Analyse
Apple Quartalszahlen: … und das iPhone X verkauft sich doch!

Erneut legt Apple rekordverdächtige Quartalszahlen vor und Unkenrufen zum Trotz verkauft sich das iPhone X augenscheinlich äußerst gut.

Es ist wieder einmal so weit: Apple stellt neue Zahlen fürs abgelaufene Quartal vor und die komplette Tech-Welt blickt auch dieses mal wieder gespannt auf die Ergebnisse aus Cupertino. Auch wir analysieren immer wieder die Entwicklungen und auch für das 2. Quartal 2018 ziehen wir den Vergleich zu den vorherigen Ergebnissen.

Bei den aktuellen Zahlen war im Vorfeld die Spannung besonders groß, weil immer und immer wieder berichtet und vermutet wurde, dass sich das Apple iPhone X deutlich schlechter verkauft, als man sich das in Apples Chefetage und unter Analysten so vorgestellt hatte. Wie schon im letzten Quartalsbericht bestätigen sich diese Unkenrufe allerdings wohl eher nicht. Wieder liefert Apple ein äußerst solides Quartal ab und liefert sogar neue Rekorde: Umsatz und auch Gewinn waren niemals höher in einem der vorherigen März-Quartale, weswegen Tim Cook stolz verkündet:

We’re thrilled to report our best March quarter ever, with strong revenue growth in iPhone, Services and Wearables. Customers chose iPhone X more than any other iPhone each week in the March quarter, just as they did following its launch in the December quarter. We also grew revenue in all of our geographic segments, with over 20% growth in Greater China and Japan. Tim Cook, CEO von Apple

Der Blick auf den Vorjahresvergleich zeigt auch, wie routiniert Apple finanziell betrachtet seine Bahnen zieht: Der Umsatz lag in Q2/17 bei etwa 52,9 Milliarden US-Dollar und erhöhte sich nun um fast 16 Prozent auf 61,1 Milliarden US-Dollar. Noch stärker zog der Gewinn an, denn die aktuell erreichten 13,8 Milliarden Dollar bedeuten ein Plus von 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Das iPhone X hat einen sehr großen Anteil an dieser positiven Entwicklung, allerdings profitiert Apple auch von einer deutlich niedrigeren Steuerlast. 65 Prozent des Umsatzes wurden zudem — wie im selben Quartal des Vorjahres auch — nicht in den USA erwirtschaftet. Zuwächse gab es rund um den Erdball, am stärksten wuchs man aber in Japan und „Greater China“ (China inklusive Taiwan und Hong Kong) mit jeweils über 20 Prozent.

Wie sich das Ergebnis verhält gegenüber den jeweiligen Quartalen der letzten Jahre seht ihr in unserer Übersicht der Quartalszahlen Apples seit 2009:

Apple Verkaufszahlen 2/18: … und die Leute kaufen es doch!

Die Geschichte von dem phänomenalen iPhone X, welches sich erstaunlich schlecht verkauft, können wir jetzt wohl langsam ins Reich der Märchen verbannen, denn auch in diesem Quartal zeigt sich wieder, dass das Interesse an diesem Smartphone durchaus ein großes zu sein scheint. Wenn ich das bewusst vorsichtig ausdrücke, dann deshalb, weil Apple uns ja nach wie  vor leider nicht den Gefallen tut, seine Zahlen nach verkauften iPhone-Modellen aufzubröseln.

Apple iPhone: Bisschen mehr Umsatz, viel mehr Gewinn

Wie schon zuvor, bringt Apple auch dieses mal wieder das Kunststück fertig, beim Gewinn deutlich mehr zuzulegen als beim Umsatz. Oder anders formuliert: Auch, wenn die Kalifornier „nur“ 52,2 Millionen Geräte verkauft haben, was einem eher mageren Zuwachs von drei Prozent entspricht, so zog der Gewinn um satte 14 Prozent an auf knapp über 38 Milliarden US-Dollar!

Tim Cook lässt uns auch ohne konkrete Zahlen zum iPhone X in der Pressemitteilung wissen, dass dieses Handset sich weltweit besser verkauft hat als jedes andere Smartphone-Modell, also auch inklusive der Konkurrenz aus eigenem Hause in Form des iPhone 8 und des iPhone 8 Plus. Dass auch das teurere iPhone X weg geht wie geschnitten Brot erkennt man auch am Durchschnittspreis, den Apple mit einem verkauften iPhone erzielt: Auch der stieg nämlich an auf nunmehr 728 US-Dollar pro Gerät.

