Analyse
Apple Quartalszahlen 2/17: Weniger iPhones verkauft, aber mehr Kohle verdient

Apple veröffentlicht die Zahlen fürs zweite Quartal 2017 und hat dort weniger iPhones verkauft als im Vorjahr. Umsatz und Gewinn stiegen dafür im Vorjahresvergleich.

Quartalszahlen nimmt man ja immer irgendwie war – je größer das Unternehmen ist, desto genauer schaut man hin. Aber nirgends ist die Aufmerksamkeit auch nur annähernd so groß im gesamten Tech-Zirkus, als wenn Apple sich zu Wort meldet mit den jüngsten Zahlen.

Exakt so ist es dieses Mal auch wieder und irgendwie scheint es größtenteils alles beim alten geblieben zu sein. Es klingelt schwer in der Kasse in Cupertino, Apple konnte gegenüber dem Vorjahr sowohl beim Umsatz als auch beim Gewinn zulegen. 53,9 Milliarden US-Dollar lautet die mächtige Zahl, die gegenüber dem Vergleichsquartal im Jahr 2016 ein Plus von 4,6 Prozent darstellt. Der Gewinn stieg sogar um 4,8 Prozent auf nunmehr 11,03 Milliarden US-Dollar. Wir haben das wie immer in unsere Tabelle eingepflegt – hier seht ihr die Entwicklung im Unternehmen bezüglich der Quartalszahlen seit 2009:

 

Apple Verkaufszahlen Q2/17 – weniger iPhones als im Vorjahr

Mittlerweile sind wir es aber auch gewohnt, dass die Blicke nicht nur auf die Summen gerichtet sind, die unter Umsatz und Gewinn gelistet werden, sondern auch auf die Verkaufszahlen der einzelnen Produktsparten. Logischerweise steht dabei das iPhone im Fokus. Nachdem im letzten Quartal ein neuer Verkaufsrekord bei den iPhones aufgestellt werden konnte, sind die Zahlen jetzt – verglichen mit dem Vorjahr – wieder rückläufig.

Apple iPhone – Wir warten aufs Christkind iPhone 8

“Nur” 50,8 Millionen iPhones konnten verkauft werden, nachdem es im letzten Jahr rund 51,2 Millionen Exemplare waren, die weltweit über die Ladentheken gingen. Logischerweise ist das eine Hausnummer, die jedes andere Unternehmen der Welt mit Kusshand nehmen würde, speziell in diesem Fall hatten die Analysten sich aber ein klein wenig mehr erhofft. Resultat: Die Aktie gab nach Bekanntgabe der Zahlen ein wenig nach, allerdings handelt es sich hier um Jammern auf sehr hohem Niveau. Immerhin gab es erst gestern – angesichts der zu erwartenden Zahlen – ein Allzeithoch, nun ging es also wieder ein bisschen runter.

Apple dürfte das verkraften können und gleichzeitig zeigt es mir persönlich auch wieder, wie krank dieses Aktien-Geschäft ist: Apple verdient sich dumm und dämlich, trotzdem reagiert die Börse pikiert, weil man sich noch mehr erhofft hatte. Würde nicht das heiß ersehnte iPhone 8 anstehen, wäre der Aktienwert vermutlich noch weiter abgeschmiert.

iPhone 8-Konzept – wird es so aussehen?

Mit diesem anstehenden Jubiläums-iPhone erhoffen sich viele Experten – und auch Apple-Fans – dass eben nicht nur die regulären Modelle iPhone 7s und iPhone 7s Plus vorgestellt werden, die marginal verbessert sein dürften. Die Augen richten sich vielmehr auf besagtes iPhone 8 (so es denn tatsächlich so heißen wird), bei dem die Hoffnung groß ist, dass Apple sowohl technisch als auch beim Design etwas ganz Besonderes vorlegen kann.

Mit dieser hohen Erwartungshaltung sollte man auch die rückläufigen iPhone-Absätze dieses abgelaufenen Quartals betrachten, denn sehr viele Anhänger des Kult-Smartphones halten sich mit einem Neukauf noch zurück – bis eben im September diese besondere Ausgabe angekündigt wird.

Zu erwähnen wäre übrigens zum Thema Smartphones noch, dass sich die Absätze ein wenig zu Gunsten des größeren Plus-Modells verschoben haben. So ist es auch erklären, dass trotz geringerer Verkaufsmengen der Umsatz von 32,86 Milliarden Dollar auf 33,25 Milliarden Dollar gesteigert werden konnte. Es hat eine Weile gedauert, bis Apple diese hohe Nachfrage nach dem teureren, besser ausgestatteten Modell realisiert und bei der Produktion angepasst hatte – jetzt greifen diese Maßnahmen.

Apple iPad – in Cupertino nichts Neues

Das iPad bleibt das Sorgenkind des Unternehmens: Nur noch 8,9 Millionen Tablets konnten im Quartal 2/17 abgesetzt werden. Im gleichen Quartal des letzten Jahres waren es noch 10,25 Millionen, was einen Rückgang von satten 13 Prozent entspricht. Auch das jüngst veröffentlichte iPad hat das nicht beeinflussen können – logischerweise, denn das wurde erst Ende März vorgestellt, das zweite Quartal bei Apple endete bereits am 01. April.

