Apple Quartalszahlen Q4: Schluss mit den Verkaufszahlen

Einem teuren iPhone sei Dank kann Apple auch fürs aktuelle Quartal Rekordsummen vermelden. Hinterher sprachen aber alle über etwas anderes: Apple wird künftig keine Verkaufszahlen mehr ausweisen.

Es ist Montagmorgen und somit schon ein paar Tage her, dass Apple seine Quartalszahlen verkündet hat. Diese Verspätung ist eine Premiere für unser Blog und war so nicht geplant. Der viel zu frühe Tod Roberts hat es mir Freitag ehrlich gesagt unmöglich gemacht, irgendeinen Satz zu Quartalszahlen geradeaus schreiben zu können. Weil Zahlen auf einmal auch nicht mehr wichtig sind, wenn sich eine solche Katastrophe ereignet. Ich muss zugeben, dass es sich nach nur einem Wochenende logischerweise noch kein bisschen weniger schlimm anfühlt, trotzdem müssen wir hier irgendwie weiter machen und deswegen hoffe ich diesbezüglich ein bisschen auf eure Unterstützung bzw. auf euer Verständnis, wenn wir jetzt noch nicht ganz zu gewohnter Form zurückkehren.

Dennoch kommt jetzt nach dieser ungewöhnlichen Einleitung der harte Schnitt und der Wechsel zum Thema Apple. Vom News-Wert her bräuchten wir heute so eine Geschichte nicht mehr aufwärmen, aber das Unternehmen aus Cupertino spielt auch in dieser Hinsicht auf unserem Blog eine besondere Rolle: Für keinen anderen der Tech-Giganten listen wir Umsätze, Gewinne und Verkaufszahlen seit 2009 auf und keine anderen Quartalszahlen haben wir in der Vergangenheit alle drei Monate so akribisch analysiert wie die von Apple.

An dieser Stelle könnten wir jetzt eigentlich auf Textbausteine zurückgreifen: Irgendwas mit “Rekord”, “Gewinnsteigerung” oder “dank iPhone” passt da eigentlich immer. Nennen wir zunächst mal die beiden wichtigsten Zahlen: Nachdem es im vierten Quartal des letzten Jahres einen Umsatz von 52,6 Milliarden US-Dollar zu verzeichnen gab, stieg dieser Betrag im aktuellen Jahr auf fette 62, Milliarden US-Dollar an. Steil nach oben ging es auch beim Gewinn: 10,7 Milliarden US-Dollar Gewinn wurden in Q4/17 erzielt — in Q4/18 sind es mit 14,1 Milliarden US-Dollar deutlich höhere Erträge, über die man sich in Cupertino freuen darf. Wo sich diese Zahlen im Vergleich zu den vergangenen Werten seit 2009 einordnen, seht ihr wie immer hier in unserer Übersicht:

Apple Verkaufszahlen Q4/18: Die letzten ihrer Art

Wenn wir heute das Gefühl haben, auch mit Verspätung über die Quartalszahlen berichten zu müssen, dann hängt das nicht nur damit zusammen, dass wir diese Zahlen stets besonders akribisch notieren und aufbereiten. Es hängt auch damit zusammen, dass dieser Artikel der letzte ist, in welchem wir über diese Zahlen so diskutieren können, wie wir es stets getan haben.

Den Grund liefert Apple selbst: Im obligatorischen Call, der nach dem Verkünden der Quartalszahlen stattfand, ließ man durchblicken, dass man künftig keine Verkaufszahlen der einzelnen Produktsparten verkünden wird. Bedeutet, dass wir nicht mehr aus erster Hand erfahren werden, wie viele iPhones, iPads oder Macs in den letzten drei Monaten verhökert wurden.

Wieso das so ist? Apple selbst lässt verkünden, dass diese Zahlen über so einen knappen Zeitraum schlicht keine Relevanz und Aussagekraft hätten. Kann man so sehen und in der Tat ist es kein Novum, dass solche Zahlen nicht genannt werden — die Konkurrenz verzichtet längst weitestgehend darauf.