Apple iPad: Unverhofft kommt oft

Eher ungewöhnlich ist im Vergleich zum iPhone das Ergebnis des iPad in Q2 dieses Jahres. Nachdem Tablets in den vergangenen Jahren — auch bei Apple — stetig mit geringerer Nachfrage leben mussten, zieht diese Sparte im jetzt abgelaufenen Quartal sogar leicht an. Dabei spielt übrigens auch das neue 9,7″ iPad mit Pencil-Unterstützung noch keine Rolle, denn das wurde erst Ende März vorgestellt, also am Ende des für den Quartalsbericht berücksichtigten Zeitraums.

In Zahlen ausgedrückt sieht das wie folgt aus: Im selben Quartal des Vorjahres konnten mit 8,9 Millionen verkauften iPads Umsätze in Höhe von etwa 3,89 Milliarden US-Dollar erzielt werden. In Q2/18 stieg der Umsatz nun aber auf 4,11 Milliarden US-Dollar an und das bei etwas mehr als 9,1 Millionen verkauften Tablets. Das neue iPad findet wie gesagt erst im nächsten Quartal Berücksichtigung, so dass auch die Aussichten für Q3 nicht die schlechtesten sein dürften.

Mac, „Other Products“ und Services

Bei dieser Gegenüberstellung, mit der Mac-Sparte auf der einen Seite und den Services auf der anderen, kann man vermutlich recht gut ablesen, dass sich auch das Unternehmen Apple in starkem Wandel befindet. Der Umsatz zog bei den Macs minimalst an, die Stückzahlen allerdings sind rückläufig. Waren es vor einem Jahr noch knapp 4,2 Millionen Rechner, die über die Ladentheken wanderten, so sank die Zahl nun um etwa drei Prozent auf 4,01 Millionen Geräte.

Berücksichtigen müssen wir, dass das Apple MacBook Pro im Vorjahr aktualisiert wurde, was im Vorjahresquartal für tollere Zahlen sorgte und dementsprechend jetzt erklären dürfte, wieso in diesem Jahr weniger Macs gekauft werden. Dazu kommt auch, dass bei den günstigeren Modellen schon länger Flaute herrscht, was neue Modelle angeht.

Bei der Kategorie der „Other Products“, zu denen auch die Apple Watch gehört, konnte Apple hingegen mit einem Umsatzplus von 38 Prozent mächtig punkten. Umso ärgerlicher, dass Apple hier keine einzelnen Zahlen preisgibt und wir uns somit auf die Aussage Cooks verlassen müssen, dass sich die Uhr ausgesprochen gut verkauft.

Und auch bei den Services sieht es weiterhin blendend aus. Die Dienste, zu denen u.a. Apple Pay und Apple Music gehören, werden nach wie vor zunehmend wichtiger und mit einem Umsatzzuwachs von 31 Prozent liegt Apple da jetzt schon bei knapp 9,2 Milliarden US-Dollar Umsatz. Wir nähern uns hier also dem zweistelligen Milliarden-Bereich und das bedeutet, dass Apple neben dem iPhone hier nun eine weitere wichtige Säule hat, die den Erfolg des Unternehmens sicherstellt. Nicht mehr lange und Apple erzielt mit diesen Services mehr Umsatz als mit den Macs und iPads zusammen.

Hier haben wir wie gewohnt auch die Übersicht der verschiedenen Sparten und den jeweiligen Verkaufszahlen, ebenfalls seit 2009:

Abschließend können wir wieder einmal konstatieren, dass Apple wie so häufig zuvor seine Kritiker und auch viele Analysten Lügen strafte und erneut ein bärenstarkes Quartal absolviert hat. Wir dürfen sehr gespannt sein, wie sich dieses Jahr weiter entwickelt, wenn es eben kein Jubiläums-iPhone außer der Reihe gibt und auch bei den Macs und iPads keine Wunderdinge zu erwarten sind. Schwarzmalen werde ich aber angesichts der soeben veröffentlichten Spitzenzahlen ganz sicher nicht – also zumindest jetzt noch nicht ;)

Quelle: Apple