Erst im nächsten Quartal können wir also einen tatsächlichen Eindruck darüber gewinnen, ob Apple den freien Fall bei den Tablets tatsächlich stoppen konnte, oder ob diese Sparte weiter kriselt. Ehrlich gesagt erhoffe ich mir nicht allzu viel, denn Apple hat mit dem neuen Einsteigermodell eher Produktpflege betrieben und nicht gerade ein Innovations-Feuerwerk entfacht.

Apple Mac – starkes Quartal mit gestiegenen Verkäufen

Verkaufszahlen inkl. Q2 2017″>Es ist wohl der besseren Verfügbarkeit des Apple MacBook Pro geschuldet, dass es hier für Apple mal wieder nach oben ging: Im Jahresvergleich ging es um vier Prozent hoch von 4,03 Millionen Geräten im Vorjahr auf jetzt 4,2 Millionen. Erlöse in der Höhe von 5,85 Milliarden Dollar bedeuten ein Plus von 14 Prozent gegenüber dem Vergleichsquartal im letzten Jahr und bestätigen, dass auch die Computer-Sparte ein wichtiges Element für das Unternehmen darstellt.
Wie mittlerweile gewohnt hat Apple übrigens keine konkreten Zahlen zur Apple Watch genannt, laut Tim Cook habe sich der Absatz beim Smartwatch-Branchen-Primus gegenüber dem Vorjahr nahezu verdoppelt. Hier habt ihr die Hardware-Sparten und ihre Verkaufszahlen seit 2009 im Überblick:

Apple Services – One More Thing

Stimmt, eine Sache ist da noch, die wir hier berücksichtigen sollten. Spätestens seit dem Start von Apple Music dürfen wir auch die Service-Sparte des Unternehmens nicht aussparen bei der Betrachtung der Quartalszahlen. Die Services – zu denen beispielsweises auch die Einkünfte aus AppleCare und ApplePay gehören – spielen eine immer wichtigere Rolle und das drückt sich nun mal auch in Zahlen aus: Immerhin 7,04 Milliarden Dollar Umsatz stehen zubuche in dieser Sparte. Das ist gegenüber den knapp sechs Milliarden US-Dollar im letzten Jahr ein fettes Plus von 18 Prozent – nirgends wächst Apple derzeit also so schnell wie im Bereich der Dienste und Services.

Schon lange hat Apple erkannt, dass man sich breiter aufstellen muss und nicht nur auf endlos sprudelnde iPhone-Einnahmen vertrauen darf. Das macht Apple mehr und mehr zu einem Service-Unternehmen und wir dürfen davon ausgehen, dass die Jungs und Mädels in Cupertino diesen Gedanken auch weiter intensiv verfolgen und die Sparte somit auch künftig weiter zulegen wird.

Quo vadis, Apple?

Konzept-Entwurf des iPhone 8

Bleibt uns abschließend nur noch zu überlegen, was wir aus diesen Zahlen lernen und wohin die Reise geht fürs Unternehmen. Dominant bleibt selbstverständlich das iPhone als allerwichtigste Säule der Kalifornier. Das iPad verliert weiter an Relevanz, während sich Apple für die Umsätze beim Mac und der Watch auf die Schulter klopfen kann. Bei der Uhr sollte man das immer noch mit ein wenig Skepsis betrachten – für Smartwatch-Verhältnisse scheint sie sich sehr ordentlich zu verkaufen, sie scheint aber auch langfristig nur ein Nischenprodukt zu sein und nicht etwa was, was das iPhone auch nur annähernd ablösen könnte.

Zu den Services habe ich oben schon was geschrieben – die werden weiter an Relevanz gewinnen und können dazu beitragen, dass sich die Lasten ein wenig besser verteilen und Apple weit davon entfernt ist, zu einem One-Product-Unternehmen zu verkommen. Dennoch thront über allem dieses Smartphone, aktuell sogar noch mehr denn je, was wie bereits erwähnt an den hohen Erwartungen ans iPhone 8 liegt.

Je mehr Leaks zu uns durchdringen, desto mehr erwarten Experten, Fans und Analysten den ganz, ganz großen Wurf. Neben der iPhone 7s-Produktpflege dürfen wir mit einem völlig neuen Design, neuer Display-Technologie und vielen weiteren Highlights rechnen. Das bedeutet aber auch, dass das dritte Quartal – die Zahlen erwarten wir etwa einen Monat vor der Präsentation der neuen Produkte – nochmal einen Rückgang aufweisen könnte, was die Verkaufszahlen beim iPhone angeht.

Ich bin noch ein wenig skeptisch, was die Verfügbarkeit des iPhone 8 angeht, weil man bei neuen Technologien auch immer ein hohes Risiko eingeht und es auch Gerüchte gab, dass es die ein oder anderen Produktionsschwierigkeiten zu geben scheint. Sollte alles wie geplant laufen, wird  man zumindest kleinere Mengen zeitnah verkaufen können. Schlimmstenfalls müssen iPhone 8-Interessenten aber deutlich länger warten als die Käufer der regulären Modelle. Aber dazu sollten wir uns dann vielleicht später im Jahr Gedanken machen und nicht über ungelegte Eier (den Wortwitz iEr konnte ich mir gerade noch verkneifen) reden.

Quelle: Apple