personen die ganze Industrie fairer bezahlen soll, das muesste sie mir dann doch mal eben vorrechnen. Da gibt es dann ja pro Account eine Flatrate fuer gerade einmal $2.50. Wo sie dann nun den fairen Ansatz sieht… aber hey, sie muss vor allen Dingen singen.

Bester Marketingstunt ever!

Nein ich trage keinen Aluhut und natuerlich hatte Apple seinen Rueckzieher und dieses „Shitstoermchen“ nicht geplant, aber die Entscheidung nun doch die Kuenstler waehrend der Testphase zu bezahlen, das ist in der Tat ein unbezahlbarer Marketingstunt. Apple als barmherziger Samariter, als Retter der gefallenen Musik-Industrie. Wohlgemerkt eine Industrie die erst durch die ehrenvollen Herrschaften aus Cupertino derartig die Graetsche gemacht hat.

Eines muss man ihnen lassen. Sie biegen es immer irgendwie hin.

P.S.: Und wenn wir mal ganz ehrlich sind… eigentlich haben die seit meinem Tweet am Freitag nicht mehr ruhig schlafen koennen. Ergo nehme ich ganz unbescheiden die Position ein, der globalen Musikindustrie ordentlich was in die Kassen gespuelt zu haben ;)