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Apple Quartalszahlen Q4: Service, AirPods – und ein paar iPhones

Apple legt Quartalszahlen für Quartal 4 vor und räumt wieder mächtig ab. Verdanken tut man das auch dem iPhone, zunehmend mehr aber den Diensten und dem Hype um die AirPods.

von Carsten Drees am 31. Oktober 2019

Derzeit rauschen überall wieder die Quartalszahlen der verschiedenen Unternehmen rein, am meisten beachtet in unserer Tech-Blase sind aber nach wie vor die Ergebnisse aus Cupertino. Wie immer hat Apple seine Zahlen im typischen Selbstbeweihräucherungs-Rekordergebnis-Verkündigungs-Stil vorgetragen, wie ihr hier nachlesen könnt.

We concluded a groundbreaking fiscal 2019 with our highest Q4 revenue ever, fueled by accelerating growth from Services, Wearables and iPad. With customers and reviewers raving about the new generation of iPhones, today’s debut of new, noise-cancelling AirPods Pro, the hotly-anticipated arrival of Apple TV+ just two days away, and our best lineup of products and services ever, we’re very optimistic about what the holiday quarter has in store. Tim Cook, Apple CEO

Soll man dem Unternehmen Arroganz oder Selbstüberschätzung vorwerfen, weil sie ihre zweifellos herausragenden Zahlen so präsentieren? Nö, denke ich nicht, denn Tim Cook hat es mit dem obigen Zitat ja durchaus realistisch zusammengefasst: Obwohl die Zahlen beim iPhone mehr und mehr nachlassen, ist es Apple gelungen, mehr Umsatz zu erzielen als jemals zuvor in einem vierten Quartal.

Das verdankt man der immer stärker werdenden Service-Sparte, die in wenigen Tagen mit Apple TV+ Zuwachs bekommt, aber auch dem Hype um die AirPods, wo es dank der neuen AirPods Pro auch nochmal kräftig in der Kasse klingeln wird im Weihnachtsgeschäft. Wenn iPhones und auch die Macs schwächeln, kompensiert man das in Cupertino mittlerweile spielend durch andere Hardware wie die AirPods oder auch die iPads in diesem Fall — und eben durch die Dienste wie Apple Music, die Gaming-Plattform Apple Arcade und viele andere Services.

Apple Q4/2019 – Umsatz und Gewinn

Schauen wir mal auf die nüchternen Zahlen des vierten fiskalischen Quartals: Der Umsatz liegt mit etwas mehr als 64 Milliarden US-Dollar zwei Prozent oberhalb des Wertes vom Vorjahr, 60 Prozent davon wurden international erzielt. Beim Gewinn verschlechterte man sich allerdings von 14,1 Milliarden US-Dollar auf 13,7 Milliarden US-Dollar, was einem erneuten Rückgang der iPhone-Verkäufe geschuldet ist.

Im abgelaufenen Quartal wurden mit den Mobiltelefonen etwa 33,4 Milliarden US-Dollar Umsatz gemacht — was beim Blick auf den Gesamtumsatz bedeutet, dass mittlerweile fast die Hälfte der Kohle ohne das iPhone erzielt werden kann. Zwar lag man im dritten Quartal dieses Jahres sogar schon mal bei über 50 Prozent Umsatz abzüglich des iPhones, aber der Trend bleibt dennoch klar erkennbar.

Die Services (Allzeithoch mit 12,5 Milliarden US-Dollar Umsatz) sind dabei aber nicht das einzige Pferd, welches Apple ins Rennen um die Kundengunst schickt: Die Hardware-Mischung passt derzeit einfach bei den Jungs und Mädels mit dem angebissenen Apfel. Das iPhone spült trotz starker Konkurrenz und etwas verblassendem Glanz Quartal für Quartal wahnsinnige Summen in die eh schon prall gefüllte Kriegskasse, dazu kommt die den Smartwatch-Markt dominierende Apple Watch und die aktuell absolut angesagten AirPods, jetzt auch in der Pro-Ausführung. Wearables und Zubehör haben im abgelaufenen Quartal immerhin 6,5 Milliarden Dollar Umsatz eingebracht. Wisst ihr noch, was anfangs über die in ihrer Form ungewöhnlichen AirPods gelacht wurde? Heute lacht niemand mehr, am wenigsten die Konkurrenz.

Mit seinem aktuellen Portfolio präsentiert sich Apple vermutlich noch besser fürs Weihnachtsgeschäft gerüstet als in den letzten Jahren zuvor. Insgesamt konnte Apple bei seinem Zubehör den Umsatz in diesem Quartal um 54 Prozent steigern und es wird spannend sein zu sehen, ob man im nächsten Quartal inklusive Weihnachtsgeschäft ähnliche Quoten abliefert, oder ob da dann das iPhone wieder eine wichtigere Rolle einnimmt.

Aber es bleibt dabei, was wir mittlerweile schon seit ein, zwei Jahren wiederholen: Der Umbau von Apple ist in vollem Gange, der Mix aus Diensten und Hardware wird immer besser und das Portfolio komplexer. Es sieht nicht so aus, als ob sich Apple da irgendwo verpokert hat — im Gegenteil: Sie zeigen der Konkurrenz auf, wie es geht. Apples Ökosystem funktioniert und man muss kein Prophet sein um vorherzusagen, dass das auch bei den nächsten Quartalszahlen in drei Monaten wieder bestätigt wird.

Man wirft dem Unternehmen oft — und teilweise berechtigt — vor, dass man nicht mehr so innovativ ist wie vor zehn Jahren und sowohl Apple selbst als auch das iPhone deutlich an Strahlkraft verloren haben. Finanziell und strategisch betrachtet kann man Apple hingegen derzeit nichts vorwerfen und das erfreut Apple, Apples Kunden und nicht zuletzt die Börse.

Quelle: Apple