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Q1/2019

Apple Quartalszahlen: Nein, die fetten Jahre sind nicht vorbei

Apple verkündet erstmals Quartalszahlen, ohne explizit Stückzahlen auszuweisen. Dennoch lässt sich erkennen, dass der Tech-Riese trotz Umsatzrückgangs souverän abgeliefert hat.

von Carsten Drees am 30. Januar 2019

Bei den letzten Quartalszahlen, die Apple verkündet hat, regnete es wieder Umsatzrekorde und erneut lieferte das Unternehmen aus Cupertino den Nachweis, dass es wieder einmal mächtig in der Kasse geklingelt hat. Viel spannender aber als jede noch so schöne Zahl war im Nachhinein jedoch eine Info, die man uns mit auf den Weg gab: Apple wird künftig keine Verkaufszahlen mehr aufbröseln, uns also nicht mehr mit Informationen darüber beglücken, wie viele iPhones, Macs oder iPads sich in den letzten drei Monaten verkauft haben.

Für unsere Einschätzung hier auf dem Blog bedeutet das, dass ihr das Diagramm mit den Stückzahlen bei unserer Analyse der Quartalszahlen im November zum letzten Mal vorgefunden habt. Das hält uns jedoch nicht davon ab, dennoch auf Umsatz und Gewinn zu blicken, gierig die weiteren Infos aus Apples offizieller Meldung in uns aufzusaugen und uns Gedanken über die weitere Entwicklung zu machen.

Apple Q1/2019 – Umsatz und Gewinn

Sehr überraschend für viele hat Apple bereits vor Wochen eine Gewinnwarnung herausgegeben. Tatsächlich belegen die aktuellen Zahlen, dass sowohl Umsatz als auch Gewinn rückläufig sind, verglichen mit dem ersten Quartal des letzten Jahres. Allerdings spielt sich das alles in einem vertretbaren Bereich ab, so dass wir hier auf ziemlich hohem Niveau jammern.

Blicken wir auf die Zahlen: Der Umsatz ist im Vergleich zum Vorjahr tatsächlich um fünf Prozent zurückgegangen, liegt aber immer noch bei mächtigen 84,31 Milliarden US-Dollar (Vorjahr: 88,29 Milliarden). Ganz ähnlich verhält es sich beim Gewinn in Q1: Hier stehen 19,97 Milliarden US-Dollar zubuche, was ebenfalls einen leichten Rückgang bedeutet, insgesamt aber die Erwartungen sogar leicht übertrifft. Hier seht ihr die aktuellen Werte im Vergleich zu allen vorherigen Quartalszahlen seit 2009:

Und was ist jetzt mit dem iPhone?

Es gibt keine absoluten Zahlen mehr zum iPhone, die schöne Vergleichbarkeit ist also dahin erst mal. Immerhin verraten uns die Jungs und Mädels aus Cupertino, dass sich derzeit das günstigste Modell — das iPhone XR — am besten verkauft, vor dem iPhone XS Max und schließlich dem iPhone XS auf Platz Drei.

Apple gibt desweiteren zu, dass der Umsatz mit dem iPhone auf knapp 52 Milliarden Dollar abgesackt ist, was gegenüber dem Vorjahr immerhin einem deutlichen Rückgang von etwa 15 Prozent darstellt. Wenn ihr den gesamten Umsatz und den iPhone-Umsatz gegenüber stellt, kann man aber zumindest auch erkennen, dass das Smartphone zwar nach wie vor den Löwenanteil ausmacht, längst aber nicht mehr Apples einzige Waffe ist.

Warum die Absätze zurückgehen? Auch darüber haben wir schon oft gesprochen: Da ist einmal die wirtschaftliche Lage, die zwischen China und den USA nach wie vor äußerst angespannt ist und China generell nicht mehr so rasant wächst, wie das noch vor wenigen Jahren der Fall war. Das riesige Land in Asien ist längst viel zu wichtig für den Weltmarkt, als dass dieser von solchen Entwicklungen nicht unmittelbar betroffen wäre.

Zusätzlich leidet Apple aber auch wie alle anderen Hersteller von Smartphones unter einer Sache, die uns Endverbrauchern eigentlich sehr gut gefällt: Die Geräte werden immer besser, selbst in günstigen Preissegmenten und deshalb gehen wir Smartphone-User dazu über, die Modelle einfach auch länger zu nutzen. Auch Apple mit seinen Premium-Handsets muss sich also damit arrangieren, dass es a) viel mehr Konkurrenz gibt als früher und b) Smartphones nicht mehr so schnell wie früher durch neuere ersetzt werden.

Die Services gehen durch die Decke

In diesen Tagen wird viel spekuliert wann und in welcher Form Apple seinen Netflix-Konkurrenten an den Start bringt. Egal, wie dieser aussehen wird und wie erfolgreich er sich entwickelt: Schon jetzt sind die Services von Apple mehr als nur ein nettes zusätzliches Standbein neben dem iPhone-Boom.

Das belegen auch die aktuellen Quartalszahlen äußerst eindrucksvoll: Die Einnahmen dieser Sparte, zu der neben Apple Music auch u.a. Apple Care und Apple Pay zählen, stieg nämlich um satte 19 Prozent und kratzt beim Umsatz mittlerweile an der 11-Milliarden-Dollar-Marke. Allein dem Streaming mit aktuell über 50 Millionen Apple-Music-Kunden verdankt Apple in der Sparte Musik das bislang erfolgreichste Quartal, seit man vor mittlerweile 16 Jahren mit iTunes an den Start ging. Zwar haben sich gegenüber dem Vorjahr auch Macs und iPads mal wieder positiv entwickelt, aber dass die Börse das Verkünden der Quartalszahlen mit steigenden Kursen honorierte, dürfen wir eher der Entwicklung bei besagten Services anrechnen.

In diesem Zusammenhang ist auch noch eine andere Zahl sehr spannend, die Apple nannte und die man in Zukunft wohl öfter vom Konzern geliefert bekommt: Nach eigenen Angaben gibt es aktuell über 900 Millionen aktive iPhone-Nutzer! Angesichts einer gesamten Basis von 1,4 Milliarden Apple-Geräten (Zahlen vom Dezember 2018) erkennt man erneut die Wichtigkeit des Smartphones für Apple.

Wenn man das jetzt aber im Zusammenhang mit den Services sieht, die zum großen Teil auf dem iPhone bzw. von iPhone-Nutzern in Anspruch genommen werden, kann man vielleicht das Potenzial erahnen, welches Apple auf diesem Gebiet noch hat. Selbst, wenn es einen Knall gäbe und Apple von jetzt auf gleich keine eigenen Smartphones mehr anbieten würde, wäre das Unternehmen immer noch bestens aufgestellt, um auch in der Zukunft bestehen zu können.

Das täuscht nicht über insgesamt rückläufige Verkäufe und sinkende Aktienwerte hinweg, aber die Zeit für Abgesänge auf Apple ist definitiv noch lange nicht gekommen, wie die jüngsten Quartalszahlen uns bewiesen haben.

Quelle: Apple via Basler Zeitung