Trotzdem können wir uns aber natürlich die Frage stellen, woher dieser Sinneswandel kommt und bei der Suche nach einer Erklärung werden wir eventuell bei den letzten Quartalszahlen fündig. Vor drei Monaten schrieb ich:

Man verkauft nur unwesentlich — ein Prozent — mehr Smartphones als im Vorjahresquartal. Bedeutet, dass Apple in Q3/18 41,3 Millionen Smartphones verkauft hat, während es im letzten Jahr 41,026 Millionen Einheiten waren. Und der Knalleffekt dieses Tricks: Der Umsatz ist bei diesem einem Prozent mehr verkaufter Hardware dennoch um — Trommelwirbel — 20 Prozent gestiegen von 24,8 auf 29,9 Milliarden US-Dollar!

Diese Nummer konnte Apple jetzt erneut durchziehen: 46.677.000 iPhones waren es im 4. Quartal des letzten Jahres, 46.889.000 waren es nun und damit können wir festhalten, dass die Stückzahlen stagnieren. Okay — es sind etwas mehr als 200.000 Geräte mehr, was angesichts der Zahl von etwa 46 Millionen iPhones dennoch verschwindend gering ist.

Wie im letzten Quartal drückt sich dieses Stagnieren aber nicht negativ auf Apples Konto aus, denn der Umsatz allein mit dem iPhone erhöhte sich gegenüber dem Vorjahresquartal um knapp 30 Prozent. Da kann man schon nachvollziehen, dass sich die Kalifornier künftig lieber mit den weiter kräftig steigenden Umsätzen brüsten als mit stagnierenden Verkaufszahlen.

Beim Mac und dem iPad wären die Apple-Menschen ja sogar schon glücklich, würden die Zahlen dort stagnieren. In diesen Sparten geht es nämlich sogar bergab, was speziell beim iPad sogar ziemlich deutlich der Fall ist. Werft jetzt also zum letzten Mal einen Blick auf die explizit ausgewiesenen Stückzahlen, die Apple binnen eines Quartals ausliefern konnte:

Künftig müssen wir uns also auf das beziehen, was die Analysten so an Zahlen raushauen und ganz ehrlich: Auf diesen Spekulations-Zirkus hab ich wenig Bock! Bedeutet also, dass auch unsere Berichterstattung anlässlich der Quartalszahlen ein klein wenig anders aussehen wird und ich mich tendenziell eher nicht auf Analystenzahlen stützen möchte.

Weswegen Apple diesen Schritt tatsächlich geht, werden wir dem Unternehmen vermutlich auch nicht entlocken können. Ob man kaschieren möchte, dass das iPhone eben nicht noch öfter verkauft werden kann als bislang, oder ob man generell einfach ein wenig mehr von dem Image eines iPhone-only-Unternehmens loskommen will — wir wissen es nicht.

Ich bin sicher, dass Apple auch künftig Wege finden wird, um noch mehr Kohle zu scheffeln, auch wenn beim iPhone so langsam tatsächlich mal eine preisliche Schmerzgrenze erreicht sein sollte. Schließlich wollen ja auch die Börsianer beruhigt werden. Bei den Services werden die Mannen um Tim Cook ebenfalls weiter zulegen, davon dürfen wir wohl ausgehen. Und irgendwann wird sicher auch ein iCar präsentiert, mit dem vielleicht dann das ganz große Geld-Kassieren wieder von vorne losgeht und einen erneuten Apple-Boom auslöst. Das ist allerdings noch unbestätigte Zukunftsmusik, aber Gedanken machen ist ja durchaus erlaubt.

Was glaubt ihr, woran es liegt, dass Apple sich zu diesem Schritt entschlossen hat und was denkt ihr, wie sich das Unternehmen weiter entwickeln wird?

Quelle: Apple